Review: Jethro Tull – 50 FOR 50

Jethro Tull 50 for 50

Zum Goldenen Bandjubiläum: eine 3-CD-Box mit 50 handverlesenen Tracks.

Seit Jahren verabreicht uns der allgewaltige El Presidente Ian Anderson in schöner Regelmäßigkeit opulente Box-Sets aus der Diskografie seines Langzeitprojekts Jethro Tull. Auch zum runden 50. lässt sich der geschäftstüchtige Anderson nicht lumpen. Auf drei Silberlinge verteilen sich, hach wie sinnig, 50 Songs. Seltsamerweise weicht die anfänglich chronologische Reihenfolge rasch willkürlicher Kollektivierung in zum Teil haarsträuben­der Aneinanderreihung. Als ob man aktiv ka­­schieren möchte, dass die in späteren Dekaden nach 1980 nicht mehr ganz so innovativen Bei­träge der einst stilprägend originellen Briten-Combo mit stets hoher Mitgliederfluktu­ati­onsrate all­zu sehr gegenüber der kreativ brillanten frühen Prog-Rock-Ära abfallen.

Immer­hin gelang es, einige Raritäten mit einzubeziehen – obwohl die für die verwöhnten Käufer von Andersons Box-Sets wohl kaum als echte Archivschätze gelten dürften. Einmal mehr durch Abwesenheit glänzt die noch als Jethro Toe eingespielte Früh-45er (›Sunshine Day‹/›Aeroplane‹). Rare Non-LP-Singles (›Love Sto­ry‹, ›Living In The Past‹, ›Sweet Dream‹, ›The Witch’s Promise‹), Single-Edits (›Minstrel In The Gallery‹), schlichte Auskopplungen (›Lo­­comotive Breath‹, ›Bungle In The Jungle‹, ›Too Old To Rock’n’Roll: Too Young To Die!‹) stehen in Kontext mit noch selteneren EP-Inhalten wie ›Life Is A Long Song‹. Dazu gesellen sich reichlich Key-LP-Tracks: Noch vom Blues inspiriert zeigt sich ›A Song For Jeffrey‹ vom De­­bütalbum THIS WAS (1968). Jede Menge psychedelisches Phasing treibt ›A New Day Yes­terday‹ von STAND UP (1969) an.

Folk-Wur­zeln mit behutsamen Rock-Elementen verbinden ›With You There To Help Me‹ von BENEFIT (1970) und ›Mother Goose‹ von AQUALUNG (1971). Aus Ian Andersons mit schwarzem Humor geprägten Ausflügen in den suitenhaften Progressive-Rock finden sich die hörenswerten Auszüge ›Really Don’t Mind/See There A Son Is Born‹ von THICK AS A BRICK (1972) sowie ›Critique Oblique‹ von A PAS­SION PLAY (1973).

8/10

Jethro Tull
50 FOR 50
PARLOPHONE/WARNER

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