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Neuigkeiten zu: Nashville Pussy

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Nashville Pussy

Diebe, Chilisauce und ein hungriger Löwe

E Blaine Cartwright & Co. haben ordentlich Wut im Bauch und verarbeiten diese in ihrem neuen Manifest names UP THE DOSAGE.

Blaine, seit euerem letzten Album FROM HELL TO TEXAS sind über fünf Jahre vergangen…
Die Antwort ist ziemlich einfach: wir waren mit anderen Projekten beschäftigt. Ruyter und ich nahmen eine Gospel-CD names HAIL JESUS mit den Kentucky Bridgeburners auf, ebenso die Nine-Pound-Hammer-Scheibe COUNTRY CLASSICS. Darüber hinaus war meine Frau (Blaine Cartwright und Ruyter Suys sind ein Ehepaar; Anm.d.A.) mit ihren Bands Dick Delicious & The Tasty Testicles im Studio und anschließend auf Tour. Später gründeten wir noch unser eigenes Label Slinging Pig Records und kürzlich unseren eigenen Onlineradio-Sender slingingpigradio.com.

Auf UP THE DOSAGE hört man euch noch mehr auf‘s Wesentliche reduziert mit einem verdammt rauen, kantigen Old-School-70s-Rock-Sound. Dabei klingt die ganze Langrille um einiges hungriger als euer 1998er- Debüt LET THEM EAT PUSSY…

Wir sind einfach eine hungrige Band! So in etwa wie Rock‘n‘Roll-Tiere im Dschungel! Nur weil ein Löwe älter wird, heißt das nicht, dass er auf einmal satt ist. Genau wie er werden wir immer gefräßiger und gemeiner!
UP THE DOSAGE featured einen Song namens ›Everybody‘s Fault But Mine‹ – dafür standen doch sicher die großen Led Zeppelin Pate?

Knapp daneben ist auch vorbei! Die Zeps klauten den Song damals einfach…was für eine Bande von Dieben! In unserem Fall ist es ein Verweis auf eine alte Gospel-Phrase. Inspiriert wurde ich von der Bluesversion des Originals von Blind Willie Johnson und der Gospel-Version der Five Blind Boys und einer weiteren von The Staple Singers. Mit dem ursprünglichen Stück spielte ich etwas herum. Am Ende dachte ich mir ok, egal was auch für Mist passiert, das ist sicher nicht meine Schuld!

Lass uns noch kurz über euer Standing in den USA sprechen. Dort seid ihr auch nach eurer Grammy-Nominierung aus dem Jahre 1999 immer noch ein Geheimtipp…
Die einst so fruchtbare US-Rockszene ist wie eine überfickte Fotze ausgetrocknet! In den 90s gab es einen großen Boom an coolen Rock Clubs, von denen wir alle profitierten. Inzwischen ist es wie eine tote Kuh zu melken. Es wäre großartig wenn wir UP THE DOSAGE in den Arsch meines Heimatlandes stecken könnten…zuerst würde ich es aber noch mit Chillisauce einpinseln! Hoffentlich hilft uns SPV, den verrottenden Kadaver des amerikanischen Rock‘n‘Roll zu retten!

Chris Franzkowiak

Live: Camel und Volbeat und Airbourne

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Volbeat 2013a @ Nathan Gallagher
Camel
Bochum, Christuskirche

Pink Floyd hätten´s kaum besser machen können

Die Ovationen, die Andrew Latimer schon beim Betreten der Bühne entgegenbranden, sind Anerkennung und Genesungswünsche in einem. Denn der Camel-Gitarrist kämpfte monatelang zwischen Leben und Tod und ist heute, im November 2013, von schwerer Krankheit gezeichnet. Latimer aber strahlt und erklärt dem Publikum, wie froh er sei, in dieser wunderschönen Kirche spielen zu dürfen und schließt mit entwaffnendem Fatalismus: „It’s good to still be around anyway.“

Das finden auch die zahllosen Fans in der restlos ausverkauften Bochumer Christuskirche, die jahrelang auf ein Comeback der britischen Prog-Rock-Kultband gewartet haben. Und tatsächlich: Die Rückkehr ist spektakulär und triumphal. Camel haben ihr 1975er-Konzeptalbum THE SNOW GOOSE neu eingespielt und präsentieren hier und heute die komplette Scheibe. Es ist der pure Genuss! Wie auch auf Scheibe sind Camel ausgewiesene Klangfetischisten, bei denen jeder Ton stimmt und beide Keyboarder neben wundervollen Solopassagen ein stimmungsvolles Fundament für die atemberaubenden Soli Latimers ausbreiten. Der Mann spielt vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie in den 70ern, aber sein Melodieverständnis und sein Ausdruck reichen bis in die Sphären eines David Gilmour. Als SNOW GOOSE durchexerziert ist, spielen Camel noch ein knappes Dutzend-Klassiker, von ›Lady Fantasy‹ bis ›Song Within A Song‹. Die Kirche tobt: Hier hätte man noch Stunden zuhören mögen!

Matthias Mineur

Volbeat
Frankfurt, Festhalle

Weder Himmel noch Hölle

Mit eiligen Handbewegungen onduliert Vokalist und Gitarrist Michael Schøn Poulsen sich zwischen zwei Songs seine mit Pomade eingefettete Frisur. Schließlich filmen gleich mehrere große TV-Kameras in der ausverkauften Frankfurter Festhalle mit. Da dürfte der in Deutschland mächtig angewachsenen Fangemeinde von Volbeat eine DVD ins Haus stehen. Als mehr oder minder freiwillige Mitwirkende lässt das von der ersten bis zur letzten Note enthusiastische Publikum als kostenlose Statisterie grüßen. An eine passende Kulisse hat das mit Schlagzeuger Jon Larsen, Bassist Anders Kjølholm sowie den von Anthrax übergetretenen Amerikaner Robert „Rob“ Caggiano an der Sologitarre komplettierte Quartett aus Kopenhagen auch gedacht. Als Volbeat nach zünftiger Einführung durch Banjo-Spieler Rod Sinclair noch vor geschlossenem Vorhang mit mächtig lautem Knall den Auftaktsong ›Doc Holliday‹ anstimmen, fällt endlich auch die Sichtblende. Eine Nachbildung des 1867 aus der Taufe gehobenen Fort Griffin in Texas dominiert das Bühnenambiente. Inklusive integrierten Friedhofs mit den Gräbern diverser „böser Jungs“. Darunter der hymnisch besungene Wildwestrevolverheld ›Doc Holliday‹ sowie als Augenfang auch ein Galgen, an dem ein Gehenkter vor sich hin verrottet. Durch rund zwei Dutzend Songs brettern Volbeat rustikal. Süffisant moderiert von Michael Schøn Poulsen. Stilistisch kreisen Volbeat um gleich mehrere Genre-Eckpfeiler: Von Hard Rock bis Heavy Metal reicht die Palette, aufgelockert durch Rockabilly und Rock’n’Roll sowie Country. Inszeniert mit jeder Menge Pyrotechnik. Mit zünftig betitelten Songs wie ›The Mirror And The Ripper‹, ›The Hangman’s Body Count‹ und ›Heaven Nor Hell‹ unterstreicht das Quartett seine augenzwinkernde Outlaw-Revue.

Michael Köhler

Airbourne
München, Kesselhaus

Oh ja, Sie können es

Von Airbourne wissen wir, dass sie die perfekte Band für einen Nachmittags-Festival-Gig abgeben. Doch reicht ihre Anziehungskraft für eine eigene Headliner-Show? Bevor sich diese Frage mit einem „ja“ beantwortet, bekommt das komplett ausverkaufte Auditorium jede Menge hochwertigen Support angeboten. Zunächst bekommen die Jungspunde und altgedienten Rockveteranen eine Mischung aus Zakk Wylde und Volbeat von Corroded serviert. Danach dürfen sich Black Spiders mit marschierendem „Schweinerock“ vorstellen. Musikalisch nicht aufregend, aber wirkungsvoll, könnten sie das Publikum für sich gewinnen, wären da nicht die nach Fremdscham schreienden Ansagen von Frontmann Peter Spiby. Dann betreten Airbourne die Bühne: Die Szenerie erinnert an das Video zu ›Thunderstruck‹.

Bierbecher fliegen und Mähnen werden geschwungen. Von der ersten Minute an ist klar, dass Airbourne viel Aufwand in die Planung ihrer Shows Stecken. Licht, Effekte, wirkungsvolle Einlagen sowie Lautstärke werden hier voll ausgeschöpft. Schon beim dritten Song lässt sich Chef Joel auf den Schultern einer Security-Kraft zum Mischpult tragen, er steigt auf meterhohe Verstärkerwände, eine handbetriebene Sirene kommt zum Einsatz und natürlich werden wieder Bierdosen auf der Stirn zum Platzen gebracht. Die übrigen Vier bauen ein wuchtiges und extrem groovendes Bett für den Wirbelwind. Und so schenken Airbourne allen Beteiligten einen mehrstündigen 13-Hits-in-Folge-Abend, der der „Rock Is Dead“-geschundenen Seele richtig gut tut.

Paul Schmitz

Live: Hardcore Superstar & Buckcherry und Mott the Hoople

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buckcherry
Hardcore Superstar & Buckcherry
München, Backstage Halle

Schweden: USA – 1:0

Auf dem kompletten Gelände herrscht ein Gewusel wie auf einem Ameisenhaufen: Gleich drei Shows finden an diesem ersten richtig kalten Novemberabend statt. Dementsprechend ist die Verwirrung bei vielen angereisten Sleaze-Rockern groß, dass ein Package dieses Kalibers in die mittelgroße Halle der drei Backstage-Venues gebucht wurde. Eine nicht gerade mindere Anzahl steht vor den Toren des mehr als doppelt so großen Werks und bittet fälschlicherweise mit den im Vorverkauf erworbenen Hardcore Superstar / Buckcherry Tickets um Einlass zum Konzert von The Ocean. Dank der freundlichen Backstage Security, die trotz des enormen Falschansturms ein Lächeln auf den Lippen trägt, kommen auch die letzten irr geleiteten Jünger des schwedisch-amerikanischen CoHeadliner-Duos rechtzeitig zu den ersten Klängen von Jocke, Adde, Martin und Vic. Um es vorweg zu nehmen: HCSS zerlegen an diesem Abend die Weißwurstmetropole innerhalb eines Wimpernschlags. Spielfreude, Setlist und schier unerschöpfliche Coolness des Göteborg-Vierers sprechen eine eigene Sprache und verwandeln die Backstage-Halle im Handumdrehen in einen Hexenkessel. Crowdsurfer, Headbanger und Pogo wechseln sich mit einem imaginäre High Five ab und stacheln die 1997 gegründete Band noch weiter an. Adde gerbt seine Drums derart hart, dass man schon die Sticks zerspringen sieht, während Jocke an vorderster Front einmal wieder unter Beweis stellt, dass er eine der größten Rampensäue im Biz ist. Leider geht diese einzigartige Party mit den letzten Tönen von ›We Don‘t Celebrate Sundays‹ schlagartig zu Ende, da eine Zugabe aufgrund der CoHeadliner-Situation nicht drin ist.

Buckcherry lassen sich ausgiebig Zeit – um genau zu sein 45min -, um ihre Antwort auf die schwedische Machtdemonstration zu geben. Kapellmeister Josh Todd ist nicht wirklich in Stimmung und zeigt das auch mehr als deutlich: Es ist natürlich viel wichtiger sein Bandana zurecht zu zupfen und die Ray Ban zu richten, als dem Publikum einen guten Abend zu wünschen. Stimmungstechnisch killt er so innerhalb von drei Songs das ganze Momentum, welches HCSS aufbauten. Viele Fans verlassen nach nicht einmal dem halb gespielten Set die Halle. Hoffentlich merkt sich Herr Todd diese Ohrfeige des Publikums und präsentiert auf seiner nächsten Konzertreise seine großartigen Songs mit etwas mehr Herzblut.

Chris Franzkowiak

Mott The Hoople
Manchester, O2 Apollo

Trau keinem unter 70

Jimmy und Charlie sind schon ziemlich wackelig auf den Beinen. Was sie allerdings nicht daran hindert, mehrfach zum Bierstand zu wanken, aus den plüschigen, alten Sitzen des ehemaligen Kinosaals zu springen oder die Arme hochzureißen, aus voller Kehle mitzusingen und allen zu erzählen, dass es genauso wäre wie damals. „Ich habe sie 1971 gesehen, kurz vor dem Durchbruch. Das war unfassbar gut. Ich war 15 – seitdem warte ich darauf, sie noch einmal zu erleben.“ Was bedeutet: Die beiden sind – auch wenn sie älter wirken – stolze 67, und liegen damit voll im Trend. Denn der Großteil der etwa 3.500 Zuschauer ist nur unwesentlich jünger als die fünf Musiker auf der Bühne, die inzwischen weit über 70 Lenze zählen und auch keinen Tag jünger aussehen: Grauhaarig, beleibt, verlebt. Einzige Ausnahme: Frontmann Ian Hunter, der sich in Bestform präsentiert, eine Gitarre in Form eines eisernen Kreuzes spielt, für die Lemmy Kilmister töten würde, und Garant für eine grandiose Zwei-Stunden-Show ist, die nicht nur Jimmy und Charlie in Begeisterung versetzt. Was zum einen an dem unglaublich tighten Vortrag liegt, zum anderen an einer Bühnenshow, die auf nostalgische Bilder und psychedelische Farbspielereien setzt, aber auch an einem Set, das wirklich keinen Klassiker der einflussreichen 70s-Kapelle auslässt. Die hatte seinerzeit den Glam begründet bzw. den Punk wie den amerikanischen AOR vorweggenommen, und glänzt immer noch mit einem beeindruckenden Spektrum aus großen Balladen, hymnischen Rock-Songs und avantgardistischem Krach. Weshalb sich im Publikum allerlei Prominenz findet – darunter Johnny Marr, Mitglieder von Beady Eye sowie Joe Elliott von Def Leppard. Letzterer, ein Fan der ersten Stunde, darf denn auch auf die Bühne, als das unvermeidliche ›All The Young Dudes‹ von 1972 erklingt. Der größte Hit von Mott The Hoople, geschrieben von David Bowie und der Soundtrack zu einer knapp zweijährigen Phase, in der Hunter, Ralphs, Watts, Allen und Griffin tatsächlich die größte Band der Welt waren – ehe sie an internen Differenzen scheiterten. Doch hier und heute, bei ihrer zweiten Reunion-Tour nach 2009, ist alles eitel Sonnenschein – mit Ohrwürmern wie ›Honaloochie Boogie‹, ›The Golden Age Of Rock’n’Roll‹, ›All The Way From Memphis‹, ›Roll Away The Stone‹ und ›Saturday Gigs‹. Was mit stehenden Ovationen, Freudentränen und einer sichtlich gerührten Band endet. Jimmy und Charlie reisen am nächsten Tag zum finalen Gig in die Londoner O2-Arena. Denn: Es könnte ja das berühmte letzte Mal sein…

Marcel Anders

Live: The Answer und Mustasch

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the answer @ Gregor Schumm
The Answer
München, Strom

Kleiner und sicher feiner

Es ist der 13. November. Am heutigen Abend feiern die Elvis-Metaller Volbeat ihren großen Triumph in der Münchner Olympiahalle. So scheint es beinahe, als müssten Cormac Neeson und seine Kumpanen heute auf einige bayerische Rockinteressierte verzichten, da diese dem mittlerweile beinahe unangenehmen Hype um die dänischen Neu-Superstars gefolgt sind. So ist das ohnehin gemütliche Strøm auch nicht ganz gefüllt, nun da The Answer mit ihrem neuen, durchaus gefeierten Album NEW HORIZON im Gepäck hier gastieren. Bevor es aber für die Gastgeber soweit ist, das gemischte Publikum, das vom unscheinbaren Musikfan über junge Rockergören bis zum bekutteten AC/DC-Mittvierziger/fünfziger rangiert, zu beschallen (dazu später mehr), sind es Tracer aus Australien, die die Bühne anwärmen dürfen. Die drei Riff-Rocker sind bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hierzulande zu Gast. Mit einer Portion mehr Freude und Jam-Bereitschaft bieten Tracer eine perfekte Einführung in dieses aufrichtige Rock’n’Roll-Konzert. The Answer eröffnen schon gleich mit ›New Horizon‹, dem Titel-Song ihres neuen Werkes.

Damit folgen sie ihren Vorbildern und Förderern AC/DC, welche sie bereits auf Tour begleiten durften. Ansonsten haben sie und besonders die Setlist nicht viel mit Angus und Co. zu tun. In einer wirklich selten hohen Lautstärke (zumindest in den ersten Reihen) zeigen The Answer nämlich all ihren Stolz über das neue Material. Beinahe die Hälfte der 13 Stücke stammen von NEW HORIZON. Die Performance der vier ist nahezu perfekt. Ganz im Vordergrund steht dabei stets Neeson, der neben einer selten klaren und doch souligen Rockstimme als einziger in seiner Band die Ausstrahlung eines Rockstars besitzt. Die anderen wirken eher wie Schuljungs, allerdings höchst sympathische Schuljungs. Beendet wird diese begeisternde Show dann mit einem angemessenen Answer-Klassiker: dem gospelig preisenden ›Preachin’‹.

Paul Schmitz

Mustasch
Berlin, Lido

Na dann mal Prost!

Noch während des Interviews mit CLASSIC ROCK, kurz vor dem Gig, hatte Ralf Gyllenhammer vollmundig verkündet: „Ich trinke keinen Schnaps mehr auf Tour.“ Der gute Vorsatz des Frontmanns hält nicht lange. Es beginnt damit, dass Fans aus der ersten Reihe ihm volle Biergläser hinhalten. Irgendwann im Laufe des Konzerts steigt Gyllenhammer von der Bühne herab und marschiert an den Tresen. Hier bestellt er sich ein Gläschen „Hörner Tee“. Kurz darauf reichen ihm die gut gelaunten Fans aus der ersten Reihe dann Schnäpschen auf die Bühne… Vom Alkohol bleibt seine Performance freilich unbeeinträchtigt, Ralf Gyllenhammer ist in mehr als zehn Jahren zum gestandenen Vollprofi gereift. Dabei profitiert er auch von seinen Deutschkenntnissen. Bereits zu Beginn des Auftritts begrüßt er das Publikum mit: „Guten Abend, meine Herrschaften!“ Darauf erschallt ›Heresy Blasphemy‹, ein perfektes Beispiel für ihre Mischung aus knüppelhartem Thrash Metal und eingängigem Hard Rock. Jeden Kracher zählt der charismatische Mikromann mit „Eins, Zwei, Drei, Vier“ an. Jedes Mitglied des Schweden-Quartetts darf zeigen, was es drauf hat. Der neue Leadgitarrist David Johannesson ist blendend aufgelegt, doch noch scheut er die ganz großen Posen. Der neue Trommler Jejo Perkovic erweist sich als innovativer Schlagwerker. Zum Ende greift Gyllenhammer erneut zum Bierglas. „Auf die Weiber!“ kräht der Macho ins Mikrophon. Die Damen im Saal nehmen ihm das nicht weiter übel und singen munter den Refrain der unwiderstehlichen Hymne ›Black City‹ mit. Gut 350 Zuschauer sind in einer Montagnacht ins Kreuzberger Lido gekommen. Sie erleben eine gut gelaunte Band, vor allem Gyllenhammer gelingt die Verbindung von hartem Rock und kantigem Witz.

Henning Richter

Live: Black Star Riders und Ugly Kid Joe und The Last Vegas

BlackStarRiders2013b

Black Star Riders
Köln, Kantine

Große Töne für kleines Volk

Mit „Supergroups“ ist das ja oft so eine Sache: Entweder die Alben sind halbgar und der Ruf nach großem Geld durch große Namen erstickt die Kreativität der Beteiligten schon im Keim, oder die involvierten Szenegrößen haben richtig Lust, einen gemeinsamen kreativen Prozess zu vollziehen. In solchen rar gesäten Momenten werden uns Alben wie ALL HELL BREAKS LOOSE von den Black Star Riders beschert. Es wäre für die Herren Ricky Warwick, Jimmy de Grasso, Damon Johnson, Marco Mendoza und Scott Gorham ein Leichtes, unter dem Banner von Gorhams Thin Lizzy weiter Greatest-Hits-Tourneen zu spielen. Die fünf Ausnahmemusiker wählten aber den Neuanfang mit anderem Bandnamen und exzellentem Songmaterial, welches nun in europäischen Hallen live vorgestellt wird. Dass gute Festival-Auftritte im Sommer und starke Songs im Gepäck keine Garantie für volle Hallen sind, müssen die Black Star Riders auch in Köln leidvoll feststellen. Wurden schon diverse Konzerte vorher, angeblich wegen persönlicher Gründe, komplett abgesagt, musste auch die Kölner Show aus der traditionsreichen Live Music Hall in die kleinere Kantine am Stadtrand verlegt werden. Beim Eintreffen bietet sich ein trauriges Bild: ca. 150 Gäste harren in der zu ¾ leeren Halle der Dinge, die da kommen. Mit ›All Hell Breaks Loose‹ starten BSR ein furioses Set, welches jeweils zur Hälfte aus Songs vom Debütalbum und Thin-Lizzy-Gassenhauern besteht. Ricky Warwick ist als Rampensau bekannt, und diesem Ruf wird der hart arbeitende Ire auch am heutigen Abend vollauf gerecht.

Zunächst verpasst er seinen etwas enttäuscht dreinblickenden Bühnenkollegen einen Tritt in den Allerwertesten, um dann nach kurzer Aufwärmphase auch das gealterte Publikum mit dem Klassiker ›Jailbreak‹ zum Abrocken zu bewegen. Deutlich ist zu spüren, dass Jimmy de Grasso lange bei Megadeth die Felle verdroschen hat. Der Geschwindigkeitsanzeiger schlägt deutlich höher aus, als man es von den BSR- und Thin-Lizzy-Tonträgern gewohnt ist. Thin-Lizzy-Urgestein Scott Gorham kommentiert dies lediglich mit einem verschmitzten Grinsen und der Ansage: „This is Thin Lizzy, Sex Pistols style…“ Im Anschluss motivieren die energetisch vorgetragenen Neukompositionen ›Hey Judas‹ und ›Valley Of The Stones‹ auch die letzten Reihen an der Bar zu gereckten Fäusten. Natürlich dürfen an diesem Abend die großen Thin- Lizzy-Klassiker nicht fehlen, so dass ›The Boys Are Back In Town‹ und ›Whiskey In The Jar‹ nochmal für Begeisterungsstürme sorgen. Das Bob Seger-Cover ›Rosalie‹ entlässt alle Anwesenden nach knapp zwei Stunden Spielzeit glücklich in die kalte Nacht.

Alex Stauf

Ugly Kid Joe & Skid Row
Ludwigsburg, Rockfabrik

Old School? Von wegen!

Volles Haus in Ludwigsburg – und zwar so voll, dass vom Publikum selbst die Gänge als Stehplatz genutzt werden. Bei einem 90s-Legendenpaket wie dem heutigen, das mit schlappen 30 Euronen zwei volle Sets von Ugly Kid Joe und Skid Row bietet, ist der Ansturm auch kein Wunder, denn es hagelt Hits, Hits und noch mal Hits! UKJ entern um kurz nach 21.00 Uhr die Bühne. Zu bestaunen gibt es eine Show auf dem exakt selben hohen Level wie zur STAIRWAY TO HELL-Sommer-Tour (Review in Classic Rock #24 – Anm.d.A). Nach den letzten Klängen des Motörhead-Covers ›Ace Of Spades‹ knistert die Luft: Werden Skid Row nach fast zehnjähriger Deutschlandabstinenz dagegen bestehen können? Alleine die Stage-Presence von Dave „The Snake“ Sabo und Rachel Bolan lässt diese Frage als obsolet erscheinen. Sie geben Gas und feuern einen Kracher nach dem anderen aus ihrem Backkatalog – selbst Songs der von vielen Fans verschmähten Scheiben THICKSKIN und REVOLUTION PER MINUTE finden ihren Weg in die Setlist, die am heutigen Abend eine Premiere zu verzeichnen hat: ›This Is Killing Me‹ von der aktuellen E.P. UNITED WORLD REBELLION. Den schwersten Job während des gesamten Konzerts hat eindeutig Scotti Hill. Vor ihm entledigt sich eine – augenscheinlich – angetrunkene gutaussehende junge Dame im Minutentakt ihres Oberteils, was Hill mit Dauergrinsen honoriert. Leider ist nach der Bandhymne ›Youth Gone Wild‹ um kurz nach Mitternacht Schicht im Row-Schacht. Jedoch mit dem Versprechen, dass die Band aus New Jersey 2014 zurückkehrt.

Chris Franzkowiak

The Last Vegas & Double Crush Syndrome
Lichtenfels, Paunchy Cats

Heißer Rock‘n‘Roll & coole Ermittlungen

Eigentlich sollten The Last Vegas als Special Guest von Hardcore Superstar und Buckcherry durch die Republik touren. Leider platzte aus Vertragsgründen dieser Slot im Vorfeld der Konzertreise und die Band aus Chicago stellte kurzerhand eine Reihe von eigenen Headlinershows auf die Beine. Da viele Fans im festen Glauben waren, dass die ehemaligen Zöglinge von Nikki Sixx im Vorprogamm der beiden Szenegrößen auftreten würden, sieht es am heutigen Abend im fränkischen Kultclub mehr als mau aus. Außer den DieHards sind heute nur eine Handvoll Rocker angereist. Dies stachelt Andy Brings‘ neues Projekt Double Crush Syndrome nur noch mehr an und der Mülheimer beweist einmal mehr, warum er so wichtig für Sodom auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war. Im Publikum befinden sich auch Mike und Chrizzy von den Hollywood Burnouts, die erst an diesem Abend erfahren, dass sie ein paar Tage zuvor eigentlich als Anheizer für die Quireboys in Nürnberg gebucht waren. Bevor jedoch wegen diesem recht seltsamen Umstand Trübsal geblasen wird, stehen Chad Cherry und Co. auf der Bühne. Die Jungs, die vor fünf Jahren im Madison Square Garden mit Mötley Crüe rockten, legen ein derart scharfes Brett auf die Paunchy Stage, dass man meinen könnte sie stehen wieder auf der gigantischen Bühne im Big Apple. Die perfekte Setlist, gepaart mit einer unfassbaren Spielfreude, macht jetzt schon Lust auf das kommende Album des Fünfers aus der Windy City.

Chris Franzkowiak

Zeitzeichen: Pink Floyd

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Nick-MasonPunk meets Pink Floyd

Im Sommer 1977 standen eine ganze Batterie von talentierten Punk-Bands im Fokus, die auch in anderen musikalischen Bereichen auf Interesse stießen. „Wir nahmen das zweite Album auf“, sagt The-Damned-Drummer Rat Scabies im Rückblick über Music For Pleasure, „und unser Bassmann Captain Sensible wollte, dass wir Syd Barrett als Produzent bekommen. Aber als wir ins Studio gingen stand da Nick Mason, der Drummer von Pink Floyd.“ Der Liebhaber von Oldtimern und historischen Rennwagen erledigte den Job am Mischpult nicht zur vollsten Zufriedenheit der Punk-Rocker. „Wir hatten uns das anders vorgestellt“, so Rat Scabies, der sich eine größere psychedelische Schlagseite wünschte: „Es sollte mehr nach den Electric Prunes klingen. Nick Mason schaffte es zwar, uns so klingen zu lassen, wie wir waren – aber wir hätten eine fettere Produktion gebraucht.“ Captain Sensible ergänzt: „Es stand die Idee im Raum, Jimmy Page als Produzenten für dieses Album zu holen, was eine wesentlich bessere Idee gewesen wäre, als Mason zu engangieren. Syd Barrett wäre die erste Wahl gewesen, Jimmy Page die zweite. Doch Barrett tauchte natürlich nicht auf.“ Damned-Gitarrist Brian James findet in der Rückschau drastische Worte: „Unterm Strich war die Produktion richtiger Schrott. Wenn ich es mir heute anhöre, ist es allerdings nicht so schlecht, wie ich es in der Erinnerung hatte.“ Diese Meinung wird von Cpt. Sensible relativiert: „Als die Tür aufging und plötzlich Nick Mason hereinkam, waren alle von den Socken. Wir hätten ihn nicht rausschmeißen können.“ Denn der Aufnahmeort war das Britannia Row Studios im Londoner Westen, welches Pink Floyd gehörte. Diese Produktionsstätte wurde von der Band nach den Aufnahmen von WISH YOU WERE HERE aufgebaut. „Mason war kein unangenehmer Zeitgenosse“, so Sensible, „doch lagen wir nicht auf der selben Wellenlänge.“ Verständlich, denn der Pink- Floyd-Drummer produzierte ansonsten gänzlich andere Musik. Zum Beispiel Alben der englischen Folk-Pantomimen-Truppe Principal Edwards Magic Theatre oder das Solo-Album ROCK BOTTOM des ehemaligen Soft-Machine-Trommlers Robert Wyatt. Doch die unterschiedliche Auffassung von Musik war nicht das eigentliche Hauptproblem. Im Rückblick fällt noch etwas anderes in Gewicht, denn der Band ging es zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich extrem schlecht: „Wir waren alle total abgebrannt“, sagt Cpt. Sensible, „und fuhren jeden Tag schwarz mit der Bahn nach Fulham und erzählten unserem Produzenten ‚Hey Nick, ich wäre fast von einem Kontrolleur erwischt worden und hätte mich fast mit ihm geprügelt.’ Mason ließ das kalt und sagte: „Ich bin übrigens mit meinem Ferrari da.“

Auslese Games

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NEED FOR SPEED: RIVALS
PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One
ELECTRONIC ARTS

Rivalen der Rennstrecke.

Mit Arcade-lastiger Steuerung erinnert NEED FOR SPEED: RIVALS an die 90er-Anfänge der Rennspielserie. Im Vordergrund des Karriere-Modus stehen Verfolgungsjagden zwischen Rasern und Gesetzeshütern in Redview County.
Egal, auf welche der beiden Seiten man sich in (Zeit-)Rennen oder Duellen schlägt: RIVALS präsentiert sich deutlich abwechslungsreicher und anspruchsvoller als viele andere Arcade-Titel. Dank gebührt einem ansehnlichen Schadensmodell und ausgebuffter Kunstintelligenz: Da nicht nur Spieler, sondern auch computergesteuerte Gegner von Abdräng- und Streckenabkürzungsversuchen bis zu der Verwendung von Turboboosts, elektromagnetischen Störsignalen, Nagelbändern, Hubschrauberunterstützung und Straßensperren keine Gemeinheit auslassen und die Software jeden Fahrfehler mit Platzverlusten bestraft, sammeln sich schon in den ersten Runden Schweißtropfen auf der Stirn. Erfolge belohnt RIVALS mit Kopfgeld, mit dessen Hilfe sich neue Boliden des prominent besetzten Fuhrparks, Aufgaben und Waffen freischalten lassen.

Im Gegenzug zu rasanter Spielgeschwindigkeit und aus authentischen Motorengeräuschen und Songs von u. a. Gary Numan, 30 Seconds To Mars, Slayer oder Linkin Park erzeugter Klanggewalt lädt die offene Spielumgebung mit ihren Tag-/Nacht-/Wetterwechseln, wunderschönen Stränden, Wüsten, verschneiten Bergen oder Wäldern immer wieder zum Verweilen, Bestaunen und Erkunden ein.

Höhepunkt sind freilich die Koop-/Versus-Mehrspielerrennen, zumal ein neues Sozialnetzwerk Wechsel von Solo- zu Multiplayer-Aktivitäten fließend gestaltet. Parallel speichert eine überarbeitete, direkt ins Geschehen eingebettete Version des NEED FOR SPEED-Netzwerks „Autolog“ Fortschritte und Ergebnisse und führt Benutzer aus aller Welt mit Hilfe ausführlicher Ranglisten, Statstiken und Rennempfehlungen zusammen.
Kein Zweifel: Besser lässt sich die Wartezeit auf den im kommenden März anlaufenden NEED-FOR-SPEED-Kinofilm mit BREAKING BAD-Star Aaron Paul nicht vertreiben.

BATTLEFIELD 4 (dt. Version)
PC, PlayStation 3, PlayStation 4,
Xbox 360, Xbox One
ELECTRONIC ARTS

Appetit auf Zerstörung.

Dämme sprengen, Straßenzüge ausradieren, Hochhäuser zum Einsturz bringen – dank einer neuen Engine setzt BATTLEFIELD 4 der virtuellen Des-truktion keine Grenzen. Auch das Herzstück eines jeden BATTLEFIELD-Ablegers – unzählige Mehrspieler-Varianten – kommt mit diversen Neuerungen daher: U. a. gesellt sich mit China eine weitere spielbare Nation zu Russland und den Vereinigten Staaten, außerdem hagelt es frische Waffen, Klassen, Karten und Herausforderungen. Darüber hinaus freuen sich Taktik-affine BATTLEFIELD-Veteranen über die Rückkehr des Commander-Modus: Hier befehligen sie nicht nur Einzelkämpfer, sondern komplette Einheiten.

Parallel zu dem schier unbegrenzten Multiplayer-Angebot enthält BATTLEFIELD 4 natürlich auch eine Solo-Kampagne: Im Jahr 2020 müssen Spieler in der Rolle des Sergeants Daniel Recker eine US-Spezialeinheit dirigieren. Der bleihaltige Auftrag beginnt mit der Evakuierung amerikanischer VIPs und schickt Recker anschließend rund um die Welt – per pedes, aber auch mit zahlreichen (neuen) Vehikeln zu Land, Wasser und Luft.

Dass sich BATTLEFIELD 4 mit diesem Angebot eine Thronposition in der Kategorie „Ego-Shooter des Jahres 2013“ sichert, versteht sich von selbst.

GRAN TURISMO 6
PlayStation 3
SONY

Das Beste kommt zum Schluss.

Angetrieben von einer neuen Physik-Engine, wird der jüngste Ableger der 1997 geborenen Rennsimulation GRAN TURISMO seinem Untertitel „Real Driving Simulator“ wieder einmal mehr als gerecht: Von Sport- und Formel-1- über Oldtimer bis zu Familienkutschen bietet GRAN TURISMO 6 einen gigantischen Fuhrpark aus über 1.200 lizenzierten Autos, dazu gesellen sich tausende Tuning-Teile, 33 Rennstrecken mit 71 Variationen, authentische Motorenklänge, fotorealistische Grafik mit schicken Spiegeleffekten, optionale 3D-Unterstützung und Modi-Reichtum.

Der riesige Umfang beschäftigt Einzelspieler Monate und multipliziert sich nochmals um ein Vielfaches, sobald man sich gegen andere Fahrer aus aller Welt auf die Pisten traut. Kontakt zu diesen stellt GRAN TURISMO 6 über ein Sozialnetzwerk-ähnliches Portal her: Hier dürfen – nicht nur über die Konsole, sondern auch über andere Geräte wie Smartphones oder Tablet-PCs – Ergebnisse anderer Asphaltvernichter eingesehen/kommentiert, Nachrichten/Fotos ausgetauscht und Rennverabredungen getroffen werden.

Kurzum: Mit GRAN TURISMO 6 verabschiedet sich eine der wichtigsten Rennspielserien der Videospielgeschichte auf imposante Weise von der PlayStation 3.

SUPER MARIO 3D WORLD
Wii U
NINTENDO

Vier gewinnt.

Der Wii-U-exklusive Jump’n’Run-Primus SUPER MARIO 3D WORLD vereint die Vorzüge zweier Welten: Während sich flüssige 3D-Grafik und 360-Grad-Bewegungsfreiheit an SUPER MARIO GALAXY (2010) orientieren, erinnern vergleichsweise linear gehaltene Levels an legendäre 2D-Sidescroller wie SUPER MARIO BROS. 3 (1988). Die Hauptaufgabe der einzelnen Etappen: Klempner Mario, sein Bruder Luigi, Prinzessin Peach und Fliegenpilz-Lookalike Toad müssen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens laufend, hüpfend, fliegend oder schwimmend das Ende des jeweiligen Abschnitts erreichen. Gegnern wie Kettenhunden, Bienen, Gumbas, Pilzen, Stachel-Aalen, Piranha- oder Tintenpflanzen stellen sich die Nintendo-Maskottchen mit Sprüngen, Stampfattacken und individuellen Sonderfähigkeiten entgegen: Während Mario sich als Allrounder Neueinsteigern empfiehlt, kann Luigi höher springen, Peach kurzzeitig durch die Lüfte schweben und Toad so schnell wie Speedy Gonzales rennen. Besonders im Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler sorgen die unterschiedlichen Eigenschaften für witzige Überraschungen. Ganz zu schweigen von den Momenten, in denen Mario und Co. sich in Katzen verwandeln und auf allen Vieren durch die quietschbunten HD-Comic-Welten klettern…

» Zusammengestellt von Dominik Winter

Auslese Filme

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hannibal
Hannibal – Season 1
Studiocanal/VÖ: 20.12.

Es gibt gute Gründe, weshalb einige Episoden um – höhö – Serienkillerserie Hannibal Lecter bei der TV-Ausstrahlung nur in gekürzter Form zu sehen waren: Einige der Szenen schocken weniger aufgrund der Heftigkeit der gezeigten Gewalt, als dass sie sich als meisterhaft entworfene Tableaus des Makabaren ins Gedächtnis brennen. Für die Heimkinoveröffentlichung mussten derartige Schnitte glücklicherweise nicht angesetzt werden, schließlich machen sie einen großen Teil der morbiden Atmophäre schleichenden Grauens aus, in welche die Geschichte von Menschenknabberer Lecter (Mads Mikkelsen) und dem psychisch labilen FBI-Profiler Will Graham (Hugh Dancy) getaucht wird. Lecter – zu Beginn nur Randfigur, die immer weiter ins Zentrum des Geschehens rückt – soll dem von Alpträumen geplagten Ermittler Graham nach traumatischem Erlebnis helfen, erweist sich aber bald als perfider Manipulator und hochgefährlicher Gegenspieler. Dass Kollegen wie Chef-Agent Crawfrod (Laurence Fishburne) oder Ärztin Dr. Bloom (Caroline Dhavernas) von den Umtrieben des geschätzten Psychologen Lecter nichts ahnen, macht dabei selbstverständlich den großen Reiz der Serie aus. Doch auch abseits derartiger Offensichtlichkeiten zeigt sich „Hannibal“ als packendes Stück Fernsehen, da man sich hier eben nicht darauf beschränkt, Serienkillerhorror mit Gewaltschocks zu servieren. Stattdessen richtet man mit feinem dramaturgischem Skalpell, stellenweise bitterbösem Humor und spannungsreichen, mehrschichtigen Handlungsbögen eine gelungene Schlachtplatte zusammen, die pünktlich zum Jahresende als eine der besten Serien des Jahres Appetit auf mehr macht.

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Pain & Gain
Paramount/VÖ: 20.12.

Der unterhaltsame, in kontrastreiche Instagram-Farben getauchte Trailer weckte ja noch die Hoffnung, dass Regisseur Michael Bay nach lärmenden Roboterkriegen alte Tugenden wiederentdeckt und den Geist von „Bad Boys II“ in seinen True-Crime-Thriller fließen lässt. Ohne Frage: Hoffnungen sind dafür da, enttäuscht zu werden. Hier dösen sie jedoch allmählich weg, denn die elektrisierende Energie der ersten Minuten zerstiebt im Handumdrehen. Was bleibt, sind Mark Wahlberg und Dwight Johnson im anstrengenden Dumpfbacken-Modus als schusseliges, aber grausames Verbrecherduo. Als deren holpriger Plan einer Entführung zwecks schneller Geldgenerierung komplett aus dem Ruder läuft, wirkt das Hauptdarstellertandem etwas beschränkt in seinen Möglichkeiten, dem zwischen schwarzem Humor und unlustigem Zynismus irrenden Stoff wirklich neue Impulse zu geben. Spätestens, wenn der Zuschauer ab Mitte des Films dem hektischen Treiben mit gelangweilter Wurstigkeit folgt, beschleicht einen der Verdacht, Bay sei mittlerweile von einem ins Humanoide transformierten Roboterklon ersetzt, denn Regungen echter Gefühle sucht man hier vergebens.
3

Der Tag des Doktors
Polyband/VÖ: 20.12.

Da war er nun, der große Jubiläumstag: 50 Jahre nach der Erstausstrahlung begingen Doctor-Who-Fans auf der ganzen Welt den Geburstag des zeit- und dimensionsreisenden Außerirdischen, in 94 Ländern wurde die dafür gefertigte Spezialfolge ausgestrahlt. Die hohen Erwartungen erfüllte „Der Tag des Doktors“ – einigen Unkenrufen zum Trotz – mühelos: Matt Smith, David Tennant und John Hurt treten als verschiedene Inkarnationen des Doktors in Erscheinung und müssen in gleich drei Zeitebenen diverse Katastrophen abwenden. Humor ist dabei Pflicht, augenzwinkernde Insider-Gags ebenso: Neue Enthüllungen, alte Bekannte und frisch verzwirbelte Plotstränge sorgen für beste Unterhaltung. Dass dabei Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der zum globalen Phänomen anwachsenden Serie in ein packendes, herrlich exzentrisches und höchst unterhaltsames TV-Event gerollt werden, zeigt erneut das unbestrittene Können und das umfassende Who-Wissen von Showrunner Steven Moffat („Sherlock“). Für Fans ein Muss, für alle anderen ein sehenswerter Einstieg ins Whoniverse.

8

Sweetwater
Planet Media/VÖ: 16.01.

Nach langer Durststrecke scheinen Western wieder en vogue zu sein. Bis Italo-Western-Kenner Tarantino nach seiner Django-Neuinter-pretation, wie von ihm selbst angekündigt, mit seinem nächsten Film wieder ins Genre zurückkehrt, verkürzt dieser Rachewestern die Wartezeit: „Mad Men“-Muse January Jones ist die ehemalige Prostituierte Sarah, die gemeinsam mit ihrem Gatten den Zorn des skrupellosen Grundbesitzers und Baptistenpredigers Josiah (Jason Isaacs) auf sich zieht. Der lässt seiner sadistischen Ader freien Lauf, macht die Rechnung aber offenbar ohne die Gegenwehr der resoluten Dame. Die plant bereits Vergeltung und kann auf die Hilfe des kantigen Gesetzeshüters Jackson (Ed Harris) zählen, wenn es darum geht, blutigste Rache gegen den Schurken zu üben. Unentdecktes Genre-Terrain wird dabei zwar nicht erschlossen, als harter und bis weilen schön schwarzer Neo-Western weiß „Sweetwater“ aber auf jeden Fall zu unterhalten.

7

Zusammengestellt von Gerhard Maier