ZZ Top: Billy Gibbons über die wilden 70er

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ZZ Top: Billy Gibbons über die wilden 70er

In den 70ern habt ihr so viele großartige Platten gemacht, von ZZ TOP’ S FIRST ALBUM (1971) bis DEGÜELLO (1979). Für viele Fans ist TRES HOMBRES von 1973 euer Highlight. Wie siehst du das?
Das erste Album hat seine ganz eigene, besondere Qualität, und TRES HOMBRES war natürlich unser erster Top-10-Seller. Da war auch ›La Grange‹ drauf, daher wurde es zu einem Langzeitklassiker.

Das Bordell in ›La Grange‹ – das habt ihr doch sicher besucht, oder?
Natürlich. Das war wie eine Art geheimes Initiationsritual, vor allem, wenn man das Glück hatte, in Texas geboren zu sein. Es war in der Nähe der mexikanischen Grenze und hieß „The Chicken Ranch“.

Wie waren die Mädchen dort?
Oh, sie waren ziemlich charmant! Der Laden war wohl kein besonders gut gehütetes Geheimnis. Und das schien niemanden zu kratzen.


1976 wart ihr mit der „Worldwide Texas Tour“ in den ganzen USA unterwegs. Die Bühne hatte die Form des „Lone Star State“ und es gab texanische Motive wie u. a. einen Büffel, einen Texas-Longhorn-Ochsen, Geier und Klapperschlangen zu sehen. Was zum Teufel habt ihr euch dabei gedacht?
Wir wollten einfach mit ZZ Top einen Geschmack von Texas mitnehmen. Das war ein recht ehrgeiziger Plan, aber wir entschieden, „Yeah, lasst uns das versuchen.“ Es war ein sehr kostspieliges Unterfangen und die Logistik dahinter war extrem. Da lernten wir sehr schnell: Wir sind vielleicht nur ein Trio, aber da reisen noch 156 Menschen mit uns mit. Es kam der Punkt, wo die Tiere luxuriöser reisten als die Band. Der Ochse und der Büffel wurden auf diese Scherenlifte gestellt, die normalerweise auf Baustellen verwendet werden. Das war wirklich wild und eine einzigartige Herausforderung, aber wir hatten auf jeden Fall viel Spaß dabei.


Was habt ihr aus dieser Erfahrung gelernt?
Wir haben gelernt, dass man einer Klapperschlange das Gift abzapfen kann, es sich aber innerhalb von wenigen Tagen wieder neu bildet.

Einige der besten Songs von ZZ Top in den 70ern waren reiner Blues: ›Sure Got Cold After The Rain Fell‹ von RIO GRANDE MUD, ›Jesus Just Left Chicago‹ von TRES HOMBRES, ›Blue Jean Blues‹ von FANDANGO!, ›A Fool For Your Stockings‹ von DEGÜELLO…

›Blue Jean Blues‹ und ›A Fool For Your Stockings‹ sind zwei der Bluesnummern, die wir auch heute noch spielen. Viele Songs von ZZ Top begannen mit einem Spruch oder einer Phrase, irgendetwas Willkürliches, und das war bei ›A Fool For Your Stockings‹ definitiv der Fall. Ich erinnere mich, wie einer unserer Kumpel erzählte, warum er sich in ein bestimmtes Mädchen verliebt hatte. Als er dann den Satz sagte, „Man, I was a fool for her stockings“ [dt.: Ich war verrückt nach ihren Strümpfen], war das so ehrlich und unerwartet. Ich schrieb das sofort nieder und es hat gut für uns funktioniert. Als wir den Song aufnahmen, spielte ich interessanterweise die Fender Strat, die mir Jimi Hendrix geschenkt
hatte, als wir zusammen auf Tour waren. Aus irgendeinem Grund war sie nicht durch den Verstärker
zu hören. Letztlich stöpselten wir sie direkt ins Mischpult ein, deswegen ist das so ein sauberer Klang auf dem Track.

Als Gitarrist hattest du schon immer einen unverkennbaren Sound. Brian May sagt, das liegt alles in den Fingern. Was denkst du?
Ich neige dazu, Brians Urteil zuzustimmen. Bei ZZ Top zählen wir allerdings vor allem auf die dramatische Darbietung unserer berühmten 1969er Les Paul Sunburst, die wir Pearly Gates nennen. Dieses Instrument ist bis heute faszinierend. Es entstand an einem jener Glückstage, als die richtige Kombination aus Holz, der korrekten Menge Kleber und der korrekten Menge Farbe zusammenkamen. Das ist ziemlich verrückt. Ich habe diese Gitarre herumgereicht und alle möglichen Leute kamen zu
demselben Schluss: In diesem Instrument steckt irgendeine Magie.

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