Titelstory: Brian Johnson – It’s A Long Way To The Top

Und natürlich steht es außer Frage, dass BACK IN BLACK sein Leben veränderte. Er gab selbst zu, in totaler Panik gewesen zu sein, als er nach Compass Point auf den Bahamas geflogen wurde, um sechs Wochen mit dem Wunderproduzenten Robert „Mutt“ Lange im Studio zu verbringen. Doch seine neuen Kollegen gaben ihm nie „das Gefühl, in den Schuhen eines Toten zu stehen“, und Lange holte die Darbietung seines Lebens aus dem Sänger.

Das meistverkaufte Hardrockalbum aller Zeiten wurde jedoch nicht sofort zum Bestseller. Nachdem dem Neuzugang seitens Atlantic Records versichert worden war, dass die Platte „fantastisch“ sei und „für klingelnde Kassen sorgen“ werde, machte sich verständlicherweise eine gewisse Beunruhigung breit, als der sehnlichst erwartete Nachfolger des Platinsellers HIGHWAY TO HELL in den USA im August 1980 auf einem äußerst bescheidenen Platz 89 debütierte. Doch im folgenden Februar hatte er die Top 10 erreicht und sollte sie fast sechs Monate lang nicht mehr verlassen. Johnson war unterdessen fast lächerlich unbeeindruckt davon, die Oberliga erreicht zu haben. Als „Sounds“ einen Bericht zur Arena-Tour durch die USA machte, trafen sie ihn an, wie er im Nobelhotel Sunset Marquis in Los Angeles Speck und Eier briet und dennoch völlig zufrieden mit seinem neuen Leben zu sein schien.

„Weißt du, was das Erste war, das Angus und Malcolm zu mir sagten, als ich zu dieser Band stieß?“, fragte er die Autorin Sylvie Simmons. „Sie sagten: ‚Hast du ein Problem damit, beleidigt zu werden?‘ Ich entgegnete: ‚Warum denn?‘ Und sie erwiderten: ‚Weil, wenn du dich uns anschließt, du eine Menge einstecken müssen wirst. Seit wir Aus­tralien verließen, wurden wir von jedem verfickten Reporter fertiggemacht‘. Meine Antwort: ‚Na ja, ich werde sowieso Prügel einstecken müssen, nachdem ich diesen Kerl ersetzt habe‘. Aber wir sind gut in unserem Bereich. Wir kümmern uns einfach einen absoluten Dreck um irgendetwas. Wir spielen das, was wir spielen, und das war‘s. Und das Gute daran ist, dass das niemand so gut kann wie wir. Diese Band ist verdammt noch mal die beste! Manchmal vergesse ich glatt zu singen, sehe einfach nur diesen Jungs zu und denke, dass sie fucking umwerfend sind. Eine großartige Band und großartige Kerle.“

36 Jahre später wird man keine andere Meinung von ihm zu der Formation hören, die ihn scheinbar hinter sich ge­­lassen hat. Was niemanden überraschen sollte, war Johnson doch schon immer der loyalste, selbstloseste und unaffektierteste Rock‘n‘Roller. Der Multimillionär mit Benzin im Blut lässt Kommentatoren bei Autorennen nicht mal seinen einstigen Hauptjob erwähnen, aus Angst, die anderen Fahrer könnten ihn für „ein Arschloch“ halten. Auch wenn er nie wieder auf einer Bühne stehen sollte, ist sein Platz in der Rockgeschichte sicher. Und man hat den Eindruck, als habe der smarte Geordie, der nie seine Wurzeln vergaß, seinen Frieden damit geschlossen.

„Viele Leute in der Stammkneipe meines Vaters betrachten mich immer noch mit Mitleid“, sagte er auf dem Hö­­hepunkt seines Ruhms mit AC/DC einem Interviewer. „Sie sagen: ‚Das arme Schwein. Hat immer noch keine anständige Arbeit‘. Aber ich weiß, dass ich unglaubliches Glück hatte. Was würde ich tun, wenn ich wieder 16 wäre? Genau das fucking Selbe. Ich würde nichts ändern.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here