Titelstory: AC/DC – Die zweite Chance

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Titelstory: AC/DC – Die zweite Chance

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Eine gute Wahl, wie sich herausstellt: „Du hast wirklich frischen Wind reingebracht, Brian!“, loben ihn die AC/DCs. „Alle anderen wollten immer nur ›Smoke On The Water‹ singen. Darauf hatten wir nach dem x-ten Mal echt keinen Bock mehr.“ Dann folgt der Test auf Herz und Nieren: Die Band stimmt ›Whole Lotta Rosie‹ an, und Brian setzt ein. Als er „Rosie“ singt, kribbelt sein gesamter Körper. „Ich hatte einen guten Tag“, nennt er das heute mit dem ihm eigenen Understatement.

acdc

Doch obwohl alles rund läuft, ist sich Johnson auf dem Heimweg nicht sicher, ob er den Job wirklich bekommt. Die Band will keinen Schnellschuss, sie lässt sich Zeit mit der Entscheidung. Schließlich lädt sie ihn zu einer weiteren Audition nach London ein. „Ich sagte ihnen: ,Jungs, für so was habe ich keine Zeit – bei mir steht ein ganzer Haufen Autos in der Garage, die nur darauf warten, dass ich sie endlich wieder flott mache!‘ Trotzdem habe ich mich breit schlagen lassen und bin noch mal hingefahren.“

Auch das zweite Vorsingen geht reibungslos über die Bühne. Danach herrscht jedoch erneut Funkstille. AC/DC geben sich zugeknöpft. „Ich habe gemeinsam mit ihrem Roadie Keith Evans im Hotel übernachtet. Er meinte, dass ich den Job in der Tasche hätte. Doch ich entgegnete, dass sie sicher noch mitten im Entscheidungsprozess stecken würden und noch gar nichts sicher sei.“ Erst Tage später klingelt das Telefon der Johnsons erneut. Malcolm ist dran. Er sagt: „Wir müssen eine Platte aufnehmen, und zwar schon in einigen Wochen. Wärst du bereit dafür?“ „Ich stotterte nur: ,Wie, ich habe den Job?‘ Er darauf: ,Ja, natürlich!‘ Meine Reaktion: ,Weißt du was, ich lege jetzt auf. Könntest du mich in zehn Minuten noch mal anrufen, damit ich sicher sein kann, dass mir hier niemand einen beschissenen Telefonstreich spielt?‘ Malcolm nur: ,Sicher!‘“

Exakt zehn Minuten später ruft Young wieder an. „Und, machst du mit?“, fragt er. Johnson erwidert: „Scheiße, aber natürlich bin ich dabei! Dann legte ich auf, denn ich wollte nicht, dass Malcolm hörte, wie ich die Beherrschung verlor: Ich schrie nur lauthals: ,Woooow, verdammt, jaaaaaa!‘ Und dann machte ich die Flasche Whiskey auf, die ich eigentlich meinem Vater schenken wollte, weil er an diesem Tag Geburtstag hatte. Aber das war mir jetzt alles egal, ich brauchte ganz schnell einen ordentlichen Schluck!“

Am 1. April 1980, gerade mal sechs Wochen nach Bon Scotts Tod, geben AC/DC bekannt, dass Brian Johnson der neue Mann am Mikro ist. In Brians privatem Umfeld sind alle überrascht. Als er seinem jüngeren Bruder die Neuigkeit erzählt, lacht dieser ihn aus – er hält das Ganze für einen Aprilscherz. Zudem steht Johnson noch ein schwerer Gang bevor: Er muss seine Band-Kollegen informieren, die ihm über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Doch der Sänger reißt sich zusammen und bringt das Ganze ohne Drama zu Ende.

Ähnlich unprätentiös gibt er sich auch im Umgang mit den Medien, die sich nach der Veröffentlichung von AC/DCs Pressemitteilung sofort auf ihn stürzen. Sein erstes Interview gibt er der englischen „Sounds“. Und gesteht in dem Gespräch offen und ehrlich seine Unsicherheit ein: „Ich weiß noch nicht genau, welchen Stellenwert ich bei AC/DC haben werde“, wird er in dem Artikel zitiert, „und mir ist bewusst, dass ein Haufen Arbeit auf mich wartet. Das alles schüchtert mich noch ziemlich ein…“

Doch Brian Johnson ist nicht der Einzige, der den Druck spürt. Obwohl HIGHWAY TO HELL ein kommerzieller Erfolg gewesen ist, steht es um die Finanzen der Band aufgrund der immensen Produktionskosten der Scheibe nicht zum Besten. Daher müssen AC/DC schnell zu Potte kommen. Mit Feuereifer arbeiten sie in London an der Fertigstellung der Stücke, doch abgesehen von ein paar Song-Titeln steht noch kein einziger Text. „Ich kann mich kaum noch erinnern, wie die Lyrics zu Stande gekommen sind“, berichtet Johnson. „Die Jungs haben mich gefragt, ob ich nicht Ideen für einige Texte hätte. Also habe ich mich hingesetzt und mir was ausgedacht.“

Ende April sind neun Stücke so weit arrangiert, dass die Aufnahmen beginnen können. Die Band und Produzent Mutt Lange fliegen nach Nassau auf den Bahamas, um in den Compass Point Studios mit den Recordings zu beginnen. Eine weise Wahl, denn die Ruhe und Abgeschiedenheit hilft der Band, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Außerdem bietet sich endlich die Gelegenheit für die vier AC/DCs, ihren neuen Sänger besser kennen zu lernen. Die gemeinsame Vision schweißt die frisch formierte Band eng zusammen.

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