Nazareth – Harte Arbeit und ehrliches Interesse

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Es entbehrt auf den ersten Blick nicht einer gewissen Ironie, diese Worte aus Dans Mund zu hören, schließlich hatten Nazareth einige ihrer größten 70s-Hits mit Songs aus der Feder anderer, zuerst mit Joni Mitchells Flugangstnummer ›This Flight Tonight‹ und später mit Tomorrows ›My White Bicycle‹ und natürlich mit ›Love Hurts‹, das zuvor ein Crooner-Hit für die Everly Brothers gewesen war. „Der Unterschied war, dass wir uns die Songs zu Eigen gemacht haben und sie zu echten Nazareth-Songs werden ließen“, ist der Sänger überzeugt. „Jonis Nummer zum Beispiel war bei ihr ja ein sehr persönlicher Folk-Song, aus dem wir eine waschechte Rock’n’Roll-Nummer gemacht haben.“

Dass sich Nazareth aus der Talsohle der 80er-Jahre irgendwann wieder befreien würden, war Dan allerdings stets klar. „Man weiß doch, dass sich im Leben alles im Kreis bewegt“, sagt er bestimmt. Als Ende der 80er Bands wie Guns N’ Roses auf der Bildfläche auftauchten und dafür sorgten, dass sich das musikalische Klima wieder zugunsten härterer, handgemachter Gitarrensounds änderte, konnten Nazareth ein wenig aufatmen. Die lange Durststrecke – in den 80ern fand die Band jahrelang kein Label, das bereit gewesen wäre, ihre Platten im heimischen Großbritannien zu veröffentlichen – näherte sich dem Ende und der Zuspruch gerade von Guns N’ Roses-Frontmann Axl Rose hatte sicherlich Anteil daran. Nicht nur, dass seine Truppe Nazareths ›Hair Of The Dog‹ auf dem Album THE SPAGHETTI INCIDENT? coverte, berühmt ist auch die Geschichte, dass Axl seine Idole als Hochzeitsband engagieren wollte – und eine Absage bekam. „Ich muss zugeben, dass es schon ziemlich cool war, dass er uns gefragt hat“, gibt Dan zu. „Wir sollten auf seiner Hochzeit ›Love Hurts‹ spielen, weil er ja immerhin die Tochter eines der Everly Brothers zur Frau nehmen wollte. Letztlich hat der Song die Zeit fraglos länger überdauert als die Ehe. Dennoch habe ich viel für Axl übrig. Als wir vor einigen Jahren in Prag aufgenommen haben, waren Guns N’ Roses für ein Konzert in der Stadt und wir haben uns getroffen. Er ist ein lieber Kerl, das ist er wirklich! Er hat’s voll drauf! Letzten Endes wurde er zum Sündenbock gemacht, aber das war nicht richtig. Immerhin war er immer der, der keine Drogen genommen hat, während die anderen sich zugedröhnt haben. Inzwischen sind sie ja alle runter von dem Trip, davor habe ich großen Respekt, aber ungeachtet dessen musste Axl damals viel zu viel einstecken. Das macht mich richtig wütend, wenn ich ehrlich bin.“

Anders als Guns N’ Roses haben Nazareth im Laufe ihrer inzwischen 45-jährigen Karriere eine beachtliche personelle Kontinuität an den Tag gelegt. Klar, ganz ohne Umbesetzungen ging es nicht, aber abgesehen von dem 1999 verstorbenen Schlagzeuger Darrell Sweet ist der 1990 ausgestiegene Gitarrist Manny Charlton das einzige Langzeitmitglied der Band, das Nazareth verloren gegangen ist. „Ich denke, das ist eine Frage der Persönlichkeit“, versucht sich Dan an einer Erklärung für die Konstanz. „Bei uns hat jeder einzelne Musiker die Chance, sich in den kreativen Prozess einzubringen und produktiv zu sein. Du kannst nicht einfach zu deinem Gitarristen gehen und sagen: ‚Hier, spiel das, was ich mir überlegt habe!‘ Du musst die Leute einbinden und sie müssen natürlich auch teilhaben wollen.“[/tcsublocker]

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