Review: Philip Bradatsch – JESUS VON HAIDHAUSEN

Rätselhafte Songs zwischen Folk- und Indierock

Wer mit der Musik des in München lebenden Song- schreibers vertraut ist, dem wird eins gleich am Albumtitel auffal- len: Ganz recht, Bradatsch singt jetzt auf Deutsch. Das ist aus keinem lang gehegten Plan erwachsen und folgt auch keiner Marketingstrategie, wie der blonde Mittdreißiger sagt, sondern ist mehr oder weniger einfach so passiert. Schaut man sich die Texte an, dann sind die weniger in der Tradition deutscher Liedermacher und mehr in der von amerikanischen Songwritern und ganz besonders der von Bob Dylan verortet. Bradatsch schreibt anspielungsreich, vieles bleibt rätselhaft („Die von Segnungen sprechen, klopfen nichts als weißen Staub aus den Tapeten“), einzelne Szenen werden dann wiederum ganz klar beschrieben wie Schlaglichter („Ich bin down mit meinen Ängsten und in der Küche schmeißt Melinda Ketamin“). „Die Beatniks in den bourgeoisen Bezirken singen von Netzfreiheit und Tiefgang“, heißt es im Titelsong, und „beim Skifahren balanciert die Geldelite die Welt auf ihren Zehen“. Große Gesellschaftsdiagnosen können auch nach hinten losgehen oder platt wirken, vielleicht auch deswegen hält sich Bradatsch da zurück. Am Ende stehen zwei Liebeslieder. Zwischen Folk- und Indierock das Ganze.

7/10

Philip Bradatsch
JESUS VON HAIDHAUSEN
TRIKONT/INDIGO

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