The chase is better than the catch: Auf der Jagd nach dem runden Gold

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The chase is better than the catch: Auf der Jagd nach dem runden Gold

Was die Convenient Consumer von Streamingdiensten, die damit werben, soundsoviele Millionen Songs verfügbar zu machen, niemals verstehen werden: Musikgenuss hat etwas mit Kultur zu tun. So wie essen: Ich kann mir in fünf Minuten ein Fertiggericht „zubereiten“ und bin danach satt – der Zweck der Nahrungsaufnahme ist erfüllt. Ich kann mich aber auch mit einem interessanten Menschen zum Essen in ein Restaurant verabreden, dessen Küche mir ein unvergessliches Geschmackserlebnis bietet, und einen anregenden Abend verbringen. Was wird wohl mehr zu meiner Lebensqualität beitragen?

Das Argument der Streamingdienste, wirklich fast jeden Song bereitstellen zu können, der jemals aufgenommen wurde, hat einen faden Beigeschmack. Wer nämlich Musik mit Nerd-hafter Besessenheit inhaliert, für den macht genau dieses „fast“ den Unterschied aus. Spezialisten suchen Spezielles, und hier fangen die Probleme an. Es kann nämlich durchaus passieren, dass dein Lieblingsprogger die acht Alben, die er in den letzten vier Jahren auf seinem eigenen Label veröffentlicht und neben einer Auflage an physischen Tonträgern ausschließlich auf diesen einen Streamingdienst gestellt hat, aufgrund seiner plötzlich entflammten Liebe für Sleaze Rock ganz fürchterlich verkopft findet – und schwupps sind die von seinen Followern liebgewonnenen Werke nicht mehr abrufbar, da vom Künstler gelöscht (auch bei Netflix stehen die Filme nicht bis in alle Ewigkeit zur Verfügung).

Es ist also beileibe nicht so, dass alles überall zu finden ist – und da braucht es nicht mal Big Player wie einen Neil Young oder eine Joni Mitchell, die ihren Katalog vom Netz nehmen. Schon mal was von Glenn Danzig gehört? Der Mann hat zunächst Punk- und später Rock-Geschichte geschrieben, mit Kult-Produzent Rick Rubin Meilensteine auf dessen Label American Recordings veröffentlicht, Songs für Johnny Cash und Roy Orbison geschrieben und sein All-time-Evergreen „Mother“ von 1988 wird auch Jahrzehnte später nicht nur zu Muttertag von Fans lauthals mitgesungen, wann immer er in irgendeiner Rockdisco auf diesem Planeten die Leute auf die Tanzfläche zieht. Findet man den dazugehörigen, selbstbetitelten Longplayer auf Spotify? Nope, ebenso wenig wie den Rest seines Kataloges. Und hier beginnt das, was uns Rockfans das Adrenalin in die Bahnen pumpt und was vielleicht gerade noch die HipHop-Produzenten nachempfinden können, wenn sie in den crates diggen: die Jagd.

Die Suche nach Raritäten, verloren geglaubten Platten, Dachbodenfunden oder schlicht Scheiben, die es zwar zum Zeitpunkt ihres Erscheinens zuhauf zu kaufen gab, ein paar Dekaden später aber nirgendwo mehr zu finden sind, weil sie schlicht und ergreifend nicht neu aufgelegt werden. Die Preise für Originalpressungen der ersten drei Danzig-Alben auf Vinyl bewegen sich auf eBay derzeit zwischen 180 € und 270 €, bei CDs hält sich das noch im Rahmen. Tonträger mit Sammlerwert sind eine Sache, doch manchmal kann auch eine obskure Veröffentlichung eines Künstlers, nach dem heute kein Hahn mehr kräht, oder schlicht eine nicht unbedingt seltene, doch wie bereits erwähnt nicht mehr nachgepresste CD oder Vinylplatte einen Musikliebhaber zur Verzweiflung bringen. Das muss nicht sein. Bei medimops beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit, bei der Suche nach einem Danzig-Album fündig zu werden, aufgrund des großen Sortiments ziemlich hoch – wobei man zudem meist sogar noch ein Schnäppchen machen kann, da dort sehr preisgünstige Medien zu finden sind.

Wie gut, dass sich Geschmäcker oder vermeintliche „Haben müssen“-Bedürfnisse im Laufe der Jahre ändern können und somit eine Platte, die einmal die Welt für einen bedeutet hat, sich vielleicht irgendwann nur noch wie ein Fremdkörper in der Sammlung anfühlt, ein Relikt aus einer Phase, aus der man längst hinausgewachsen ist. Was tun? Sie zu Geld machen (denn wenn es eine goldene Regel gibt, dann die, dass man Fotos und Tonträger nicht wegschmeißt). Und mit etwas Glück landet sie über Umwege genau bei demjenigen, der gerade nach ihr gesucht hat. Wer kennt es nicht, das Gefühl, wenn im Second-Hand-Plattenladen oder auf dem Flohmarkt beim Durchblättern der Scheiben genau jene vor einem auftaucht, die man schon ewig gesucht hat? Um keinen Verdacht zu erregen bzw. die durch nichts mehr aufhaltbare Kaufabsicht zu verbergen, unterdrückt man mit aller Gewalt den Freudenschrei, doch das Herz pocht Boom, Boom, Boom bis zum Hals. Ob eBay, amazon Marketplace, medimops oder andere Plattformen: Mit ein wenig Geschick lässt sich fast alles finden. Und dieses Gefühl, wenn die Trefferliste tatsächlich das gewünschte Ergebnis enthält, ist mit nichts zu vergleichen und raubt einem ebenso den Atem wie ein Chicken Tikka Jahangiri in einem renommierten indischen Restaurant. Fast.

1 Kommentar

  1. Den Ausführungen von Markus Werner kann ich nur beipflichten. Mir ging es ähnlich bezgl. meiner Aufgabe von analogen Band-Tonträgern. In einem Anflug von braucht kein Mensch mehr, die Digitalisierung der Tonträger war gerade auf ihrem Höhepunkt führte bei mir zu einem Befreiungsschlag, dass ich alles , wirklich alles von der Hardware, Ton-Band-Maschine und Tape-Deck in den Sperrmüll gab. Aktuell bin ich wieder mehr dem analogen zugewannt, das heißt ich habe wieder analoge Hardware inkl. Software am Start, zusätzlich zu meinen digitalen Musik-Medien. Ich genieße beides ohne mir groß darüber Gedanken zu machen welche Musik-Medium besser klingt. Froh bin ich darüber, dass ich meine umfangreiche LP-Sammlung und meinen Thorens -Dreher nicht auch in die Tonne getreten habe. jetzt im Herbst meines Lebens bin ich mehr als glücklich darüber Musik die ich liebe, analog oder digital genießen zu können, so lange bis meine Bio-Analogie Wahrnehmung nicht mehr ist……….

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