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Neil Young & Crazy Horse – RETURN TO GREENDALE

Eskapismus, plakative Botschaften? Vor allem: großartige Musik

Als Neil Young 2003 sein Konzeptalbum GREENDALE über eine fiktive amerikanische Kleinstadt rausbrachte, gab es nicht nur positive Kritiken. Er konstruiere eine heile Welt auf dem Land, hieß es ungefähr, er schieße plakativ gegen Politik und Medien, er sei in Wahrheit ein Redneck. Dass Young mit seinen Ansichten nicht hinterm Berg hält, stimmt. Eine Idylle ist sein Greendale nicht. Und das liegt nicht nur an äußeren Einflüssen. Auch hier sind die Leute misstrauisch, auch hier betrügen sie einander, genauso wie überall sonst. Im Zentrum des Songzyklus mit zehn langen, sprechsingend vorgetragenen Stücken stehen drei Generationen der Familie Green. Am Anfang sitzen Grandpa und Cousin Jed noch plaudernd auf der Veranda, im Lauf der Handlung brechen Krieg und Tod, sensationsgierige Medien und staatliche Willkür über die Familie herein. Der Großvater stirbt, Jed landet im Knast, die Enkelin Sun Green geht als Umweltaktivistin nach Alaska.

Young skizzierte auf seinem Album von 2003 ein Amerika der Angst und Paranoia. GREENDALE war ganz klar auch eine Kritik an der Bush-Regierung, am Irakkrieg. Jetzt kommt mit RETURN TO GREENDALE ein Livemitschnitt der damaligen Tour. Und der zeigt, dass diese Lieder vor allem eins sind: großartige Musik. ›Bandit‹ ist spröde und akustisch, ›Bringin’ Down Dinner‹ hört sich besinnlich an, der Rest sind episch-mäandernde Rocksongs, wie man sie von Young mit Crazy Horse kennt. Young spielt freie, improvisierte Gitarrenfiguren, der Feedback-Lärm, den er dazwischen macht, klingt, als wäre etwas auf grandiose Weise kaputt gegangen. Wer ihm dabei auch zuschauen möchte: In der Deluxe-Edition ist der Konzertfilm dabei.

9 von 10 Punkten

Neil Young & Crazy Horse, RETURN TO GREENDALE, REPRISE/WARNER

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