Pink Floyd: THE WALL damals und heute

Am 17. August 1981 führten Pink Floyd THE WALL zum letzten Mal zusammen auf. Zwei Jahre darauf erwies sich THE FI­­NAL CUT als prophetischer Albumtitel und Waters stieg aus, um eine Solokarriere zu starten. Abgesehen von der einzigartigen Solo-Performance 1990 an der Berliner Mauer hätte sich kaum je­­mand vorstellen können, dass irgendjemand den Mut (und das Geld) aufbringen würde, die Show erneut auf die Bühne zu bringen.

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Doch im April 2010 wurde genau das verkündet: Zum 30. Jubiläum der THE- WALL-Tour würde Waters 35 Konzerte in Nordamerika geben. „Letztes Jahr fragte ich mich: ‚Was werde ich tun?‘“, sagte er der BBC. „Soll ich einfach Golf spielen, gärtnern oder in die Politik gehen? Ich bin jetzt 66. Also dachte ich: ‚Einen habe ich noch‘.“

Die Welt hatte sich seit 1980 weitergedreht und das Kreativteam stellte fest, dass Dinge, die 1980 unmöglich schienen, jetzt mit einem Mausklick realisierbar waren. Für „The Wall Live“ war alles größer, nicht zuletzt die Mauer selbst. Das 66-köpfige Produktionsteam reiste in sechs Bussen, während 112 Tonnen Equipment in 21 Lkw transportiert wurden und in jeder Halle von 80 Menschen ein- und ausgeladen werden mussten. Kein Wunder, dass die Tour geschätzt 37 Millionen Pfund (damals ca. 40 Millionen Euro) kostete. Allerdings nahm Waters mit 219 Konzerten auch rekordträchtige 294 Millionen Pfund ein.

„Die Unterschiede in der Projektionstechnologie zwischen 1979 und heute sind enorm“, erklärte Waters, der nun auf ›Mother‹ mit seinem jüngeren Ich im Duett singen konnte. „Wenn wir den Leuten er­­zählen, was wir da tun, sagen sie: ‚Was? Ihr seid verrückt!‘ Ja, wir sind verrückt, und das ist gut so.“ Beim ersten Konzert am 15. September 2010 im Air Canada Centre in Toronto stand „The Wall Live“ mit einem Fuß in der Vergangenheit, während der andere nach Tyrannen, Ärgernissen und Ungerechtigkeiten der Moderne keilte, vom iPod bis zu Charles De Menezes. Beliebte Elemente des Originals wurden beibehalten (der Bomber, das Schwein, die Puppen), während Gilmour im Mai 2011 noch mal sein Solo aus ›Comfortably Numb‹ von hoch über der O2-Arena in London darbot.

Aber Waters’ Vision hatte durch die Weiterentwicklung ihres Autors und seiner Umgebung neue Relevanz verliehen bekommen: „Ich hielt es für überflüssig, einfach noch mal dieselbe Show aufzuführen. Die große Frage, die sich uns heute stellt, ist doch, ob die Nutzung von Information und Technologie uns helfen wird, näher zusammenzuwachsen oder nicht. Diese Technologie wird Bush und Blair helfen, im Irak einzufallen, Leute an den Grenzen von Afghanistan oder Pakistan zu ermorden oder was auch immer es ist, das die Kriegstreiber erreichen wollen. Meine Hoffnung ist, dass sie uns helfen wird, Nein zu sagen.“ Ein weiterer bezeichnender Unterschied: Wo THE WALL ursprünglich Waters’ eigener Katharsis diente, durfte sich nun jeder angesprochen fühlen. „Als ich dieses Album schrieb, dachte ich, es gehe nur um mich. Aber in den Jahren seither wurde mir klar, dass es um jeden geht, der eine geliebte Person in einem Konflikt verloren hat.“

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