Plattensammler: Perry Farrell

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Plattensammler: Perry Farrell

Der Kopf von Jane’s Addiction und Porno For Pyros über die Platten, Künstler*innen und
Gigs, die bleibenden Eindruck bei ihm hinterließen.

In seinen Bands Jane’s Addiction und Porno For Pyros brachte Farrell die 90er mit einer faszinierenden Kombination aus einzigartigem, kunstvollen Alternative Rock, einer schillernden, exaltierten Bühnenpräsenz und
einer leicht bedrohlichen Aura zum Strahlen. Heute sprüht der Gründer des Lollapalooza-Festivals, der wesentlich jünger als 63 aussieht, nur so vor Energie. „Wir schreiben mehr Songs als je zuvor“, sagt er. „Viele Kollaborationen, Wiedersehen mit alten Bandmitgliedern. Wir haben viel Spaß. Jeden Monat veröffentlichen wir einen neuen Track. Ich schreibe ein Stück und lasse es dann remixen, sodass meine Leidenschaft für Gitarrenbands und die für Elektronik bedient werden. Das ist sehr schön.“ Der perfekte Zeitpunkt also,
um ihn auf ein Leben in der Musik zurückblicken zu lassen.

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERN KANN
Der erste Song, an den ich mich erinnere und den ich immer mitsang, wenn ich ihn hörte, war ›My Boy Lollipop‹ von Millie Small. Das habe ich geliebt. Die Leute drückten ihre Gefühle damals so charmant aus. Es war simpel, aber perfekt. So wunderschön.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE GESPIELT HABE
Vor meiner ersten Band Psi Com war ich ein Bowie-Imitator. ›Ziggy Stardust‹ war das erste Lied, das ich je vor Publikum darbot. Ich durfte ihn auch mal kennenlernen, aber ich baute immer wieder Mist und verriet seine Adresse und Telefonnummer. Einmal vergaß ich mein Handy in einer Limousine, die mich zum Flughafen brachte, und dann bekam er plötzlich eine SMS, die nicht von mir war. Aber ich hatte die Chance, es wieder gutzumachen. Tony Visconti stellte in New York eine Tribute-Show auf die Beine und bat mich, mitzumachen. Ich dachte, dass wir dann abhängen könnten und alles ver- geben und vergessen wäre, aber leider starb Bowie zwei Wochen davor. Er war einer meiner Helden.


DAS BESTE ALBUM ALLER ZEITEN
Das könnte Strawinsky sein oder ZIGGY STARDUST, oder vielleicht Led Zeppelin, die Beatles. Es könnte auch Jane’s Addiction sein! Oder Frank Zappa oder etwas von Brian Eno. The Who, die Stones, Jimi Hendrix. Und Joy Division. Leider nimmt man sich heute beim Musikmachen nicht mehr die Zeit wie früher.

DER SÄNGER
Ich fand Sly Stone sehr inspirierend. Meine Schwester liebte Soul und Funk, also hatte sie die Greatest Hits von Sly And The Family Stone. Wenn ich als DJ Sly And The Family Stone auflegte, fiel mir immer auf, dass sie einfach den besten Vibe hatten. Ihnen verdanke ich es, dass all diese Mädchen zu mir nach Hause kommen und feiern wollten.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE
RITUAL [DE LO HABITUAL]. Aber ich würde auch THE GLITZ, THE GLAMOUR nennen, das jüngste Box-set. Das ist so schön und so hochwertig gemacht. Alles, von der Verpackung bis hin zu der hervorragenden Qualität des Vinyls. Ich habe mit diesem britischen Künstler namens Zoltar daran gearbeitet. Sein Großvater war der britische Premierminister Harold Macmillan [von 1957 bis 1963]. Es beinhaltet auch Memoiren in Bildern und wir haben es sogar mit Tony Visconti in Surround Sound abgemischt.

DER GITARRENHELD
George Harrison steht an erster Stelle. Aber Dave Navarro ist einer der größten Gitarristen. Das wusste ich schon, als er zum ersten Mal zu mir nach Hause kam und seine Gitarre einstöpselte.

DER SONGWRITER
Die Texte von Iggy Pop waren überraschenderweise wie Straßen-Haikus. Er sang: „Can I come over tonight, can I come over? That’s right“. Idiotisch, aber genial!

Iggy Pop


DIE HYMNE
Ich habe diesen einen Song, den wir gemacht haben, ›Love Feedback‹, und im Refrain heißt es: „We got it, love feedback, oh, back and forth it goes between us“. Das ist eine gute Hymne, denn sie erinnert mich immer daran, meiner Frau, der Welt und meinen Kindern Liebe zu geben. Wenn man das Leben immer mit Liebe begießt, kommt sie zu einem zurück. Der Song ist auch auf THE GLITZ, THE GLAMOUR.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
Jane’s Addiction und Porno For Pyros! Das liegt daran, dass ich verrückt wurde und sie in ihrem Zenit auflöste. Da verließ ich mich auf meinen Instinkt, und ich wollte damals unbedingt von diesen Jungs wegkommen und mein eigenes Ding machen. Aber das war ein großartiges Projekt, und vielleicht wäre es auch nicht mehr besser geworden. Heute sehe ich mich jedoch um und denke: „Verdammt, ich hätte auf dem Gebiet produktiver sein sollen.“

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
›You Can’t Put Your Arms Around A Memory‹ von Johnny Thunders. Ich habe eine Schwäche für ihn und Leute, die hoffnungslose Junkies sind. Er schrieb den Song spät in seinem Leben, etwa ein Jahr, bevor er starb. Im Wesentlichen sagt er darin, dass es nutzlos ist, über all seine Fehler nachzudenken, denn das bringt nichts. Oder schönen Erinnerungen hinterherzuhängen, weil man dann nur traurig wird, dass sie vergangen sind, also sollte man auch das bleiben lassen. Man hört in seiner Darbietung, wie traurig er war, denn er hatte schwer zu kämpfen. Das bringt mich zum Weinen.


MEIN SAMSTAGABEND/PARTYSONG

(singt) „Saturday night’s alright for fighting, Saturday night’s alright“ Elton John ist so überdreht und provokativ, das hat eine gute Stimmung und macht Spaß.


DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG GESPIELT WERDEN SOLL

Wie wär’s mit ›Come Together‹ [von den Beatles]? (singt) „Come together, right now, over me.“

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