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No Sinner – Endlich am Ziel

No Sinner_2013_Credit Mandy Lyn

Eigentlich war Colleen Rennison auf dem besten Weg zu einer veritablen Hollywood-Schauspiel­karriere. Doch die hübsche Kanadierin wollte etwas anderes. Statt Glitzer und Glamour unter der Sonne Kaliforniens zu genießen, tourt die 26-Jährige diesen Winter lieber mit ihrer Roots-Band No Sinner durch trostlose europäische Clubs und Bars, um ihr Debüt BOO HOO HOO vorzustellen.

Colleen war sechs, als sie das erste Mal vor der Filmkamera stand. Mit acht spielte sie an der Seite von Ray Liotta und Linda Fiorentino, mit nicht einmal zehn war sie die Filmtochter von Bruce Willis und Michelle Pfeiffer in Rob Reiners Blockbuster „An deiner Seite“. Auch danach rissen die Rollenangebote nicht ab, doch die junge Dame aus Vancouver hatte andere Pläne: „Ich wollte schon immer Musikerin sein!“, sagt sie fast trotzig, als sie uns am Tag nach dem No-Sinner-Konzert im holländischen Breda Rede und Antwort steht. „Es ist allerdings schwierig, eine Band zu gründen, wenn man fünf ist! Mein Wunsch zu performen hat mich zum Film geführt, aber mein oberstes Ziel war es immer, zu singen.“ Für die jüngste Konzertreise im Vorprogramm von Beth Hart ließ sie sogar eine lukrative Filmrolle sausen. Angst davor, aufs falsche Pferd zu setzen, hat sie jedoch nicht. „Ich habe das Gefühl, dass mir die Rollenangebote nicht weglaufen“, erklärt sie. „Wer mich jetzt engagieren will, wird das sicher auch irgendwann in der Zukunft noch tun wollen. Bei der Musik ist das anders. Da muss man das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“

Colleen weiß, wovon sie spricht. Vor rund fünf Jahren zog sie an die US-Ostküste, fest entschlossen, groß rauszukommen. „Ganz ehrlich, ich dachte, ich gehe nach New York und erobere die Stadt im Sturm“, erzählt sie und muss über ihre eigene Naivität lachen. Doch weder ihre Zeit an einer renommierten Schauspielschule noch der Management-Vertrag mit Eminems Shady Records brachten sie wirklich voran. „Ich wollte mit echten Musikern zusammenarbeiten, aber das Label konnte mich lediglich an HipHop-Produzenten vermitteln“, erinnert sie sich an die fruchtlose Zusammenarbeit. Rückblickend hakt sie das Intermezzo als zumindest lehrreiche Erfahrung ab.
Mit nicht einmal Mitte 20 begann sie dann gewissermaßen ihr zweites Leben. „In New York habe ich all das Geld ausgegeben, das ich als Kind mit meinen Filmen verdient hatte“, verrät sie. „Erst als es weg war, hatte ich das Gefühl, wirklich zu leben. Geld kann eine ziemliche Ablenkung sein.“ Sie ging zurück nach Kanada, und plötzlich kamen die Dinge ins Rollen. Bei ihrem ersten bezahlten Konzert in einer Kaschemme in Vancouver traf sie den jungen Gitarristen Eric Campbell und Drummer Ian Browne (ehemals Matthew Good Band), der wiederum den zeitweilig bei der Sub-Pop-Band Hot Hot Heat aktiven Parker Bossley als Bassisten und Songwriting-Partner empfahl. No Sinner waren geboren. Mit BOO HOO HOO legt das Quartett nun ein blues- und soulgetränktes Rock-Album vor, auf dem sich Colleen als naturgewaltige Sängerin und Performerin auf den Spuren von Janis Joplin, Tina Turner, Bessie Smith und Nina Simone erweist. Der unverfälschte Sound der Band dürfte nicht zuletzt all diejenigen begeistern, denen in der modernen Musik die alten Werte fehlen, denn textlich wie klanglich ist bei No Sinner nichts geschönt. „Ich wüsste gar nicht, wie das geht“, unterstreicht die Sängerin, die aber nicht nur musikalisch bodenständig ist. „Ich mag es, wenn meine Stiefel alt und meine Jeans löchrig sind“, sagt sie bestimmt. „Ich brauche wirklich nicht viel!“

Carsten Wohlfeld

Jake Bugg – Den Hochhäusern entwachsen

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Jake Bugg
Hui, das ging aber schnell. Aber Jake Bugg ist eben fleißig. Mit 18 war der Songwriter schon Nummer eins der britischen Charts und Megahoffnung der Insel als Dylan/Gallagher-Hybrid der Sozialbauten. Warum also nicht zwölf Monate nach dem Debüt schon Album Nummer zwei nachlegen? Allerdings: SHANGRI LA entstand unter ganz anderen Vorzeichen als der Erstling.

Das verrät schon der Albumtitel. Shangri La, der Name von Rick Rubins Studios in Malibu, Kalifornien. Malibu. Ist das nicht so weit weg von Clifton wie nur möglich? Clifton, der raue Stadtteil Nottinghams, ehemals Europas größte Hochhaussiedlung. Genau die triste, graue Welt der Arbeits- und Hoffnungslosigkeit, wie sie der Filmemacher Shane Meadows („This Is England“) in seinen Dramen in Szene setzt. Meadows stammt selbst aus dem Problemviertel, genauso wie Bugg. Der entging dem Weg vieler seiner Alterskollegen in Kleinkriminalität und Drogensucht, weil er seine Gitarre hatte. Weil er sich raushielt, beobachtete und Songs wie ›Trouble Town‹ und ›Seen It All‹ über dieses Umfeld schrieb. Erstaunlich klassische, aus der Zeit gefallene Songs – Jakes erstes Vorbild war Don McLean –, die ihm aber letztlich sein Ticket aus Clifton verschaffen sollten.

Jakes Debütalbum ging durch die Decke, nicht nur auf der Insel. Nicht nur dort, wo er den „workingclass lad“ überzeugend verkörperte. Sondern auch dort, wo man keine Ahnung hat, was ein „working class lad“ ist. Auf dem Kontinent, wo Bugg einfach als Britpopper á la Damon Albarn/Noel Gallagher/Alex Turner wahrgenommen wurde, weil man keinen Unterschied zwischen dem Kunststudenten Albarn und dem Rowdy Gallagher macht, Hauptsache Brite. Erstaunlich gut lief es aber auch in Amerika. Wo Sozialsiedlungs-Referenzen erst recht in die Leere laufen sollten. Aber auch hier war man happy, folgende Gleichung aufzustellen: junger, cleverer, schnoddriger Typ+Gitarre=neuer Dylan.

Dass Producer Rick Rubin ins „Shangri-La“-Studio lud, beweist bereits, was man dem Jungen zutraut. Rubin hat sich in den letzten Jahren schließlich darauf spezialisiert, Ikonen zu entstauben: Johnny Cash. Neil Diamond. Eminem. Keine schlechte Gesellschaft für den 19-Jährigen. Noch so ein Ritterschlag: Buggs Begleitband in Malibu. Die Crème de la Crème der Studiomucker: Matt Sweeney an der Gitarre, Jason Lader am Bass, Pete Thoms, auch Chad Smith an den Drums. Ein Team, das dafür sorgt, dass SHANGRI LA makellos klingt und die Frische des Debüts konserviert.

Dass in Buggs Transformation zum US-Darling auch eine Gefahr liegt, nämlich die Connection zu seinem ursprünglichen Brit-Publikum zu verlieren, das ist Jake durchaus bewusst. Das thematisierte er selbst im Vorfeld der Veröffentlichung. Als wir ihn darauf ansprechen, klingt er mutiger: „Angst habe ich davor keine. Ich schreibe weiterhin über das, was abgeht, nur halt aus einer anderen Perspektive. Ich glaube, ich bin offener geworden. Früher war ich ja nie aus Nottingham raus gekommen.“ Dennoch kann ein Song wie das Albumhighlight ›Messed Up Kids‹ (über ein obdachloses Pärchen, er auf Drogen, sie Prostituierte) immer noch im trostlosen England spielen, auch wenn das Stück im sonnigen Kalifornien eingespielt wurde. „Das sind ja Dinge, die ich miterlebt habe. Jetzt sehe ich halt von außen drauf. Früher steckte ich mittendrin.“ Jake ist sich sicher: „Ich werde nie vergessen, wo ich herkomme. Das ist es doch das, was mich zu dem gemacht hat, der ich bin.“

Henning Furbach

Nathaniel Rateliff – Rasende Jahre

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rateliffEin buschiger Bart überwuchert die Hälfte seines Gesichts, Brusthaar quillt aus dem offenen Hemd, verschmitzt blinzeln seine kleinen Augen. Der Mann aus Denver wirkt wie ein gut gelaunter Bär. Zu Beginn unseres Interviews nimmt Nathaniel Rateliff einen Schluck Whiskey, „der löst die Zunge“, lacht der 35-Jährige. Der Singer/Songwriter ist ein sinnlicher Typ, „gutes Essen und gute Musik machen die Leute glücklich – und ich mag es, Leute glücklich zu machen.“ Als Koch würde er sich hingegen nicht bezeichnen, auch wenn er öfter in Küchen gejobbt hat. „Ich mache seit zwanzig Jahren Musik, aber das hat lange Zeit so ausgesehen, dass ich abends ein Konzert spielte und morgens zurück in meinem Job ging“, erinnert er sich an vergangene Zeiten.

Rateliff war Teil von diversen Bands, doch momentan ist er als Solo-Artist unterwegs. Später am Abend wird er im Berliner Ramones Museum, wo er CLASSIC ROCK das Interview gewährt, ein Konzert geben. Auf seinem aktuellen Album FALLING FASTER THAN YOU CAN RUN wirkt seine aktuelle Band mit, nach Europa flog er indes allein. Ursprünglich stammt Nathaniel aus dem ländlichen Missouri, „wo es immer noch eine Menge Rassismus gibt“, stellt er trocken fest. „Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen. Das hat einen Vorteil, ich habe keine Angst, wieder arm zu werden. Meine ökonomischen Erwartungen sind nicht besonders hoch, stattdessen bemühe ich mich, Dinge um mich zu haben, die lange halten.“

Mit dieser nachhaltigen Einstellung gingen Rateliff & Band auch an ihr jüngstes Album. Es beeindruckt durch seinen tiefen, weiten Raumklang und offene Arrangements, die Wärme verbreiten. „Diese Scheibe kann man über Kopfhörer hören, das ist oftmals der beste Weg, Musik zu erfahren. Manchmal gehe ich spazieren und setze meine Headphones auf. Allerdings leben wir in einer Kultur, in der die Leute nicht mehr aufmerksam sind. Die Menschen sind mit ihren Gedanken, Mobiltelefonen und Computern beschäftigt“, hat er notiert und macht keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass „Multi-Tasking“ schlicht nicht funktioniert.

„Die neuen Songs kamen auf Tour zu mir. Ich fühlte mich einsam. Ich hatte viele grandiose Pläne, die ich überdenken musste, das bringt das Alter so mit sich“, sagt er zum roten Faden der Lieder von FALLING FASTER THAN YOU CAN RUN. „Sämtliche Songs handeln von mir, allerdings habe ich das manchmal ein bisschen verschleiert. Die eingängigste Nummer ist vielleicht ›Nothing To Show For‹, eigentlich ein kleiner Joke und eine Antwort für die Plattenfirma, die immer eine Radio-Single von mir forderte“, lacht er erneut. Das ironische Lied ist ein melancholisch-trotziger Mid-Tempo-Rocker, der im Rundfunk tatsächlich funktionieren könnte. In ›Still Trying‹ beschreibt er seinen alltäglichen Kampf, sich zu bessern; ›Don‘t Get Too Close‹ befasst sich mit seinen Grübeleien in einsamen Zeiten.

Als wichtigste Einflüsse nennt Rateliff Leonard Cohen und Bob Dylan. „Ich versuche, beide nicht zu vergleichen. Es scheint, dass Dylan sich manchmal über all seine Fans lustig machte. Zu Beginn wollte er berühmt werden und als das passierte, wollte er plötzlich nur noch Songwriter sein“, wundert sich mein Gegenüber. „Im Fall von Cohen finde ich es ermutigend, dass sein Top-Bestselleralbum I‘M YOUR MAN aus dem Jahr 1988 stammt, da war er bereits 54.“

Mittlerweile denke er mehr über sein eigenes Alter nach, sagt Nathaniel und leert das Whiskeyglas. „Für junge Menschen ist 35 nicht mehr jung. Früher hast du oft ältere Leute sagen hören, dass die Zeit vorüber rast. Und heute weiß ich, das ist wahr. Echt bizarr!“

Henning Richter

Neuigkeiten zu: Scott Stapp

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ScottStapp2Seelen-Striptease

Es gibt normalerweise zwei Meinungen über Scott Stapp: Die einen verachten ihn, die anderen verehren ihn. Die zweite Gruppe ist ziemlich groß, 24 Millionen Alben verkaufte seine Band Creed zu ihrer Hochzeit. Auch als Solokünstler hat der Mann aus Florida zahlreiche Fans, sein aktueller Wurf PROOF OF LIFE stieg auf Platz 37 in die Billboard-Charts ein, der Vorgänger THE GREAT DIVIDE (2005) erreichte Doppelplatin für mehr als zwei Million verkaufte Kopien. Seine Verächter kritisieren Stapps große Posen, sein Leben im Blitzlicht der Medien, seine irritierende Offenheit, mit der er seine Höhen und Tiefen ausleuchtet. Stapp rauchte in der Öffentlichkeit Zigarren, präsentierte seine Ehefrau(en) im TV, breitete seine persönlichsten Probleme nahezu rückhaltlos aus. Und für alle, die noch mehr wissen wollten, verfasste er seine Autobiografie „Sinner‘s Creed“.

Im Gespräch entpuppt sich der 40-Jährige als entwaffnend ehrlicher Partner. So sehr er sich den Erfolg gewünscht habe, so wenig sei er darauf vorbereitet gewesen, gesteht er. „Wenn du einer von vier College-Studenten aus einem kleinen Kaff in Florida bist, deren erste drei Platten Nummer 1 der Charts werden, ist es schwer, auf dem Boden zu bleiben. Du denkst, die Party wird nie enden. Es ist schwierig, zu erkennen, dass du Rückschläge erleiden wirst“, blickt er auf die Zeit mit Creed zurück. „Ich hoffe, dass einige Künstler mich hören und schlauer sind als ich, denn ich war ein Blödmann.“

Inzwischen sind Creed-Fans in einer recht komfortablen Situation, ihre Lieblingsband hat sich zweigeteilt und beide Fraktionen machen großartige Musik. Während Alter Bridge kürzlich mit FORTRESS ein dynamisches Rockalbum erster Güte ablieferten, setzt Stapp auf melodischen Dunkel-Rock. Der Mann mit der kraftvollen Stimme kombiniert muskulösen Neo-Grunge mit süffigen Melodien, auf PROOF OF LIFE reiht er eine Hymne an die nächste. Über seinen neuen, plakativ betitelten Song ›Jesus Was A Rockstar‹ sagt er: „Für meinen Vater war Rock die Musik des Teufels. Mit der Nummer will ich den Konflikt aufzeigen, in den er mich gebracht hat. Er hat mich nicht nur körperlich misshandelt, sondern auch spirituell im Namen Gottes“, klagt er an. „Dieser Titel löst den Konflikt, heute stehe ich hier als ein Mann des Glaubens, der gleichzeitig in einer Rock‘n‘Roll-Band ist.“ Eine Hälfte von ihm sei Botschafter des Christentums, die andere Rock‘n‘Roller. Wie gewohnt sind seine Texte verblüffend offen, sie handeln von Exzess, Drogen, versuchtem Selbstmord, Fehlern, Depression und Hoffnung. Am Ende der Arbeit am neuen Album stand für Scott Stapp eine wichtige Erkenntnis: „Musik ist meine Therapie.“

Henning Richter

Neuigkeiten zu: Black Sabbath

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Black Sabbath 07Keine Götterdämmerung Und auch kein Ende in Sicht: Black Sabbath haben nach dem weltweit erfolgreichen Comeback noch einiges vor.

Ozzy Osbourne, Tony Iommi und Geezer Butler sind zufrieden: Mit der aktuellen Scheibe 13 und der Unterstützung von Starproduzent Rick Rubin ist dem Trio ein grandioses Comeback gelungen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut funktionieren würde“, lässt ein sichtlich entspannter Osbourne in der Pressekonferenz verlauten. Die alte Chemie sei sofort wieder da gewesen, stimmt Iommi zu und schließt eine nochmalige Zusammenarbeit mit Rubin nicht völlig aus. Was er aber definitiv bestätigen kann, ist die Weiterführung der laufenden Tour im nächsten Sommer. Nach erfolgreichen Gastspielen in Australien, Nord- und Südamerika sowie Europa gibt es die Urväter des düsteren Heavy Rock demnächst u.a. in Berlin, München, Stuttgart und im neuen Essener Stadion im letzten Tageslicht zu bestaunen. Für Geezer Butler kein Problem: „Wir nehmen es immer, wie es kommt, aber natürlich werden wir bei den anstehenden Open Airs passend auf die Bühne gehen, wenn die Dämmerung einbricht.“ Überraschungen wird es eventuell bezüglich der Setlist geben, denn die ändert die Band gerne von Kontinent zu Kontinent, weil sie „es können“, wie Iommi grinsend zugibt. Allerdings wird am Show-Stopper ›Paranoid‹ nicht gerüttelt. „Das ist einer unserer größten Hits, wenn nicht sogar der größte“, stellt Iommi fest, „und den werden wir den Fans niemals vorenthalten.“

Jörg Staude

Neuigkeiten zu: Northcote

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Der bärtige Prophet predigt nicht mehr

Es ist derzeit das große Ding: Hardcore-Dudes auf dem Singer/Songwriter-Trip. Auch Matt Goud, früher bei der Post-Hardcore-Einheit Means, macht‘s jetzt akustisch. Und liefert mit NORTHCOTE ein Hardcore-Album ohne Lärm.
In gewisser Weise passt es wie das Tattoo auf die Fingerknöchel, dass Matt Goud jüngst mit Dave Hause durch die Gegend tourte. Hause fährt solo längst große Erfolge ein, ist aber schon seit den 90ern in der Punk- und Hardcore-Szene unterwegs und punktet jetzt mit melodischen, semiakustischen Rocksongs. Das will Goud mit NORTHCOTE auch und bietet auf seinem Debüt Stücke, die zwischen Folk, Country, Akustikballade und Rock oszillieren und durch Gangshouts und Rhythmik viel Parallelen zu seiner alten, lauten und vor allem verzerrten Wirkungsstätte aufweisen. Der bärtige Hüne macht eben keinen Hehl aus seiner musikalischen Sozialisierung. „Die DIY-Attitüde im Hardcore ist mir noch immer sehr nah“, bekennt er. „Im Hardcore geht es dir nicht um einen Radiohit. Es geht dir um einen emotionalen Ausdruck und um eine Verbindung mit dem Publikum.“

Das ist jetzt noch mehr gegeben als zuvor – in kleinen Clubs, im intimen Rahmen, ohne große Bühnenshow. Nur Matt Goud und seine Gitarre, dazu seine Band. Unterschiede zwischen einem Hardcore-Konzert und einer seiner Solo-Performances kann er deswegen gar nicht so viele finden. „Die Leute sind älter und die Auftritte länger“, meint er schmunzelnd. „Gut, außerdem ist es herausfordernder, nur mit einer akustischen Gitarre auf die Bühne zu gehen.“ Klar, zwei verzerrte E-Gitarren, pumpender Bass und ballernde Drums lassen einen deutlich weniger nackt erscheinen. Doch genau darum geht es bei NORTHCOTE: Um nackte Songs, ehrliche Gefühle, um Geschichtenerzählen in bester Singer/Songwriter-Manier. „Meine Geschichten sind meine Erfahrungen“, so Matt. „Durch mein Songwriting hinterfrage ich außerdem meine Entscheidungen und setze mich mit meinen Ängsten auseinander.“ Für ihn ist Musik therapeutisch, für das Publikum gewiss auch.

Vorbei sind die Tage, in denen er bei Means christlichen Hardcore spielte, längst geht er Glaubensfragen deutlich universaler an. „NORTHCOTE richtet sich nicht an eine bestimmte Glaubensrichtung oder Philosophie, es geht um das genaue Gegenteil: völlige Freiheit. Freiheit von jeglichen Urteilen oder Charakterisierungen.“ Wie es eben bei jeder Art von Musik der Fall sein sollte, damit sie das bleibt, was sie ist: pur, unverfälscht, für alle zugänglich. „Völlig richtig“, nickt der Kanadier. „Egal, welche Stilrichtung: Solange du dich durch sie einem Menschen verbunden fühlst, hat sie ihr Ziel erreicht.“

Björn Springorum

Neuigkeiten zu: Eloy

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Eloy im Mannheimer Capitol am 25.01.2013Live und störungsfrei
Eloy-Chef Frank Bornemann wagt einen zweiten Anlauf

Nachdem der erste Versuch der deutschen Prog-Rock-Legende Eloy im Jahre 1978 nicht zur vollen Zufriedenheit der Beteiligten ausgefallen war, wagt Chef Frank Bornemann nun einen zweiten Anlauf: Am 17. Januar 2014 erscheint das neue Live-Album REINCARNATION ON STAGE und hat im Gegensatz zu seinem – allerdings fast 36 Jahre alten – Vorgänger ELOY LIVE einen enormen Vorteil – die Band kann in vollem Umfang diejenigen Stücke veröffentlichen, die sie ihren Fans präsentieren will. Das war Ende der 70er Jahre noch ganz anders: ELOY LIVE entstand unter großen technischen Schwierigkeiten und wäre beinahe nicht erschienen. Denn beim Abhören der während der OCEAN-Tournee gemachten Aufnahmen musste Bornemann feststellen, dass ein Großteil des Materials aufgrund elektrischer Störgeräusche unbrauchbar war. Also machten sich Eloy an die mühsame Arbeit, die von Störimpulsen verschonten Nummern herauszusuchen und zu einer möglichst homogen wirkenden Langspielplatte zusammenzusetzen. Dennoch war der Eloy-Boss enttäuscht: „Die komplette Atmosphäre eines Live-Konzertes konnte nicht wirklich zufriedenstellend wiedergegeben werden. Ebenso wenig war das Programm vollständig, denn es fehlte mit ›Decay Of Logos‹ eines unserer erfolgreichsten Stücke“, erklärte er unzufrieden. Auf REINCARNATION ON STAGE wird jetzt opulent nachgeliefert: Neben ›Decay Of Logos‹ gibt es 19 weitere Klassiker der Band. Natürlich ohne Störgeräusche, versteht sich!

Matthias Mineur

Das Letzte Wort – Joey Tempest (Europe)

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Joey Tempest

In diesem Sommer feierten Europe auf dem Sweden Rock-Festival 30 Jahre Bandgeschichte. Anlass genug für CLASSIC ROCK, mit Sänger Joey Tempest auf weit mehr als nur ›The Final Countdown‹ zurück zu blicken. So erzählt der Frontmann über Dankbarkeit, Heimat und die große zweite Chance im Leben.

30 Jahre, Joey, das ist schon eine ganz schön lange Zeit oder?
Ha ja! Wenn du uns mit 16 oder 17 gefragt hättest, ob wir das 30 Jahre lang machen würden, hätten wir sicher geantwortet: „Auf keinen Fall! Wir machen Rock‘n‘Roll und leben das Leben auf der Überholspur. So alt wollen wir gar nicht werden!“ (lacht) Aber es ist wundervoll, mit meinen Kindheitsfreunden noch immer Musik machen zu dürfen. Es ist wirklich sehr befriedigend, nach so langer Zeit erneut so großes Ansehen in der Rock-Community zu genießen. Jetzt touren wir wieder durch die ganze Welt. Ich muss schon sagen, es ist großartig, eine zweite Chance zu bekommen!

Wenn du dir bewusst machst, wie lange das nun schon geht, fühlst du dich dann manchmal alt?
Nein, nicht wirklich. Wir sind Glückspilze. Es ist wahnsinnig schön einen solchen Job zu haben. Jeden Abend kann ich auf die Bühne gehen und wieder 18 Jahre jung sein. Natürlich liegt die Zeit weit zurück, als wir uns in Stockholm kennen gelernt haben. Aber die Jahre sind so schnell vorübergezogen.

Was bedeutete es dir, als Headliner auf Schwedens größtem Festival auftreten zu dürfen?
Es war eine Ehre, gefragt worden zu sein. Das war unser großes Heimkehr-Konzert. Sie wollten uns neben Kiss und Rush als dritte Hauptband! Es wurde schließlich eine fantastische Nacht. Vor dem Auftritt herrschte große Anspannung. Ich meine, denk mal darüber nach: Unsere Heimat, 14 laufende Kameras, 100 Pressepässe wurden vergeben, 30.000 Fans, all unsere Freunde und befreundeten Musiker im Publikum und dazu noch unsere Helden Scott Gorham und Michael Schenker, die bei uns in der Garderobe abhängen! Das ganze baute schon einen enormen, aber eben doch positiven Druck auf.

In den letzten drei Jahrzehnten warst du nie wirklich sesshaft. Für dich ist aber Schweden ganz klar deine Heimat,oder?
Ich habe zwei „Heimaten“. Tatsächlich habe ich mehr Zeit im Ausland als in Schweden verbracht. Heute lebe ich in London, was für mich neben Stockholm auch zu meinem Zuhause geworden ist. Aber mir gefällt ohnehin die Vorstellung vom Weltbürger am besten.

Gab es während eurer Jubiläums-Show einen speziellen Moment, in dem dir klar wurde, was ihr eigentlich alles erreicht habt?
Da gab es einige große Augenblicke. Zum Beispiel als wir die älteren Songs wie ›In The Future To Come‹ spielten. Ich blicke mich um und dann sind da meine alten Freunde. Wir sind immer noch zusammen und spielen tatsächlich einen Song, den wir vor 30 Jahren geschrieben haben. Das war sehr emotional.

Seit 1985 beteiligt ihr euch immer wieder an Wohltätigkeitsveranstaltungen. Ist das eure Art, eure Dankbarkeit für euer privilegiertes Leben zu zeigen?
Oh, ja. Wenn uns die Projekte gefallen, steuern wir gerne unseren Teil bei. Gerade führen wir eine Auktion durch. Man kann zehn Gitarren ersteigern, die von Air-Brush-Künstlern mit all unseren Cover-Artworks verziert wurden. Den Erlös werden wir den Opfern auf den Philippinen spenden. So etwas macht ja auch Spaß. Im Dezember beispielsweise fliegen John Norum und ich nach Las Vegas, um bei einem Benefiz-Konzert mit Kiss und Alice Cooper zu spielen. Und ja, natürlich haben wir die Verpflichtung etwas zurückzugeben. Auch im Kleinen ist das so. Jeden Abend müssen wir den Fans alles bieten, was wir haben. Sie sind es, die sich für unsere Show einen Babysitter organisieren, mit dem Zug oder dem Auto anreisen und Tickets kaufen müssen. Ich weiß noch sehr gut, wie viel Energie ich aufgebracht habe, um meine Lieblingsband zu sehen. Als wir 16 waren, fuhren ich und unser erster Drummer bei Europe 24 Stunden lang mit dem Schiff von Stockholm nach London, um Thin Lizzy live in Hammersmith zu sehen. Danach kamen wir zurück und meinten zu den Anderen: „Leute, wir müssen erfolgreich werden, damit wir auch durch Europa und Amerika touren können!“

Das habt ihr dann auch geschafft. Doch dann, Anfang der 90er, war alles vorbei. Hat es dich damals verletzt, dass die Leute deiner Musik plötzlich keine Aufmerksamkeit mehr schenken wollten?
Ach nein. Damals veränderte sich die Welt grundlegend. Ich ging zu unserer Plattenfirma und da lagen haufenweise Pearl-Jam-Alben auf dem Schreibtisch. Auf einmal wurden die größten Parties nur noch für Seattle-Bands geschmissen. Wir hatten schon zehn Jahre hinter uns. Wir hatten fünf Alben aufgenommen und sehr hart gearbeitet. Um ehrlich zu sein, war die Pause sogar ganz angenehm. Gut, die Unterbrechung geriet etwas zu lange. Wir hätten wohl ein wenig früher wieder beginnen können, doch wir wussten immer, dass wir zurück kommen würden. Mein Manager sagte immer: „Haltet einfach die Füße still! Jeder bekommt einen zweiten Anlauf!“ Und er hatte Recht! Genau da sind wir jetzt!

Paul Schmitz