Lebenslinien: Slash

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Lebenslinien: Slash

FAITH NO MORE


Ich habe mich bestens mit Jim Martin verstanden, kam mit Mike Patton allerdings nicht klar. Als Faith No More 1992 bei uns im Vorprogramm auftraten, gerieten wir einmal ziemlich aneinander.

SOUNDGARDEN

Sie waren 1992 ebenfalls mit von der Partie, spielten vor Faith No More. Bei der ersten Show der Tour bin ich Chris Cornell und Kim Thayil das erste Mal begegnet. Mit den beiden lief alles super, wie eigentlich mit den meisten Musikern, die mit uns unterwegs waren. Duff und ich sind stets zu Beginn einer Tournee zu den Bands in den Backstage-Raum gegangen, haben uns vorgestellt und ein paar nette Worte gewechselt. Uns lag viel daran, mit allen gut auszukommen.

LEMMY KILMISTER

lemmy motörhead
Ich hatte 1986 das erste Mal Gelegenheit, mich länger mit ihm zu unterhalten, als wir gerade die Aufnahmen zu APPETITE FOR DESTRUCTION beendet hatten. Die Platte war noch nicht auf dem Markt, aber wir flogen nach London, um im Marquee Club einige Shows zu spielen und das Album zu promoten. Motörhead nahmen zu der Zeit mit Bill Laswell in den Master Rock-Studios ORGASMATRON auf. Als die Band mit der Arbeit fertig war, sind wir noch einen trinken gegangen. Und wir endeten im „Intrepid Fox“ in Soho. Lemmy war damals praktisch dort zu Hause – so wie er später quasi im „Rainbow“ wohnte.

OZZY OSBOURNE

Anfang der Neunziger waren wir zu den MTV Awards eingeladen und wohnten im Mondrian Hotel am Sunset Boulevard in West Hollywood. Ich war auf meinem Zimmer, als es plötzlich klopfte und mein Manager mit Ozzy vor meiner Tür stand. Ich war ziemlich müde und kaputt, hatte nur wenig geschlafen, da es früh am Morgen war. Doch die beiden erspähten eine Flasche Jack Daniel’s auf meinem Tisch, und Ozzy fragte, ob er nicht einen Schluck nehmen könnte. Ich sagte Ja, reichte ihm den Whiskey und sprang dann rasch unter die Dusche. Mein Plan war, fit zu werden und die beiden dann in der Hotelbar wiederzu-treffen. Als ich mich zurechtgemacht hatte, ging ich nach unten – gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie Ozzy von den Security-Leuten nach draußen geschleift wurde. Er war wohl in der Bar umgefallen und nicht mehr aufgestanden. Natürlich hat mich die Aktion ziemlich beeindruckt – und ich bin es auch heute noch. Erst kürzlich habe ich einige Gigs mit ihm gespielt, und es ist nach wie vor unglaublich, welche Kontrolle und Macht er über sein Publikum hat. Er besitzt wirklich Show-Talent.

JAMES BROWN

Es fragt mich nur selten jemand nach meiner Meinung zu James Brown. Das finde ich bedauerlich, denn er hat mich wirklich beeinflusst. 2004 hatte ich die Gelegenheit, beim „Rock Through Time“-Konzert im New Yorker „Roseland“ mit ihm aufzutreten. Das war eine große Ehre für mich. Er ist ein ausgesprochen ernster und auch enorm zurückhaltender Mensch gewesen. Aber sobald es um die Musik und seine Band ging, drehte er auf und entwickelte sich zum Diktator. Ich hatte wirklich Glück, dass er mir freie Hand ließ – ich durfte spielen, wonach mir der Sinn stand. Aber seine Begleitmusiker hatten nichts zu lachen, er regierte mit eiserner Hand.

THE ROLLING STONES

rolling stones
1989 haben wir die Band bei einigen Shows supportet – und uns nicht gerade wie Musterschüler benommen, wie hinreichend bekannt sein dürfte. Am ersten Abend im Los Angeles Memorial Coliseum hat Axl sogar gedroht, Guns N’Roses aufzulösen, wenn „einige Band-Mitglieder nicht aufhören würden, mit Mr. Brownstone zu tanzen“ – eine Anspielung auf den Heroinkonsum von mir und Steven Adler. Der zweite Gig lief musikalisch viel besser, aber wir waren immer noch sauer aufeinander. Bei der dritten Show aber lief es endlich rund, es war ein fantastischer Auftritt, die Leute liebten uns – und wir waren wirklich gut. Heute ärgere ich mich besonders darüber, dass ich nach der Show immer mit tausend dummen Dingen beschäftigt war und mir nicht die Zeit genommen habe, Keith Richards und Mick Jagger persönlich zu treffen. Auf den Backstage-Fotos von damals sind alle möglichen Leute mit ihnen zu sehen, nur ich bin nirgends drauf. Inzwischen kennen wir uns aber – und kommen gut miteinander aus.

STACY ANN „FERGIE“ FERGUSON
(BLACK-EYED PEAS)

Vor einigen Jahren bin ich gebeten worden, gratis bei einer Show mitzuspielen, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Ich sagte zu – und traf bei dieser Gelegenheit Fergie. Sie sang ›Black Dog‹ von Led Zeppelin, und ich war sofort hin und weg. Denn bis zu dem Zeitpunkt kannte ich nichts von ihr, hatte noch nicht mal ihren Namen gehört. Ich konnte es kaum glauben, dass diese kraftvolle, dunkle Stimme zu dieser zarten, weißen Frau gehörte. Inzwischen sind wir mehrfach gemeinsam aufgetreten, und sie hat auch auf meinem Soloalbum mitgewirkt. Und ich muss sagen, dass ich in den letzten Jahren keine zweite Sängerin mit einer derartigen Rock-Röhre getroffen habe, die ähnliche Erfolge feiert wie Fergie. Das Problem liegt nicht daran, dass es keine talentierten Damen gibt – sie bekommen nur keinen Fuß in die Tür, weil sie eben nicht wie eine angepasste Mainstream-Pop-Puppe klingen.

DAVE GROHL

Dave Grohl im Studio
Er ist für mich das perfekte Beispiel dafür, wie ein Rockstar seines Alters sein sollte. Dave liebt Musik, er ist verrückt danach. Und er schreibt hervorragende Songs und ist zudem ein großartiger Schlagzeuger. Hinzu kommt, dass er keine Egoprobleme hat. Er nimmt die Dinge gelassen, ist vollkommen entspannt und kommt mit jedem gut aus. Ich habe selten jemanden getroffen, der so lässig wirkt wie Dave Grohl.

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