Review: Chrissie Hynde – VALVE BONE WOE

Chrissie Hynde Valve Bone Woe

Die Pretenders-Chefin und der Jazz

Im Sommer war sie mit den Pretenders noch im Vorprogramm von Fleetwood Mac unterwegs, jetzt überrascht Chrissie Hynde mit einem ehrfurchtgebietendem Album, mit dem wohl keiner gerechnet hat: eine meisterhaft produzierte Songsammlung mit von ihr interpretierten Jazz-Stücken und einigen ausgesuchten Titeln aus dem Rock/Pop/Folk-Umfeld. Das kann fürchterlich schiefgehen oder schlichtweg langweilen, aber bereits mit ihrer Version des Kinks-Songs ›Stop Your Sobbing‹ auf dem Pretenders-Debüt hatte Hynde, deren natürliches Vibrato sich perfekt für Jazz-Phrasierungen eignet, unter Beweis gestellt, wie sie sich fremde Songs aneignen kann. Doch VALVE BONE WOE geht radikal weiter. Hyndes Bearbeitungen von Stücken eines Charles Mingus oder John Coltrane sind trotz formvollendeter Streicher- und Bläserarrangements alles andere als Easy Listening Jazz. Die mit sirrend-flirrenden Verfremdungseffekten à la Scott Walker, Dub-Einlagen oder Elektronikblubbern angereicherten Tracks schweben frei zwischen Faszination und Verstörung. Und es gehört unendlich viel Mut dazu, sich an entrückten Meisterwerken wie Brian Wilsons ›Caroline No‹ oder gar an Nick Drakes ›River Man‹ zu versuchen – und dabei auch noch zu triumphieren.

8/10

Chrissie Hynde
VALVE BONE WOE
BMG/WARNER

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