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Bücher: Mick Jagger

norman, phillip - mick jagger

Billy J. Altman & Valeria Manferto de Fabiantis

MICK JAGGER
EIN SPEKTAKULÄRES LEBEN

Klar, als Pin Up Boy der Generation ,,Beat Club“ war Mick Jagger aus kaum einem Jugendzimmer wegzudenken, und irgendwie ist dieses leicht zerfurchte Gesicht des mittlerweile Siebzigjährigen noch immer – äh –interessant. Mick Jaggers Leben mit wenig Text und vielen Bildern zu erzählen, ist nicht unbedingt die originellste Idee, ausgewiesene Stones-Fans dürften die meisten Fotos ohnehin schon kennen. Für Komplettisten und Nerds ist der von Valeria Manferto de Fabiantis bebilderte und von Billy J. Altman betextete Band im Großformat aber sicher dennoch begehrenswert. Zudem: Man kriegt an ein und demselben Subjekt vorgeführt sich über die jahrzehnte Moden und Attitüden im Rock.Business veränderten, was durchaus launig ist. Die Bildunterschriften wirken bisweilen aber ein wenig hingeschludert, wenn da etwa Mick Jagger beim „Rock’n’Roll Circus“ mit zwei auch nicht ganz unbekannten Musikern geknipst wurde, dann wäre schon schön, wenn der Leser erführe, dass es sich dabei um Keith Moon und Pete Townshend von The Who handelt. Was aber einfach unterschlagen wird, denn es geht ja nur um Mick. Also: reines Fan-Futter.

Text:
Uwe Schleifenbaum

Vinyl: Dire Straits

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dire straits
THE COMPLETE STUDIO ALBUMS 1978-1991 VINYL BOX

Mit den Sultans Of Swing auf Zeitreise: sechs Studioalben kompakt.

Was für ein Timing! Inmitten der auf Umsturz gepolten Ära der Punk- Revolution debütiert 1978 ein britisches Quartett mit, gemessen am damaligen Zeitgeist, geradezu anachronistischen Stilübungen: Neun von Sänger und Gitarrist Mark Knopfler komponierte Songs enthält der von Muff Winwood produzierte Erstling DIRE STRAITS, der sich binnen weniger Monate nach Erscheinen weltweiter Popularität erfreut. Vor allem bei Hörerschichten, die sich musikalisch in den 60er Jahren sozialisierten und aktuellen Errungenschaften wie den Sex Pistols oder The Clash nichts abgewinnen können. Mit Abstand von 35 Jahren tönen die längst zu Klassikern avancierten Debütsongs ›Water Of Love‹, ›Setting Me Up‹ und ›Southbound Again‹ mit Überblendung aus J.J. Cales Laid Back, Bob Dylans Näselgesang und Knopflers einzigartigem Gitarrenspiel absolut zeitlos. Die Auskopplung ›Sultans Of Swing‹ zählt gar zu den Jahrhundertsongs. Als nicht ganz so erfolgreich erweist sich für Knopfler, seinen Bruder David an der Rhythmusgitarre, Bassist John Illsley und Schlagzeuger Pick Withers ein Jahr später das von Barry Beckett und Jerry Wexler recht glatt produzierte COMMUNIQUÉ – die erste Nummer eins in Deutschland: Eine exakte Blaupause vom Debüt mit nicht ganz so erstklassigem Material, der übersehenen Single ›Lady Writer‹ und weltweit in die Millionen gehenden Absatzzahlen. Den durch Übernachterfolg schwindlig gewordenen Knopfler drängt die rhetorische Frage: ›Where Do You Think You’re Going?‹. MAKING MOVIES gibt 1980 die Antwort in einer Co-Produktion von Jimmy Iovine und Knopfler: Ganz großes Breitwandkino, angeschoben durch die Singlesauskopplungen ›Romeo And Juliet‹, ›Expresso Love‹, ›Skateaway‹, ›Tunnel Of Love‹ und ›Solid Rock‹. Die Verkäufe schnellen weltweit noch weiter in die Höhe. Unschön ist David Knopflers Abgang inmitten der Aufnahmen, doch latente Rivalitäten unter den Brüdern gab es von Anbeginn. Mit dem Rhythmusgitarristen Hal Lindes und Keyboarder Alan Clark an Bord entsteht 1982 LOVE OVER GOLD, das die Singles ›Private Investigations‹ und ›Industrial Disease‹ sowie noch mehr Nummer-eins-Positionen produziert. Auf dem famosen ›Telegraph Road‹ spielt Knopfler das Gitarrenmodell 1937 National Steel, welches das nächste Cover zieren wird: BROTHERS IN ARMS katapultiert 1985 die Band endgültig in den Rock- Olymp. Ein perfektes Werk, das mit mehr als 30 Millionen verkauften Kopien sämtliche bis dato von Dire Straits gewohnte Rekorde sprengt. Einmal mehr stehen Besetzungswechsel an: Terry Williams übernimmt das Schlagzeug (allerdings spielt auf dem Album Jazzvirtuose Omar Hakim!), Guy Fletcher kommt als zusätzlicher Keyboarder hinzu und diverse Studiomusiker ergänzen virtuos. Insgesamt acht Singles stehen zur Auskopplung bereit, darunter das mit Sting co-komponierte ›Money For Nothing‹ mit der ironischen Zeile „I want my MTV“, das verhalten swingende ›So Far Away‹, das ein wenig zickige ›Walk Of Life‹ sowie der etwas zu sentimental geratene Titelsong über die Aussöhnung der Brüder Knopfler. Abschied feiern Dire Straits 1991 mit ON EVERY STREET – der einzigen Gruppenproduktion von Knopfler, Illsley, Clark und Fletcher. Diverse Studiomusiker, darunter die Schlagzeuger Jeff Porcaro und Manu Katché, leisten Schützenhilfe. Sechs Singles (u.a. ›Calling Elvis‹) und abermalige internationale Pole- Position-Superlativen sorgen für einen Abgang auf noch hohem Niveau.

Vorschau: Kate Bush

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Photo of Kate BUSHDieses einzigartige und wundervolle Talent hat schon immer außerhalb der Norm existiert — denn niemand macht Musik wie Kate Bush.

Die wahrscheinlich wichtigste und einflussreichste Sänger, Songwriterin und Musikerin, die Großbritannien je hervorbrachte, wurde im Alter von 15 Jahren „entdeckt“, als eine Demo-Kassette von ihr ihren Weg zu David Gilmour von Pink Floyd fand. Er hielt die Stücke für „eigenwillig… aber ich war von Anfang an davon überzeugt, dass dieses Mädchen ein bemerkenswertes Talent hatte“. Schon bald hatte EMI sie unter Vertrag genommen und zunächst für zwei Jahre mit einem Vorschuss versorgt. Während dieser Zeit verfeinerte sie ihre Begabung, übte Klavier und Tanzen und wurde immer produktiver.

Gerade als das Label bereit war, seinen Protégé zu lancieren, kam der Punk auf. EMI war trotzdem unbeirrbar und wollte ›James And The Cold Gun‹ als erste Single veröffentlichen, bis sie das Label mittels eines Tränenausbruchs überzeugte, ›Wuthering Heights‹ den Vorzug zu geben. Es wurde die erste selbstverfasste UK-Nr.-1-Single einer Frau. Ihr Debütalbum THE KICK INSIDE erreichte im Februar 1978 Platz 3.

EMI, die das Genie der jungen Kate mit großer Sorgfalt gefördert hatten, sahen nun, dass sie ein auffälliges, theatralisches Aushängeschild mit Pin-up- und Superstarpotenzial hatten und drängten sie übereilig zum Nachfolgealbum LIONHEART. Ihre erste und einzige Tournee wurde zu einem Triumph, aber die Betonung auf ihr Aussehen plagte Bush, die sich fortan jeder Form der Promotion verweigerte — außer Videos, in denen sie brillierte. Zusammen mit ihrer Familie nahm sie das Geschäftliche selbst in die Hand, worunter NEVER FOR EVER (1980) sicher nicht litt: Es wurde ihr erstes Nr.-1-Album. Je mehr sie sich dem Licht der Öffentlichkeit entzog, desto faszinierter waren wir alle von dieser einzigartigen Stimme.

THE DREAMING signalisierte eine Abkehr vom kommerziellen Pop (obwohl auch ihre bis- herigen Hits schon grandios exzentrisch gewesen waren) hin zu wilderen Experimenten. HOUNDS OF LOVE von 1985 wird generell als ihr Meisterwerk angesehen, das Prog-Art-Suiten über Tod und Gott mit außergewöhnlichen, packenden Hitsingles wie ›Running Up That Hill‹ verband. Über das folgende Jahrzehnt ließ sie sich immer weniger blicken, doch ihr Charisma wuchs weiter, während THE SENSUAL WORLD und THE RED SHOES einige ihrer besten Stücke hervorbrachten.

Zwölf Jahre vergingen, bevor sie AERIAL veröffentlichte, ein Loblied auf das mittlere Alter und die Mutterfreuden. Und dann erschienen vorletztes Jahr unerklärlicherweise gleich zwei Alben: eines mit eigenartigen Neuinterpretationen, eines komplett über Schnee. Einmal mehr bestätigten sie zwei Dinge: 1. Kate Bush steht – oder vielmehr schwebt – abseits der Norm des Alltäglichen. 2. So viele Nachahmerinnen sie haben mag, macht doch niemand Musik wie sie.

 

Chris Roberts

Technik: NINO951-MYO Cajon-Bausatz

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Musizieren und Basteln in einem — und das alles für den schmalen Geldbeutel: eine Art Ü-Ei in rechtwinkliger Form!

NINO951-MYOSchlummert in Ihnen möglicherweise ein Rhythmusgenie? Suchen Sie etwa den Einstieg ins aktive Musik machen, möchten Sie auch ohne dicken Geldbeutel mal ausprobieren, wieviel Spaß musizieren machen kann? Und das alles ohne schallisolierten Übungsraum. Trotz geräuschempfindlicher Nachbarn? Sondern in einer Zweizimmerwohnung maximal 38 Quadratmeter groß? Sofort, ohne zweijährigen Kurs an der Volkshochschule? Wenn sie darüber hinaus auch noch handwerklich interessiert/geschickt sind, ist der Bausatz der Nino Cajon das perfekte Angebot. Denn die Cajon zählt zu den beliebtesten Percussion-Instrumenten überhaupt. Umso besser, wenn sie sich via Bausatz kinderleicht selber bauen lässt.

Es ist in der Tat ganz einfach: Die dem Set beiliegende Anleitung führt mit ausführlichem Text und vielen Bildern Schritt für Schritt durch die Montage. Korpus und Spielfläche bestehen aus baltischem Birkenholz (Betula), ein Snare-Teppich sorgt für den typischen Cajon-Sound. Die Nino „Make Your Own Cajon“ hat fertig montiert Abmessungen von 38x26x26 cm (HxBxT) und ein Gewicht von 2,8 kg. Vier Gummifüße sorgen für einen sicheren Stand.

Achtung, anschließend ist auch der kreativen Selbstverwirklichung Tür und Tor geöffnet, denn nach dem Zusammenbau lässt sich die Cajon individuell bemalen und lackieren. Wer dabei selbst kein geeignetes Motiv findet, kann auf die mitgelieferten Malschablonen zurückgreifen. Prinzipiell sind der Fantasie bei der Gestaltung keine Grenzen gesetzt, sprich: jeder nach eigenem Gusto und künstlerischer Fähigkeit. Deshalb sollte man in diesem Fall auch den pädagogischen Effekt unbedingt herausstellen: Der Cajon-Bausatz eignet sich perfekt auch für alle Schulklassen — egal ob für den Werkunterricht, Kunstunterricht oder Musikunterricht.

Ach, eines noch: Wer sich anschließend zur Weltkarriere als virtuoser Cajon-Spieler aufschwingt, darf sich beim nächsten Mal auch gerne eine individuelle Cajon maßanfertigen lassen. Fürs erste Mal ist Nino „Make Your Own Cajon“ jedoch der perfekte Einstieg.

Bezeichnung: NINO951-MYO
Abmessungen: 38x26x26 cm (HxBxT)
Gewicht: 2,8 kg
Material: baltisches Birkenholz (Betula)
Besonderheit: eingebauter Snare-Teppich
Inklusive Montageanleitung in neun Sprachen, Gummifüße, alle benötigten Schrauben
Altersempfehlung: ab fünf aufwärts
Preis: 33,90 Euro

Neuigkeiten zu: Slash

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Slash 01 bw 2010

SLASHER FILM
Der Gitarrist über seinen neuen Film und mehr.

Als lebenslanger Horrorfan steckt Slash mit seiner Firma Slasher Films hinter „Nothing Left To Fear“. Der Gitarrist hat den Film nicht nur coproduziert, sondern auch dessen Soundtrack geschrieben, eingespielt und produziert.

Interview:

„Nothing Left To Fear“ ist der erste Film von Slasher. Ist er gruselig?
Nun, ohne zuviel verraten zu wollen, entwickelt sich die Geschichte ziemlich klassisch, die meiste Zeit erfährt man also nur etwas über diese junge Familie in einer Stadt. Wenn dann alles eskaliert, rechnest du fast nicht damit. Du entspannst dich so sehr und wenn es dann abhebt, denkst du nur, „Oh, Scheiße!“ Und dann wird’s wirklich gruselig. Gestern Abend hatten wir eine Vorführung und ich war sehr glücklich darüber, wie das Publikum reagiert hat.

Es geht also um eine Stadt über dem Tor zur Hölle?
Yeah. Der Film spielt in Stull, einer echten Stadt und angeblich eines der sieben Tore zur Hölle. Viele Menschen glauben das tatsächlich. Es hat eine sehr durchwachsene Vergangenheit, die bis ins 18 Jahr- hundert zu den Hexenverbrennungen zurückreicht, und es gibt dort einen Friedhof, der tatsächlich das Tor sein soll.

Was ist die Herausforderung beim Schreiben eines Horror-Soundtracks?
Das kreative Element daran, das mir wirklich gefiel, war, mich hinzusetzen und musikalische Ideen, basierend auf den Charakteren und der Geschichte selbst zu entwickeln. Das Ding dabei, professionell Filmmusik zu machen, ist, dass ich Erfahrung mit der Synchronisierung und sowas habe, aber ich habe nie viel Zeit damit verbracht, es zu lernen. Also erfand ich einfach Zeug innerhalb des Rhythmus des Films. Ich hatte meinen Soundtrack-Partner Nicholas O‘Toole, und er hat natürlich alles Wissen der Welt und konnte das, was ich da machte, in den Film hinein interpretieren. Du fandst die Musik unheimlich? Sehr gut. Beim Rock‘n‘Roll sollst du einfach nur fühlen, als wolltest du dein fucking Auto von einer Klippe fahren. Bei Horrormusik sollst du dich richtig unwohl fühlen.

Da sind zwar Gitarren, aber es hat eine andere Atmosphäre.
Yeah, aber wir hatten nie die Absicht, dass das gitarrengetrieben wird. Und ich weiß, dass die Leute automatisch zwei Dinge von mir erwarten werden: dass der Soundtrack komplett Metal oder Rock‘n‘Roll ist, und dass es in dem Film um Gore, Blut und Eingeweide geht. Keins von beiden ist zutreffend. Ich persönlich bin kein großer Gore-Fan. Ich mag es etwas mysteriöser und weniger-ist-mehr. In Sachen Musik ist jeder Film anders, und dieser bot sich eher für ein dramatischeres, orchestraleres Gefühl an. Also schrieb ich auf der Gitarre, aber transponierte das dann auf andere Instrumente für verschiedene Atmosphären. Vielleicht kommt ja mal eine Geschichte, die einfach nach einer nackten akustischen Gitarre über die gesamte Länge verlangt.

Myles Kennedy klingt auf dem Titeltrack sehr gruselig.
Yeah. Ich gab ihm die Musik und ihm fiel dann diese großartige Melodie dazu ein. Das ist exemplarisch für die tolle Chemie, die zwischen uns besteht. Egal, was ich schreibe, ihm fällt meistens etwas dazu ein. Das ist sehr ungekünstelt.

Ist es schwieriger, Slasher Films zu leiten, als du erwartet hättest?
Nun, ich hatte nie geplant, Produzent zu werden, also hatte ich keine wirklichen Erwartungen. Ich denke, was mich am meisten überrascht hat, als ich dann so richtig daran arbeitete, war, wie langsam die Filmindustrie tatsächlich ist. Es gibt viele Anrufe und E-Mails, man wartet viel auf Meetings, um das Geld zusammenzukratzen und alle unter einen Hut zu bringen. Es hat drei Jahre gedauert, diesen Film zu machen, aber nur 20 Tagen, um ihn zu drehen.

Unterhältst du dich mit Rob Zombie darüber?
Weißt du, das ist die häufigste Frage: Sind Rob Zombie und ich die einzigen Rock-Filmemacher da draußen? Irgendwie sind wir das. Wir spielten mal zusammen in Australien, glaube ich, und ich weiß noch, wie wir uns mal ausgerechnet im fucking Fitnessstudio über den Weg liefen. Ich sagte ihm, dass ich Filme produziere, und er hat da natürlich schon viel Erfahrung. Wir unterhielten uns, aber nur so weit, dass wir sagten, dass es interessant wäre, zusammenzuarbeiten. Und haben es so ziemlich dabei belassen.

Du bist ja ein Horrorfilm-Liebhaber. Was ist dein Lieblingsfilm?
Das ist wirklich schwer. Ich liebe „Das Omen“ und „Der Exorzist“. Ich denken, das waren meine größten Einflüsse aus den 70ern. Das waren große Produktionen mit aufwendiger Story, nicht anders als ein Drama, y‘know? Dann „Die Nacht der lebenden Toten“ und „Blutgericht in Texas“, die ähnlich geartet waren und immer sehr wichtig und gruselig sein werden. Dann kommt die Pseudo-Science-Fiction wie „Alien“. Oder offensichtliche Sachen aus den 30ern wie „Dracula“, „Die Mumie“, „Frankenstein“, „Frankensteins Braut“…all die großen „creature features“, die jeden beeinflusst haben. In jüngerer Vergangenheit gab es den ersten „Saw“. Seit den späten 80ern werden sie aber seltener.

Irgendwelche Updates zu Velvet Revolver oder Kings Of Chaos?
Zu Velvet Revolver nicht. Es sind gerade ein paar Shows mit Kings Of Chaos im Gespräch, aber momentan wird darüber wirklich nur geredet. Und ich bin gerade am Anfang der Vorproduktionsphase mit meiner Band für das nächste Myles Kennedy & The Conspirators-Album, das nächstes Jahr erscheint. Das sind die wichtigsten Dinge.

Rückblende: Orange Crush R.E.M

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r.e.m.Als intelligenter Kommentar gegen den Krieg, versteckt in einem vierminütigen Popsong, war ›Orange Crush‹ ein Wegweiser in eine neue Richtung für R.E.M. – die sie zu globalem Erfolg und Starruhm führen sollte.

Text: Rob Hughes

15. Juni 1989: Bei „Top Of The Pops“, Großbritanniens größter Musiksendung, tritt ein Quartett aus Athens, Georgia auf, dessen Zeit endlich gekommen zu sein scheint. R.E.M. sind da, um ›Orange Crush‹ zu spielen, den bislang ersten UK-Top-40-Hit ihrer Karriere. Das Stück erwacht mit einer fast militärischen Schlagzeugfigur und Gitarrenarpeggi zum Leben. Ohne Hemd, aber mit grauem Anzug und Sonnen- brille taumelt der Sänger mit einem großen Megaphon über die Bühne. Das Stück selbst ist ein zackiger Mix aus eigensinnigem Pop und stampfendem Rock. Danach schwärmt Moderator Simon Parkin in Anspielung an eine Werbung für ein Getrank gleichen Namens ins Mikro: „›Orange Crush‹ besonders gut an einem heißen Tag!“ Parkin war nicht der Einzige, bei dem die Botschaft nicht wirklich ankam. „Wie die meisten unserer Sachen ist es definitiv ein Antikriegslied, aber ein subtiles“, erklärt R.E.M.-Bassist Mike Mills. „Es gab kein wirklich Anzeichen dafür, dass es ein großer Protestsong war, also haben es sich die meisten Leute angehört und es nicht bemerkt. Am direktesten bezieht es sich auf den rücksichtslosen Gebrauch von Agent Orange bei der Entwaldung in Vietnam und die furchtbaren Auswirkungen, die das auf alle dort hatte, ob Soldaten oder Zivilisten. Es war einfach ein schreckliches Gift, das so häufig verwendet wurde, dass es viel Schmerz und Elend verursachte. Ja, da gab es natürlich diese Ironie, einerseits das süße, leckere Brausegetränk, andererseits die grausamen Folgen dieser Chemikalie. Die ironische Nebeneinanderstellung dieser Begriffe war kein Zufall.“

›Orange Crush‹ war schon ein Jahr lang Bestand- teil von R.E.M.s Live-Set gewesen, bevor es seinen Weg auf ihr sechstes Album GREEN fand, veröffentlicht im November ‘88. Es war ein pointierter Kommentar auf die Rolle der USA im Vietnamkrieg, aber hübsch verpackt in einem spritzigen, vierminütigen Powerpopsong.

Er erzählt die Geschichte eines jungen Football-Wunderkinds, das aus dem komfortablen Heim in Amerika nach Südostasien aufbricht. Der Vater von Sänger Michael Stipe hatte dort im Hubschrauber-Corps gedient, was seinem Text eine persönlichere Note gab. Es finden sich Referenzen auf Schutzbrillen und Helikopter am Himmel, aber der Refrain „follow me, don‘t follow me/I‘ve got my spine, I‘ve got my orange crush“ bezieht sich unverhohlen auf eine sinistre Form der Kriegsführung.

Agent Orange war im Vietnamkrieg mit katastrophalen Folgen eingesetzt worden. Fast 80 Millionen Liter dieses Zeugs, ein entsetzlich giftiger Mix aus Herbiziden und Entlaubungsmitteln, wurden vom US-Militär in den neun Jahren bis 1971 über Waldgebieten versprüht. Das Ziel war, Guerrillas aus ländlichen Gebieten zu vertreiben und Menschen in die von den Amerikanern kontrollierten Städte zu zwingen. Von den drei Millionen Menschen, die schätzungsweise von Agent Orange betroffen waren, wurden vermutlich 400.000 getö- tet oder entstellt, während 500.000 Kinder mit schweren Geburtsfehlern auf die Welt kamen. Bei Veteranen auf beiden Seiten des Konflikts traten zudem erhöhte Raten von Krebs und Nervenkrankheiten auf. Auch die Frauen von zurückgekehrten US-Soldaten litten vermehrt an Fehlgeburten und missgebildeten Kindern.

„Die Soldaten selbst waren hilflos angesichts der Entscheidung der Regierung und des Militärs, dieses Zeug einzusetzen“, beklagt Mills. „Sie hatten nichts zu melden in der Angelegenheit, obwohl sie es sein würden, die mit den Folgen leben müssten. ›Orange Crush‹ war ein sehr gutes Beispiel dafür, was für ein Genie Michael als Textschreiber war. Er wurde selbstsicherer und hatte klare Vorstellungen davon, worum es in den Lieder gehen sollte. Das hieß zwar nicht, dass man es unbedingt begreifen musste, man konnte sie auch einfach nur zum Spaß anhören. Aber wenn man etwas tiefer schürfen wollte, fand man auch immer etwas. Das war bei meinen Lieblingsliedern schon immer der Fall.“ ›Orange Crush‹ war auch eine Kollision von alten und neuen R.E.M. Seit ihrer Gründung 1980 hatten ihre definierenden Eckpfeiler aus dem klirrenden Drang von Peter Bucks kunstvoller Gitarre, dem wortlosen Wehklagen der von Mills angeführten Harmonien, den flinken Rhythmen von Drummer Bill Berry und der unwiderstehlichen Anziehungskraft von Stipes kryptischen Texten bestanden. ›Orange Crush‹ hatte all diese Dinge, plus ordentlich Wumms und mehr Tempo.

Mit DOCUMENT von 1987, das in den USA Platinstatus erreichte, war R.E.M.s Zeit bei Miles Copelands IRS-Label zu Ende gegangen. Die Majors umkreisten die Band, die sich für einen Langzeit-Deal mit Warner entschied. Buck rechfertigte diesen Schritt, indem er auf die Unterstützung des Labels für ungewöhnliche Künstler wie Randy Newman und Van Dyke Parks verwies. „Einer der Hauptgründe dafür, dass wir bei Warner unterschrieben, war, dass wir komplette kreative Kontrolle über alles hatten, was wir taten“, so Mills. „R.E.M. haben immer nur das getan, was sich für uns richtig anfühlte. Entscheidungen wurden also einzig und allein von uns in der Band getroffen.“

Die Kritik, sie hätten sich an einen Major verkauft, konterten sie, indem sie ihren kommerziellen Einfluss nutzten, um ihre antirepublikanischen Ansichten zu verbreiten. „Wie das manchmal bei unseren Albumtiteln der Fall war, hatte GREEN damals einige Bedeutungen“, erinnert sich Mills. „Natürlich ging es um Ökologie und die Umwelt. Die Platte erschien am Wahltag 1988 [Bush senior gegen Dukakis] und wir waren stark involviert in diese Wahl. Wenn man beliebter wird, wird einem sehr bewusst, dass man eine gewisse Wirkung auf immer mehr Menschen hat. Michael als Texter und wir alle als politische Aktivisten hatten also ein Forum für das, was wir dachten und fühlten. Und wir wurden genervt, weil wir bei Warner unterschrieben hatten, also ist der Titel auch ein bisschen ironisch [„green“ kann auch für Geld stehen; Anm.d.Übers.]. Er drückt also eine ernsthafte Absicht aus, aber auch einen kleinen Witz.“

Auf der folgenden Tour füllten sie weltweit die Hallen, was die Geburt von R.E.M. als Stadionmonster der 90er markierte. „Es wurde zu einem echten Live-Liebling“, so Mills über ›Orange Crush‹. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir es auf der GREEN-Tour jeden Abend spielten. Und wenn ich dann auf späteren Tourneen die Setlist machte, stellte ich sicher, dass es dabei war. Es ist heute eines meiner absoluten Lieblingsstücke.“

PLACE VENDOM – Die Wunden heilen

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Lange Zeit verstummte eine der grossartigsten stimmen des deutschen Rock. enttäuscht hatte Michael Kiske sich vom Musikgeschäft abgewandt. Jetzt hat er wieder Spass am singen, was er etwa auf dem neuen Album von Place Vendome beweist.

Text: Henning Richter

Zwanzig Jahre ist es her, dass Helloween sich von ihrem Sänger Michael Kiske trennten. „Eigentlich war das eine beschis- sene Zeit“, resümiert der Hamburger. „Danach habe ich drei Jahre keine Musik mehr gemacht und nur Bücher gelesen. Mein erstes Solo- Album INSTANT CLARITY kam dann 1996 her- aus.“ Ohne Band-Verpflichtungen las der gefeuerte Vokalist insbesondere Werke über Philosophie und Anthroposophie, die von Rudolf Steiner begründete spirituelle Weltanschauung. Bis dahin war der heute 45-Jährige Frontmann einer der erfolgreichsten deutschen Melodic Metalbands gewesen. Mit Helloween sang Kiske u.a. die beiden Klassikeralben KEEPER OF THE SEVEN KEYS PART 1 (1987) und PART 2 (1988) ein, deren Hits die Band heute noch spielt.

Finanziell überbrückte Kiske die dreijährige Aus- zeit dank seines Solo-Vertrags mit der japanischen Plattenfirma JVC, die ihm Geld für kommende Solo-Platten vorschoss. Kiske hat keinen anderen Beruf gelernt, eine Lehre zum Stahlschlosser brach er nach sechs Monaten ab. „Damals war ich froh, dass das Angebot von Helloween kam. Ich wollte eigentlich nie etwas anderes machen als Musik.“

Nach der Trennung von den „Kürbisköpfen“ entwickelte Kiske ein sehr kritisches Verhältnis zum Heavy Metal, dessen Engstirnigkeit, Spießertum und Satanismus er entschieden ablehnte. Auf seiner Internetseite www.geisteskind.de veröffentlichte er dazu den Aufsatz „Der Spießer“, der in der Metal-Szene heftig diskutiert wurde. „Ich hatte viele negative Erfahrungen gemacht, es hatte sich einiges aufgestaut. Mittlerweile sehe ich den Metal nicht mehr so extrem“, beruhigt der Elbstädter. „Inzwischen bin ich wieder mit Fans in Berührung gekommen, das ist eine ganz andere Welt. 95 Prozent der Heavy-Metal-Fans sind total harmlos und äußerst liebenswert. Die meisten nehmen Satanismus nicht ernst, für sie ist das nur pubertärer Zirkus…“

Beim Wiedereinstieg Kiskes in die Rockszene spielte Tobias Sammet eine wichtige Rolle. Der Frontmann von Edguy und Avantasia sprach den verehrten Kollegen im Jahr 2000 an. „Mit Tobias komme ich gut aus. Das ist ein Typ, den ich verstehe, der ist mir in vieler Hinsicht ähnlich. Er ist ein guter Freund von mir geworden. Er hat mich überredet, bei Avantasia mitzumachen, obwohl ich damals mit dieser Art Musik nichts mehr zu tun haben wollte,“ erinnert er sich. Auf dem ersten Avantasia-Album THE METAL OPERA (2001) nutzte Kiske den Künstlernamen Ernie, auf späteren Werken sang er unter seinem wahren Namen.

Kurz darauf sprach ihn Serafino Perugino vom italienischen Label Frontiers Records an. „Er fragte mich, ob ich Bock hätte, eine AOR-Platte einzusingen. Er zog Vergleiche zu Journey und Foreigner. Das erste Album PLACE VENDOME (2005) klang sogar nach Heavy Metal, das neue THUNDER IN THE DISTANCE klingt tatsächlich nach AOR“, urteilt Michael. „Plötzlich merkte ich, es macht mir Spaß, Rock zu singen. Ich wollte mir von den negativen Seiten des Metal und des Musikgeschäfts nicht den Spaß am Rock‘n‘Roll verderben lassen.“ Der Name des Projekts Place Vendome habe keine Bedeutung, informiert Kiske, „das ist ein runder Platz in Paris.“ Genauer gesagt ist es einer der fünf „königlichen Plätze“ von Paris und liegt inmitten der Stadt zwischen der Pariser Oper und dem Tulierengarten im 1. Arrondissement. „Bei Place Vendome steuere ich nur den Gesang bei. Serafino hat die Musiker ausgesucht. Irgendwann kam Den- nis Ward (Pink Cream 69, Unisonic) als Songwriter, Gitarrist und Produzent dazu. Für die neue Scheibe haben wir Stücke von Autoren außerhalb der Band ausgewählt.“

Vendome steuere ich nur den Gesang bei. Serafino hat die Musiker ausgesucht. Irgendwann kam Dennis Ward (Pink Cream 69, Unisonic) als Songwriter, Gitarrist und Produzent dazu. Für die neue Scheibe haben wir Stücke von Autoren außerhalb der Band ausgewählt.“ Die brandneue Place Vendome, THUNDER IN THE DISTANCE, findet Kiske ausgesprochen gelungen, „viel besser als ich anfangs vermutet hatte. Die Demos waren sehr rough, doch im Endeffekt entpuppten sie sich als richtig gute Nummern. Ich habe mich mit dem Gesang beschäftigt und mich gefragt: Wie setze ich das in Szene? Hervorheben muss man besonders die Keyboards von Günter Werno, seine Tastenmelodien haben die Stücke endlos aufgewertet. Die neue Scheibe enthält AOR, aber der klingt erstaunlich frisch und glaubwürdig.“ Eine Bühnenpräsentation des Materials ist nicht geplant. Dabei hat Kiske wieder richtig Spaß am Live-Auftritt. „Inzwischen bin ich mit mehreren Projekten wieder um die Welt getourt.“ Darunter waren auch Tobias Sammet und Avantasia. „Da kam ein unheimlich großes Feedback von den Fans, die vielfach genau so jung und begeisterungsfähig sind wie damals bei Helloween. Wir sind in Wacken aufgetreten und durch Südamerika und Japan getourt. Unglaublich, was passiert, wenn plötzlich die ganz Halle deinen Namen singt! Da kannst du nicht anders als dich im Herzen versöhnen. So heilen viele Wunden und am Ende bleibt nur noch das übrig, was richtig, objektiv und gut ist.“ Im Zuge der Tourneen traf er auch auf die früheren Kollegen von Helloween, mit denen er sich aussprach, ,, ich hege keinen Groll mehr, das kann ich sagen“, so Michael. Inzwischen ist Michael Kiske gefragter denn je, nicht umsonst spricht er von „meinen besten Jahren“. Neben Place Vendome und Avantasia ist er Frontmann von Unisonic, an der Seite seines früheren Helloween-Kollegen Kai Hansen (g) und dem bereits erwähnten Dennis Ward (b). Dazu hat er ein Projekt mit der Sängerin Amanda Somerville, das ebenfalls von Frontiers-Chef Serafino Perugino initiiert wurde. „Egal, wo ich hinkomme, immer wieder halten mir Fans das KISKE/SOMERVILLE-Album zum Signieren hin, immer kommt die Frage: ,Macht ihr noch eins?‘ Es gibt Leute, die diese Musik hören wollen. Also werde ich das Projekt weiter- führen.“

Außerdem plant der vielseitige Mikromann ein Werk mit seinem Freund, dem Gitarristen Sandro Giampietro. „In den letzten Jahren hat er bei Helge Schneider gespielt. Er ist mit Abstand der beste Gitarrist, den ich kenne. Mit Sandro bin ich menschlich auf einer Wellenlänge. Es wird ein Rockalbum, das kann ich schon mal verraten.“

Ansonsten überarbeitet er die zahlreichen Aufsätze seiner Webseite www.geisteskind.de, „ich habe sie von Polemik und Spitzen befreit. Es gibt einen Verlag, der sie in Buchform herausbringen will“, informiert der Junggeselle, der keine Kinder hat. Kiske steckt voller Tatendrang, „meine Stimme klingt heute viel besser als früher. Heute weiß ich, Musik muss etwas zu erzählen haben. Sie muss Ecken, Kanten, Krisen erlauben und diese künstlerisch ausdrücken, so dass die Leute sich etwas aus ihr ziehen können.”

77`

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’77 spielen in der ersten Riege junger AC/DC-Erben. Auf ihrem dritten, programmatisch betitelten Album MAXIMUM ROCK’N’ROLL verteilt die spanische Band um Sänger/Rhythmusgitarrist Armand und Leadgitarrist LG Valeta klassischen Hard-Rock-Spaß mit ernsten Untertönen.

Text: Dominik Winter

Nach 21ST CENTURY ROCK (2010) und HIGH DECIBELS (2011) legt ihr mit MAXIMUM ROCK’N’ROLL euer bislang abwechslungsreichstes Album vor. Neben obligatorischen Einflüssen von AC/DC und Rose Tattoo klingen immer wieder auch andere Rock-Größen durch: ›Down And Dirty‹ erinnert an D-A-D, das Titelstück an Chuck Berrys ›Teenage Wedding‹. Zufall oder bewusster Tribut?
Beim Komponieren hatte ich keine bestimmten Vorbilder im Kopf. Ich wollte bloß Rock’n’Roll-Songs schreiben. Und wenn ich sage Rock’n’Roll, meine ich Rock’n’Roll im engen Sinne: alt, klassisch, simpel, wunderschön. Dass ›Maximum Rock’n’Roll‹ phasenweise nach Chuck Berry oder anderen Classic-Rock-Künstlern klingt, kann also durchaus hinkommen. Das Stück ist eine Stellungnahme. Weißt du, wir mussten uns schon so oft Fragen anhören, warum wir an dieser Musik festhalten. Die Antwort ist ganz einfach: Wir lieben Rock’n’Roll und geben einen feuchten Kehricht, ob das jemandem passt oder nicht. Wir werden so lange wie nur möglich weiterrocken, weil wir teuflischen Spaß dabei haben. Schließlich leben wir in einer freien Welt. „Wenn es nicht neu oder innovativ ist, ist es schlecht“ diese Denkweise halte ich für absoluten Scheißdreck. Lasst uns doch schlichtweg nur danach urteilen, ob ein Song oder eine Band etwas taugt. Andernfalls verpassen wir viel gutes Zeug.

Eine ähnliche Botschaft verbreitet auch das bluesige ›Take Me Or Leave Me‹.
Richtig. Ich schrieb meine Gedanken und Gefühle in einem Rutsch herunter, ohne im Nachhinein ein einziges Wort zu verändern. ›Take Me Or Leave Me‹ gilt in erster Linie als Statement für das, was wir sind und was wir tun. Ich habe Leute satt, die uns fragen, warum wir unsere Haare so und so tragen, diese Hosen anhaben und alte, viel zu laute Verstärker benutzen. Ein guter Weg zu ein wenig Seelenfrieden besteht darin, solchen Menschen zu entgegnen: „So bin ich nun ein- mal. Akzeptiert es oder verzieht euch.“

Wenngleich du nicht ausschließlich genretypische „Wein, Weib und Gesang“-Inhalte verarbeitest, steht der Spaß auf MAXI- MUM ROCK’N’ROLL erwartungsgemäß an oberster Stelle. Präsentierst du dich in Stücken wie ›Don’t You Scream‹ oder ›Stay Away From Water‹ bewusst von deiner ironischsten Seite?
Ich schreibe gerne über persönliche Erfahrungen und Gedanken. Meiner Meinung nach ist MAXIMUM ROCK’N’ROLL unser bisher ehrlichstes Album. Aber es stimmt: Dieses Mal versuchte ich, mich den Themen weniger ernst, sondern von einer etwas amüsanteren Art als zuvor zu nähern. Denn letzten Endes geht es im Rock’n’Roll doch vor allem darum, eine gute Zeit zu haben. ›Don’t You Scream‹ erzählt beispielsweise die wahre Geschichte des Zusammenlebens mit einem lausigen Mitbewohner nach. ›Stay Away From Water‹ basiert auf einer Reihe von Scherzen, die wir uns mit unserem Schweizer Konzertveranstalter hin und herspielten. Entgegen des Titels bin ich überhaupt kein Komatrinker. Doch wir alle ziehen einen guten spanischen Wein langweiligem, geschmacklosem Wasser vor. Zu meinen Lieblingen gehört der Bonus-Track ›Turn It Off‹. Er widmet sich nämlich einem Thema, das uns alle mächtig aufregt: Heutzutage bist du überall umgeben von Smartphones und iPads. Wir sind es leid, Konzerte zu besuchen, deren erste Zuschauerreihen mit ihren riesigen Bildschirmen permanent fotografieren, die Sicht blockieren, Facebook-Seiten kontrollieren oder Wetterberichte abrufen. Was zur Hölle ist mit solchen Leuten los? Gebt der virtuellen Welt hin und wieder eine Pause und genießt eine reale Show!

Diese Aufforderung kannst du bei euren eigenen Auftritten ab sofort selbst am Mikrofon verbreiten. Schließlich trittst du im MAXIMUM ROCK’N’ROLL-Song ›You Bore Me‹ erstmals auf einer ’77-Studioaufnahme als Sänger in Erscheinung. Wie kam es dazu?
In der Vorbereitungsphase eines neuen Albums spiele ich immer Demos ein. Um den anderen Musikern und unseren Produzenten eine bessere Vorstellung von den Phrasierungen und Melodien zu vermitteln, nehme ich dabei stets auch Gesangsspuren auf. Dieses Vorgehen erspart eine Menge Zeit für Erklärungen. Nach dem Anhören der Demos riet Produzent Nicke Andersson mir, ich solle auf einigen MAXIMUM ROCK’N’ROLL-Nummern mitsingen. Doch um ehrlich zu sein: Mein Bruder Armand ist ein weitaus besserer Sänger. Seine Stimme passt perfekt zu unseren Liedern. Dementsprechend hielt ich Nickes Idee für keine besonders gute. Er und die Jungs drängten mich aber weiter, also sang ich zumindest ›You Bore Me‹ ein. Im Nachhin- ein betrachten wir die Entscheidung alle als richtig. Sie half, den Klang und die Vielfalt des Albums nochmals zu erweitern. Ob es eines Tages eine Wiederholung geben wird, weiß ich allerdings noch nicht.

Apropos ›You Bore Me‹: Seit eurer Gründung im Jahr 2005 müsst ihr euch bis zum Erbrechen Vergleiche mit AC/DCs Bon-Scott-Ära gefallen lassen. Dies wird sich mit dem Erscheinen von MAXIMUM ROCK’N’ROLL keinesfalls ändern. Betrachtet ihr diesen Umstand als Fluch oder Segen?
Wir können unsere große Leidenschaft nicht verbergen. Vielmehr haben wir sogar oft betont, dass ’77 nur durch Bon Scott und AC/DC ins Leben fanden. Bons AC/DC-Alben veränderten unsere Leben massiv und sind für uns die besten der Hard-Rock-Geschichte überhaupt. Es nervt, immer wieder betonen zu müssen, wir seien weder eine Tribute noch eine Cover-Band. Wir wollen einfach Bons Geist am Leben erhalten und ihm mit der Musik, die wir gerne spielen und in der wir am besten sind, die Ehre erweisen. Ich fühle mich also sehr geschmeichelt, wenn Leute uns erzählen, eine unserer Platten gefalle ihnen genauso gut wie eine von AC/DCs Scott-Phase. Andererseits beurteilen uns viele Menschen negativ, weil wir das Rad nicht neu erfinden. Doch sie können noch so verkrampft nach einem neuen Musikstil suchen ’77 stehen von jeher für so laut wie möglich gespielten MAXIMUM ROCK’N’ROLL und werden dies auch immer tun. Manche ’77-Kritiken der Vergangenheit konnten wir nicht einmal bis zum Ende lesen, da wir aufgrund unserer AC/DC-Nähe und unserer spanischen Herkunft zu persönlich angegriffen wurden. Rezensenten, die statt unserer Musik ausschließlich uns als Personen kritisieren, können uns am Arsch lecken.