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Humble Pie: Kampagne gegen Album mit KI-generiertem Gesang von Steve Marriott

Robert Plant, Peter Frampton und weitere Stars missbilligen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf einem Humble-Pie-Album, das die Nachlassverwalter von Steve Marriott veröffentlichen wollen.

Zahlreiche Rockstars sprechen sich derzeit gegen den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Musik- und Songwritingbusiness auf. Speziell geht es aktuell um einen Fall im Humble Pie-Universum. Bassist Jerry Shirley, der die Rechte am Bandnamen besitzt, soll laut einem Bericht der Variety eine Version von ›Georgia On My Mind‹ geschickt bekommen haben, auf der KI-generierter Gesang im Stil von Steve Marriott zu hören ist.

Shirley über die Aufnahme: „Es klang wie jemand, der versucht, wie jemand zu klingen, der versucht, wie Steve Marriott zu klingen“. Eine zweite Aufnahme „klang wie ein nicht schlechter Soulsänger, aber es klang nicht wie Steve. Und der Backing Track war einfach lächerlich.“ Mollie Marriott, die Tochter von Steve Marriott, versucht, gegen diese KI-generierten Vocals ihres Vaters vorzugehen während Toni Marriott, Steves Frau und Nachlassverwalterin, sich für die Veröffentlichung dieser Tracks ausspricht.

„Zusammen mit seinen Bandkollegen von Humble Pie und Small Faces versuchen wir, dieses Album zu verhindern, da es den Namen meines Vaters beschmutzen würde. Ihm, der er als einer der größten Sänger unserer Generation bekannt war, mit einer so lebendigen und rauen Stimme, würde es das Herz brechen, wenn er das noch erleben würde. Hier geht es nur um Geld, nicht um Kunst oder Wertschätzung.“, heißt es in einem Statement. Als Unterstützer der Kampagne gelten u.a. Peter Frampton, Robert Plant, Matt Sorum, David Gilmour, Paul Rodgers, Glenn Hughes, Bryan Adams und viele mehr.

Das ist weit von dem entfernt, was sich jeder von uns erträumt hat, als wir in diese wunderbare Welt der Musik aufbrachen“, äußert sich Robert Plant. „Wir können nicht einfach daneben stehen und zusehen, wie sich das entwickelt.“

In Memoriam: Phil May (9.11.1944–15.05.2020)

Mit seinen langen Haaren galt der Sänger der Pretty Things um 1964 als potenziell gefährlicher Bürgerschreck und – natürlich – perfektes Identifikationsmodell rebellischer Jungs: Verschwitzt die Maracas schüttelnd, mit viel Blues in der Stimme und einer intensiven Bühnenpräsenz gesegnet, ließ er die meisten zeitgenössischen Mitbewerber ziemlich bieder aussehen.

Als R’n’B-Jünger waren The Pretty Things auf Krawall gebürstet, bevor sie mit dem Konzeptwerk S.F. SORROW (1968) feine Psychedelic und ab den70ern geradlinigen Rock boten. Zwar als energiegeladene Live-Band gefragt und bei den Kritikern durchaus beliebt, ließen die Verkaufszahlen jedoch meist zu wünschen übrig. Davon frustriert, löste sich die Gruppe mehrfach auf, nur um dann doch immer wieder zusammenzufinden. Als einziges Mitglied immer dabei: Phil May. Nach einem Fahrradunfall musste er sich kürzlich einer Hüftoperation unterziehen, in deren Folge es zu Komplikationen kam. Phil May verstarb 75-jährig im Krankenhaus der Kleinstadt King’s Lynn.

Foo Fighters: Dave Grohl und Wolfgang Van Halen veräppeln Live-Publikum

Vom 9. bis 12. Mai fand in Florida das „Rockville Festival“ statt. Während eines Auftritts der Foo Fighters schlossen sich Band-Chef Dave Grohl und Wolfgang Van Halen zusammen, um das Publikum auf den Arm zu nehmen. „Wisst ihr, wer nie ein fucking Solo bekommt?“ fragte Grohl in die Menge, bevor er seine eigene Frage beantwortet: „Ich, verdammt noch eins! Ich bekomme nie ein fucking Solo!“

Daraufhin stürzt sich Dave Grohl in Eddie Van Halens ikonisches ›Eruption‹-Solo, spielt es Note für Note nach, erst mit beiden Händen, dann mit nur einer Hand und schließlich nimmt er beide Hände von der Gitarre, wobei die Musik weiterspielt. Erst dann schwenkt die Kamera auf Wolfgang Van Halen, der das Solo eigentlich spielt. „Alter, ich hab dir doch gesagt, du sollst cool bleiben, Wolfie! Was zum Teufel machst du denn da“ fragt Grohl. Und stellt seinen Kollegen schließlich vor. „Applaus für Wolfgang Van Halen, Leute!“

Lest jetzt unsere Titelstory über die Anfänge von Van Halen in der neuen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Hier versandkostenfrei bestellen: CLASSIC ROCK #129

Video der Woche: The Cult mit ›Fire Woman‹

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Billy Duffy wird heute 63 Jahre alt. Zum Geburtstag des Gitarristen von The Cult blicken wir auf deren legendäres Album SONIC TEMPLE aus dem Jahr 1989 zurück. Befeuert von Hitsingles wie ›Fire Woman‹, ›Edie (Ciao Baby)‹ und ›Sweet Soul Sister‹, katapultierte SONIC TEMPLE The Cult in die Superstar-Liga und ist bis heute mit 1,5 Millionen Verkäufen alleine in den USA das erfolgreichste Album der Band. „Man weiß nie, wann man seinen Zenit erreicht hat“, sagte Billy Duffy einmal im Rückblick auf den Erfolg dieser Platte. „Man sieht immer erst im Nachhinein, dass etwas der Höhepunkt war.“

Zur Feier des Tages blicken wir heute auf das Musikvideo der Single ›Fire Woman‹ und stoßen auf Billy Duffy an:

Firewind: Die Menschlichkeit bewahren

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Als die griechisch-deutsche Power-Metal-Formation Firewind ihr letztes Album FIREWIND veröffentlicht hat, war Sänger Herbie Langhans erst kurz zuvor in die Band gekommen und hatte keine Zeit, der Platte seinen Stempel aufzudrücken. Seitdem sind er und Gitarrist/Bandleader Gus G. jedoch eng zusammengewachsen, was man auf dem neuen Longplayer STAND UNITED deutlich hört. Gus G. mit den Details:

„Wir haben die erste gemeinsame Platte ziemlich schnell gemacht, weil wir mit extrem engen Fristen arbeiteten“, erzählt der griechische Ausnahmegitarrist, der auch schon bei Ozzy Osbourne in Lohn und Brot stand. „Aber seitdem sind vier Jahre vergangen, die Pandemie kam und ging, wir waren viel zusammen auf Tour. Herbie ist mittlerweile vollständig in die Gruppe integriert. Er ist ein wertvoller Mitstreiter und ich wollte, dass er von Anfang an am Songwriting beteiligt ist. Dieses Mal brachte er also mehr Ideen ein, sogar ein paar musikalische Arrangements, was cool ist.“ Gefragt nach der Weiterentwicklung, berichtet Gus, dass er stets versuche, neue Elemente in die Musik zu bringen, ohne den bewährten Pfad zu verlassen. „Auf diesem Album war das Schlüsselwort Singles. Das bedeutet, dass jeder Song als einzelne Veröffentlichung für sich alleine stehen könnte“, betont er. „Deshalb sind die Tracks sehr hymnisch, supereingängig und haben von Anfang bis Ende wirklich große Melodien, selbst die härteren Lieder.“ Auch die Gitarren von Gus G. prägen die Songs wieder stark – filigrane Soloparts inklusive. „Meine Soli sind immer durchdacht und ich baue sie Schritt für Schritt auf“, erläutert der Meister seine Vorgehensweise.

„Normalerweise improvisiere ich über den Backing-Track und schaue, ob ich mich inspiriert fühle. Wenn ich dann über etwas Cooles stolpere, behalte ich es und entwickle es weiter. Es funktioniert also wirklich Takt für Takt.“ „Ich versuche, mich selbst dazu zu drängen, aufregende Dinge zu machen und mich nicht zu wiederholen. Es ist nicht immer möglich, aber das ist meine Philosophie, mein Ziel.“ Auch der Gitarrensound klingt wieder fantastisch. Gus geht dabei mit der Zeit. „Heutzutage nehme ich die Gitarren tatsächlich mit Plug-ins auf“, verrät er. „Ich verwende verschiedene Modelle von Firmen wie STL Tones, IK Multimedia, Toontrack und so weiter. Dann schicke ich die DI-Tracks an Dennis Ward, der die Platte gemischt hat. Ich glaube, er hat meine Rhythmusspuren mit einem EVH 5150 III gereampt, aber die Leadsounds stammen aus einem STL- Plug-in.“ Dass die Gruppe ihr aktuelles Werk STAND UNITED betitelt hat, lässt auf ein heroisches Werk à la Manowar deuten, doch weit gefehlt, denn inhaltlich geht es sehr sozialkritisch zu. „Ich weiß, dass es einen True-Metal-Klang hat, aber eigentlich ist es ziemlich weit von Manowar-Themen entfernt“, lacht Gus. „STAND UNITED kann natürlich unterschiedlich interpretiert werden. Als ich es schrieb, dachte ich an uns als Band und fand es unglaublich, dass wir mehr als 20 Jahre später hier stehen und vereint sind wie eh und je.“ „Die Lieder befassen sich mit einer Menge gesellschaftspolitischer Dinge. Ich glaube, dass Gut und Böse in uns sind und wir die Wahl haben, welchen Weg wir wählen. Versuchung, Gier, Verrat, Liebe, Krieg, das alles gehört zum Leben dazu. Das sind die Dinge, über die wir reden. Wir haben nur einander. Ich weiß, das ist ein sehr utopischer Gedanke, aber wir müssen uns hin und wieder daran erinnern. Ich hoffe, dass wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren.“

Shane Smith and The Saints: Auf Achterbahnfahrt

Rund zehn Jahre tourte Shane Smith mit seiner Band durch kleine Bars und Clubs, bis ein Auftritt in der Paramount-Hitserie „Yellowstone“ alles veränderte. Auf dem neuen Album NORTHER kostet der in Texas heimische Singer/Songwriter nun die Freiheit aus, die ihm der unerwartete Erfolg bescherte. Wenn Shane Smith an die letzten zwei Jahre denkt, muss er mit dem Kopf
schütteln. „All das ist für uns immer noch schwer zu begreifen, und deshalb arbeiten wir auch weiterhin sehr hart, um nicht das Momentum zu verlieren“, erklärt er lachend. „Da spielen eine Menge Gefühle rein, aber das wichtigste davon ist Dankbarkeit.“ Schließlich hat seine Gruppe inzwischen nicht nur legendäre Locations wie das Red Rocks Amphitheater in Colorado oder das Ryman Auditorium in Nashville ausverkauft, sie durfte sogar für den Gouverneur spielen – und das gleich zweimal. „Die ganze Situation, wie eines zum anderen führte, war völlig surreal“, erinnert sich Smith. „Dass wir gefragt wurden, in einer Folge von ‚Yellowstone‘ für den fiktiven Gouverneur zu spielen, und dann im gleichen Jahr zur Inauguration des echten Gouverneurs in Texas eingeladen wurden, war eine bewusstseinsverändernde Erfahrung! Wir sind sehr stolz auf unsere Herkunft und unseren Heimatstaat, und deshalb war es für uns, unabhängig davon, zu welchem politischen Lager man sich zählt, eine große Ehre!“

Für die Aufnahmen zu NORTHER flog die Band an freien Tourtagen zurück nach Dallas, um an neuen Liedern zu arbeiten, und blühte dabei unter (Zeit-)Druck so richtig auf. Klanglich eklektisch wie nie zuvor, faszinieren Smith und die Seinen mit energiegeladenen Storytelling-Songs und beeindruckenden vierstimmigen Harmonien, wenn sie zwischen Country, Southern Rock, Folk und einem Schuss Honky-Tonk immer wieder Genremauern niederreißen, dabei aber auch ihre bescheidenen Anfänge in der Red-Dirt-Country-Szene und ihre treuen Fans der ersten Stunde nicht vergessen. „Als Künstler geben wir unserem Publikum die Möglichkeit, der alltäglichen Realität und Schwere zu entfliehen. Das fortzuführen, sehe ich ein Stück weit als Verpflichtung an“, erklärt Smith. „Gleichzeitig mag ich es, wenn eine Band im Laufe ihrer Karriere auf Achterbahnfahrt geht. Meine Hoffnung ist, dass wir jetzt an einem Punkt angekommen sind, an dem alles prima zusammenfließt.“ Mit der neuen LP im Gepäck nimmt die Gruppe nun den Rest der Welt ins Visier. „Musik hat ein unglaublich verbindendes Element“, ist sich Smith sicher. „Sie bringt Menschen zusammen, denn auch wenn es mal eine Sprachbarriere gibt: Zu einem guten Beat können alle tanzen!

Robby Krieger: Willkommen zurück

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Der einstige Gitarrist der Doors kehrt mit seiner neuen Gruppe und einem Instrumental-Album zurück. Wenn jemals die Geschichte einer Band durch die Überlieferung gewachsen ist, dann die von The Doors. Robby Krieger, der Gitarrist und Haupt-Songwriter vieler ihrer Hits, darunter ›Light My Fire‹, hat seitdem seinen Weg vor allem als Instrumentalkünstler gemacht. Seine neue Band, The Soul Savages, begann vor zwei Jahren „aus Spaß“ zusammenzuspielen. Ihr selbstbetiteltes Debüt ist eine verführerische Sammlung von „filmischer Groove-Musik“, die Einflüsse aus Soul, Jazz, Blues, Psychedelic und mehr vereint. (Text: David Sinclair)

Wie sind die Soul Savages zusammengekommen?
Nun, ich habe ein neues Studio in Glendale in Los Angeles. Und ich ließ einige Studiomusiker dorthin kommen, um ein paar Gigs zu spielen. Einer von ihnen, Ed Roth [Keyboards], kannte zufällig Kevin Brandon [Bass], der vor ein paar Jahren auf einem meiner Alben spielte [SINGULARITY, 2010], also haben wir uns wieder getroffen und schließlich Franklin Vanderbilt [Schlagzeug] dazu gebracht, sich uns anzuschließen.

Wie schreibst du Songs?
Sie entstehen größtenteils aus Jams. Manchmal habe ich eine Idee oder einer der anderen Jungs hat eine und wir fangen einfach an zu spielen, und dann fügen wir Teile hinzu, während wir jammen. Wir sind alle sehr erfahrene Musiker, also fließt es einfach so. Unsere Hoffnung ist, dass Leute sie in Filmen oder TV-Shows verwenden.

Die Soul Savages sind eine neue Band, aber die Platte ist nur die jüngste einer langen Reihe von Instrumentalwerken, die du gemacht hast. Was ist anders?
Mein Ziel war es schon immer, einen Instrumentalhit wie Booker T & The M.G.’s zu landen. Bisher hatte ich damit nicht viel Erfolg, aber ich glaube, mit dieser Gruppe bin ich näher dran, denn bei den meisten meiner früheren Versuche war ich vielleicht zu sehr darauf bedacht, Jazz-Gitarrenriffs zu spielen und damit anzugeben. Ich denke, bei dieser Platte geht es mehr um die Lieder. Vielleicht haben wir dadurch eine bessere Chance, einen Hit zu landen.

Du hast vor wenigen Jahren deine Memoiren über deine Zeit mit The Doors veröffentlicht („Set The Night On Fire“, 2021). Hat es sich gut angefühlt, die Geschichte endlich in deinen eigenen Worten zu erzählen?
Ja, das hat es. John [Densmore, Schlagzeug] war der Erste, der seine Autobiografie geschrieben hat, dann machte es auch Ray [Manzarek, Keyboards], und die beiden haben sich in ihren Büchern gegenseitig runtergemacht. Das hat für viele Probleme gesorgt. Ich wollte das nicht noch verschlimmern, also habe ich es immer wieder aufgeschoben.

Hast du Reaktionen auf das bekommen, was du in deiner Version geschrieben hast?
Nun, der einzige verbliebene Typ ist John [Densmore]. Er hat sich über bestimmte Dinge beschwert. Nicht schlimm genug, um einen Rechtsstreit oder so etwas zu verursachen. Tatsächlich haben wir uns im letzten Jahr oder so getroffen und einige musikalische Dinge gemacht. Vielleicht werdet ihr davon bald etwas hören.

Du sagst in den Memoiren: „Das Schreiben mit Jim [Morrison] war eine einzigartig inspirierende Erfahrung, eine, die ich seitdem nicht mehr wiederholen konnte.“ Ist das auch ein Grund für deine Vorliebe für instrumentale Musik in den späteren Jahren deiner Karriere?
Ja, ich denke schon, def initiv. Ich meine, mit einem Kerl wie ihm Musik zu schreiben … Ich habe das damals nicht begriffen, aber es war erstaunlich. Es ist schwer, das zu übertreffen. Und das ist wahrscheinlich ein Grund, warum ich mich mehr auf Instrumentalmusik ohne Texte konzentriert habe. (Aus CLASSIC ROCK #128)

Brother Dege: Songevolutionen

Spätestens seit seinem „Django Unchained“-Beitrag (2012) ›Too Old To Die Young‹ ist der Grammy-nominierte Brother Dege auch diesseits des Atlantiks bekannt. Mit dem gerade erschienenen AURORA legt der in Lafayette, Louisiana beheimatete Singer/Songwriter ein emotionales Americana-Werk mit Tiefgang auf den Plattenteller.

Dege, wie viel Zeit ist von der ersten Idee bis zum finalen Studio-Take für das intensive AURORA verstrichen?
Die Stücke drehen sich um verschiedene menschliche Beziehungen, deswegen könnte ich locker sagen, dass die Arbeit an dem Album vor gut 20 Jahren begonnen hat. Ohne diese Ausschweifung ging die Reise irgendwann zwischen 2020 und 2021 los, als die Welt während der Pandemie stillstand. Damals hatten meine Band und ich verständlicherweise unendlich viel Zeit zur Verfügung … dass dann tatsächlich knappe vier Jahre bis zur Fertigstellung ins Land ziehen, hätte ich allerdings niemals geahnt.

Die Scheibe besteht aus sieben Songs und zwei Instrumentals, die wie die Intros zu Theaterakten anmuten.
Ab und an packt mich die Inspiration für Instrumentals, von denen ich für gewöhnlich eines auf jeder LP unterbringe. Im Fall von AURORA sind es zwei sehr individuelle Tracks, die für den Hörer ungewöhnliche Arrangements bereithalten. Dazu passen sie eben perfekt als Einleitungen für den ersten und zweiten Akt beziehungsweise Seite A und Seite B der Vinyl-Version.

Die Kompositionen auf AURORA besitzen allesamt einen zeitlosen Touch.
Als Beispiel dafür erkläre ich die Entstehung der Single ›Where The Black Flowers Grow‹. Die Rohversion des Lieds ist auf einer Akustikgitarre geschrieben worden und klang sehr ruhig und soft. Umso öfter ich es spielte, desto eher hörte ich auf einmal in meinem Inneren mehr und mehr Schlagzeugparts. Es entwickelte sich urplötzlich dieser ureigene Drive, der mit meiner Band später zur finalen Instrumentierung heranwuchs. Die massiven Rimshots sind übrigens nicht auf einem regulären Kit entstanden, sondern es sind Mülltonnen, auf denen wir alle herumtrommelten. Im Studio legten wir die Aufnahmen übereinander, um diesen besonderen Vibe zu kreieren.

In deinen Texten benutzt du eine sehr visuelle Sprache. Sind die Lyrics fiktionaler Natur oder verarbeitest du selbst- oder von deinem Umfeld erlebte Begebenheiten?
Sie sind meistens eine Kombination aus verschiedenen realen Erlebnissen. Sie können aus meinem Leben oder dem einer mir bekannten Person stammen. Ich finde es ziemlich spannend, wie sich manche Ereignisse zu einer schlüssigen, neuen Story verschmelzen lassen. Das kann man sich in etwa wie superplakative Fotografien vorstellen, aus denen man eine Collage erstellt. Dabei
gehe ich nicht geradlinig, sondern eher wie bei einem abstrakten Gemälde vor, um dem Hörer genug Interpretationsspielraum zu lassen. Der Kniff dabei ist, dass es am Ende trotzdem Lyrics für einen knackigen drei- bis fünfminütigen Song werden.

Wie sammelst du diese Ideen?
Normalerweise mache ich mir kleine Notizen oder Sprachmemos auf meinem Smartphone. Auf diese Art und Weise habe ich die Einfälle immer bei mir und manchmal zeichnet sich über die Zeit hier schon eine Marschroute für ein Stück ab.

Vorhin hast du kurz über Arrangements gesprochen – wie sind denn die auf jede Komposition individuell zugeschnittenen AURORA-Instrumentierungen entstanden?
Die Basis arbeite ich immer mit meiner Gruppe aus. Aber hier und da habe ich einen Sound im Hinterkopf, der nach einem oder mehreren Gästen verlangt. In meinem Umfeld gibt es so viele tolle Musiker, die ich dann kurzerhand ins Studio einlade und spielen lasse. Wenn es passt, hat man ungezwungen einen Mehrwert für den Track. Im Endeffekt zeigt dir ja jedes Lied, nach was es verlangt und wie es klingen will. Am Reißbrett kann man hier meiner Erfahrung nach eh nichts planen, sondern lässt jedem Stück lieber von Anfang an freien Lauf. (Aus CLASSIC ROCK #128)

Anmerkung der Redaktion: Brother Dege ist leider am 8. März im Alter von 56 Jahren verstorben. Ruhe in Frieden, Brother Dege.