Review: Cheap Trick – IN ANOTHER WORLD

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Review: Cheap Trick – IN ANOTHER WORLD

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Power Pop, Rock’n’Roll und zwei, drei Balladen: Das 20. Studiowerk gelingt einmal mehr zeitlos brillant

Kurz mal die Fakten aufgetischt: Seit 1974 in Originalbesetzung (Okay, Bassist Tom Petersson scherte mal sieben Jahre aus, so what?). Falls nicht gerade Pandemie herrscht, noch immer jedes Jahr 150 Shows weltweit. Recht ansehnlich schaut das mit Vokalist Robin Zander, Gitarrist Rick Nielsen sowie Schlagzeuger Bun E. Carlos (nach wie vor Mitglied, jedoch durch Rick Nielsens Sohn Daxx ersetzt) komplettierte Quartett mit einem Durchschnittsalter von 70 Lenzen auch noch aus. Mittendrin im weltweiten Viren-Wirrwarr liefern die Herren mit IN ANOTHER WORLD mal eben ihr 20. Studiowerk ab. Der LP-Titel suggeriert Eskapismus, tatsächlich servieren Cheap Trick im Gespann mit Langzeitwegbegleiter Julian Raymond 13 Tracks mit jeder Menge von Bewegungsdrang geprägter positiver Energie. Ein Konzept, beruhend auf massivem Power Pop, purem Rock’n’Roll sowie zwei, drei Balladen ohne Kitsch und Sentimentalitäten – das stand schon den LP-Klassikern IN COLOR (1977), HEAVEN TONIGHT (1978), CHEAP TRICK AT BUDOKAN, DREAM POLICE (beide 1979) und ALL SHOOK UP (1980) ausgezeichnet zu Gesicht. Verblüfft fragt sich der Hörer nach dem ersten Durchlauf: Wie machen die das bloß, so zu klingen wie in der zweiten Hälfte der 70er, kein Jahrzehnt älter und doch nicht angestaubt, sondern definitiv zeitlos? Vor allem: Woher nehmen Cheap Trick diese mannigfaltigen und detaillierten Songideen her, die allesamt unmittelbar einen hohen Wiedererkennungswert haben? Plakativ betitelte Songs wie ›The Party‹, ›Boys & Girls & Rock N Roll‹ und ›The Summer Looks Good On You‹ halten, was sie versprechen.

›Quit Waking Me Up‹ tönt nach einem Nachmittagsspaziergang durch das London der Swinging Sixties mit Beatles-Soundtrack im Ohr. Auf ›Another World‹ wäre auch Jeff Lynne ziemlich stolz. Purer Rhythm’n’Blues verschafft sich in ›Final Days‹ Ausdruck. Ordentlich Gas geben ›Light Up The Fire‹, ›Here’s Looking At You‹ und eine zweite Uptempo-Version von ›Another World‹. Balladeskes wie ›So It Goes‹, ›Passing Through‹ und ›I’ll See You Again‹ verströmt abermals Beatles-Flair. Das finale John-Lennon-Cover ›Gimme Some Truth‹ erinnert daran, dass Rick Nielsen und Bun E. Carlos an den Sessions von DOUBLE FANTASY teilnahmen und die lang unveröffentlicht gebliebene Lennon-Version von ›I’m Losing You‹ mit den beiden Cheapo-Trickos die weitaus bessere war.

10 von 10 Punkten

Cheap Trick, IN ANOTHER WORLD, BMG RIGHTS/WARNER

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