The Sheepdogs: München, Strom (07.06.2019)

Sheepdogs Video Saturday Night

Crazy from the heat…

Es ist warm draußen. Das bedeutet, dass es drinnen noch viel wärmer sein wird. Doch das macht nichts, denn gefühlsmäßig passen sich die Temperaturen im Strom einfach ziemlich adäquat an die Klänge an, die es im Laufe des Abends von den paradoxerweise aus dem kühlen Kanada stammenden Sheepdogs zu hören geben wird. Doch zuvor erklimmen die Creatures aus London die Bühne und aufgrund der eigensinnig zusammengestellten Vintage-Klamotten und Frisuren bangt man kurz recht vorurteilsbehaftet, gleich einer rechten Hipster-Veranstaltung zum Opfer zu fallen. Doch weit gefehlt.

Das Quintett um seinen überaus fähigen und witzigen Frontmann bewegt sich ganz nonchalant, manchmal leicht ironisch, zwischen verträumtem Indie-Pop und Classic Rock und weiß ab der ersten Note zu überzeugen. Außerdem sieht der Keyboarder und Rhythmusgitarrist aus wie ein junger Klaus Kinski, der abwesende Gesichtsausdruck des Bassisten in Kombination mit seiner topfigen Pony-Frisur erinnert leicht an Garth von „Wayne’s World“, der Sänger selbst irgendwie an eine attraktivere Version von Dr. Gonzo aus „Fear and Loathing in Las Vegas“, sodass man einfach nur dasteht und seiner eigenen Fantasie beim Anblick dieser Truppe freien Lauf lässt. Das Publikum ist am Ende des Sets mehr als gut angeheizt und bereit für die unaufgeregten Stars des Abends.

Die kommen unbeeindruckt nach einer kleinen Umbaupause auf die Bühne und versetzen das brechend volle Strom schon nach kürzester Zeit noch unbeeindruckter in ekstatische Schwingungen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, schließlich ist die entspannte, trotzdem stampfende und vor allem virtuos dargebotene Mischung aus Classic-, Southern- und Bluesrock wie gemacht für einen sommerlichen Freitagabend. Geboten ist auch heute wieder einiges: Posaunen- und Steel-Pedal-Soli, wunderbare Gesangsharmonien, warme Orgeltöne und über allem schwebend natürlich die samtigen Twingitarren von Wunderknabe Jimmy Bowskill und Frontmann Ewan Currie, die sich wie zartschmelzende Schokolade ums heiße Herz legen.

Obwohl die Sheepdogs auf höchstem Niveau ablieferten, hatte man zu Beginn ihrer Show manchmal das Gefühl, sie wären nicht mit ganzer Leidenschaft dabei. Verstärkt wurde diese Annahme, als ein wild gewordener Fan eine kleine Bierfontäne auf die Bühne spritzte und Ewan das Gesicht gar so angeekelt verzog, dass man meinte, er würde das Konzert am liebsten sofort abbrechen wollen. Diese Reaktion war zwar irgendwie nachvollziehbar, vielleicht jedoch etwas zu pikiert für einen Abend, der unter dem Stern des Rock’n’Roll stand. Der für sein Pokerface bekannte Bowskill hingegen schien zu diesem Zeitpunkt erst richtig aufzuwachen in seinem feschen Westernhemd. Nach besagtem Vorfall, den er lediglich mit einem sehr überraschten Gesichtsausdruck quittierte, huschte ihm immer öfter ein Lächeln beim Spielen von besonders kraftvollen Soli über das Gesicht und auch Ewan kriegte sich bald wieder ein.

Auf eine Sache muss zum Schluss übrigens nochmal gesondert hingewiesen werden: Bassist Ryan Gullen ließ sich von den tropischen Temperaturen im Club nicht beeindrucken, erschien in einem weißen Denim-Anzug mit Schlaghose und und bewegte sich in so formvollendeter Rock’n’Roll-Manier, dass man schon ein paar mal blinzeln musste, um sicher zu gehen, nicht gerade einen jungen Glenn Hughes vor sich auf der Bühne toben zu sehen. Ob meiner optischen Wahrnehmung durch die Hitze vielleicht ein Streich gespielt wurde? Völlig egal, denn am Ende war es einfach nur wundervoll.

1 KOMMENTAR

  1. Super Konzert, toller Bericht. Auch ich hatte den Eindruck, als würde der zunächst etwas mürrisch dreinschauende Jimmy Bowskill mit angezogener Handbremse spielen. Umso schöner, als es hinten raus richtig zur Sache ging. Die Kanadier haben es wirklich drauf: Ob Doppel-Lead-Gitarren, mehrstimmiger Gesang, stilistische Vielfalt, beherrschen von mehreren Instrumenten – es ist ganz großes Kino was die Jungs aus Saskatoon zeigen. Die Sheepdogs werde ich bei der nächsten Tour definitiv wieder anschauen.

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