U2: Berlin, Olympiastadion (12.07.2017)

-

U2: Berlin, Olympiastadion (12.07.2017)

U2 Pressefoto 2017Ein Abend voller Hymnen

Auch wenn die Iren ihren Ultra-Bestseller THE JOSHUA TREE von 1987 zum ersten Mal in voller Länge spielen, bestehen sie darauf, dass es sich bei dieser Megatournee um keinen selbstverliebten Nostalgietrip handelt, sondern um eine Neubewertung dieser USA-zentrischen Klassiker im Kontext der Ära Trump. Darüber kann man sich zwar streiten, über die unverminderte Kraft dieser Songs jedoch nicht. ›Where The Streets Have No Name‹, ›I Still Haven‘t Found What I‘m Looking For‹, ›With Or Without You‹ und mehr klingen aufregend frisch, treibend, strahlend und lebendig, selbst in einem regendurchtränkten Berliner Stadion.
Im Vergleich zu den Hightech-Overkills der jüngeren Tourneen der Band ist diese Produktion bemerkenswert spartanisch und agil.

Anton Corbijns neu gefilmte Panoramen von majestätischen Wüstenszenerien und Nahaufnahmen von Gesichtern, die uns von einem hochauflösenden Mega-Bildschirm beglücken, sind schlicht und doch kraftvoll. Viele der Songs klingen ebenso erfrischt. ›Red Hill Mining Town‹ erlebt hier sein äußerst spätes Live-Debüt und erinnert mit seinem neuen, dynamischen Bläser-Arrangement angenehm an den frühen David Bowie. Auch textlich streut Bono immer wieder Referenzen an den großen Künstler ein, etwa die deutsche Fassung von ›Heroes‹.

Nach Ende der JOSHUA TREE-Songs kommt die Zugabe nicht so richtig in Gang, auch wenn adrenalinbetankte Riffmonster wie ›Elevation‹ und ›Vertigo‹ zeitweise für Moshpit-Hysterie im gesamten Stadion sorgen. Und auch wenn man Bonos unermüdlichem Aktivismus positiv geneigt ist, fühlen sich seine Statements zu Feminismus und Ungleichheit hier etwas vage und abgedroschen an. Doch ob man sie nun liebt oder hasst – auch dieses Konzert bestätigt die Position von U2 als beste Breitwandspektakel-Band ihrer Generation.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Flashback: The Mamas and the Papas 1967 mit ›California Dreaming‹

1965 veröffentlichten The Mamas And The Papas den Song ›California Dreaming‹, der zu ihrem ersten großen Hit wurde. Der...

Titelstory: The Doors – MORRISON HOTEL

Der Alkoholismus hatte Jim Morrison eisern im Griff, zeitweise konnte er kaum noch live spielen, zudem stand ihm möglicherweise...

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen Nummer 8

Hinter dem achten Türchen unseres Adventskalenders verbirgt sich ein Paket der Dead Daisies: Das neue Album RADIANCE gibt es...

Alberta Cross: Neue Single ›Mercy‹

2023 soll ein neues Album von Alberta Cross erscheinen, eine erste neue Single mit dem Titel ›Mercy‹ gibt es...

CLASSIC ROCK präsentiert: The Who live!

Nach sieben Jahren Tourpause in Europa kommen The Who endlich wieder nach Deutschland. An genau einem exklusiven Termin, dem...

Gitarrenhelden: Nita Strauss

Sie war von Anfang an eine Technikerin – mit 13 gab sie Steve Vai als ihr Idol an –...

Pflichtlektüre

Paradise Lost – LIVE AT THE MILL

Intim, ungefiltert und selbstvergessen Wenn man seinen Proberaum schon in...

Dave Alvin & Phil Alvin – COMMON GROUND

1979 gründeten die Gebrüder Alvin die Roots Rockband The...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen