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Video der Woche: The Cult mit ›Fire Woman‹

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Billy Duffy wird heute 63 Jahre alt. Zum Geburtstag des Gitarristen von The Cult blicken wir auf deren legendäres Album SONIC TEMPLE aus dem Jahr 1989 zurück. Befeuert von Hitsingles wie ›Fire Woman‹, ›Edie (Ciao Baby)‹ und ›Sweet Soul Sister‹, katapultierte SONIC TEMPLE The Cult in die Superstar-Liga und ist bis heute mit 1,5 Millionen Verkäufen alleine in den USA das erfolgreichste Album der Band. „Man weiß nie, wann man seinen Zenit erreicht hat“, sagte Billy Duffy einmal im Rückblick auf den Erfolg dieser Platte. „Man sieht immer erst im Nachhinein, dass etwas der Höhepunkt war.“

Zur Feier des Tages blicken wir heute auf das Musikvideo der Single ›Fire Woman‹ und stoßen auf Billy Duffy an:

Firewind: Die Menschlichkeit bewahren

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Als die griechisch-deutsche Power-Metal-Formation Firewind ihr letztes Album FIREWIND veröffentlicht hat, war Sänger Herbie Langhans erst kurz zuvor in die Band gekommen und hatte keine Zeit, der Platte seinen Stempel aufzudrücken. Seitdem sind er und Gitarrist/Bandleader Gus G. jedoch eng zusammengewachsen, was man auf dem neuen Longplayer STAND UNITED deutlich hört. Gus G. mit den Details:

„Wir haben die erste gemeinsame Platte ziemlich schnell gemacht, weil wir mit extrem engen Fristen arbeiteten“, erzählt der griechische Ausnahmegitarrist, der auch schon bei Ozzy Osbourne in Lohn und Brot stand. „Aber seitdem sind vier Jahre vergangen, die Pandemie kam und ging, wir waren viel zusammen auf Tour. Herbie ist mittlerweile vollständig in die Gruppe integriert. Er ist ein wertvoller Mitstreiter und ich wollte, dass er von Anfang an am Songwriting beteiligt ist. Dieses Mal brachte er also mehr Ideen ein, sogar ein paar musikalische Arrangements, was cool ist.“ Gefragt nach der Weiterentwicklung, berichtet Gus, dass er stets versuche, neue Elemente in die Musik zu bringen, ohne den bewährten Pfad zu verlassen. „Auf diesem Album war das Schlüsselwort Singles. Das bedeutet, dass jeder Song als einzelne Veröffentlichung für sich alleine stehen könnte“, betont er. „Deshalb sind die Tracks sehr hymnisch, supereingängig und haben von Anfang bis Ende wirklich große Melodien, selbst die härteren Lieder.“ Auch die Gitarren von Gus G. prägen die Songs wieder stark – filigrane Soloparts inklusive. „Meine Soli sind immer durchdacht und ich baue sie Schritt für Schritt auf“, erläutert der Meister seine Vorgehensweise.

„Normalerweise improvisiere ich über den Backing-Track und schaue, ob ich mich inspiriert fühle. Wenn ich dann über etwas Cooles stolpere, behalte ich es und entwickle es weiter. Es funktioniert also wirklich Takt für Takt.“ „Ich versuche, mich selbst dazu zu drängen, aufregende Dinge zu machen und mich nicht zu wiederholen. Es ist nicht immer möglich, aber das ist meine Philosophie, mein Ziel.“ Auch der Gitarrensound klingt wieder fantastisch. Gus geht dabei mit der Zeit. „Heutzutage nehme ich die Gitarren tatsächlich mit Plug-ins auf“, verrät er. „Ich verwende verschiedene Modelle von Firmen wie STL Tones, IK Multimedia, Toontrack und so weiter. Dann schicke ich die DI-Tracks an Dennis Ward, der die Platte gemischt hat. Ich glaube, er hat meine Rhythmusspuren mit einem EVH 5150 III gereampt, aber die Leadsounds stammen aus einem STL- Plug-in.“ Dass die Gruppe ihr aktuelles Werk STAND UNITED betitelt hat, lässt auf ein heroisches Werk à la Manowar deuten, doch weit gefehlt, denn inhaltlich geht es sehr sozialkritisch zu. „Ich weiß, dass es einen True-Metal-Klang hat, aber eigentlich ist es ziemlich weit von Manowar-Themen entfernt“, lacht Gus. „STAND UNITED kann natürlich unterschiedlich interpretiert werden. Als ich es schrieb, dachte ich an uns als Band und fand es unglaublich, dass wir mehr als 20 Jahre später hier stehen und vereint sind wie eh und je.“ „Die Lieder befassen sich mit einer Menge gesellschaftspolitischer Dinge. Ich glaube, dass Gut und Böse in uns sind und wir die Wahl haben, welchen Weg wir wählen. Versuchung, Gier, Verrat, Liebe, Krieg, das alles gehört zum Leben dazu. Das sind die Dinge, über die wir reden. Wir haben nur einander. Ich weiß, das ist ein sehr utopischer Gedanke, aber wir müssen uns hin und wieder daran erinnern. Ich hoffe, dass wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren.“

Shane Smith and The Saints: Auf Achterbahnfahrt

Rund zehn Jahre tourte Shane Smith mit seiner Band durch kleine Bars und Clubs, bis ein Auftritt in der Paramount-Hitserie „Yellowstone“ alles veränderte. Auf dem neuen Album NORTHER kostet der in Texas heimische Singer/Songwriter nun die Freiheit aus, die ihm der unerwartete Erfolg bescherte. Wenn Shane Smith an die letzten zwei Jahre denkt, muss er mit dem Kopf
schütteln. „All das ist für uns immer noch schwer zu begreifen, und deshalb arbeiten wir auch weiterhin sehr hart, um nicht das Momentum zu verlieren“, erklärt er lachend. „Da spielen eine Menge Gefühle rein, aber das wichtigste davon ist Dankbarkeit.“ Schließlich hat seine Gruppe inzwischen nicht nur legendäre Locations wie das Red Rocks Amphitheater in Colorado oder das Ryman Auditorium in Nashville ausverkauft, sie durfte sogar für den Gouverneur spielen – und das gleich zweimal. „Die ganze Situation, wie eines zum anderen führte, war völlig surreal“, erinnert sich Smith. „Dass wir gefragt wurden, in einer Folge von ‚Yellowstone‘ für den fiktiven Gouverneur zu spielen, und dann im gleichen Jahr zur Inauguration des echten Gouverneurs in Texas eingeladen wurden, war eine bewusstseinsverändernde Erfahrung! Wir sind sehr stolz auf unsere Herkunft und unseren Heimatstaat, und deshalb war es für uns, unabhängig davon, zu welchem politischen Lager man sich zählt, eine große Ehre!“

Für die Aufnahmen zu NORTHER flog die Band an freien Tourtagen zurück nach Dallas, um an neuen Liedern zu arbeiten, und blühte dabei unter (Zeit-)Druck so richtig auf. Klanglich eklektisch wie nie zuvor, faszinieren Smith und die Seinen mit energiegeladenen Storytelling-Songs und beeindruckenden vierstimmigen Harmonien, wenn sie zwischen Country, Southern Rock, Folk und einem Schuss Honky-Tonk immer wieder Genremauern niederreißen, dabei aber auch ihre bescheidenen Anfänge in der Red-Dirt-Country-Szene und ihre treuen Fans der ersten Stunde nicht vergessen. „Als Künstler geben wir unserem Publikum die Möglichkeit, der alltäglichen Realität und Schwere zu entfliehen. Das fortzuführen, sehe ich ein Stück weit als Verpflichtung an“, erklärt Smith. „Gleichzeitig mag ich es, wenn eine Band im Laufe ihrer Karriere auf Achterbahnfahrt geht. Meine Hoffnung ist, dass wir jetzt an einem Punkt angekommen sind, an dem alles prima zusammenfließt.“ Mit der neuen LP im Gepäck nimmt die Gruppe nun den Rest der Welt ins Visier. „Musik hat ein unglaublich verbindendes Element“, ist sich Smith sicher. „Sie bringt Menschen zusammen, denn auch wenn es mal eine Sprachbarriere gibt: Zu einem guten Beat können alle tanzen!

Robby Krieger: Willkommen zurück

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Der einstige Gitarrist der Doors kehrt mit seiner neuen Gruppe und einem Instrumental-Album zurück. Wenn jemals die Geschichte einer Band durch die Überlieferung gewachsen ist, dann die von The Doors. Robby Krieger, der Gitarrist und Haupt-Songwriter vieler ihrer Hits, darunter ›Light My Fire‹, hat seitdem seinen Weg vor allem als Instrumentalkünstler gemacht. Seine neue Band, The Soul Savages, begann vor zwei Jahren „aus Spaß“ zusammenzuspielen. Ihr selbstbetiteltes Debüt ist eine verführerische Sammlung von „filmischer Groove-Musik“, die Einflüsse aus Soul, Jazz, Blues, Psychedelic und mehr vereint. (Text: David Sinclair)

Wie sind die Soul Savages zusammengekommen?
Nun, ich habe ein neues Studio in Glendale in Los Angeles. Und ich ließ einige Studiomusiker dorthin kommen, um ein paar Gigs zu spielen. Einer von ihnen, Ed Roth [Keyboards], kannte zufällig Kevin Brandon [Bass], der vor ein paar Jahren auf einem meiner Alben spielte [SINGULARITY, 2010], also haben wir uns wieder getroffen und schließlich Franklin Vanderbilt [Schlagzeug] dazu gebracht, sich uns anzuschließen.

Wie schreibst du Songs?
Sie entstehen größtenteils aus Jams. Manchmal habe ich eine Idee oder einer der anderen Jungs hat eine und wir fangen einfach an zu spielen, und dann fügen wir Teile hinzu, während wir jammen. Wir sind alle sehr erfahrene Musiker, also fließt es einfach so. Unsere Hoffnung ist, dass Leute sie in Filmen oder TV-Shows verwenden.

Die Soul Savages sind eine neue Band, aber die Platte ist nur die jüngste einer langen Reihe von Instrumentalwerken, die du gemacht hast. Was ist anders?
Mein Ziel war es schon immer, einen Instrumentalhit wie Booker T & The M.G.’s zu landen. Bisher hatte ich damit nicht viel Erfolg, aber ich glaube, mit dieser Gruppe bin ich näher dran, denn bei den meisten meiner früheren Versuche war ich vielleicht zu sehr darauf bedacht, Jazz-Gitarrenriffs zu spielen und damit anzugeben. Ich denke, bei dieser Platte geht es mehr um die Lieder. Vielleicht haben wir dadurch eine bessere Chance, einen Hit zu landen.

Du hast vor wenigen Jahren deine Memoiren über deine Zeit mit The Doors veröffentlicht („Set The Night On Fire“, 2021). Hat es sich gut angefühlt, die Geschichte endlich in deinen eigenen Worten zu erzählen?
Ja, das hat es. John [Densmore, Schlagzeug] war der Erste, der seine Autobiografie geschrieben hat, dann machte es auch Ray [Manzarek, Keyboards], und die beiden haben sich in ihren Büchern gegenseitig runtergemacht. Das hat für viele Probleme gesorgt. Ich wollte das nicht noch verschlimmern, also habe ich es immer wieder aufgeschoben.

Hast du Reaktionen auf das bekommen, was du in deiner Version geschrieben hast?
Nun, der einzige verbliebene Typ ist John [Densmore]. Er hat sich über bestimmte Dinge beschwert. Nicht schlimm genug, um einen Rechtsstreit oder so etwas zu verursachen. Tatsächlich haben wir uns im letzten Jahr oder so getroffen und einige musikalische Dinge gemacht. Vielleicht werdet ihr davon bald etwas hören.

Du sagst in den Memoiren: „Das Schreiben mit Jim [Morrison] war eine einzigartig inspirierende Erfahrung, eine, die ich seitdem nicht mehr wiederholen konnte.“ Ist das auch ein Grund für deine Vorliebe für instrumentale Musik in den späteren Jahren deiner Karriere?
Ja, ich denke schon, def initiv. Ich meine, mit einem Kerl wie ihm Musik zu schreiben … Ich habe das damals nicht begriffen, aber es war erstaunlich. Es ist schwer, das zu übertreffen. Und das ist wahrscheinlich ein Grund, warum ich mich mehr auf Instrumentalmusik ohne Texte konzentriert habe. (Aus CLASSIC ROCK #128)

Brother Dege: Songevolutionen

Spätestens seit seinem „Django Unchained“-Beitrag (2012) ›Too Old To Die Young‹ ist der Grammy-nominierte Brother Dege auch diesseits des Atlantiks bekannt. Mit dem gerade erschienenen AURORA legt der in Lafayette, Louisiana beheimatete Singer/Songwriter ein emotionales Americana-Werk mit Tiefgang auf den Plattenteller.

Dege, wie viel Zeit ist von der ersten Idee bis zum finalen Studio-Take für das intensive AURORA verstrichen?
Die Stücke drehen sich um verschiedene menschliche Beziehungen, deswegen könnte ich locker sagen, dass die Arbeit an dem Album vor gut 20 Jahren begonnen hat. Ohne diese Ausschweifung ging die Reise irgendwann zwischen 2020 und 2021 los, als die Welt während der Pandemie stillstand. Damals hatten meine Band und ich verständlicherweise unendlich viel Zeit zur Verfügung … dass dann tatsächlich knappe vier Jahre bis zur Fertigstellung ins Land ziehen, hätte ich allerdings niemals geahnt.

Die Scheibe besteht aus sieben Songs und zwei Instrumentals, die wie die Intros zu Theaterakten anmuten.
Ab und an packt mich die Inspiration für Instrumentals, von denen ich für gewöhnlich eines auf jeder LP unterbringe. Im Fall von AURORA sind es zwei sehr individuelle Tracks, die für den Hörer ungewöhnliche Arrangements bereithalten. Dazu passen sie eben perfekt als Einleitungen für den ersten und zweiten Akt beziehungsweise Seite A und Seite B der Vinyl-Version.

Die Kompositionen auf AURORA besitzen allesamt einen zeitlosen Touch.
Als Beispiel dafür erkläre ich die Entstehung der Single ›Where The Black Flowers Grow‹. Die Rohversion des Lieds ist auf einer Akustikgitarre geschrieben worden und klang sehr ruhig und soft. Umso öfter ich es spielte, desto eher hörte ich auf einmal in meinem Inneren mehr und mehr Schlagzeugparts. Es entwickelte sich urplötzlich dieser ureigene Drive, der mit meiner Band später zur finalen Instrumentierung heranwuchs. Die massiven Rimshots sind übrigens nicht auf einem regulären Kit entstanden, sondern es sind Mülltonnen, auf denen wir alle herumtrommelten. Im Studio legten wir die Aufnahmen übereinander, um diesen besonderen Vibe zu kreieren.

In deinen Texten benutzt du eine sehr visuelle Sprache. Sind die Lyrics fiktionaler Natur oder verarbeitest du selbst- oder von deinem Umfeld erlebte Begebenheiten?
Sie sind meistens eine Kombination aus verschiedenen realen Erlebnissen. Sie können aus meinem Leben oder dem einer mir bekannten Person stammen. Ich finde es ziemlich spannend, wie sich manche Ereignisse zu einer schlüssigen, neuen Story verschmelzen lassen. Das kann man sich in etwa wie superplakative Fotografien vorstellen, aus denen man eine Collage erstellt. Dabei
gehe ich nicht geradlinig, sondern eher wie bei einem abstrakten Gemälde vor, um dem Hörer genug Interpretationsspielraum zu lassen. Der Kniff dabei ist, dass es am Ende trotzdem Lyrics für einen knackigen drei- bis fünfminütigen Song werden.

Wie sammelst du diese Ideen?
Normalerweise mache ich mir kleine Notizen oder Sprachmemos auf meinem Smartphone. Auf diese Art und Weise habe ich die Einfälle immer bei mir und manchmal zeichnet sich über die Zeit hier schon eine Marschroute für ein Stück ab.

Vorhin hast du kurz über Arrangements gesprochen – wie sind denn die auf jede Komposition individuell zugeschnittenen AURORA-Instrumentierungen entstanden?
Die Basis arbeite ich immer mit meiner Gruppe aus. Aber hier und da habe ich einen Sound im Hinterkopf, der nach einem oder mehreren Gästen verlangt. In meinem Umfeld gibt es so viele tolle Musiker, die ich dann kurzerhand ins Studio einlade und spielen lasse. Wenn es passt, hat man ungezwungen einen Mehrwert für den Track. Im Endeffekt zeigt dir ja jedes Lied, nach was es verlangt und wie es klingen will. Am Reißbrett kann man hier meiner Erfahrung nach eh nichts planen, sondern lässt jedem Stück lieber von Anfang an freien Lauf. (Aus CLASSIC ROCK #128)

Anmerkung der Redaktion: Brother Dege ist leider am 8. März im Alter von 56 Jahren verstorben. Ruhe in Frieden, Brother Dege.

Joe Bonamassa: Je ne regrette nien

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Er ist ein gefeierter Blues-Gitarrenheld und noch viel mehr, doch Joe Bonamassa ist bestens mit Selbstzweifeln vertraut. Wir trafen ihn vor einer brütend heißen Show in einem französischen Schloss, wo er über ein ungewöhnliches Leben, die Erwartungen des Publikums und das Finden des Glücks in seinem Dasein sinnierte.

Es ist fast 21:30 Uhr und Joe Bonamassa ist verschwunden. Die Nachtluft ist heiß. Wir sind im Backstage-Bereich im Théâtre Jean-Deschamps, einem riesigen Freiluft-Amphitheater in der Zitadelle von Carcassonne aus dem 13. Jahrhundert, einer Stadt auf einem Hügel in der südfranzösischen Region Languedoc. Vor kaum einer halben Stunden saß Bonamassa noch auf einem Koffer, Coke light in einer Hand, Zigarre in der anderen, und plauderte mit Bassist Calvin Turner über dies und das. Vielleicht das grundsätzliche Selbstvertrauen von jemandem, der seit seiner Kindheit professionell Musik macht, einem Mann, der schon mit John Lee Hooker und B.B. King gespielt hatte, als er die Pubertät erreichte. „Wir könnten noch um 21:25 Uhr über Beckenständer reden“, sagt er. „Aber wenn ich auf die Bühne gehe, war’s das. Dann bin ich der andere Typ.“ Es ist unglaublich pittoresk hier. Eine gotische Steinbrücke führt von den Bistrotischen, Kathedralenglocken und Käseläden der Altstadt von Carcassonne über den Fluss Aude. Um das Schloss zu erreichen, muss man durch enge, verwinkelte Sträßchen an schmuck verzierten Balkonen, „Tabac“-Schildern und pfirsichfarbenen Häusern mit hohen Fenstern und alten Holzjalousien vorbei hochlaufen. Zikaden schreien in die Hitze. Schrille Schwalben fliegen über uns hinweg, als die Sonne untergeht. Das Auditorium füllt sich. Gestern Abend spielte Tom Jones hier und die Klänge von ›Delilah‹ und ›It’s Not Unusual‹ schwebten den Hügel hinab durch unser Hotelfenster. Heute Abend ist es Joe Bonamassa.

Plötzlich gehen die Lichter aus. Das Publikum jubelt. Die Band kommt auf die Bühne. Vom anderen Ende schreitet eine schnelle, schnittige Figur im Hugo Boss-Anzug heraus. Der knorrige Soulrock-Swagger von ›Evil Mama‹ erklingt. Der Anzug wendet sich dem Publikum zu, die Sonnenbrille sitzt – eine Figur aus „Matrix“ mit einer Les Paul. Ein Outfit, das viel von ihm versteckt. Der „andere Typ“ ist angekommen. Es gibt zwei Dinge, die sehr viel über Joe Bonamassa aussagen, und es sind weder seine Gitarren noch seine Anzüge. Eines davon sind die Zigarren, die er raucht. Ein paar Stunden vor der Show finden wir ihn, als er neben der Bühne Schutz vor der Hitzewelle sucht und eine gerade frisch angezündete Corona schmaucht. Die Roadies laufen mit Equipment herum, und in seinem Baseballcap, seinen bequemen Jeans und dem „Umbria Jazz Festival“-T-Shirt sieht er nicht so anders als sie aus. Die Zigarre und die Rolex an seinem Hand- gelenk deuten jedoch auf etwas anderes hin. „Ich bin ein Suchtmensch“, sagt er, während der Kommentar zu einem französischen Zweikampf über die Mauer hallt. „Ich habe 500 Gitarren, 500 Verstärker … Das eskaliert. Zigarrenrauchen ist eine männliche Torheit. Wie die hier [er hebt den Stummel in seiner Hand], das sind 35 Euro, die man aufrollt und dann anzündet. Aber es entspannt. Kenny Wayne Shepherd und ich, wir genießen Zigarren. Ich glaube, das hat was damit zu tun, in den Vierzigern zu sein.“ Und wenn du dann in deinen Fünfzigern sein wirst …? „Pfeife“, sagt er und grinst frech. „Wie eine Kalebassenpfeife. Eine schöne Dunhill. Wenn man das macht, sollte man es auch richtig machen.“ Das zweite Ding sind die Schuhe, die er heute Abend trägt: schlichte blau-weiße Sneakers. Schuhwerk abseits der Rockstar-Norm, und überraschend, wenn es einem auffällt – der Anzug zieht normalerweise die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist ein kleines Detail, aber der deutlichste visuelle Hinweis auf sein wahres Ich. Ein Pragmatiker. Ein Gitarren-Wunderkind, das mit 25 sein eigener Tourmanager war und sich sogar einen falschen Namen gab. „John Carson. ‚Nenn mich nicht Johnny!‘“, rezitiert er mit dem Charme eines begeisterten Gauners. „John Carson zahlte also die Vorschüsse für die Shows, machte den Sound und die Monitore für die Band.

Jede Faser seines Seins war darauf fokussiert, finanziell ein weiteres Jahr zu überleben. Können wir das am Laufen halten? Eine spaßige Zeit, aber auch eine sehr stressige.“ Mit 46 zeigt er nun die entspannte Haltung von jemandem, der gelernt hat, sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen – auch wenn er immer noch etwas nervös darüber ist, dass all das hier für ihn da ist. Seine Schläfen beginen zu ergrauen. Seine Stimme ist warmherzig. Er tut Dinge, die namhafte Künstler*innen in Interviews normalerweise nicht tun, etwa einem ganz natürlich seine volle Aufmerksamkeit schenken oder auch hin und wieder selbst eine beiläufige Frage über sein Gegenüber stellen. Kurzum: Er ist überraschend normal. Definitiv ein bisschen schrullig, aber nicht auf diese öde Blues-Roboter-Weise, die ihm manche angedichtet haben. Und er macht sich furchtbare Sorgen darüber, nicht gut genug zu sein. Und über viele andere Dinge. Die Erwartungen seiner Fans. Die vielen Menschen, die nötig sind, um „diesen Idioten um halb zehn auf die Bühne zu bringen“. Die Perspektive des Alters – und ein bisschen schonungslose Ehrlichkeit aus dem Freundeskreis – haben ihm geholfen. „Manchmal stehe ich da oben und denke, dass ich allen ihr Geld zurückgeben sollte, weil ich so fucking scheiße bin“, sagt er mit gesenktem Blick. „Wenn ich mir das anhöre, was ich für meine schlechteste Show halte, und das, was ich für meine beste halte, ist da kein großer Unterschied.“ Der Soundcheck läuft problemlos. Die Band staunt, beeindruckt über die mittelalterliche Umgebung, und sieht völlig anders aus als ihre Bühnenpersönlichkeiten. Gitarrist Josh Smith könnte mit seinen langen, weiten Shorts und zutätowierten Armen und Beinen in einer Punkband sein. Die Backingsängerin Jade MacRae strahlt in ihrem Van-Morrison-Shirt Indie-Coolness aus. Keyboarder Reese Wynans wiederum (einst bei Stevie Ray Vaughans Double Trouble) wirkt wie ein Großvater im Urlaub mit seinem North-Face-Top, Turnschuhen und mit Pinguinen bedruckten Socken.

Sie sind eine eng zusammengeschweißte Truppe. MacRae und die zweite Backingsängerin Danni De Andrea sind mit Crewmitgliedern verheiratet. Smith ist ein alter Freund, der Bonamassas neue Compilation BLUES DELUXE VOL. 2 produziert und mitkreiert hat – eine soulige Antwort auf den ersten Teil, der vor 20 Jahren erschien. Wie Bonamassa und ein weiterer guter Freund, Bluesgitarrist Kirk Fletcher, fing er schon jung an. „Wir lieben alle Stevie Ray Vaughan und Eric Johnson, wir haben alle in unseren Kinderzimmern angefangen“, erinnert sich Bonamassa, während die Geräusche von Trompeten und weiteren Duellen über die Festungsmauern tönen. „Es ist lustig, wenn man sich das heute anschaut. Wir sind zwar noch keine Elder Statesmen, aber damals waren wir Kindergitarristen.“ Bonamassa wuchs schnell auf, und seltsam. Von Erwachsenen umgeben und einzig auf die Musik fokussiert, erlebte er das eigenartige, privilegierte Leben eines Kinderstars, mit einer ordentlichen Portion katholischer Schuldgefühle. Seine Eltern hielten ihn am Boden. Als er zum ersten Mal seinem Manager Roy Weisman begegnete, war der 22 und Joe 12. Sie sind seither Geschäftspartner. „Ich bin wohl ein Exzentriker. Nur dass ich jetzt“, sagt er grinsend und ist plötzlich wieder ein zwölfjähriger Junge, „eine Kreditkarte habe.“

Seine unersättliche Sammelleidenschaft belegt das eindrucksvoll. Sie wurzelt in glücklichen Tagen seiner Kindheit, als er mit seinem Vater (einem Antiquitätenhändler) meilenweit fuhr, um wunderschöne Exemplare zu erwerben, und ist mittlerweile zu etwas gewachsen, das seinem Ruf als Musiker Konkurrenz macht. Auf Tour fährt er vor den Auftritten manchmal stundenlang herum,
um einen neuen Kauf abzuholen. Vor allem in den USA trifft er manchmal Leute in seinem Tourbus, die ihm Gitarren und Familienerbstücke bringen. Die meisten sind Fans, doch manche kennen ihn einfach nur als Sammler. „Es ist die Jagd“, sagt er. „Das macht mir immer Spaß. Nichts in meiner Sammlung kommt von eBay. Das ist für mich zu einfach. Ich brauche keine Gitarre, aber ich sammle sehr wohl Geschichten. So was wie: ‚Das war das Feuerzeug von Opa, es ist seit 85 Jahren in der Familie.‘ Die Leute verkaufen dir die letzte Verbindung, die sie zu einem verstorbenen Familienmitglied haben. Das macht das Sam- meln zu einer Freude.“ Heute zeigt er mir einen Verstärker, der so viel gekostet hat wie ein Aston Martin. Zu Hause hat er ein Konzertplakat, das Buddy Guy seinen Eltern geschickt hat, von einer Show 1990, bei der Bonamassa auftrat. All diese Dinge füllen seine Häuser in Los Angeles, New York und Nashville. „Sie liegen nicht auf Haufen, ich bin kein Messie“, fügt er hinzu. „Sie sind ausgestellt wie in einem Museum. Aber sie sind überall: im Schlafzimmer, im Bad, in der Küche. Die Leute könnten den seltensten Scheiß auf der ganzen Welt in meinem Eingang sehen. Ich habe Cafetieren neben einem alten RCA-Schild. Nicht jeder mag so etwas. Leute kommen zu mir nach Hause und sagen: ‚Du bist eindeutig nicht verheiratet …‘“ Er hält mit einem kleinen Lächeln inne. „Aber meine Freundin akzeptiert das.“

Rush: Alex Lifeson und Geddy Lee musizieren zusammen…

… doch nur im Privaten.

In einem Interview mit dem Rolling Stone hat Gitarrist Alex Lifeson verraten, dass er ab und zu mit seinem ehemaligen Bandkollegen Geddy Lee Songs aus dem Backkatalog von Rush spielt. Trotz dieser Zusammentreffen gebe es jedoch keine Pläne für einen Bühnen-Reunion der beiden Musiker. Aufgrund seiner Psoriasis-Arthritis möchte Lifeson nicht mehr auf Tour gehen. Weiter führt er aus: „Selbst wenn wir neues Material schreiben wollen würden: Niemand schert sich um neues Material. Die Leute wollen von Typen wie uns nur das alte Zeug hören.“

Über seine Bandproben mit Geddy Lee meint er: „Es ist lustig, weil wir bei den ersten drei oder vier Durchläufen wie eine wirklich schlechte Tribute-Band klingen. Nach dem Motto ‚Oh mein Gott, was habe ich da gespielt? Warum habe ich das so hart gespielt?‘ Und dann setzt das Muskelgedächtnis ein, und wir haben viel Spaß dabei. Es ist gut für die Finger. Wir sind zusammen in einem Raum, wie wir es immer gemacht haben“.

The Dandy Warhols: Bis hierher und dann weiter

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Allen Songs auf dem neuen Album der unerschütterlichen Psychrocker The Dandy Warhols liegt ein Metal- oder Punk-Riff zugrunde. Von dort aus entwickeln sich die Stücke weiter, dabei geholfen haben mit Debbie Harry, Slash und Frank Black drei große Namen.

Stell dir vor, du gewinnst Frank Black von den Pixies als Gastgitarrist auf einem deiner Tracks – doch dann schickst du ihm aus Versehen den falschen Song. Schön doof. Zumal Frank Black nicht gerade als der geduldigste Mensch der US- Rockszene gilt. Entsprechend geschockt war Peter Holmström, Gitarrist der Dandy Warhols, als er bemerkte, dass er Black den Power- und Glamrocktrack ›Love Thyself‹ geschickt hatte. Was der Pixies-Chef dazu spielte, war super, Problem nur: Im Arrangement des Stücks gab’s überhaupt keinen Raum mehr für eine zusätzliche Gitarre, es war komplett fertig. Anders bei ›Danzig With Myself‹: Hier war eigentlich Frank Black vorgesehen – das Stück hätte ohne dessen Spiel eine gewaltige Lücke gehabt. Was also tun? Courtney Taylor-Taylor, Sänger, Zweitgitarrist und Chef der Gruppe, berichtet im Interview mit leiser Schadenfreude davon, wie sein gute Freund und Bandkollege Peter Halmström ihm sein Missgeschick beichtete. „Ich sagte ihm: Wir müssen es noch mal probieren.“ Also eine erneute Mail ans Management von Black: Sorry, das war der falsche Track, hier der richtige. „Ein paar Tage später kam der Gitarrenpart für ›Danzig With Myself‹ zurück, und was soll ich sagen: Er hat die Erwartungen übertroffen.“ Nun haben die Dandy Warhols sogar zwei Gastfeatures von Frank Black auf ihrem neuen Werk. „So wird aus einem Missgeschick eine Win-win-Situation“, sagt Courtney Taylor-Taylor – und hat gut lachen. ROCKMAKER ist das erste konventionelle Album der Dandy Warhols seit fünf Jahren, unterbrochen nur von einer dreieinhalbstündigen Experimentalplatte mit Instrumentalmusik für Dinnerpartys, auf denen mehr gereicht wird als guter Wein. Ende der 90er- und Anfang der 00er-Jahre waren die Psychrocker aus Portland das heßeste Ding der weltweiten Alternative-Rock-Szene: Ihre Platten THE DANDY WARHOLS COME DOWN und THIRTEEN TALES FROM URBAN BOHEMIA sind Bestseller, die Single ›Bohemian Like You‹ entwickelte sich zu einem der prägenden Rocksongs der frühen 00er- Jahre, angefeuert von Werbeeinsätzen.

The Dandy Warhols waren damals Vorreiter der Neo-Garagerock-Bewegung. „Jedoch sind wir keine Typen, die Lust haben, mitzuschwimmen“, stellt der Chef der Band klar, weshalb die Gruppe 2003 weg vom Rock ging, hin zu New Wave und Synthiepop: „Niemand ging davon aus, dass die Platte WELCOME TO THE MONKEY HOUSE ein Erfolg werden könnte. Nun, sie lagen alle falsch.“ Seitdem ignorieren die Dandy Warhols das Trendradar. Eine Strategie, die sie manches Mal in eine Sackgasse führte – die Spacerock-Werke Ende der 00er gerieten ziemlich spannungsarm. Nun aber könnte die Band erneut ein Momentum haben. „Allen unseren erfolgreichen Platten liegt eine übergeordnete Strategie zugrunden, zum Beispiel: Alle spielen Rock, wir Synthiepop.“ Für ROCKMAKER hat die Gruppe dieses Konzept erneuert, die Idee dieses Mal: „Jeder Track hat als Basis ein Metal- oder Punk-Riff“, erklärt Courtney Taylor-Taylor. „Auf dieser Grundlage darf er sich frei weiterentwickeln, bevorzugte Richtung: sexy und wild.“ Neben Frank Black ließen sich die Dandy Warhols von zwei anderen großen Namen der Szene helfen. Auftritt Debbie Harry von Blondie, die bei ›I Will Never Stop Loving You‹ den weiblichen Part übernimmt und Courtney Taylor-Taylor dazu bringt, in den Iggy-Pop- und Serge-Gainsbourg-Modus zu schalten. Und: Auftritt Slash. Der spielt auf ›I’d Like To Help You With Your Problem‹ eine Wah-Wah-Gitarre aus dem 70s-Psychrock-Himmel. „Was für ein Wahnsinns gitarrist Slash ist, wussten wir. Aber so, wie er hier spielt, haben wir ihn noch nie gehört. Es ist ein Ereignis!“ Eine Frage zum Abschluss: Ist der Titel ROCKMAKER ein heimlicher Tribut an Toto, die 1978 einen Song dieses Namens auf ihrem Debüt hatten? Taylor-Taylor schaut entgeistert: „Toto haben ein Lied geschrieben, das ‚Rockmaker‘ heißt? Ha! Keine Band ist so weit von der Idee, die wir von Rock haben, entfernt wie Toto.“ Wie die Chancen stehen, dass Steve Lukather ein zukünftiger Überraschungsgast ist? „Null“, sagt der Dandy-Warhols-Chef, was in der Gaga-Logik dieser Gruppe bedeutet: gar nicht mal so schlecht. (Aus CLASSIC ROCK #128)