Leonard Cohen – Fauler Bastard im Anzug

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Leonard Cohen – Fauler Bastard im Anzug

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Leonard Cohen 2012a @ Dominique Issermann

Das Warten hat sich gelohnt: Acht Jahre nach DEAR HEATHER legt der kultisch verehrte Singer/Songwriter ein Spätwerk vor, das zu den besten seiner Karriere zählt. Und auf dem der Kanadier nicht nur musikalische Akzente setzt, sondern auch humoristische. Etwa mit der Selbstbeschreibung als „lazy bastard living in a suit“ oder tiefen Einblicken in sein Sexualleben. CLASSIC ROCK traf den 77-Jährigen in Paris.

 

Herr Cohen, Ihr neues Album heißt OLD IDEAS. Wie viel Selbstironie steckt dahinter? Oder sind alte Ideen besser, weil sie etwas Bewährtes und Verlässliches darstellen?
Ich bin mir nicht sicher, was der Titel bedeutet oder wofür er steht. Aber er hat eine bestimmte Resonanz – im Sinne von: Er befasst sich mit Dingen, die uns betreffen. Wobei es schwierig ist, sie genau festzumachen und mit dem Finger auf sie zu zeigen. Sie sind wie alte Freunde, die uns ein Leben lang begleiten und immer wieder auftauchen.

Also Einsamkeit, Tod und Verzweiflung – Themen, die sich wie ein roter Faden durch ihr Werk ziehen?
(zögernd) Mir ist nicht bewusst, dass die meisten meiner Songs eine Form von Leid behandeln. Und ich bin mir nicht sicher, wie stark ich beim Schreiben gelitten habe. Eigentlich hatte ich sogar sehr gute Laune. Aber ich denke, in allen Stücken, die wir mögen, steckt immer eine gewisse Trauer. Selbst ›Jingle Bells‹ kann man so langsam singen, dass es die tiefsten Emotionen transportiert. Und es gibt Leute, die sehr gut darin sind. Zum Beispiel Marilyn Monroe mit ›Happy Birthday‹. Sie hat das zu einer erotischen Einladung gemacht. Weshalb Songs wie Tofu sind: Sie übernehmen die emotionale Stimmung des Sängers. Und wenn man sein Leid zum Ausdruck bringen will, lässt sich das in einem Song sicher tun. Man kann auch einen erotischen Impuls geben oder einen, der Depressionen auslöst. In guten Songs findet sich etwas zu all diesen Zwickmühlen.

Welche Absicht verfolgen Sie mit ihren Songs? Sind das Bestandsaufnahmen oder eine Art Betriebsanleitung für ein besseres Leben?
(lächelt) Ich würde sagen, ein Song funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Er richtet sich ans Herz, was seine Qualen und Niederlagen betrifft. Aber er eignet sich auch zum Geschirrspülen, zum Hausputz und als Hintergrund beim Turteln. Ich denke, wir lieben Musik, weil sie so viele Einsatzmöglichkeiten, aber auch so etwas Heilendes und Belebendes hat. Ein wirklich guter Song stößt in all diese Bereiche vor.

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