Neil Young im großen Interview: King Rumpel

Neil_Young_New_Press_Picture_2012_13Angeblich habt ihr während der Sessions für AMERICANA noch ein komplettes zweites Album aufgenommen. Stimmt das?
Das ist richtig.

Mit noch mehr Coverversionen oder neuen Eigenkompositionen?
Das nächste hat mit diesem nichts zu tun. Es sind alles Originale.

Gehst du mit Crazy Horse auf Tour?
Auf jeden Fall! Sobald sie es buchen. Und was Europa betrifft, würde ich sagen, entweder in diesem Winter oder spätestens im kommenden Sommer. Einfach, weil es für dieses Jahr schon zu spät ist. Ich wurde oft daran erinnert – aber ich habe es geflissentlich ignoriert. (lacht)

Was auch bedeutet, dass die Reunion-Tour mit Buffalo Springfield erst einmal auf Eis liegt?
Ja, das stand eine Zeit lang im Raum, und dann hat sich die Idee einfach in Luft aufgelöst. Genau wie die Original-Band. Das war damals genau dasselbe. Also in den 60ern …

Was hört Neil Young privat? Kann er mit der musikalischen Moderne überhaupt etwas an- fangen?
Warum nicht? Ich habe zum Beispiel erst von ein paar Tagen Usher bei „Saturday Night Live“ gesehen. Und der Song, den er da gebracht hat, war ziemlich cool. Was jetzt nicht heißt, das ich ein großer Usher-Fan bin, aber er hat wirklich gerockt. Im Ernst. Das war eine tolle Nummer. Und dann war da vor sechs oder acht Monaten eine Band im Fernsehen, die mir ebenfalls sehr, sehr gut gefallen hat. Sie hieß The Givers. Und ich hielt sie für wirklich toll. Genau wie die Alabama Shakes, die ich sehr mag. Und es gibt noch mehr guten Stoff da draußen. Zum Beispiel Mumford & Sons. Das ist eine unglaublich starke Band mit viel Intelligenz, Soul und Tiefe. Leider lassen sich ihre Songs nur als minderwertige MP3s hören. Aber egal, ich will mich da nicht in Rage reden …

Du bist jetzt 66. Bist du dir bewusst, dass es einen deutschen Schlager gibt, der besagt, dass das Leben erst in diesem Alter anfängt?
Mit 66? Wow! Wer hat sich denn den Quatsch einfallen lassen? Waren die high? (lacht) Wenn ihr mich fragt, beginnt das Leben eher auf „Route 66“. Und wer immer das in Deutschland geschrieben hat, dem empfehle ich: Unternehmt einen Trip durch den Südwesten der Vereinigten Staaten – auf genau diesem Highway. Ich denke, das wäre eine gute Idee.

Demnach ist das Alter ein beängstigendes oder ein befriedigendes Erlebnis?
Das einzige, was zählt, ist die Tatsache, dass es nicht mit 66 plötzlich vorbei ist. Und das hoffe ich inständig.

Wenn es nicht das Alter ist: Was hat dich veranlasst, deine Memoiren zu schreiben? Etwa, weil es so viele schlechte Autobiografien von dir gibt?
Ich kenne die Bücher, die da auf dem Markt sind, überhaupt nicht. Was wahrscheinlich auch ganz gut so ist. Ich versuche sie zu vermeiden, wo ich nur kann – einfach, weil ich sonst wohl eine gerichtliche Verfügung gegen jedes einzelne erwirken müsste. Und so viel Zeit habe ich nicht. Aber das Buch, das ich jetzt geschrieben habe, ist keine richtige Biografie, sondern ich würde es eher als einen Hippietraum bezeichnen. Und unter dem Gesichtspunkt ist es auch ziemlich gut. Denn da sind jede Menge Geschichten am Start, die wirklich passiert sind. Also nicht nur irgendwelche Mythen.

Außerdem hat es eher etwas von losen Erinnerungen. Ich habe gar nicht erst versucht, das zu etwas Zusammenhängendem oder Chronologischem zu ordnen. Und es ist auch nicht so, als hätte ich da mit irgendwem gesessen und ihm einfach ein paar Geschichten erzählt, da- mit das anschließend zu einem Buch verwurstet wird, das ich nur noch unterschreibe. So etwas würde ich nie machen.

Du meinst: Es war kein Ghostwriter involviert?
Nein, ich habe Angst vor Ghostwritern. Ich meine, hast du je einen gesehen? Also mir macht allein der Gedanke daran Angst – vor allem nachts. Ich könnte mir nichts Schlimmeres vorstellen. Für mich wäre das wie ein Horrorfilm.

Wobei „Waging Heavy Peace“ doch ein angemessener Titel für einen Hippietraum ist.
(lacht) Genau das habe ich mir auch gedacht – es passt.

Welche schmutzigen kleinen Geheimnisse verrätst du darin?
Gar keine! Da wird nichts verraten! Absolut gar nicht! Es gibt keine neuen Informationen, und da ist überhaupt nichts Interessantes am Start. Deswegen kann ich es auch nicht empfehlen. Wenn ihr nach etwas sucht, was sich für „US Today“ oder fürs „People“-Magazin eignet, dann solltet ihr es einfach ignorieren.

Also keine Geständnisse, kein Dreck, keine Sensationen und nichts, was dem aktuellen Persönlichkeitskult der Medien gerecht wird?
Selbst, wenn ich denn wollte, könnte ich dem wohl nicht gerecht werden. Dafür fehlt mir einfach die Credibility (lacht). Und ich habe auch nicht vor, mich selbst zu prostituieren, indem ich im Fernsehen auftrete, um dieses Buch zu verkaufen. Da muss sich der Verlag einen anderen Ansatz überlegen als den üblichen. Einfach weil ich da nicht mitspiele.

Wie wär’s mit gigantischen Werbetafeln im Central Park?
Oder eine riesige Werbefläche an einem dieser hohen Gebäude, die den Central Park überblicken – das wäre doch die perfekte Lösung. Am besten einfach nur mit dem Cover meines Buchs. Also wie ein gigantisches Buch, das alle Blicke auf sich zieht. Das wäre genau die richtige Kampagne für mich.

Neil, vielen Dank für das Gespräch.
Immer wieder gerne.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here