Neil Young – Back to Mono: Unterwegs in der Zeitkapsel

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Neil Young – Back to Mono: Unterwegs in der Zeitkapsel

Bereits letztes Jahr hatte Young mit dem Voice-O-Graphen anlässlich des Record Store Days ein Cover von Bert Janschs ›Needle Of Death‹ (einst die Inspiration für seine eigene 1971er-Großtat ›Needle And The Damage Done‹) aufgenommen und war offenbar dadurch auf die Idee gekommen, in der einer Telefonzelle ähnelnden Kabine ein ganzes Album mit Fremdkompositionen aufzunehmen – schließlich hatte er in den letzten Jahren bei seinen Soloauftritten bereits des Öfteren Lieder anderer Singer/Songwriter in sein Konzertprogramm eingebaut.

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Praktisch all diese Songs finden sich nun auf A LETTER HOME. Bei einer Pressekonferenz zum diesjährigen Record Store Day erinnerte sich Jack White an die Entstehungsgeschichte der Platte: „Neil Young schaute einfach vorbei. Er fuhr sein Elektroauto, den LincVolt. Er kurvte in der Stadt herum und machte einige Filmaufnahmen. Er hielt bei uns an, schaute sich um und wir kamen ins Gespräch. Ein paar Monate später rief er an und sagte: ‚Hey Mann, ich will vorbeikommen und in dieser Kabine aufnehmen. Hey, vielleicht werde ich sogar meine komplette nächste Platte dort aufnehmen.‘“ Keine Frage, dass White sofort Feuer und Flamme war. „Ich werde dich nicht daran hindern. Wo soll ich dich abholen?“, soll seine Reaktion gewesen sein, als er von der Idee hörte. Dass er nun die Vinylversion des fertigen Werkes fünf Wochen vor der weltweiten CD-Veröffentlichung exklusiv über sein Label Third Man Records vertreiben konnte, dürfte für ihn das Sahnehäubchen gewesen sein. Inzwischen liegt das Album in allen Formaten und in einer Vielzahl von Versionen für den kleinen, mittleren und großen Geldbeutel vor, wobei das Deluxe-Box-Set mit einer audiophilen Fassung, vielen Gimmicks und einer exklusiven Aufnahme von Bob Dylans ›Blowin’ In The Wind‹ aufwartet.

Dass Young für sein neues Album den puristischsten aller Wege gewählt hat, überrascht allerdings nicht wirklich. Zuletzt hatte er sich im Januar dieses Jahres in seiner Dankesrede bei den Grammys, wo er mit dem President’s Merit Award einen Spezialpreis entgegennehmen durfte, ausführlich über seine Aufnahmephilosophie ausgelassen und sich dabei von den vielen im Publikum sitzenden „Handwerkern“ abgegrenzt, die wunderschöne Platten produzieren, bei denen jedem einzelnen Ton besondere Aufmerksamkeit gilt. Seine eigene Herangehensweise beschrieb er dagegen als „Performance-orientiert“, technische Finessen seien weniger von Belang. „Ich mag es, den Moment festzuhalten“, sagte er damals. „Ich möchte das erste Mal einfangen, das die Band einen Song spielt, auch wenn das bedeutet, eine Menge Kompromisse einzugehen.“ Mit der primitiven Aufnahmetechnik, die ihm in Nashville für A LETTER HOME zur Verfügung stand, ist er diesem Ideal sicher einen Schritt näher gekommen, wenngleich er dabei in der Tat einige Kompromisse eingehen musste, indem er auf der neuen Platte bisweilen die spartanische Klangqualität über den absoluten Hörgenuss stellte: Alle Aufnahmen kommen vollkommen ohne Overdubs aus, während das ständige Knistern des Vinyls der Atmosphäre der Songs mal mehr, mal weniger zuträglich ist. Mit den simplen Mono-Lo-Fi-Aufnahmen kehrt der „Godfather of Grunge“ allerdings zu den echten Wurzeln der amerikanischen Singer/Songwriter-Kultur zurück und klingt bisweilen so wie Jimmie Rodgers oder die Carter Family auf ihren Platten von vor annähernd 100 Jahren. Vermutlich heißt es deshalb in den A LETTER HOME-Albumcredits auch nicht „produced by …“, sondern „reproduced by Jack White III & Neil Young“.

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