Review: Cherie Currie – BLVDS OF SPLENDOR

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Review: Cherie Currie – BLVDS OF SPLENDOR

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Die einstige Runaways-Sängerin kommt endlich nach Hause

Ein paar wenige Glückspilze haben vielleicht schon ein gekürztes Vorabexemplar dieses Stargespickten, gelungenen dritten Soloalbums der ehemaligen Runaways-Frontfrau erwischt, das in geringer Auflage zum letzten Record Store Day erschien. Dessen wendungsreiche Entstehungsgeschichte geht aber wesentlich weiter zurück. Tatsächlich begann die Arbeit an diesen Aufnahmen (produziert von Ex-G-N’-R/Velvet-Revolver-Schlagzeuger Matt Sorum) schon 2010. Doch dann machte das Leben mit einer seiner bizarreren Wendungen der Musikerin einen Strich durch die Rechnung. Ursprünglich hatte Currie beschlossen, sich auf ihre Kettensägen-Schnitzerei (ja, richtig gelesen) zu konzentrieren. Dann bekam das 2015er Album REVERIE mit ihrem berüchtigten einstigen Mentor Kim Fowley Vorrang, da dessen gesundheitlicher Zustand Eile gebot (er verstarb Anfang 2015). 2016 fügte sich Currie dann – wer hätte es für möglich gehalten? – beim Kettensägen-Schnitzen schwere Verletzungen zu. Rückblickend ist es dennoch nur schwer nachvollziehbar, warum BLVDS OF SPLENDOR so lange auf Sparflamme vor sich hin köchelte. Denn dies ist eine Platte, die eine lodernde Feuersbrunst verdient hätte. Und auch wenn ihre Solokarriere seit ihrem Post-Runaways-Debüt BEAUTY IS ONLY SKIN DEEP von 1978 praktisch eingefroren war: Dieses Album strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Curries gesangliche Darbietung, die zu Runaways-Zeiten von dramatisch zu hysterisch eskalieren konnte, beeindruckt nun durch eine Kraft und Gravitas, die ihres respektierten Pionierstatus würdig sind. Und ihre Band? Lässt aufhorchen, denn hier gibt eine Riege von A-Liga-Stars ihr Bestes, darunter Billy Corgan von den Smashing Pumpkins, Slash und Duff McKagan, Brody Dalle, Juliette Lewis und The Veronicas, die den Kern aus Sorum und Curries Sohn Jake Hays flankieren. Und sie alle haben ganz eindeutig einen Höllenspaß. Die beiden
Guns-N’-Roses-Stars legen auf ›Mr. X‹ einen furiosen Start hin – BLVDS meint es eindeutig ernst –, und
dieser muskulöse Groove setzt sich auf ›Roxy Roller‹ fort (wo ›You Drive Me Wild‹-Riffs auf Suzi-Quatro-Dynamik treffen). Corgan setzt mit dem Pumpkinsesken Titelstück seine Duftmarke (emphatische Streicher, klingelnde Gitarrenharmonien, schrammelnde Akustische und mehrstimmige Refrains), ›Force To Be Reckoned With‹ stolziert mit lässigen Stooges-Klatschern und räudigen „Na-na-na“s daher, während ›Rock & Roll Oblivion‹ auf effektvolle Dramatik setzt.

Der Hörer kann sich nur wundern, warum Currie nicht seit 40 Jahren solche Platten macht. Wenig überraschend gibt es auch ein paar Coverversionen. Die emotionale Attacke auf ›The Air That I Breathe‹ ist solide, während eine „Und jetzt noch mal alle zusammen“-Interpretation des Runaways-Klassikers ›Queens Of Noise‹ mit Dalle, Lewis und den Veronicas die reinste Freude ist. Eine gebührend grandiose Rückkehr, auf die zu warten sich mehr als gelohnt hat!

8 von 10 Punkten

Cherie Currie, BLVDS OF SPLENDOR,

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