She Rocks: Die Gründermütter des Rock’n’Roll

Der Einfluss dieser schwarzen Künstlerinnen auf den Jungsclub des Rock’n’Roll lässt sich nicht leugnen. Man kann Memphis Minnies Gitarre in Chuck Berry und Eric Clapton hören, Sister Rosettas ungezügelten Geist in Jerry Lee Lewis und Robert Plant, und natürlich Big Mama Thorntons Knurren in Elvis. Was weniger gewürdigt wird, ist wie ihre Musik direkt zu den ersten beiden weißen Rock’n’Roll-Gitarrenheldinnen führte – die zufälligerweise beide Jackson hießen.

Cordell Jackson nahm in den frühen 50ern viele Demos in den Sun Studios auf, doch Sam Phillips, der Gründer von Sun und Produzent, nahm sie nie unter Vertrag. Sie ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Sie lernte Tontechnik und das Produzieren und gründete dann 1956 ihr eigenes Rockabilly-Label, das sie frech Moon nannte. Erst 30 Jahre später bekam sie die verdiente Anerkennung, als sie in der Talkshow von David Letterman auftrat und sich mit Brian Setzer von den Stray Cats ein wildes Riffduell lieferte.

Die andere Jackson brachte es weiter. Wanda Jackson, geboren 1937 in Maud, Oklahoma, wuchs in einer Musikerfamilie auf und saugte den Western-Swing von Bob Wills und Spade Cooley auf. Mit zwölf gewann sie örtliche Talentwettbewerbe und sang im Radio. Mit 17 ging sie auf Tour und eröffnete für Elvis Presley. Es dauerte nicht lang, bis die beiden zu einem Paar wurden. Jackson schreibt ihm zu, sie dazu ermutigt zu haben, sich über ihre Country-Wurzeln hinaus zu entwickeln und „diesen neuen Stil auszuprobieren“. Innerhalb von zwei Jahren – nachdem sie im Grand Ole Opry mit gewagten Outfits und provokanten Hits wie ›Fujiyama Mama‹ und ›Mean Mean Man‹ für er­­hitzte Gemüter gesorgt hatte – wurde sie als Königin des Rockabilly gefeiert.

„Ich war nicht sexy in meinen Songs“, erzählte sie mir 2011 in einem Interview. „Ich war frech. Und das ist ein Unterschied. Ich war süß und jung und sagte, was auch immer mir in den Sinn kam, aber das war immer sauber. Das Publikum mochte mich. Das Problem war nur, dass das Radio meine Platten nicht spielen wollte. Sie wollten uns Kids und den Rock’n’Roll nicht in die Welt der Erwachsenen lassen.“

Als die Beatles auf den Plan traten, waren die meisten der großen Rock’n’Roller schon tot oder auf dem Abstellgleis. Wanda ging bald wieder zu ihren Wurzeln zurück und nahm ab den 60ern reine Country-Alben auf. 2010 produzierte Jack White ein Album der damals 73-Jährigen, auf dem er das Rockabilly-Feuer wieder entfachte, das sie 50 Jahre zuvor angezündet hatte.

Obwohl sie entscheidend dazu beitrugen, das Fundament des Rock’n’Roll zu gießen, blieben fast all diese Blues-, Gospel- und R&B-Sängerinnen zu­­rück, als diese neue Musik Mitte der 50er ihren kommerziellen Höhenflug begann. Doch sie hatten Jahrzehnte der Sexualität, Selbstsicherheit, Selbstbestimmung und eines starken weiblichen Bewusstseins an die Grenze mitgebracht, wo sie das Staffelholz be­­wusst oder nicht an die nächste Generation übergaben. Bevor wir uns also in die Welt der großen Frauen im Rock stürzen, von Janis Joplin über Joan Jett bis zu Stevie Nicks und vielen mehr, sollten wir uns einen Moment nehmen, um diese bahnbrechenden Damen zu würdigen, auf deren inspirierenden Schultern noch so viele andere stehen sollten.

Wanda Jacksons ungeschönte Analyse der Rolle der Frau in der Musik des 20. Jahrhunderts ist eine passende Zusammenfassung all dieser Pionierinnen: „In den 50er Jahren war eine Frau entweder Sekretärin, Krankenschwester oder Hausfrau. Aber ehrlich gesagt bereitete ich mich nie auf irgendeine andere Karriere vor. Also musste ich es wohl schaffen, denn ich war für nichts anderes qualifiziert. Meine einzige Leidenschaft war die Musik, das Singen und Unterhalten, und ich verlor mein großes Ziel nie aus den Augen.“

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