Selig im Interview: Wiedergeburt in Reinform

Selig KASHMIR KARMAIn den 90ern saugte man sich den Begriff „Hippiemetal“ aus den Fingern, um den innovativen und doch retroverliebten Sound von Selig in Worte fassen zu können. Seit 2009 – nach zehnjähriger Schaffenspause – arbeiten die Hamburger wieder zusammen und gebären nun mit KASHMIR KARMA ihr siebtes Studioalbum.

Als positives Samsara, einen immerwährenden Zyklus des Schaffens, kann man die Werke Seligs betrachten. In diesem spirituellen Geflecht markiert KASHMIR KARMA Rückbesinnung und Neubeginn zugleich: „Es ist die Wiedergeburt von Selig in seiner reinsten Form“, so Sänger Jan Plewka im Interview.

Trotz experimenteller Exkurse in den letzten Jahrzehnten seien er und seine nurmehr drei Bandkollegen (ohne Keyboarder Malte Neumann) nun wieder zu ihrer größten Stärke zurückgekehrt: Dem psychedelisch angehauchten Sound ihrer Anfangszeiten, der heute mehr denn je einem von Freundschaft und Harmonie durchtränkten Nährboden entwachse.Vor allem Selig-Fans der ersten Stunde dürften sich daran erfreuen und sich in die 90er zu­­rückversetzt fühlen, ohne jedoch Angst haben zu müssen, die selige Zeit wäre stehen geblieben: „Wir sind wieder da hingelangt, wo wir angefangen haben, aber wir retten uns und diese Musik wieder hinüber in eine neue Zeit.“

Um solch einen Hochseilakt mit der nötigen kreativen Energie meistern zu können, zogen sich die vier Musiker an einen abgeschiedenen Küstenort in Schweden zurück. Vor diesem malerischen Setting entwickelten die Hamburger statt nur ein paar Demos doch gleich ihr neues Baby, wie Plewka KASHMIR KARMA liebevoll nennt.

Dieser intime und gemeinschaftliche Selbstfindungsprozess sei ganz bestimmend gewesen für den Klang der Platte: „Ich glaube, dass wir uns in Schweden wiedergefunden haben. Um ohne Ablenkung dem zu folgen, was wir wirklich sind.“ Trotz hippiesker Anleihen und stellenweise atmosphärisch aufgeladener Toncluster ist KASHMIR KARMA Plewkas erstes Werk, das er vollkommen nüchtern aufgenommen hat. Das Psychedelische könne er inzwischen auch ohne Hilfsmittel in sich entfesseln: „Auch durch Musik oder Meditation kann man sich in solche Zustände versetzen.“

Die neuartige Aufgeräumtheit seiner Texte schreibt der Sänger ebenfalls seiner Nüchternheit zu, trotzdem koste ihn das Erschaffen von Lyrics und Melodien weiterhin viel Mühe. In einem Modus der fanatischen Wortklauberei wälze er wochenlang Gedichtbände, Zitate oder Bücher, um dann später die markantesten Fundstücke aus seinem Unterbewusstsein hervorzutauchen und in die selig-typische Syntax zu gießen. Gerade in aufwühlenden Zeiten wie wir sie heute erleben, soll KASHMIR KARMA mitsamt seiner Texte den Hörer in samtweiches Wohlgefühl hüllen: Freundlichkeit und Harmonie würde die Platte ausstrahlen und so einen seligen Glanzpunkt in die düstere Umgebung setzen: „Man wird keine unfreundlichen oder anklagenden Sätze auf diesem Album finden, weil es unsere Aufgabe ist, in eine helle und schöne Zu­­kunft zu weisen. Wie der Name ja sagt: Kashmir Karma. Seid freundlich zueinander.“

Als das Baby behutsam in die Welt hinaus entlassen wurde, wünschten sich Selig, dass es ihre Fans ähnlich glücklich macht, wie sie selbst damit glücklich sind: „Die Art der Aufnahmen, die Harmonie und das Jahr in Schweden, das friedliche Miteinander und die Botschaft, die zwischen den Zeilen steht: Das alles hören wir und das ist alles richtig. Und wir wünschen uns, dass dieser Funke überspringt auf den Rest der Welt. Und wenn dieser Funke nur Einen erreicht, dann haben wir gewonnen.“

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here