Review: Iron Maiden – THE BOOK OF SOULS

Dasselbe gilt für das Titellied, zehneinhalb fast wahnwitzig großspurige und theatralische Minuten, in denen mehr kluge Ideen verpackt sind, als eine so langlebige Band noch im Tank haben sollte. Dickinson könnte dabei nicht weniger wie jemand klingen, bei dem bald ein Tumor im Rachen gefunden wird…sagen wir einfach, dass seine Heilung die geringste Überraschung an der jüngeren Geschichte dieser Band ist. Das Zusammenspiel zwischen diesen „drei Amigos“ erreicht auf dem donnernd-ausladenden ›Shadows Of The Valley‹ und vor allem dem dunklen, beunruhigenden ›The Man Of Sorrows‹ aus der Feder von Harris und Dave Murray ähnliche Spitzenlevels, wo Kevin Shirleys kräftige, geradlinige Produktion diese beeindruckend organische Verbundenheit dieser sechs Musiker in ein besonders helles Licht rückt.

IRON MAIDEN ft Lauderdale 2010

So weit, so genial. Doch selbst die optimistischsten Maiden-Fans werden vom krönenden Abschluss von THE BOOK OF SOULS überwältigt werden. ›Empire Of The Clouds‹, das längste Stück, das die Band je aufgenommen hat, ist im Wesentlichen eine 18-minütige Heavy-Metal-Oper, inklusive Dickinsons erstem Ausflug ans Klavier und üppigen orchestralen Elementen, die ihren gewichtigen Beitrag zu dessen Breitwand-Sound leisten.

Diese so detaillierte wie poetische Erzählung der Katastrophe um das britische Luftschiff R101 von 1930 ist schlicht umwerfend und ganz klar eine Herzensangelegenheit, vor allem für den Frontmann und Autor. Als Schlusspunkt eines so souveränen und beeindruckenden Brockens von eigensinnigem Heavy Metal führt es zu einer offensichtlichen Frage: Gibt es irgendetwas, das Iron Maiden nicht tun können? Anscheinend nicht. Wenn man bedenkt, dass diese Platte nicht mal ansatzweise wie die Arbeit einer Band klingt, die sich dem Ende ihrer Liebesaffäre mit der Musik nähert, könnte die Zukunft sogar noch größere Wunder bringen. Bloody hell.

Text: Dom Lawson

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