Pink Floyd: THE WALL damals und heute

THE WALL war nicht der erste Monumental-Event der Rockgeschichte. Rick Wakemans KING ARTHUR ON ICE-Show hatte 1975 die Messlatte schon ziemlich hoch gelegt, doch nie zuvor hatte jemand ein Spektakel solchen Ausmaßes versucht. Als das titelgebende Bauwerk in Los Angeles enthüllt wurde, bestand es aus 450 Karton-Ziegelsteinen (je 1,52 x 0,76 m), die in einen Rahmen eingepasst wurden. Die daraus resultierende Mauer war über zehn Meter hoch und fast 80 Meter breit. Die drei Bühnen boten Platz für zwölf Musiker und 45 Tonnen Equipment, das quadrofonischen Sound mit bis zu 106 Dezibeln erzeugen konnte.

Das Set begann mit einer Täuschung in Form einer „Ersatz-Band“ aus vier Sessionmusikern, die ›In The Flesh‹ in Masken von den Gesichtern der Pink-Floyd-Mitglieder spielten. Weitere Highlights waren ein Sturzkampfbomber, der abstürzte und Feuer fing, die Rückkehr des Fairborne-Schweins, geisterhafte aufblasbare Versionen von Scarfes Figuren aus dem Al­­bum-Artwork sowie Projektionen seiner alptraumhaften Animationen.

The Wall Artwork

David Gilmour hatte unterdessen die wenig beneidenswerte Aufgabe, die Musik und visuellen Elemente zu choreografieren. Willie Wilson, der Schlagzeuger be­­sagter „Ersatz-Band“, erinnerte sich: „Man musste jeden Abend exakt gleich spielen, damit man im Tempo mit den Animationen und Filmen blieb…die gesamte Show über. Also trug ich Kopfhörer und hörte Daves Stimme, der die Takte anzählte. Alles musste auf Abruf funktionieren.“

Aber natürlich lief nicht immer alles glatt. „Am ersten Abend in L.A. hatten wir ein Problem“, so Nick Mason. „Gleich zu Be­­ginn gab es eine Explosion. Sie setzte einen Vorhang oben in den Rängen in Brand. Wir spielten noch eine Weile weiter, aber dann mussten wir unterbrechen, bis sie das Feuer gelöscht hatten.“
New York war der nächste Tourstopp, bevor es weiter nach Europa ging. In jeder Stadt gab es aus reiner finanzieller Notwendigkeit mehrere Konzerte. „Roger wollte nicht, dass wir in Stadien spielen“, bemerkte Gilmour über den relativ überschaubaren Umfang der Tour. „Und es war wirklich nur in Hallen durchführbar. Außerdem waren die täglich anfallenden Kosten enorm.“

Tatsächlich schrieb die Tour rote Zahlen. Waters sagte später, die Band habe 600.000 Dollar Verlust gemacht. Dazu kam, dass sie die ohnehin schon existierende Reibung innerhalb der Gruppe noch verstärkte. Das Einreißen der Mauer am Ende jeder Show war wie eine zynische Metapher für das Zerfallen der Band. „Ich weiß noch, wie wir im Earl’s Court spielten“, erzählte Waters dem „Billboard“. „Wir vier hatten separate Wohnwagen, und alle Türen zeigten nach außen. Es gab kaum noch eine Gemeinschaft zwischen uns.“

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