0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 1271

SQUACKETT – YENESIS

0

Und wieder finden zwei Musiklegenden zusammen, um gemeinsam zu musizieren: Aus (Chris) Squire und (Steve) Hackett wird das Projekt Squackett. Dessen Debütalbum A LIFE WITHIN A DAY klingt – Überraschung! – nach Yes und Genesis.

 

Alles startete vor sechs Jahren in London, als Yes-Bassist Chris Squire gerade an einem Album mit Weihnachtsliedern arbeitete: „Eine eher persönliche Scheibe, mit Liedern, die ich als Kind besonders geliebt habe, toll orchestriert mit Chorgesängen und Klavierbegleitung.“ Bei der Suche nach einem geeigneten Gitarristen für dieses Projekt schlug Schlagzeuger Jeremy Stacey den früheren Genesis-Instrumentalisten Steve Hackett vor. Squire und Hackett kannten sich vage, hatten sich erstmals 1980 in Bra- silien persönlich getroffen, ohne jedoch musikalisch zusammenzufinden. Die Weihnachts-CD war also der perfekte Testballon, um es mal miteinander zu versuchen. Squire: „Ich rief Steve an, fragte, ob er Interesse habe, und er sagte nur: ,Ich kann’s ja mal bei einer Nummer versuchen‘.“

Aus der einen Nummer wurde schließlich ein komplettes Album, aus der Stippvisite in Squires Studio eine längerfristige Freundschaft, die nun im gemeinsamen Projekt Squackett (halb Squire, halb Hackett) mündet. Das erste Album der beiden britischen Musiklegenden trägt den Titel A LIFE WITHIN A DAY und bietet wunderbaren Prog Rock, wie er zurzeit ein echtes Comeback feiert. „Man kann diese Musik durchaus als Mischung aus Yes und Genesis bezeichnen“, gibt Squire zu, „allerdings gibt es auch andere, rockigere Einflüsse.“ Manches könnte tatsächlich auch von Led Zeppelin stammen (›A Life Within A Day‹), anderes klingt nach frühen Camel (›Tall Ships‹) oder King Crimson (›Stormchaser‹). „Außerdem habe ich wohl noch nie so bluesig geklungen wie auf dieser Scheibe“, glaubt der Yes-Bassist zu wissen.

Für ihn sei vor allem das große stimmliche Potenzial seines neuen Partners die größte Überraschung gewesen. Zu Beginn ihrer neuen künstlerischen Liaison habe man zunächst nur an Instrumentalpassagen gearbeitet, ohne konkretes Ziel, ohne eindeutige Ausrichtung. „Dann stellte Steve mir einen angedachten Vokalpart vor, und ich merkte: ,Hey Mann, der Typ kann ja richtig singen‘.“

Ein unschätzbares Gut, wie der durch die ständigen Querelen mit seinem früheren Yes-Kollegen Jon Anderson genervte Squire genau weiß. Mit der Erkenntnis, dass sich Squackett nicht nach einem geeigneten Vokalisten umschauen müssen, konkretisierten sich sofort die Planungen für ein Album. Dass dieses nun angesichts der aktuellen Prog Rock-Renaissance der- maßen zeitgemäß klingt, hätte Squire selbst nicht erwartet. „Wir sind selbst ziemlich überrascht“, lacht der 64-jährige Brite mit Wahldomizil auf Hawaii, „immerhin haben wir fast vier Jahre an A LIFE WITHIN A DAY gearbeitet. Als wir damit anfingen, war noch nicht abzusehen, dass sich diese Musikform nun plötzlich wieder einer dermaßen großen Aktualität erfreut. Ich finde, dass der Titeltrack sogar ein wenig nach Muse klingt. Aber als ich das zu Steve sagte, fragte er nur: ,Aha, und wer bitteschön ist Muse?‘“

Es herrscht eitel Sonnenschein bei Squire und Hackett, die angesichts der durchweg positiven Resonanzen nun plötzlich weitere Pläne schmieden. „Wir werden versuchen, noch in diesem Jahr mit Squackett auf die Bühne zu gehen“, verrät Squire, „geplant sind Konzerte im Oktober oder November, je nachdem, was unser sonstiger Zeitplan zulässt.“

Die Shows müssen unbedingt noch in diesem Jahr stattfinden, denn für 2013 plant Squire ein neues Studioalbum mit Yes. Zwar ohne Dauerrivale Jon Anderson, dafür aber mit einem neuen Hoffnungsträger. Squire: „Wir haben mit John Davison jemanden für Yes entdeckt, der es verdient, auf einem neuen Studioalbum zu singen.“ Die Yes-Fans wird diese Ankündigung sicherlich wieder in zwei Lager spalten.

LITA FORD – AUSREISSERIN

0

Das Leben der ehemaligen Gitarristin der Mädchen-Rockband The Runaways ist ein ewiges Auf und Ab. In ihrem jüngsten Werk LIVING LIKE A RUNAWAY verarbeitet Lita Ford die Schicksalsschläge der vergangenen Jahre – und liefert damit ihr bislang emotionalstes Album ab.

Für Lita Ford verlief ihr bisheriges Leben nicht selten wie in einer Achterbahnfahrt. Die gebürtige Engländerin erlebte berufliche Erfolge auf durchaus ansehnlichem Niveau und bezahlte dafür mit so manch privater Tragödie. „Im Alter von 17 wurde ich mit den teuersten Limousinen durch die Gegend gefahren, gut 30 Jahre später musste ich nur mit einem Koffer in der Hand von Zuhause flüchten“, blickt sie kopfschüttelnd auf eine überaus bewegte Vergangenheit zurück. Ihr neues Album LIVING LIKE A RUNAWAY erzählt von beiden Extremen, von Glanz und Gloria ebenso wie von Trennung und Schmerz. Doch Carmelita Rosanna Ford, wie die 53-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, hat einen unschlagbaren Verbündeten, der ihr in den schwierigsten Momenten hilft: „Ich glaube fest an Gott, er ist mein Orientierungspunkt, er leitet mich in die richtige Richtung.“

Ihre turbulente Jugend verlebte Frau Ford mit der Mädchenband The Runaways, sozusagen der Realität gewordenen Illusion eines jeden pubertierenden Jungen. Als weibliches Pendant zu Boygroups wie New Kids On The Block oder Take That bedienten The Runaways nicht ausschließlich musikalische Wünsche, sondern weckten auch gezielt feuchtwarme Männerträume unter der Bettdecke: Nur allzu gern posierte die Band in Dessous und aufreizender Kleidung, um mit Augen und Mund das beliebte Pfadfinder-Motto zu signalisieren: allzeit bereit! Künstlerisch
ging es dagegen nicht ganz so frivol zu: Die Songs der Band waren eher brave Rocknümmerchen, aus denen lediglich der in Japan erfolgreiche Hit ›Cherry Bomb‹ herausragte.

Als sich The Runaways Ende der siebziger Jahre auflösten, setzte Lita Ford ihre Karriere als Solokünstlerin fort. Größter Moment ihrer Laufbahn: das Duett mit Ozzy Osbourne in ›Close My Eyes Forever‹, das es 1989 sogar ins Radio schaffte und kurzzeitig die Hoffnung schürte, aus Lita Ford einen Superstar vom Kaliber Tina Turner zu machen.

Doch die Realität sieht anno 2012 anders aus: ›Close My Eyes Forever‹ blieb eine kommerzielle Eintagsfliege, fast 15 Jahre war es zwischen 1995 und 2009 still um sie geworden, bis mit WICKED WONDERLAND ein erstes musikalisches Lebenszeichen wieder zu hören war. Doch dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse im Haushalt ihrer Familie: Nach der gescheiterten Ehe mit dem Gitarristen Chris Holmes, mit dem sie bis 1992 verheiratet war, hat Lita mittlerweile auch ihren zweiten Mann Jim Gillette verlassen. Schlimmer noch: Seit der Trennung prügeln sich die zwei um das Sorgerecht für ihre beiden Söhne. Gillette wirft seiner Ex vor, sie habe die Kinder geschlagen. Ford wehrt sich vehement und behauptet: „Er hat sie gegen mich aufgehetzt. Ich war nur ein paar Tage von Zuhause fort, um in Los Angeles an einigen wichtigen Besprechungen teilzunehmen, doch als ich wiederkam, stürzten sie sich auf mich. Aber ich habe sie nicht geschlagen. Ich würde nie meinen Kindern wehtun.“ Bei Nacht und Nebel, nur mit dem Notwendigsten im Gepäck, sei sie darauf von Zuhause geflüchtet. „Ich fühlte mich wie ein Flüchtling, nackt und hilflos“, gesteht sie und erklärt damit den Titel ihres neuen Albums: LIVING LIKE A RUNAWAY. Es sei die emotionalste Scheibe, die sie je aufgenommen habe, behauptet die Sängerin und Gitarristin, und verweist auf einige Texte, die tief in ihre Seele blicken lassen. „Ich hab’s mir nicht leicht gemacht, aber ich wollte mir den Schmerz von der Seele schreiben. Diese Songs sollen anderen Frauen Mut machen, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.“

GOTTHARD – PHÖNIX AUS DER ASCHE

Schicksalsschläge können einen entweder in die Knie zwingen oder nur noch stärker machen. Für GOTTHARD gilt Letzteres, mussten die Schweizer doch im Oktober 2010 den Tod ihres Freundes und Sängers Steve Lee hinnehmen. Knapp eineinhalb Jahre später meldet sich die Truppe mit dem Album FIREBIRTH neu erstarkt zurück – Hintergründe dazu erläutert Bassist MARC LYNN.

Der tragische Tod des Frontmannes brachte Gotthard an die Schwelle des Abgrundes. Neben dem möglichen Karriere-Ende verloren die verbleibenden Bandmitglieder einen Freund, der mit ihnen durch dick und dünn gegangen war. Für Außenstehende ist nur schwer nachvollziehbar, welchen Schwierigkeiten die Musiker gegenüberstanden. Doch die Liebe zur gemeinsamen Musik und die gegenseitige Unterstützung in der schweren Zeit ermöglichte das Fortbestehen, welches in FIREBIRTH gipfelt – ein Titel, der Programm ist, wie Marc bestätigt: „Der Name des Albums in Verbindung mit dem Cover – einem Feuervogel – verdeutlicht, was bei und in uns los war: Trauer und Schmerz paarten sich mit Zukunftssorgen. Nachdem wir die Geschehnisse der Vergangenheit verarbeitet hatten, waren wir uns einig, dass Gotthard weitermachen werden.“

Der Anfang war gemacht, doch das Problem bezüglich eines neuen Sängers stand weiterhin im Raum, löste sich allerdings fast von selbst: „Nachdem in entsprechenden Magazinen und im Internet die ersten Meldungen zu lesen waren, dass wir einen neuen Anlauf mit neuem Frontmann wagen wollen, durfte unser Postbote Schwerstarbeit leisten: Über 400 Tapes mit entsprechenden Bewerbungen gingen bei uns ein. Gottlob nahm uns unser Management die Vorauswahl ab, alleine wäre das nicht möglich gewesen. Die Top 10 luden wir schließlich zu uns ein, um zu sehen, wie sie sowohl als Musiker als auch als Mensch sind. Uns war von Anfang an bewusst, dass nicht nur die Stimme alleine das Auswahlkriterium ist, sondern die Kombination aus Stimmbandfähigkeiten mit Charakter und Persönlichkeit. Bei Nic Maeder waren wir uns einig: Der Junge passt perfekt zu uns!“

Kein Wunder, der in Australien aufgewachsene Schweizer ist ein Vollblutmusiker und vereint sowohl gesangliches Talent mit erstaunlichen Fähigkeiten an Piano und Gitarre sozusagen ein Wunschkandidat für den Posten des vakanten Sängers. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass ein gro- ßes Erbe auf den Neuen wartet und es nicht allzu leicht sein dürfte, die Fans zu überzeugen. Marc sieht das relativ gelassen: „Das Schicksal ist für die Tren- nung von Steve verantwortlich, nicht musikalische oder persönliche Differen- zen. Er war natürlich das Aushängeschild der Band, aber eben nicht Gotthard alleine. Für die Fans wird es am Anfang sicher eine Umstellung sein, wenn Klassiker wie ›Need To Believe‹ oder ›Anytime Anywhere‹ von Nic interpre- tiert werden, aber aufgrund seiner Klasse wird er es schaffen, unsere Anhänger zu gewinnen. Nic ist ein purer Rock’n’Roller, wohingegen Steve doch eher der Gentleman-Singer war. Wir freuen uns schon sehr auf die ersten gemeinsamen Erfahrungen auf der Bühne mit ihm. Los geht es am zweiten Juni, wenn wir zusammen mit Edguy als Support für Bülent Ceylan fungieren. Gerade dieser Auftritt ist für uns etwas Besonderes, da der Comedian nicht nur Rock-Fans anzieht und wir vielleicht auch Oma Müller davon überzeugen können, dass es noch etwas anderes gibt als Volksmusik (lacht).“ Wir dürfen gespannt sein, wohin Gotthard der Weg noch führen wird, eines ist auf jeden Fall sicher: Der Flug des Phönix geht weiter!

THE HIVES – DICKKÖPFE IM FRACK

0

Die Sterne standen anfangs nicht günstig für The Hives: Mehrere Verletzungen und extreme Perfektionsansprüche warfen die Entstehung von LEX HIVES zurück. Doch jetzt wollen die Schweden wieder durchstarten – aber bitte im feinsten Zwirn!

Die Erleichterung ist ihnen anzumerken: Sänger Pelle Almqvist und Gitarrist Vigilante Carlstroem räkeln sich auf der Couch eines Stockholmer Luxushotels, schlürfen Kaffee und reden über das, woran sie fast drei Jahre gearbeitet haben: Ihr fünftes Album LEX HIVES, mit dem das Quintett nicht nur ein Comeback feiert, sondern auch die Rückkehr zum DIY-Gedanken der Anfangstage. Einerseits, weil ihr hoch dotierter Vertrag mit dem US-Multi Interscope ausgelaufen ist, andererseits aber auch, weil sie das Gefühl haben, alle Berei- che ihrer Karriere in Eigenregie meistern zu können. „Wir haben ein treues Publikum, das wir auch mit unserem eigenen Label und ohne großes Marke- ting erreichen“, so der spindeldürre Almqvist. „Wir lizenzieren das Ganze einfach an lokale Vertriebe, und fertig aus. Wobei es uns extrem wichtig war, alles in Eigenregie zu erledigen. Also von der Produktion bis zum Coverart- work. Leider sind wir solche Dickköpfe und Perfektionisten, dass wir uns an endlosen Diskussionen vergangen haben. Was einer der Gründe ist, warum das Album so lange gedauert hat.“

Ein weiterer, so fügt der 33-Jährige mit verschmitztem Lächeln hinzu, sei sein Verletzungspech der jüngsten Vergangenheit: „Erst habe ich mir eine Gehirnerschütterung zugezogen. Danach hatte ich eine Magen-Operation und anschließend habe ich mich beim Kochen mit einem Messer verletzt. Das sind Dinge, die wahnsinnig Zeit kosten und in den letzten zwei Jahren an der Tagesordnung waren.“

Doch damit sei jetzt Schluss. Man wolle so schnell wie möglich an alte Erfolge anknüpfen, ausgiebig touren und die Rockmusik vor dem Exitus bewahren. Einfach, weil die so bieder und brav sei und dringend einen Tritt in den Allerwertesten verdiene. Etwa mit den zwölf Songs auf LEX HIVES, die sich als Frischzellenkur für verklebte Gehörgänge und eingelullte Gehirnzellen erweisen: druckvoller, dynamischer Rawk `n` Roll, der auf starke RIffs, hymnische Melodien und exaltierten Gesang setzt, wie pures Adrenalin, wirkt und einfach Spaß macht.

Nicht zuletzt wegen zahlreicher Referenzen an 40 Jahren Musikgeschichte, die von Iggy & The Stooges über die Ramones, Cramps bis zu Queen und einer ungenierten Hommage an ELOs ›Don’t Bring Me Down‹ in ›Go Right Ahead‹ reichen. „Wir hatten diesen Song, den wir sehr mochten“, so Almqvist. „Leider stellten wir irgendwann fest, dass er nach ›Don’t Bring Me Down‹ klingt. Also haben wir Jeff Lynne kontaktiert: ‚Hey, wir haben hier etwas, das dir bekannt vorkommen dürfte. Sollen wir uns das Copyright teilen?‘ Und er hatte nichts dagegen. Was ziemlich cool ist.“

Genau wie diverse Bonus-Tracks und B-Seiten, die man in Los Angeles mit Busenkumpel Josh Homme (Queens Of The Stone Age) eingespielt hat. Aber auch die aktuellen Bühnenoutfits des Fünfers, die im wahrsten Sinne des Wortes „klassisch“ sind: „Es handelt sich um Frack und Zylinder, wie sie schon Fred Astaire getragen hat. Und das nur, weil wir dringend etwas Neu- es brauchten“, kichert der Sänger. „Wir mussten viele unserer alten Anzüge verbrennen. Denn wenn du zwei Jahre tourst und nie dazu kommst, sie zu reinigen, setzen sie halt Schimmel an und werden geradezu toxisch.“

Wohingegen ein Frack, so betont der ansonsten wortkarge Vigilante, einen entscheidenden hygienischen Vorteil biete: „Man kann ihn sich überall auf der Welt ausleihen und am nächsten Morgen zurückbringen – wie eine volle Windel. Das macht es für uns leichter – und für die Fans angenehmer. Sie müssen sich bei Konzerten nicht mehr mit diesem beißenden Geruch rumplagen.“ Ein sicheres Indiz für Verantwortung und Reife.

HAWKWIND – IM WELTRAUM HÖRT DICH NIEMAND ALTERN

0


Vor 43 Jahren trat Dave Brock erstmals mit seiner Band in Erscheinung, die seither eine Laufbahn mit schwindelerregenden Irrungen und Wirrungen, Aufs und Abs, Besetzungswechseln noch und nöcher und einem undurchdringlichen Dschungel an Veröffentlichungen aufs Parkett gelegt hat, bei der selbst der Bandkopf mal den Überblick verlieren kann. Doch für echte Weltraumkadetten gibt es nur eine Blickrichtung: nach vorne, wie das neueste Hawkwind-Werk ONWARD nicht nur im Titel bekräftigt.

Nun gut, dieses neueste, gefühlt 47. (oder gar 74.?) Album der Briten erfindet das Raketentriebwerk nicht neu und stellt auch keine Abkehr vom ureigenen Hawkwind-Sound dar. ONWARD klingt wie ein Ausflug in eine psychedelisch farbenfrohe Dimension, die nur Profi-Lysergiker wirklich vollständig verstehen, verarbeiten und vergnügt auskundschaften können – eben jener Kosmos, in dem man an Planeten und Asteroiden vorbeifliegt, die sich als Psilocybin-getränkte Wattebäusche oder Popcorn mit Meskalingeschmack erweisen. Ja, das sind natürlich alles Klischees experimentierfreudiger Psychonauten, aber selbst wer in seinem Leben noch keine bewusstseinserweiternde Substanz angerührt hat, muss zugeben: Diese Musik klingt abgehoben, anders, weltfremd. Und, um an den Anfang des Diskurses zurückzukehren: vital, lebensfroh und alterslos.

Was doch eine ziemliche Leistung ist, wenn man bedenkt, dass Bandkopf Dave Brock inzwi- schen stolze 70 Lenze zählt. Doch so wie die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, arbeitet er offenbar immer flotter. „Wir haben allein letztes Jahr dreieinhalb Platten gemacht“, erzählt er von seiner kleinen Farm im ländlichen Südwesten Englands aus, „und wir lassen im Studio wirk- lich nichts anbrennen. Wir haben ein großes Schild aufgehängt, auf dem steht: ‚Less talk, more takes‘ (‚weniger reden, mehr aufnehmen‘). Nur falls irgend jemand auf den Gedanken kommen würde, das wäre ein Kaffeeklatsch alternder Rockopas.“

Auch nach Dutzenden Platten sprudelt Daves kreative Ader wie eh und je. „Nein, es fällt mir überhaupt nicht schwer, neue Stücke zu schreiben. Ich kann eigentlich gar nicht damit aufhören! Außerdem haben wir tolles, altes Elektronik-Equipment, und in Verbindung mit der neuesten Studiotechnologie kann man soviel wunderbare Sachen machen. So schnell gehen mir die Ideen nicht aus … ONWARD ist auch wieder eine schöne Platte aus interessanter Musik, seltsamen Elektronikeffekten, einfach netter Hippie-Rock. Aber wir arbeiten schon wieder am nächsten Album.“

So leicht ihm das Erschaffen neuer Musik fällt, so schwer kann es aber sein, diese an ihr Publikum zu bringen. ,,Wir machen alles komplett selbst, uns schenkt niemand etwas. Wir produzieren und vertreiben unsere Musik, wir organisieren unsere eigenen Tourneen und Festivals, wir sorgen für unser Merchandise, und das ist oft ein Kampf. Wir haben treue Fans, und denen wollen wir natürlich was bieten. Wir geben uns immer Mühe, aufwendige Lightshows und eine anspruchsvolle Multimedia-Produktion auf die Bühne zu bringen, und wir haben gesehen, wie große Acts, etwa Madonna, unsere Ideen in ihre eigenen Shows einbauen. Und die können das natürlich mit viel größeren Budgets … Aber ich will nicht klagen. Wir geben unser Bestes, und wir kämpfen für eine Sache, an die wir glauben.“

„Die Sache“ wird spätestens seit dem Hit ›Silver Machine‹ von 1972 und der folgenden „Space Ritual“-Tour mit dem Begriff Spacerock definiert, kategorisiert – und vielleicht auch redu- ziert? „Es gab Zeiten, da hat mich dieses Wort genervt, denn man will ja nicht nur in eine Schublade gesteckt werden. Andererseits kann ich nicht leugnen, dass unsere Musik damit ganz passend beschrieben wird. Außerdem kann ich nach all den Jahren sagen, dass es auch seine Vorteile hat, wenn man seine Nische gefunden hat, in der man anerkannt und respektiert wird.“

Anerkennung und Respekt waren für Hawkwind allerdings nicht immer selbstverständlich. Der Mainstream verabschiedete sich nach dem einen Hit recht bald wieder, während gerne mal auf Streitereien hinter den Kulissen, Brocks angeblich diktatorischem Verhalten und den ständigen Besetzungswechsel rumgehackt wurde „Ach, da wurde so viel behauptet von Leuten, die keine Ahnung haben. Klar, in 40 Jahren hat man auch mal Streit mit Leuten, und es ist hier und da immer mal wieder jemand von Bord gegangen oder an Bord gekommen. Aber unser Drummer ist jetzt seit 26 Jahren dabei, und Niall Hone (Gitarre, Synthesizer, Bass) kenne ich schon, seit er ein Baby war, denn sein Dad ist mein bester Freund, seit ich 17 bin!“

Und was die Akzeptanz der breiten Masse angeht, ist Dave ebenfalls nicht übermäßig besorgt. „Was müssten wir tun, um wieder ein größeres Publikum zu erreichen? Keine Ahnung! Vor ein paar Jahren habe ich ein Lied für den Soundtrack zu ‚An jedem verdammten Sonntag‘ geschrieben und dafür einen Haufen Geld bekommen. Sowas kann ja wieder mal passieren. Würde ich sagen, wir haben die Anerkennung bekommen, die wir verdienen? Vermutlich nicht. Aber ich habe Freude an dem, was ich tue, und es hat mir ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Ich könnte jetzt darüber jammern, dass wir bei unserem ersten Vertrag mit United Artists gerade mal 1,5 % der Einnahmen bekamen, aber da sind wir doch nur eine von Tausenden Bands, die übers Ohr gehauen wurden. So war das eben damals, und wir haben daraus gelernt. Es gibt uns immer noch, also haben wir offenbar etwas richtig gemacht!“

Und das will er auch weiterhin tun, denn auch mit 70 denkt er nicht an den Ruhestand. Deutschland soll übrigens auch mal wieder bereist werden, denn Dave hat schöne Erinnerungen an diese Breitengrade. „Wir waren mal im Campingurlaub und machten mit dem Wohnmobil an der Lorelei halt. Das war nicht nur ein wunderschöner Ort, es lief auch gerade das Festival, wovon wir vorher nichts wussten. Das hat uns so gut gefallen, dass wir dort spielen wollten, was dann auch mal geklappt hat. Ein tolles Erlebnis, das beste Festival überhaupt! Und das Publikum bei euch war immer sehr gut zu uns, also kommen wir wieder gerne.“ Ein Zugeständnis ans Älterwerden gibt es allerdings: „Wir touren nicht mehr so lange, denn das ist wahnsinnig anstrengend. Statt einer großen Tour gibt es jetzt kleinere Ausflüge mit ein paar Shows. Einige von uns haben ja auch Familie, und für mich ist es immer ein Problem, die Hunde mitzunehmen.“

Ganz menschliche Probleme also für den König aller „space cadets“, doch die Reise geht weiter. „Wieso sollte ich in Rente gehen? Es macht mir immer noch großen Spaß, wir sind eine Gruppe von Kumpels, die nah beisammen wohnen und gerne Musik machen. Wenn ich das nicht mehr hätte, würde ich mich zu Tode langweilen. Ich bin lieber beschäftigt. Und es passiert viel Mist in diesem Land und dieser Welt, den ich kommentieren will. Das Thema unserer nächsten Platte werden Tierversuche und Fleischessen im Allgemeinen.“

Unermüdlich, unkaputtbar, unsterblich. Den „Lebende Legende“-Status haben sich Hawkwind redlich verdient, und das Raumschiff fliegt weiter und weiter … onward, upward, from here to eternity”.

SLASH – DER SCHLUSSSTRICH

0

Slash @ Neil Zlozower (1)

Es reicht: 16 Jahre nach dem Ausstieg bei Guns N ́Roses ist Saul Hudson alias Slash nicht länger Willens, ständig zurückzublicken, über die Vergangenheit zu reden oder sich an haltlosen Spekulationen zu vergehen. Denn die Gunners, so erklärt er zur Veröffentlichung seines zweiten Solo-Albums APOCALYPTIC LOVE, sind endgültig passé, eine Reunion so wahrscheinlich wie die Kanzler-Kandidatur von Norbert Röttgen und eine Aussprache mit Axl Rose das Letzte, was er anstrebe.

Folglich ist ein endloser Pressetag mit Gesprächen im 30-Minuten-Takt auch eine echte Tortur für den 46-Jährigen. Da sitzt er also in einem Konferenzraum im Kölner Hyatt, kämpft mit doppelten Espressi gegen den Jetlag und muss sich immer wieder denselben Fragen stellen: Wie er heute zum Frontmann seiner ehemaligen Band stünde, ob er sich das noch einmal gemeinsam vorstellen könne und wie viele Drogen er denn damals verkonsumiert habe. Dabei – und das ist das Tragische – hat er inzwischen je zwei Alben mit seinen Anschluss-Bands Snakepit und Velvet Revolver veröffentlicht, zudem zwei Alleingänge und eine Autobiografie vorgelegt und jede Anekdote aus seinem bewegten Leben erzählt. Doch die Dame von der Lokalzeitung lässt ebenso wenig locker wie der Abgesandte eines Radiosenders – und so bleibt dem Mann mit dem Zylinder gar nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Dabei – und das zeigt sich beim CLASSIC ROCK-Talk – kommt er auch von alleine auf die wilden 80er/90er Jahre zu sprechen. Eben dann, wenn er will.


Seit deinem letzten Album sind gerade mal knapp zwei Jahre vergangen. Sprich: Du bist so produktiv wie nie. Wie kommt’s? Hast du einen Lauf?

(lacht) Ich würde es eher so formulieren: Ich habe einfach kontinuierlich gearbeitet, Mann. Und zwar seit ich mit dem letzten Solo-Album angefangen habe und mein eigenes Ding mache. Ganz abgesehen davon entspricht es meiner Persönlichkeit, schnell und vor allem viel zu arbeiten. Wobei ich mich immer nach dem richte, worauf ich Lust habe. Und da ich derjenige bin, der dieses Schiff steuert, ist das Ganze auch genau so, wie ich es mir vorstelle – und nicht anders. Es ist einfach bam, bam, bam. Also so, wie es sein sollte, und ohne das ganze Drama, ohne den Mist.

Selbst wenn das Album im Grunde eine Kollaboration zwischen dir als Gitarrist und Myles Kennedy als Sänger/Texter ist? Also ein Duo mit Backingband?
Irgendwie schon. Wobei das Tolle an dieser Konstellation ist, dass ich genau so schreiben kann, wie es mir liegt, und dann einfach abwarte, was er daraus macht. Bis jetzt hat er mich noch nicht enttäuscht. (lacht) Er wartet immer mit irgendwelchen tollen Melodien auf. Und deshalb funktioniert es. Mit ihm zu arbeiten, ist ein sehr simpler, lockerer, entspannter Prozess. Etwas, das ich ungemein genieße. Und wir haben ein Album ge- macht, auf das ich sehr, sehr stolz bin. Also: Meinetwegen kann es ruhig bis in alle Ewigkeit so weitergehen.

Myles war einer der Vokalisten auf deinem ersten Alleingang. Sprich: War er derjenige, der dir am besten gefallen hat, oder warum hast du die Zusammenarbeit mit ihm intensiviert?
Na ja, auf dem letzten Album habe ich mit einigen wirklich bekannten Leuten gearbeitet: Ozzy, Lemmy, Iggy Pop, Fergie, Adam Levine, Kid Rock oder Andrew Stockdale. Da war Myles der einzige, den ich vorher nie getroffen hatte. Im Sinne von: Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einlasse – und das, obwohl ich seit Jahren von ihm gehört habe. Doch als er das Studio betrat, hatte das etwas sehr Erfrischendes. Nämlich diese fantastische Stimme und Texte, die wahnsinnig tief gehen. Als ich ihn dann gefragt habe, ob er Lust hätte, mit mir auf Tour zu gehen, sagte er sofort zu. Und das, obwohl er nun wirklich keine Langeweile hat. Aber er hatte halt gerade eine Auszeit von Alter Bridge, und daraus ist diese tolle Arbeitsbeziehung geworden, die ihm trotzdem genug Zeit für seine Hauptband bietet.

Zwischenzeitlich war er ja auch als Robert Plant-Ersatz bei Led Zeppelin im Gespräch. Ein zusätzlicher Anreiz?
(grinst) Das war das entscheidende Argument. Als ich davon hörte, sagte ich mir: „Den Typen musst du unbedingt testen.“ Eben, weil ich mich fragte: „Wer ist der Kerl, dessen Namen ich ständig höre?“ Ich wollte es einfach rausfinden. Und was soll ich sagen: Seine Gesangsmelodien sind toll, wir haben im Handumdrehen einen guten Draht entwickelt, und er ist die coolste neue Sache, die ich seit langem gehört habe.

Heißt das, diese Konstellation ist ein biss- chen stabiler als deine bisherigen?
Das habe ich schon so oft gesagt und gehört, dass ich einfach keinen Bock mehr drauf habe. (lacht) Insofern möchte ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sondern ich freue mich erst einmal auf die kommende Tour, und wenn ich dann noch ein Album mache – was ich zumindest vorhabe – sehe ich keinen Grund, warum Myles nicht dabei sein sollte. Aber er muss sich halt erst einmal wieder um Alter Bridge kümmern, während ich möglichst viele andere Dinge tun werde. Also Musik schreiben, mit anderen Leuten spielen und einfach Spaß haben. Was ich halt so tue…

Wobei einige Texte, die von Myles stammen auch genauso gut aus deiner Feder kommen könnten – allen voran ›Not For Me‹.
Der Song ist angeblich von einem Gespräch beeinflusst, das wir mal hatten. Ich meine, ich kann mich nicht daran erinnern, wann und wo das gewesen ist, und er hat mir das auch erst später erzählt, also als das Ganze fertig war…

„The cocain lies, the whiskey lies – I don’t need you no more.“ Das ist schon ziemlich autobiografisch, wenn nicht therapeutisch, oder?
(nickt) Es ist interessant, wie nahe wir uns da kommen oder wie gut er meine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen kann. Das ist verdammt cool. Denn es ist der allererste Song, bei dem es im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen mal um etwas anderes geht. Nämlich um das komplette Gegenteil von dem, was man sonst immer so hört. Für gewöhnlich geht es doch immer darum, wie viel man rauchen, trinken und feiern kann – das Übliche. Doch das hier ist das exakte Gegenteil. Es ist wie der Morgen danach, wo du dir denkst: „So kann es nicht weitergehen.“ Was ein interessanter Ansatz ist.

Wenn du mit Myles unterwegs bist: Erzählst du viele Geschichten aus deinem Leben? Bist du quasi so etwas wie das Entertainment-Programm auf einer Tour?
Nein, für gewöhnlich rede ich nicht viel. Das tue ich nur, wenn ich Interviews gebe, also wenn ich muss. (lacht) Ansonsten bin ich sehr ruhig, lese viel und spiele Gitarre. Aber ich rede definitiv nicht viel. Das ist nicht mein Ding.

Im Juni gehst du auf Tour mit Mötley Crüe, was in den 80ern/90ern eine geradezu töd- liche Kombination gewesen wäre. Also für deine Gesundheit – und wahrscheinlich auch für ihre.
Das ist richtig. Wir haben oft genug versucht, unsere Grenzen auszuloten. Also da haben wir wirklich nichts ausgelassen. Etwa als Guns N’ Roses 1988 Support auf ihrer „Girls Girls Girls“-Tour waren. Das war extrem dekadent. Ich meine, ich habe „The Dirt“ nie gelesen, weil ich die Geschichten auch so kenne. Aber es war wirklich so – also ein einziges großes Gelage. Was heute allerdings nicht mehr der Fall ist, einfach, weil sich die Zeiten geändert haben. Aber es dürfte trotzdem ein ziemlicher Spaß werden, da bin ich mir sicher. Und wir waren in den letzten Jahren ja auch schon öfter gemeinsam bei Festivals und bei irgendwelchen Headliner-Shows.

Mal ehrlich: Wie viel Rock’n’Roll ist da heute noch im Spiel, oder sind das alles reife, gesundheitsbewusste Herren, die den guten alten Zeiten nachtrauern?
Ganz so schlimm ist es noch nicht. (lacht) Und das wäre auch das Letzte, was ich wollte. Also nur rumzuhängen und über irgendwelche Gesundheitsproblemchen zu reden. Oder über Mode bzw. irgendeinen anderen Mist. Schließlich spielen wir Rock’n’Roll und sollten das auch leben – zumindest ein bisschen. Aber ich für meinen Teil beteilige mich halt nicht mehr an irgendwelchen Exzessen, sondern ich nutze meine Zeit, um zu arbeiten oder einfach nur abzuschalten. Und im Gegensatz zu früher bin ich auch nicht mehr sturzbetrunken. Ansonsten hat mein Lifestyle aber immer noch etwas von einem Zirkus. Und die Mötley-Jungs haben sich auch nicht groß verändert. Ich meine, Tommy (Lee) ist die meiste Zeit komplett dicht.

Was ist mit Groupies?
Die gibt es natürlich immer noch. Aber sie haben längst nicht mehr so viel Zugang, wie das früher der Fall war. Und dann gibt es ja auch noch Ehefrauen, was die Sache gefährlich macht. Gerade in Zeiten des Internets…
Deine beste Mötley Crüe-Geschichte?

Da gibt’s einige. (lacht) Aber ich denke, die beste ist die: Als die ’88er Tour mit ihnen vorbei war und wir im Begriff waren, noch ein paar Konzerte mit Alice Cooper zu spielen, ging bei ihnen gar nichts mehr. Als sie das Hotel verließen, mussten sie Tommy in einem Einkaufswagen zur Limo rollen, weil er sich nicht mehr bewegen konnte. Was alles darüber sagt, wie das damals so war. Aber seien wir ehrlich: Es war halt auch eine Riesensause.

Wie sieht dein aktuelles Live-Set aus? Wie viel Guns, wie viel von deinen anderen Bands und Solo-Aktivitäten ist dabei?
Im Grunde ist es dasselbe, was ich immer mache, nur dass diesmal ein bisschen mehr neues Material am Start ist. Und auf der Mötley-Tour sind wir schließlich ja nur der Opener. Was bedeutet, dass wir vielleicht 45 Minuten spielen. Darunter werden sich dann auch ein paar Guns-Songs befinden, und welche von Velvet Revolver und vielleicht auch ein oder zwei von Snakepit. Aber der Großteil sind neue Sachen. Und wenn wir unsere eigenen Shows spielen, die zwei Stunden dauern, bauen wir diese Mischung einfach ein bisschen aus.

Außerdem spielst du ein paar Shows mit Ozzy & Friends.
Richtig, das mache ich nebenbei. Sie haben sich bei mir gemeldet, weil sie meine Hilfe brauchen. Und natürlich lasse ich sie nicht im Stich. Denn es ist schon eine tragische Sache, die da passiert ist. Also dass Tony Iommi so kurzfristig ausfällt – und wegen so einer üblen Geschichte wie Krebs. Und weil die Konzerte ausverkauft waren, wollten sie sie nicht absagen, sondern ziehen sie jetzt unter anderem Titel durch. Was ich okay finde. Denn diese Aktion zeigt dir, wie unberechenbar Rock’n’ Roll ist: Er hat immer noch etwas Menschliches und Normales. Wobei ich mich aber auch sehr darauf freue, mit Zakk Wylde zu spielen und die Sabbath-Klassiker zu bringen. Das wird garan- tiert cool.

Und um noch mal deine Frage von gerade aufzugreifen, also bezüglich des Rock’n’Roll-Life- styles: Ich habe erst vor ein paar Tagen in einem Hotelzimmer gesessen und über den ganzen Kram gegrübelt, den ich so am Laufen habe. Da ist mir bewusst geworden, dass ich das früher alles gar nicht auf die Reihe bekommen hätte.

Also macht es schon einen Unterschied, tro- cken und clean zu sein?
Und wie! Ich hätte so viele tolle Sachen verpasst. Ich meine, ich habe erst kürzlich mit B.B. King gejammt. Und das hätte ich früher genauso verpennt wie eine Menge anderer Sachen, die ich in den letzten zwei Jahren gemacht habe. Sprich: Wenn ich immer noch drauf wäre, wäre ich nie so glücklich, wie ich’s heute bin. Ich habe 2006 auf- gehört, aber richtig geschafft habe ich den Absprung erst 2008. Das ist gerade mal vier Jahre her.

Eine Zeit, in der du dich an Velvet Revolver versucht hast, die an genau diesen Drogen- problemen gescheitert sind.
Das war definitiv eine schwierige Zeit, und wir haben da unglaublich viel Mist erlebt. Es war ein ständiges Auf und Ab. Während ich clean wurde, ist Scott (Weiland) wieder richtig heftig unterwegs gewesen. Was das genaue Gegenteil von 2005/2006 war, als ich mich kaum noch unter Kontrolle hatte, aber er fast geheilt schien. Insofern hat es einfach nicht gepasst. Was dann dafür sorgte, dass wir uns von Scott getrennt haben.

Wie ist der aktuelle Stand bei Velvet Revolver? Sucht ihr noch Ersatz?
Ich weiß, es klingt unglaublich, aber das ist tatsächlich eine Sache, die wir längst nicht abgeschrieben haben. Nur: Wir wollen halt jemanden, der wirklich zu uns passt, was gar nicht so einfach ist. Es ist also vor allem eine Frage der Geduld denn irgendwann werden wir schon jemanden finden.

Was ist mit Myles, von dem du doch so begeistert bist?
Auf keinen Fall! Er hat Alter Bridge. Und mit mir zu arbeiten, ist etwas ganz anderes, als ein Teil von Velvet Revolver zu sein. Wenn du in der Band bist, kannst du unmöglich zwei Sachen auf einmal machen. Und wenn wir jetzt ein Album aufnehmen oder auf Tournee gehen würden, dann müsste ich wirklich alles zur Seite schieben. Was bei Alter Bridge ja nicht anders sein dürfte. Das ist eine feste Band mit festen Arbeitsabläufen. Da könnte Myles unmöglich eine zweite Band integrieren.

Zwischenzeitlich war noch Corey Taylor von Slipknot im Gespräch. Was ist daraus geworden?
Corey ist toll. Ich liebe ihn. Nur: Ich kann mich nicht durchringen, das als die endgültige Lösung zu akzeptieren. Irgendetwas fehlt da. Oder: Irgend- wie ist er es dann doch nicht.

Was zu der Frage führt: Wie war die Einführung von Guns N’Roses in die Rock’n’Roll Hall Of Fame, die ja ohne Axl stattfand?
Es war toll! Richtig Klasse! Wir hatten eine tolle Zeit. Nur: Eigentlich möchte ich nicht drüber reden und auch nicht zu sehr ins Detail gehen, denn da gab es so viel Drama und so eine dunkle Wolke, die das Ganze überschattet hat – obwohl es eine Ehre sein sollte. Wegen dem Theater wollte ich da auch erst nicht hin. Aber dann haben wir uns dafür entschieden und ER sich dagegen. Wir haben gespielt, und es war ein Riesenspaß. Wir konnten den Fans zeigen, wie sehr wir ihre Unterstützung schätzen, die sie uns so lange ge- geben haben. Darum ging es bei der Aktion.

Und das Theater im Vorfeld? Eben, ob das der Auftakt zu einer Reunion oder einem neuen Album wäre? Wie bist du damit umgegangen?
Fuck! Das war die Hölle! Also wirklich unerträglich. Und das ging wirklich so, seit bekannt gegeben wurde, dass wir nominiert sind. Was einfach nur lästig war. Denn es ist ja nicht so, als wäre die Band noch zusammen – und wir treten da einfach auf. Sondern es musste kompliziert werden, weil die Fronten so verhärtet sind. Deshalb ist mir das monatelang auf die Nerven gegangen. Doch jetzt ist es vorbei. Und alles ist gut. Womit das Kapitel Guns N’Roses ein für allemal beendet ist.

Könntest du dir vorstellen, noch einmal mit den Jungs aufzutreten – unter welchem Namen auch immer?
Man sollte niemals nie sagen. Nur: Momentan habe ich daran kein Interesse. Zumal ich ja gerade dieses Album am Start habe – mit einer Band, mit der es fantastisch läuft. Warum soll ich das über den Haufen werfen, um mich an reiner Nostalgie zu vergehen? Das kann ich immer noch machen, wenn ich 70 bin. Aber hey, ich bin immer noch hungrig, und ich will mit Myles und den Jungs wirklich etwas erreichen. Das ist mein Ziel.

JOE BONAMASSA

0

_Aufmacher_Joe Bonamassa 2012_4 @ Christie_Goodwin

Er ist wohl momentan der beschäftigste Mann im Musikgeschäft.
Ob solo, mit seiner Allstar-Band Black Country Communion, diversen Projekten oder ausgedehnten Tourneen – Joe Bonamassa sitzt niemals still. Warum sollte er auch? Schließlich läuft es augenblicklich mehr als gut für ihn. Und diese Erfolgswelle scheint auch mit seinem neuen Album DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT nicht zu verebben.

Es vergeht zurzeit kaum ein Monat, in dem man nicht in der Presse etwas Neues über Joe Bonamassa lesen kann: Entweder er bef indet sich auf Tournee und begeistert ein rasant größer werdendes Publikum mit seinen sensationellen Fähigkeiten. Oder aber er veröffentlicht gerade wieder einmal eine neue Scheibe, sei es unter eigenem Namen, als Mitglied der Supergroup Black Country Communion oder als Gast von Künstlern wie Beth Hart, Leslie West oder Henrik Freischlader. Bonamassa ist allgegenwärtig und augenscheinlich mit grenzenloser Kreativität gesegnet. Auf seinem neuesten Stu- diowerk DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT gelingt ihm ein stilistischer Spagat zwischen kernigem Rock und traditionellem Blues. Doch das Beispiel des verstorbenen Gary Moore zeigt, dass Bonamassa damit ein System-bedingt durchaus problematisches Feld beackert.

METAL MOORE

Denn der Blues war bislang eine Glaubensfrage. Hier ging es um Authentizität und Wahrhaftigkeit. Und um Themen wie Peer-Group und Zusammengehörigkeitsgefühl. Ähnlich wie im Jazz teilen sich auch im Blues engstirnige Puristen und tolerante Fusionisten das Terrain. Sie entscheiden: Wer ist anerkannt, wer bleibt draußen? Gary Moore war das Paradebeispiel des Geächteten. Der Ire kam vom Metal/Hard Rock, hatte in den Achtzigern seine Gibson Les Paul unter Hochdruck mal- trätiert und dabei weder in puncto Lautstärke noch Geschwindigkeit irgendwelche Zugeständnisse gemacht. Als Moore 1990 seiner harschen Gangart den Rücken kehrte und den Millionenseller STILL GOT THE BLUES veröffentlichte, war das Rock- und Mainstream-Publikum begeistert. Die elitäre Blues-Szene rümpfte dagegen verächtlich die Nase – zu wild, zu lärmend, zu rockig. Moores Reaktion auf die Frage, was sein eigener Beitrag zu dieser Stilrichtung gewesen sei, lautete stets: „Ich habe dem Blues die Lautstärke gebracht.“ Die Antwort war zweifelsohne korrekt, geholfen hat sie seiner Reputation indes nur wenig: Bis zu seinem Tod im Februar 2011 galt Moore als eigenwilliger Grenzgänger – bei den Fans beliebt, von Bluesmusikern dagegen skeptisch beäugt und als echter Kollege zumeist abgelehnt. Joe Bonamassa sollte seine nächsten Schritte also genau überdenken.
PARADIGMEN WECHSEL

Aber vielleicht schafft es Bonamassa ja auch, den dringend notwendig gewordenen Paradigmenwechsel herbeizuführen und Blues endlich als moderne, zukunftsweisende Musikrichtung ohne irgendwelche archaischen Dogmen zu etablieren. Sein neues Album DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT könnte dazu beitragen. Denn Bonamassa hat mit seinem zehnten Studiowerk eine Art Zwitter erschaffen, der trotz seines heterogenen Konzepts erstaunlich homogen klingt. Die Scheibe mischt traditionellen und modernen Blues mit Rock und leichtem Soul-Zungenschlag so ge-schickt, dass man fast von einem eigenen Genre sprechen konnte den Bluesamassa. „Für mich gibt es keine Regeln, also kann ich auch keine brechen“, erklärt der 35-Jährige selbstbewusst, wohlwissend, dass er momentan der größte Star der Szene ist.

Dies hängt allerdings auch mit seinem prominent besetzten Nebenschauplatz Black Country Communion zusammen, bei dem er mit Bassist Glenn Hughes (ehemals Deep Purple), Schlagzeuger Jason Bonham (Led Zeppelin) und Keyboarder Derek Sherinian (ehemals Dream Theater) einen kernigen 70er Jahre-Rock mit imposanter Laut- stärke zelebriert. Gary Moore wurde derlei Tun übelgenommen, Bonamassa dagegen scheint vom Chamäleon-Dasein in zwei unterschiedlichen Welten sogar Image-mäßig zu profitieren, auch wenn er immer wieder betont, dass „Black Country Communion nicht mein Baby ist, sondern das Projekt von Glenn. Ich bin nur Bandmitglied, eines von vieren. Und ich werde dieser Band so lange angehören, wie es mir Spaß macht. Zum reinen Rockmusiker werde ich dennoch nie werden, meine Heimat ist und bleibt der Blues.“

Ein klares Bekenntnis also, und dennoch so geschickt formuliert, dass es ihm beide Seiten offenhält. Bonamassa hat offenbar die generelle Akzeptanz aller Fans und schickt sich an, diese Position dafür zu nutzen, die öffentliche Wahrnehmung seiner Musik zu verändern. Dank Bonamassa scheinen allmählich endlich jene Diskussionen zu verstummen, die sich um Reinheitsgebote oder Grenzverletzungen drehen. Darf der Amerikaner von jetzt an also alles machen, ohne von irgendeiner Seite verbal angerempelt zu werden?

Die Voraussetzungen dafür könnten nicht besser sein: Sein Songwriting ist exorbitant, seine Stimme überzeugend und sein Gitarrenspiel einfach nur zum Niederknien. Dabei ist Bonamassa unverkennbar ein großer Fan des
1976 verstorbenen Briten Paul Kossoff, der in den frühen Siebzigern die Blues Rock-Truppe Free zu Ruhm und Ehre führte und –ähnlich wie der Amerikaner –laute wie leise Töne gleichermaßen beherrschte. Neuere Stücke
wie ›Dislocated Boy‹ oder der Titeltrack ›Driving Towards The Daylight‹ hätten auch von Kossoff respektive Free stammen können. Sie zeigen Bonamassa als heißen Bluesrocker, der dennoch nicht seine Ideale verrät.

HOWLIN WOLF SPRICHT

Zumal sich unter den elf Songs der neuen Scheibe gleich sechs Coverstücke bef inden: ›New Coat Of Paint‹ stammt vom großen Tom Waits, ›Lonely Town Lonely Street‹ von Bill Withers und ›A Place In My Heart‹ vom frühen Whitesnake-Gitarristen Bernie Marsden. Hinzu kommt Jimmy Barnes’ 1987er Hit ›Too Much Ain’t Enough Love‹, den
er auf DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT gleich eigenhändig mit eingesungen hat. Richtig tief in die Annalen des Blues taucht Bonamassa dann bei Howlin’ Wolfs ›Who’s Been Talking‹ und der Robert Johnson-Nummer ›Stones In My Passway‹ ein. Dass die meisten dieser Tracks nicht sofort als Fremdmaterial erkannt werden, liegt zum einen an Bonamassas famoser Kunst des Interpretierens. Andererseits aber auch daran, dass er – mit Ausnahme der Barnes-Nummer – nicht die offenkundigen Klassiker der jeweiligen Künstler ausgewählt hat. „Andere hätten sich von Robert Johnson vielleicht ›Cross Road Blues‹ oder ›Love In Vain‹ vorgenommen, aber ich bevorzuge eher unkonventionelle Schritte und genieße die Freiheit, jene Stücke auszuwählen, die mir persönlich am meisten bedeuten“, erklärt er. Man muss sagen: Der Spagat ist gelungen. Vorspann einen Tonschnipsel von Meister Wolf persönlich, aufgenommen im Jahr 1970: Howlin’ Wolf versucht, seine Mitmusiker aufs richtige Feeling einzuschwören. Vergeblich, wie Bonamassa findet: „Ich glaube, in dieser Konstellation konnte das Ergebnis nicht so ausfallen, wie er es sich vorgestellt hatte. Die Welten der Beteiligten waren damals einfach zu verschieden.“ Kleiner Hinweis dazu: Bonamassa spricht von niemand Geringeren als Eric Clapton, den beiden Rolling Stones-Musikern Charlie Watts und Bill Wyman sowie Steve Winwood, die seinerzeit recht hilflos versuchten, Wolfs Ansprüchen zu genügen. Doch aus Bonamassas Mund klingt die (recht unverblümte) Kritik an seinen berühmten Kolle- gen nicht etwa despektierlich, nicht mal ansatzweise nach Anmaßung oder gar Hybris, sondern wie aus der Sicht eines Musikers vorgenommen, der anhand solcher Beispiele verstehen lernen möchte, wie der traditionelle Blues funktioniert. Und wie man Schiffbruch vermeidet, wenn man ihn dann auch mal mit profaner Rockmusik ver- wässern möchte.

KEVIN SCHIRLEY – SCHMIEDEMEISTER DES ERFOLGS

Denn dass er dies trotz seiner Bekenntnisse zum unverfälschten Blues auch in Zukunft vorhat, zeigt ein Blick auf die Gastmusiker, die Bonamassa für das Album mit ins Studio eingeladen hat. Mit Aerosmith-Mitglied Brad Whitford und seinem Sohn Harrison Whitford spielen zwei Gitarris- ten auf der Scheibe, die nicht eben im Verdacht stehen, ihre Instrumente direkt am Ufer des Mis- sissippi erlernt zu haben. Dritter im Bunde ist Gitarrist Pat Thrall, ein weiterer Vertreter der eher handfesten Zunft. Die Idee, Verstärkung dieser Gewichtsklasse um Hilfe zu bitten, stammt allerdings vermutlich von Produzent Kevin Shirley. Denn der kommt vom Rock und steuert seit seiner Inthronisierung als omnipotenter Planungschef im Jahre 2006 die musikalischen Schritte Bonamassas. Shirley hat die Schatzkarte in der Tasche, er taxiert aus, wie weit sein Mandant gehen darf und wo zukünftig die wohltemperierte Grenzlinie zwi- schen Blues, Rock und Mainstream verläuft. Shirley war es auch, der seinen zurzeit wichtigsten Klienten vom adipösen Teenager in Schlab- berklamotten zum geschniegel- ten Gitarren-Gentleman in feinem Zwirn und mit passabler Figur mutieren ließ. Ein genialer Schach- zug, der das Profil des Amerika- ners deutlich geschärft hat. Jetzt bastelt Shirley daran, für Bonamas- sa den lukrativen Mainstream- Markt zu öffnen und ihn quasi zum Maß aller Dinge zu machen, wenn es um Glaubwürdigkeit geht: „Stücke wie ›Who’s Been Talking‹ oder ›Stones In My Passway‹ wur- den von Joe so interpretiert, wie sie unserer Ansicht nach in einen Rock-Kontext passen würden“, sagt Shirley, wohlwissend, dass derlei Aussagen gleichzeitig ein offenkundiges Manko zu kaschie- ren versuchen: Für ein Album mit ausschließlich eigenen Bonamas- sa-Nummern hätte vermutlich das Zeitfenster für DRIVING TO- WARDS THE DAYLIGHT gar nicht ge-reicht. Denn noch bevor die Scheibe überhaupt in den Plattenläden stand, sind bereits die Vorarbeiten zum nächsten Werk von Black Country Communion angelaufen. Die dritte Studioscheibe der Super- group soll noch 2012 erscheinen – ebenso wie ein weiteres gemeinsames Opus mit Beth Hart.

Es sind also auch Termin- und Sachzwänge, die Bonamassa zurzeit agieren lassen – Kon- zept hin oder her. Shirley als der Vater des Er- folges weiß genau, dass man das Eisen schmie- den muss, solange es heiß ist. Und Bonamassas künstlerischer Aggregatzustand befindet sich momentan auf dem absoluten Siedepunkt. „Ich versuche immer genau die Scheibe zu kompo- nieren, die für mich einen Sinn ergibt“, erläu- tert Bonamassa den im Vergleich zum Vorgän- ger DUST BOWL (2009) traditionelleren An- satz von DRIVING TOWARDS THE DAY- LIGHT – und fügt mit Blick auf die nächste Veröffentlichung von Black Country Commu- nion einen Satz hinzu, den sein Mentor Shirley garantiert gerne hört: „Und weshalb sollte ich mir selbst Konkurrenz machen?“

Vorspiel: Petter Calrsen

0

Dass Skandinavien viele kreative Musiker hervor- bringt ist kein Geheimnis. Auch Petter Carlsen zählt zu ihnen. Der junge Musiker aus dem Norden Norwegens ist ein Meister gefühlvoller Klänge. Während sein Debüt YOU GO BIRD nur in seiner Heimat veröffentlicht und dort große Erfolge feiern konnte, kommt sein Zweitling CLOCKS DON’T COUNT nun auch endlich ins restliche Europa.

„Ich hätte nie gedacht, dass YOU GO BIRD Erfolg haben könnte“, gibt der junge Singer/Songwriter zu. „Ich meine, das war mein Debüt und ich hatte keine Ahnung, was ich von all dem halten sollte. Ich habe Jahre an diesem Album gearbeitet und war glücklich, dass es auch anderen gefiel. Und ich freue mich darüber und bin stolz, dass CLOCKS DON’T COUNT nun einer größeren Menge an Menschen zugänglich gemacht wird.“

Seine Einflüsse sind vielfältig und zum Großteil auch um einiges härter, als es sein eigener Sound vermuten lässt. „Ich hörte schon immer viel Rock und Heavy Rock“, grinst der Norweger. „Mit dieser Musik habe ich gelernt, selbst Musik zu machen. Einer der wichtigsten Songs aller Zeiten für mich ist Metallicas ›Fade To Black‹. Und eine weitere große Inspirationsquelle sind Anathema. Ihr Album ETERNITY zog sozusagen in meinem CD-Player ein und verbrachte dort eine sehr lange Zeit.“ Deren Sänger und Gitarrist Vin- cent Cavanagh singt auch auf Petters Song ›Built To Last‹. „Wir lernten uns im Tourbus kennen”, erklärt Carlsen die Zusammenarbeit. „Ich begegnete erst Danny Cavanagh. Er spielte in Oslo und ich drückte ihm spontan meine EP in die Hand. Ein paar Wochen später schrieb er mir eine Mail und sagte, dass ihm meine Musik sehr gefalle. Und plötzlich war ich Support-Act ihrer ‚We’re Here Because We’re Here’- Tour.“

Doch Carlsen braucht im Grunde keine Hilfe, um gefühlvolle und bewegende Songs zu schreiben. „Die Ideen brechen meistens einfach aus mir heraus“, lacht er. „Manchmal kommt alles auf einmal, manchmal nur einzelne Puzzleteile. Ich schreibe am liebsten nachts, wenn die Zeit keine Rolle spielt wenn ‚clocks don’t count’“.