Titelstory: Slash – Was kost’ die Welt? Ich nehm zwei!

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Titelstory: Slash – Was kost’ die Welt? Ich nehm zwei!


Man muss sich schon wundern, wann du das alles bewerkstelligt hast.
Nun, zum ersten Mal haben wir – Todd, Brent und ich – uns diesen Januar ge­­troffen, um zu jammen, denn wir hatten seit 2015 nicht mehr zusammen gespielt. Dabei haben wir alle neuen Songs fertig gestellt. Dann kam Frank noch dazu, den wir in das neue Repertoire eingearbeitet haben. Im März stieg dann Myles ein und so konnten wir Mitte des Monats mit den Aufnahmen beginnen.

Das war…flott.
Ja, das lief bam, bam, bam. (schnipst zweimal mit den Fingern)

Du hast die Songs also zuvor auf Tour geschrieben?
Das Gros der neuen Sachen ist tatsächlich bereits auf der letzten Tour mit den Conspirators entstanden. So mache ich das, ich schreibe, wenn wir unterwegs sind, im Hotelzimmer, in der Garderobe. Wann immer ich dann eine anständige Idee habe, zeige ich sie den Jungs während des Soundchecks, nur für etwa fünf Minuten, um zu schauen, ob sie es überhaupt wert ist, weiter verfolgt zu werden. So haben wir das mit einigen Nummern gemacht und wann immer es eine Unterbrechung während der „World On Fire“-Tour gab, gingen wir in einen Proberaum und arbeiteten sie aus. Der Grundstock stand also, und als dann die erste große Guns-Pause kam, haben wir das fertiggemacht und noch ein paar neue Nummern ge­­schrieben. Yeah.

Du nimmst dir echt niemals eine Auszeit, oder?
Nun, nicht wirklich. Jedenfalls nicht für längere Zeit. (lacht)

Würdest du denn jemals Material zu­­rückhalten, bis mehr Zeit ist, um es zu veröffentlichen, zum Beispiel bis die „Not In This Lifetime“-Tour beendet ist?
Na, der Punkt ist, dass genau ausreichend Zeit war, um es zu tun und ich nehme immer jede Möglichkeit wahr. Jetzt sind wir unterwegs bis Ende Juli, im September erscheint das Album, damit touren wir dann bis Oktober. Im November geht es dann weiter mit den Guns, dann ist Asien dran. Im Januar, Februar können dann die Con­spirators international losziehen, und wenn das erledigt ist, sind wieder die Guns an der Reihe.

Es geht also weiter und deine Pläne reichen auch schon so weit in die Zukunft?
Ja, ja. Wenn du so viel verrückten Shit am laufen hast, musst du gut planen. Zumindest versuche ich es! (lacht)

Hinter einem solchen Workaholismus steckt aber schon eine bestimmte Motivation, oder?
Nun, wenn ich nichts, egal in welcher Form, in näherer Aussicht hätte, würde ich durchdrehen. Es gibt viel zu viel zu tun, viel zu viele Dinge, die ich machen will. Deswegen suche ich beispielsweise auch jetzt schon wieder nach einem Zeitfenster für eine Filmsache, die wir mit meiner Produktionsfirma planen. Das muss wohl im Januar passieren, das ist die einzige Möglichkeit.

Kannst du dich erinnern, ob du jemals zuvor parallel in zwei aktiven Bands gespielt hast?
Ähm, ich glaube, alles in allem gab es das bis jetzt noch nie. Außer vielleicht zu Zeiten von Slash’s Snakepit, da hatte ich noch Slash’s Blues Ball. Aber das waren beide eher Jam-Bands. Ich sage jetzt mal, da ging es nicht sehr fokussiert zu. (lacht)

Eventuell war das für dich damals auch eine nicht gerade fokussierte Phase.
Jaaa, damals versuchte ich noch herauszufinden, was richtig für mich ist, denke ich.

Nun, jetzt hast du jedenfalls eine Gemeinsamkeit mehr mit Myles Kennedy. Hatte er dir Ratschläge zum Thema Band-Doppelbelastung gegeben?
Nein. Klar, er spielte immer Vollzeit mit Alter Bridge und wechselte hin und her. Aber nein, da hat er nie etwas gesagt und als es dann so weit war, war das für mich eine ganz natürliche Sache und ich dachte mir: „Okay, das bekommen wir irgendwie hin.“ Aber er war vermutlich schon ein gutes Vorbild für mich. (lacht)

In deinem letzten Interview mit uns sprachst du von Alter Bridge als Myles’ „Hauptband“. Denkst du in deinem Fall jetzt auch in derartigen Kategorien? Hast du eine „ Hauptband“? Ich denke mal nicht, dass du ein „Nebenprojekt“ besitzt?
Oh nein, ich würde nichts, was ich mache, jemals als Nebenprojekt bezeichnen. Ich denke, weil wir alle stets so viele andere Beschäftigungen parallel hatten, liegt es in der Natur der Conspirators, dass die Band für uns eher so was wie eine Geliebte ist. Sie ist unsere Konkubine. (lacht schallend)

Ist dir schon aufgefallen, dass mit der Veröffentlichung des Albums die Con­­spirators die beständigste Band deiner Post-Roses-Karriere sind?
Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. (lacht sich in die Faust)

Acht Jahre zusammen, drei plus ein Album.
Wow, ja… Es ist natürlich schon ein bisschen etwas anderes. Sowohl Guns N’ Roses als auch Velvet Revolver hatten diese spezielle Art von Band-Grandiosität an sich, während die Conspirators als mein Soloprojekt begonnen hatten und sich erst mit der Zeit zu dem entwickelten, was ich als echte Gruppe bezeichnen würde. Jetzt, da wir schon so lange zusammen sind, hat es einen echten Band-Charakter angenommen. Der entscheidende Punkt, warum es sich für mich anders anfühlt, ist wohl, dass ich diese Sache stets eigenständig lenkte. Wir gehen zwar alles sehr demokratisch an, aber weißt du, einer muss den Finger am Abzug haben und abziehen. (lacht) Das ist schon ein Unterschied zu Guns oder Velvet Revolver, wo die Bedürfnisse jedes Mitglieds, sagen wir mal, zu gleichen Teilen Gewichtung besaßen. (ein räusperndes Lachen)

Und jetzt sitzen wir hier und haben ein weiteres Album auf dem Tisch voller zugleich abwechslungsreicher und doch total unverwechselbarer Slash-Riffs. Und davon baust du pro Lied nicht nur eines, sondern gleich mehrere ein. Wo kommen diese ganzen wirklich feinen Ideen, wie ich finde, noch immer her?
Ähm, wow, erst mal, das ist sehr schmeichelhaft, aber danke dafür, ich weiß das zu schätzen. (stammelt er) Nun aber zur Frage. Das Material entsteht so: Ich sorge dafür, dass ich immer eine Gitarre bei mir habe, besonders auf Tour. Und wenn ich denke, dass etwas Gutes dabei war, nehme ich es sofort auf. Das bedeutet, ich spiele einfach die ganze Zeit und im Laufe eines Tages ist hoffentlich unter 500 fucking Riffs ein brauchbares dabei.

Hattest du jemals die Angst, deine Kreativitäts-Ressourcen könnten aufgebraucht sein?
Immer, immer wenn nichts geht, denke ich, das war es jetzt endgültig. So ist das einfach. Ich habe schon mit vielen Leuten geredet, denen es ganz genauso geht. Da muss man dann dranbleiben und irgendwann taucht etwas Kleines, Cooles auf, das einem wieder das nötige Selbstvertrauen verleiht, weiterzumachen. Alles ein ganz schöner Hirnfick. (lacht)

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