JOEY RAMONE – Die Antwort lautet: Rock’n’Roll

-

JOEY RAMONE – Die Antwort lautet: Rock’n’Roll

Joey Ramone, St.Marks Place NYC 1981
Sie durften. Denn Rock’n’Roll grundsätzlich und Punk im Besonderen sind ja gerade dazu auserwählt, mit Konventionen zu brechen – also auch mit jener, die besagt, dass Punk zwangsläufig einen politischen Standpunkt vertreten müsse. Den hatten die Ramones sehr wohl – man denke nur an den Song ›Bonzo Goes To Bitburg‹, geschrieben 1985, nachdem US-Präsident Ronald Reagan es für eine gute Idee gehalten hatte, gemeinsam mit Helmut Kohl einen rheinlandpfälzischen Soldatenfriedhof zu besuchen, auf dem auch Mitglieder der Waffen-SS begraben lagen.

Bis zu ihrem Ende im Jahr 1996 veröffentlichten die Ramones 13 Studioalben, drei Live-Mitschnitte, ebenso viele Best-of-Sammlungen und fast drei Dutzend Singles – posthum erschienen noch wesentlich mehr Konzertalben und Best-ofs. Mit Gold wurde in den USA jedoch nur die Kompilation RAMONES MANIA von 1988 ausgezeichnet. Kommerziell betrachtet waren die Ramones also bestenfalls zweite Liga, was ihrem Standing als Pioniere des Punk nicht wirklich gerecht wurde. Und bei den Mitgliedern nachweislich zu einiger Bitterkeit führte, als die Nachwuchs-Punks Green Day, nach eigenem Bekunden massiv von den Ramones inspiriert, Mitte der Neunziger zu weltweiten Megasellern aufstiegen.

ADIOS AMIGOS hieß 1995 das finale Studiowerk, nach einer anschließenden Lollapalooza Tournee im Sommer 1996 waren die Ramones Geschichte. Zu den tragischsten Aspekten zählt gewiss, dass drei der Gründungsmitglieder nicht mehr am Leben waren, als die Band 2011 den Grammy für das Lebenswerk erhielt: Joey starb 2001, Dee Dee folgte ein Jahr später, Johnny im Jahre 2004. Auch die Aufnahme in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ hätte früher erfolgen müssen als 2002, und dass ein Jahr später in der New Yorker Bowery der „Joey Ramone Place“ eingeweiht wurde, war eine nette Geste, mehr aber auch nicht. Für Fans deutlich mehr Nährwert besitzt das Ramones-Museum in Berlin, 2005 eröffnet und weltweit das einzige seiner Art. Ansonsten bleibt: großartige Musik.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Chris Shiflett: Das letzte Wort

„Ehrlich gesagt bin ich nicht gut darin, mir eine Auszeit zu nehmen“, sagt Chris Shiflett. „Ich muss ständig spielen...

Gitarrenhelden: George Harrison

In den Anfangstagen der Beatles wurde er übersehen, doch dann wurde er als einer der großen Stilisten neu bewertet. ...

Video der Woche: George Thorogood ›Bad To The Bone‹

Wir gratulieren George Thorogood! Die amerikanische Blues-Rock-Legende feiert heute sein 74. Wiegenfest. Seine größten Erfolge feierte George Thorogood zwischen...

CLASSIC ROCK präsentiert: Nathaniel Rateliff & The Nightsweats live

Ist er solo unterwegs, lebt die Show vom eher folkigen Charakter der Stücke, dem zurückhaltenden Gitarrenspiel und dem Schmelz...

Sweet: Andy Scott über Steve Priests Extravaganz

Im großen Titelstory-Interview sprach Andy Scott, "last man standing" des Original-Line-Ups von Sweet, zweieinhalb Stunden über das Vermächtnis seiner...

Philip Sayce: THE WOLVES ARE COMING

Corona ist schuld: Der Guitar-Hero Philip mutiert zum Zappelphilip Freunde der E-Gitarre kennen die Helden der Szene. Sayce spielte nicht...

Pflichtlektüre

Bruce Springsteen: Bowie-Cover zum Tourauftakt

Am Eröffnungsabend seiner aktuellen US-Tour hat Bruce Springsteen mit...

Greta Van Fleet: Sterne in den Augen

Greta Van Fleet, die wunderbaren Hüter der ewigen Flamme...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen