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    Titelstory: Led Zeppelin – Alle guten Dinge sind II

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    Titelstory: Led Zeppelin – Alle guten Dinge sind II

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    Aufgenommen an den verschiedensten Orten und begleitet von Ausschweifungen, die zu Legenden wurden, verwandelte ihr zweites Album Led Zeppelin von vormals Thronanwärtern in die unangefochtenen Könige des Rock.

    Diese Riffs, die sich mit Dreck unter den Nägeln und Totenkopfringen ins Fleisch schlagen. Diese Teufelsschreie, die sich wie ein Waldbrand auf den verwüsteten Hügeln deiner kleinen, zerstörten Seele ausbreiten. Diese Voodoo-Trommeln und Horrortrip-Bässe, die das Blut zum pulsieren bringen, bis es wie bei einer Strahlungswunde aus deinem schon toten Geist herausbricht. Ihr wisst schon … diese ganze, eskalierende Explosion, aus der das zweite Album von Led Zeppelin besteht?

    Es war erstanden aus echten Abenteuern in der noch ungezähmten amerikanischen Wildnis in einer Zeit, als Charles Manson zum Vergnügen tötete und Männer auf dem Mond spazierten. Einer Zeit, in der man in Woodstock staunte und in Altamont schon lauerte wie einer von Charlies Engeln, bereit, wieder zuzuschlagen.

    Einer Zeit, als Led Zeppelin sich zur größten Rockband aller Zeiten hocharbeiteten, kreuz und quer durchs Land zogen und mal hier, mal dort das aufnahmen, was für Zep-Überfans das großartigste und auf jeden Fall heftigste Album wurde, das je den Namen der Band tragen sollte. Ende Mai, das Zeppelin-Debüt stand gerade auf Platz 10 der US-Charts, beendeten die Briten ihre zweite Tournee durch Amerika mit zwei ausverkauften Abenden im Fillmore East in New York. „Variety“ schrieb in der Rezension über die „Besessenheit von Kraft, Lautstärke und melodramatischer Theatralik“ der Band, die „ihr musikalisches Gespür gegen die schiere Macht eintauscht, die ihr überwiegend jugendliches Publikum so fasziniert.“

    Nach der zweiten Show gab Atlantic Records ihnen zu Ehren eine Party im Plaza Hotel, wo sie ihre erste Goldauszeichnung für das Debüt LED ZEPPELIN überreicht bekamen. Und bei der Gelegenheit wurde Jimmy Page mitgeteilt, sie müssten Nägel mit Köpfen machen und das zweite Album fertigstellen, denn das Label wollte so schnell wie möglich nachlegen. Zum Handeln gezwungen, berief Jimmy die Band unmittelbar nach der Party ins Studio ein.

    Die Musik entwickelte sich auch auf der Bühne immer schneller – viele der spontanen Jams auf der ersten US-Tournee bekamen ein Eigenleben und verwandelten sich in voll ausgeformte Songs. Etwa ›Whole Lotta Love‹, das ursprünglich Teil einer ausgedehnten Improvisation bei ›As Long As I Have You‹ war, das schlangenäugige ›What Is And What Should Never Be‹ sowie eine kürzere, dynamischere Rocknummer namens ›Ramble On‹.

    Die Tournee-Routine in den USA war da schon gut eingeübt. Clive Coulson kümmerte sich um die technische Logistik, Richard Cole sorgte dafür, dass die Band „unterhalten“ wurde – ein Euphemismus dafür, sie mit Alkohol, Gras und willigen Groupies zu beliefern.

    Das konnte zu kniffligen Situationen führen, vor allem für Plant, der immer noch die Angewohnheit pflegte, so oft wie möglich barfuß zu laufen, und eine immer längere Mähne trug. Er wurde immer wieder angespuckt, angebrüllt und angefeindet von allen, die ein Problem damit hatten, einen bekifften Hippie in ihrer Nähe zu erspähen.

    In Chicago spielte die Band im ausverkauften Kinetic Circus. Manager Peter Grant fand heraus, dass der Hallenleiter Tickets am Hinterausgang verkauft und das Geld selbst eingestrichen hatte. Er und Cole schnappten ihn sich und zwangen ihn, das Geld herauszurücken. Dann plünderten sie sein Büro, wo sie haufenweise gefälschte Kartenabrisse fanden. Grant hatte schon alles erlebt, man konnte ihn nicht täuschen. Wenn der Teufel im Detail steckte, war Grant sein rachsüchtiger Bote.

    Es war nicht nur ihre Musik, die Zeppelin zu Aufmerksamkeit verhalf. Ann Wilson, später bei Heart, besuchte mit ihrer Schwester Nancy das Konzert der Band im Greenlake Aquatheater in Seattle. „Die sexuelle Erregung der älteren Mädchen im Publikum öffnete mir die Augen“, erinnerte sie sich mit einem Lächeln. „Das war keine Show von Three Dog Night, auf der wir hier waren!“
    Für den 25-jährigen Jimmy Page, der schon von seiner Zeit bei den Yardbirds an das Tourleben in Amerika gewöhnt war, war nichts davon neu. Auch nicht Aktionen wie Bonzo, der sich als Kellner verkleidete und Jimmy ein Zimmer voll begeisterter jungen Frauen auf einem Servierwagen des Zimmerservice kredenzte.

    Und die Groupies kamen nicht nur in Los Angeles oder New York in Scharen. „Es gab ziemlich viele von ihnen“, erinnerte sich Plant lächelnd. „Miss Murphy, die Butter Queen, Little Rock Connie aus Arkansas. Einige von ihnen sind immer noch unterwegs – aber heute sind sie Lehrerinnen und Anwältinnen.“

    1969 in Los Angeles war die unangefochtene Königin der Groupies eine gewisse Pamela Ann Miller alias Miss Pamela alias Pamela Des Barres (nachdem sie Mitte der 70er Rocksänger Michael Des Barres geheiratet hatte). Sie war „zu romantisch für One-Night-Stands“. Wenn sie dich ausgewählt hatte, dann war das „für die gesamte Tour – zumindest im Großraum L.A.!“

    Miss Pamela sah Zeppelin erstmals im Whisky A Go Go mit ihrer Freundin Miss Mercy. Sie fand, Page sehe in seinem rosafarbenen Samtanzug zerbrechlich und hilflos aus, „wie Sarah Bernhardt“. Sie erinnerte sich, wie Jimmy am Ende des Konzerts zusammenbrach und von zwei Roadies die Treppe hinaufgetragen wurde, von denen „einer anhielt, um Jimmys kirschroten Lederschuh aufzuheben“.

    Danach fand eine Party für die Band statt im damals angesagtesten Club der Stadt, dem Thee Charming Experience. Miss Pamela sah Zeppelin dort „am dunkelsten Tisch ganz hinten zechen“. Und sie sah zu, wie Richard Cole „ein junges Mädchen kopfüber durch die Gegend trug, ihre High Heels in der Luft, ihr Höschen an einem Knöchel hängend. Sein Gesicht war zwischen ihren Beinen vergraben und sie klammerte sich an seine Knie, ihren roten Mund weit offen in einem Schrei, den niemand hören konnte. Man konnte nur schwer sagen, ob sie Spaß hatte oder einen Alptraum durchlebte. Und gleichzeitig bekam es jemand direkt auf dem Tisch besorgt“.

    Dennoch konnte sie den Blick kaum von Jimmy abwenden, der „abseits von allem dasaß und die Szene beobachtete, als hätte er sie sich so ausgedacht: Bewacher, Schöpfer, unfassbar gutaussehender Popstar“. Entsetzt ergriff sie die Flucht. Doch auch sie war bemerkt worden, und als die Band nach L.A. zurückkehrte, schickte Page Cole los, um sie zu finden. „Es waren nicht nur sie“, sagte Pamela. „The Who machten das auch, und die Jungs von Hendrix.“ Allerdings „waren Zeppelin etwas extrem, sie wurden manchmal etwas ausfallend. Die Mädchen taten alles, um ihnen nahezukommen, und sie nutzten das schon mal aus“.

    Page hatte schon einen „bösen Ruf“ als „Herzen-brechender, gnadenloser Ladykiller mit Peitsche und Handschellen, was im totalen Gegensatz zu seinem so perfekt poetischen, engelsgleichen Gesicht stand.“ Was sie aber nicht davon abhielt, für den Rest des Jahres 1969 seine Freundin in L.A. zu werden. An freien Tagen im August blieb er bei ihr, hörte sich immer wieder Testpressungen von LED ZEPPELIN II an und machte sich „haufenweise Notizen“. Robert verbrachte unterdessen Zeit mit einer Freundin Pamelas, Michele Overman.

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