Kiss: Tommy Thayer im Interview

„Es wird mich nie nerven.“ Thommy Thayer über die letzten Tage von KISS und seine Pläne nach dem grande Finale.

Im Januar dieses Jahres durften einige auserkorene Musikjournalisten 15 Minuten mit Tommy Thayer und Paul Stanley am Telefon verbringen. Grund dafür war natürlich die damals gerade beginnende Abschiedstournee unter dem Titel „End Of The Road“. Ganz im Sinne der typischen Kiss-Kommunikation zeigte sich Rekrut und Spaceman Tommy Thayer damals von seiner zwar immer charmanten, aber äußerst diplomatischen Seite. Zahlreiche Superlative natürlich inklusive.

Und, wie läuft die Tour bisher?
Oho! (lacht) Wie du vielleicht schon mitbekommen hast, haben wir uns für diese Tour monatelang vorbereitet. Wir wollten wirklich alles übertreffen, was wir jemals geliefert haben. Ich weiß, Bands sagen das ständig, aber in unserem Fall stimmt es auch. Vancouver war voll, 15.000 Leute in der Arena, der Start hätte also nicht besser laufen können. Grundsätzlich haben wir in diese Shows wirklich sehr viel Zeit und Aufwand gesteckt und das zahlt sich auch aus. Die Reaktionen bisher waren durchgehend überwältigend.

KISS haben bisher noch keine Pläne für das Ende der Tour, aber habt ihr vielleicht schon darüber gesprochen, wo das letzte Konzert stattfinden wird: In Detroit oder im Madison Square Garden zum Beispiel?
Nein, darüber haben wir noch nicht gesprochen, wir wissen ja noch nicht mal ganz genau, wie lange diese Tour dauern wird. Wenn wir uns dem Ende nähern, werden wir einen besseren Überblick haben.

Du hast ja bereits angemerkt, dass die kommenden Shows nochmal größer werden als je zuvor. Wie schwer ist es, sich selbst immer und immer wieder übertreffen zu wollen?
(lacht) Ehrlich gesagt, ist das schon schwierig, vor allem mit einer Band wie KISS, die ja den Ruf hat, eine der größten Shows, Produktionen und die mächtigste Pyrotechnik zu haben. Trotzdem haben wir’s geschafft. Keine Ahnung, ob du schon Fotos oder Videos gesehen hast: Alles ist sehr neu, modern und sehr anspruchsvoll, trotzdem total Rock’n’Roll. Die Leute werden wirklich staunen.

Da bin ich ja mal gespannt. Wie fühlt es sich an, Teil einer Band zu sein, die grundsätzlich zu in Superlativen spricht?
(lacht) Ich bin der glücklichste Typ auf Erden. Ich meine, jedes Kind, das irgendwie auf Rock’n’Roll steht, träumt doch davon, irgendwann mal in einer Band wie KISS auf den größten Bühnen dieser Welt zu spielen. Weißt du, als ich klein war, spielte ich Luftgitarre zu KISS ALIVE, wenn ich von der Schule nach Hause kam. Ich lebe den Traum, besser wird es nicht mehr.

Seit über 16 Jahren bist du bei KISS. Ist da auch heute noch Druck involviert?
Ja, aber da geht es allen in der Band gleich, schließlich willst du immer dein Bestes geben. Wobei ich nicht weiß, ob Druck das richtige Wort ist. Vielleicht war damals 2001, als ich angefangen habe, Druck dabei, schließlich habe ich die Rolle eines sehr beliebten Gitarristen übernommen. Das war sogesehen eine No-Win-Situation, zumindest für eine Weile. Aber ich habe einfach meinen Job gemacht und etwas gebraucht, um voll darin aufzugehen. Das ist ganz normal, denke ich.

Was ist schlimmer: Die Die-Hard-Fans, die Ace Frehley zurückwollen oder die Leute, die nicht mal einen Unterschied erkennen?
Diese Fans, von denen du sprichst, sind eigentlich nur sehr wenige. Trotzdem gibt es die natürlich und ich kann sie auch verstehen, ich selbst war ja früher ein Fan von KISS und sehe schon ein, warum man nicht möchte, dass die eigene Lieblingsband sich verändert. Aber die Wahrheit ist, dass 90% der Menschen bei unseren Shows oft neuere oder jüngere Fans sind. Die Mischung ist so vielfältig, die Die-Hard-Fans fallen da gar nicht so ins Gewicht. Außerdem bin ich sehr ausgeglichen und lasse sowas gar nicht an mich heran, vor allem weil ich sie ja – wie bereits erwähnt – auch verstehen kann.

Ist die Setlist der Abschiedstour die ultimative KISS-Setlist?
Über das Set haben wir viel gesprochen und nachgedacht. Uns war klar, dass bei den Abschieds-Show einfach viele verschiedene Leute anwesend sein würden, deswegen muss man die Hits spielen und kann nicht zu tief graben, sonst zerstört man am Ende noch den Moment. Die Untergrund-Perlen heben wir uns dann für die KISS-Cruise und die Super-Fans auf, bei den großen Shows gibt es die Klassiker zu hören.

Nachdem du am Ende dieser Tour fast über 20 Jahre in KISS gewesen sein wirst, welche künstlerischen Ziele gibt es für dich persönlich noch?
Ach, bestimmt einige, aber was ich genau tun werde, kann ich noch nicht sagen. Aktuell fokussiere ich mich zu 110% auf die laufende Tour, aber später wird sich schon etwas für mich finden im Musik-Business. Und vergiss nicht, KISS werden ja nicht komplett weg sein. Klar, wir werden nicht mehr touren, aber die Marke, das Logo, all das lebt ja weiter, da werde ich bestimmt auch weiterhin involviert bleiben.

Schon mal darüber nachgedacht, wieder regelmäßig mit Black & Blue zu spielen?
Ach, wir spielen ja immer wieder mal zusammen, vor ein paar Monaten beispielsweise erst. (lacht) Aber wir hatten unsere guten Zeiten damals in den 80ern, ich denke nicht, dass da nochmal etwas Beständigeres kommt. Alle wachsen, alle bewegen sich in unterschiedliche Richtungen, also nein.

Werden sich die Leute mehr an die Songs oder an die Marke „KISS“ erinnern?
An beides. In letzter Zeit habe ich oft mit Gene über dieses Thema gesprochen und er denkt genauso. Ich meine, theoretisch könnte es sogar weiterhin KISS-Konzerte mit anderen Leuten geben, wenn man es richtig anstellt.

Also ist das KISS-Monster größer als die Persönlichkeiten dahinter?
Ich würde sagen, dass Gene und Paul nicht zu ersetzen sind, das kann man sich nur schwer vorstellen. Aber wenn man sich dann Queen mit Adam Lambert anschaut, der jemanden wie Freddy Mercury ersetzt, oder Brian Johnson anstelle von Bon Scott. Deswegen bleibe ich dabei: Wenn man es richtig macht, ist es möglich. Schließlich ist es noch seltsamer, sich vorzustellen, dass es all diese großen Rockbands, all diese Helden in 10 Jahren einfach nicht mehr geben wird. Wird die Musik der Beatles jemals verschwinden? Kannst du dir das vorstellen? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Gibt es einen Song, bei dem du froh bist, dass du ihn bald nie wieder spielen musst?
Nein, ich habe ein solches Glück, all diese Lieder spielen zu dürfen. Ich könnte mir nie vorstellen, jemals zu sagen, dass ich froh sein werde, einen bestimmten KISS-Song nicht mehr spielen zu müssen. Ich bin ein Glückspilz, ich liebe das, was ich tue. Es wird mich nie nerven.

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