Bob Dylan – TROUBLE NO MORE

-

Bob Dylan – TROUBLE NO MORE

Bob Dylan Trouble No More

Die Neuerfindung als Gospelsänger.

„Ich bin enttäuscht, ich wollte Rock’n’Roll hören, keine Pre­digt!“ — „Es ist nicht der Bob, den wir kennen und lieben!“ So und ähnlich empörten sich einige Besucher eines Bob Dylan-Konzerts anno 1980. Es war kein Aufschrei wie in den 60ern, als Dylan seine akustische gegen die elektrische Gitarre getauscht hatte, nicht wenige waren aber einigermaßen baff, als der Songschreiber 1979 als Christ wiedergeboren wurde und in den folgenden Jahren Gospel machte. „Jesus legte seine Hand auf mich. Es war eine physische Sache, ich fühlte es“, so beschrieb der Musiker einmal sein Erweckungserlebnis. Das manifestierte sich in den Alben SLOW TRAIN CO­­MING (1979), SAVED (1980) und SHOT OF LOVE (1981).

Alle drei zählen nicht zu den großen Meis­ter­werken des Manns aus Minnesota – wenn sich darauf auch hübsche Songs wie ›Precious Angel‹, ›In The Summertime‹ oder ›Every Grain Of Sand‹ finden –, sie zeigen aber: Wenn sich der Meister etwas in den Kopf setzt, zieht er es durch, radikal. Die Konzerte gerieten zu Gottes­diens­ten, teils gab es neben religiösem Material keine älteren Songs zu hören.

Das 9-CD-Set TROUBLE NO MORE – Teil 13 der „Bootleg Series“ – befasst sich mit ebenjener Pha­­se. Die ersten beiden CDs enthalten ausgewählte Live-Aufnahmen von 1979 bis 1981, CD drei und vier Probematerial und unveröffentlichte Songs – ohne wirklich spektakuläre Neuent­deckungen aber mit gelungenen Stücken wie ›Ain’t No Man Righteous, No Not One‹ oder ›Making A Liar Out Of Me‹, die sich schon den Titeln nach in den Gos­pel­kontext fügen. Weiter geht’s mit den Highlights eines Auftritts in Toronto 1980 und der kompletten Show vom 27. Juni 1981 in London. Dort gab es auch wieder Klassiker wie ›Like A Rolling Stone‹, ›Just Like A Woman‹ und ›Blowin’ In The Wind‹ zu hören – mit Gospelchor und Orgel.

Eine echte Rarität ist auch der Konzertfilm „Trouble No More“. Dylan tänzelt, leicht aufgedunsen, mit Dreitagebart und schweißgebadet, die Begleitsängerinnen tragen Glitzerkostüme, die Op­­tik ist grisselig und durch Einspieler, in denen Michael Shannon als Priester gegen den Alkohol und die Heuchelei predigt, bekommt alles einen höchst obskuren Touch. Se­­henswert natürlich. In den Begleitbüchern gibt’s Fotos von Konzerten und Proben von 1979 bis 1981. Bevor es dann auch wieder vorbei war mit der Gospellaune.

8/10

Bob Dylan
TROUBLE NO MORE
COLUMBIA/SONY

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Die Geburt des Glamrock

Als die 60er in die 70er Jahre übergingen, wurde der Rock ein bisschen arg ernst und verlor seinen Glanz....

Pixies: DOGGEREL

Die einst bahnbrechenden Wegbereiter bestellen heute ihr Land – fair enough Die Pixies besitzen ihren Status als bejubelte Pioniere zu...

Sammy Hagar & The Circle: CRAZY TIMES

Vollgas in allen Gassen Drei Jahre nach ihrem Debüt SPACE BETWEEN (2019) starten Sammy Hagar & The Circle (hinter dem...

The Dead Daisies: RADIANCE

Klassische Rock’n’Roll-Gemeinschaft Das bereits sechste Album des australisch-amerikanischen Kollektivs um Gitarrist David Lowy in weniger als einer Dekade. Im Gegensatz...

Was machen eigentlich Grand Funk Railroad?

Poison, Autograph, Rob Zombie, Jackyll, Eric Church und viele andere haben den Grand-Funk-Railroad-Megahit und Trademarksong ›We’re An American Band‹...

Skurrile Cover: BREAKFAST IN AMERICA

We der das Wort „Flugscham“, noch transatlantische Discount-Reisen im überbuchten Touri-Bomber waren schon erfunden, als Supertramps sechstes Studioalbum erschien....

Pflichtlektüre

Asia – OMEGA

Die Mainstream-Dinosaurier machen erneut mobil. Und ein weiteres Mal...

Stray Cats – 40

Feierlaune! Höchste Zeit, den türkisfarbenen Oldsmobile aus der Garage...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen