Review: Jimi Hendrix Experience – LIVE IN MAUI

-

Review: Jimi Hendrix Experience – LIVE IN MAUI

- Advertisment -

Gegen den Wind: zwei bis dato unveröffentlichte Live-Sets auf Hawaii samt Dokumentation. Unsere Empfehlung der Woche.

Seit 50 Jahren hält sich die Mär, Jimi Hendrix sei in seinem Todesjahr ein ausgebrannter Künstler, ein Schatten seiner selbst gewesen. Tatsächlich befand sich Hendrix nach den zwar nur kurzzeitigen, aber dennoch effizienten Projekten Gypsy Sun & Rainbows (Woodstock 1969) und Band Of Gypsys (1969/70) mit der durch Armeekumpel Billy Cox am Bass positiv modifizierten Experience abermals in einem Kreativhoch. Vor allem nach dem Start seines State-of-the-art-Studios Electric Lady am 15. Juni 1970 in New Yorks Künstlerviertel Greenwich Village lieferte das von zahlreichen Studiogästen assistierte Trio unermüdlich in wochenlangen Aufnahmesessions schlicht sensationelles wie immens opulentes Material.

Auch diverse Mitschnitte der „Cry Of Love“-Welttour von Mai bis September 1970 unterstreichen den Creative Flow. Gleich zwei von heftigem Wind beeinträchtigte Konzert-Sets vor einigen Hundert Hippie-Komparsen gab die Experience am 30. Juli 1970 auf Maui, Hawaii, im Rahmen des erfolglos gebliebenen Scripted-Reality-Filmprojekts „Rainbow Bridge“ von Regisseur Chuck Wein. Auf dem 1971 posthum erschienenen Soundtrack RAINBOW BRIDGE fand sich seltsamerweise keinerlei Material von Hawaii.

Dass die Experience überhaupt partizipierte, lag an Film-Co-Produzent Michael Jeffery, Hendrix’ dubiosem Manager, der just auf seinen Klienten eine Lebensversicherung in Millionenhöhe abgeschlossen hatte (Hendrix bereitete in seinen letzten Wochen offiziell die Trennung von Jeffery vor). Das 2-CD-Set LIVE IN MAUI, coproduziert von Janie Hendrix, George Scott und John McDermott, enthält beide energiegeladenen 50-minütigen Sets: Da integrieren sich in Stereo und 5.1 Surround Sound einerseits dynamische Neuinterpretationen der Hendrix-Klassiker ›Stone Free‹, ›Foxy Lady‹, ›Purple Haze‹, ›Spanish Castle Magic‹ und ›Voodoo Child (Slight Return)‹. Stark vom Funk-Rock-Crossover geprägt zeigte sich seinerzeit Unveröffentlichtes wie ›Freedom‹, ›Ezy Rider‹, ›Straight Ahead‹, ›In From The Storm‹ und ›Hey Baby (New Rising Sun)‹. Eine optimale Faktenlage beinhaltet die neue Doku MUSIC, MONEY, MADNESS … JIMI HENDRIX IN MAUI auf Blu-ray.

Da findet sich komplett alles auffindbare Filmmaterial der Hendrix Experience, geben u. a. Billy Cox, Chuck Wein und Warner-Offizielle Einblick in jenen denkwürdigen Tag. Studio-Engineer und Hendrix-Vertrauter Eddie Kramer hält weitere Insider-Storys parat, etwa jene, dass Mitch Mitchell wegen des Winds auf Maui seine Drum-Parts im Studio abgleichen musste.

9 von 10 Punkten

Jimi Hendrix Experience
LIVE IN MAUI
SONY MUSIC CATALOG/SONY

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Meilensteine: Gründung von Tangerine Dream

Ende September 1967: Edgar Froese gründet Tangerine Dream Endlich Nägel mit Köpfen machen wollte Edgar Froese. Nach diversen gescheiterten Bandversuchen...

Werkschau: Unser Album-Guide zu Bruce Springsteen

Nicht umsonst gilt Springsteen als einer der besten Songwriter seiner Generation – sein Katalog strotzt nur so vor unvergesslichen...

The Rolling Stones: Neues Video zu ›Living In The Heart Of Love‹

Am 22.10. erscheint die Neuauflage von TATTOO YOU und dürfte für Kenner und Liebhaber vor allem durch die bisher...

Blues Boom: Whitesnake

Vor den üppigen Mähnen war der Blues: David Coverdale & Co. hatten als erdige britische Band angefangen. Es ist der...
- Werbung -

Werkschau: Joan Jett

Sie war bei den Runaways, hatte eine „misspent youth“ underarbeitete sich eine „bad reputation“. Und doch wurde sie mitihrem...

The Rolling Stones: Sprechen auf der Bühne über Charlie Watts

Bei einer Show in Foxborough, Massachusetts am 20. September sprachen die Rolling Stones erstmals über den Tod von Charlie...

Pflichtlektüre

Brody Dalle – DIPLOID LOVE

Gereift wie ein guter Whisky. Brody Dalle war The Distillers,...

Review: The Afghan Whigs – IN SPADES

Zu Connaisseuren gereifte Gentlemen. Müssen wir ernsthaft noch De­­batten...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen