Lucero – WHEN YOU FOUND ME

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Lucero – WHEN YOU FOUND ME

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PRO

Alte Hingabe, neue Tricks

Die Band aus Memphis gibt es seit über 20 Jahren. Man weiß eigentlich, was sie vorhat. Der Name Lucero steht für stürmischen Rock und klare Haltung, flankiert von Country- und Soul-Einflüssen. Seit ALL A MAN SHOULD DO vor sechs Jahren nimmt man zusätzlich sensible Zwischentöne wahr. Das setzt sich jetzt in ›Pull Me Close Don’t Let Go‹ fort, Sehnsucht nach Nestschutz und Wärme ist spürbar. Doch es passiert auch Neues. In ›Have You Lost Your Way?‹ steckt eine Geisterstimmung, die zu dieser Zeit passt. Der ganze Wahnsinn, der sich im Vorjahr auf Amerikas Straßen abgespielt hat, kommt in ›A City On Fire‹ zum Ausdruck. ›Good As One‹ wird von Bassmann John C. Stubblefield in Richtung New Wave und Funk bugsiert, in ›Coffin Nails‹ rumort es wie bei Johnny Cash. Der Hit schlechthin könnte ›Back In Ohio‹ werden. Die Melodie passt perfekt und mischt sich mit Verweisen auf die beiden großen Ur-Einflüsse der Band, Bruce Springsteen und The Replacements. Nach all den Jahren könnte den Männern um Südstaaten-Reibeisen Ben Nichols also noch der Durchbruch gelingen. Sie sind hungrig und ehrlich wie immer und überzeugen zudem in Überraschungsmomenten. Hier ist das letzte Lied noch lange nicht gesungen.

8 von 10 Punkten

Text: Thomas Weiland

CONTRA

Cowboystiefel und Trainingsjacken

Es war doch kein einmaliger Ausflug: Lucero, die vor gut zwei Jahren mit AMONG THE GHOSTS eine stilistische Wende hingelegt haben, bleiben mit ihrem neuen Album auf fragwürdigem Kurs. Die Lokalmatadoren aus Memphis, deren Mischung aus Country-Rock und Soul dem Bürgermeister der Musik-Metropole sogar einen eigenen Feiertag, den „Lucero Day“, Wert war, wandern weiter ab in kühle Indierock-Gefilde. Aufgenommen unter besten Bedingungen und der fachkundigen Leitung von Produzent und Grammy-Preisträger Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Margo Price) im historischen Sam Phillips Recording Studio, klingt das Album grundsätzlich toll. Inhaltlich regieren allerdings Synthesizer, Schichtgitarren und hektisches Indierock-Schlagzeug. Das wirkt, wie bereits beim Vorgänger, bemüht und ist allenfalls ärgerlich: Sänger Ben Nichols whiskeyweiche Südstaaten-Rock-Stimme mag so gar nicht zu den großstädtisch-kühlen Klangwänden passen, die seine Mannen aufziehen. Um ein naheliegendes Bild zu bemühen: Cowboystiefel trägt man auch nicht zur Trainingsjacke. Lichtblicke sind das überwiegend akustisch aufgenommene ›The Match‹ und der Heartland-Rocker ›Back In Ohio‹.

4 von 10 Punkten

Text: Christoph Ulrich

Lucero, WHEN YOU FOUND ME, LIBERTY & LAMENT/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

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