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Iron Maiden: SENJUTSU

Taktik und Strategie

Mit ihrem 17. Studio-Output haben die eisernen Briten erneut eine Platte zustande gebracht, die in puncto Opulenz ihren Meister suchen muss, aber nicht finden wird. Zu Beginn glänzt der Titeltrack ›Senjutsu‹, ein symphonisch brillanter Opener, eine Smith/Harris-Komposition. Neben ›Empire Of The Clouds‹ von THE BOOK OF SOULS der stärkste Maiden-Song seit dem Reunion-Album BRAVE NEW WORLD und zugleich bester Maiden-Album-Opener seit ›Aces High‹ von POWERSLAVE oder ›Where Eagles Dare‹ von PIECE OF MIND.

Im Midtempo folgt ›Stratego‹ mit einer etwas spröden Strophe, aber tollem Chorus. Umgekehrte Vorzeichen findet man bei der ersten Single ›The Writing On The Wall‹, hier ist der Refrain etwas öde. Ein wenig untypisch für Maiden sind der Beginn sowie der phantastische Solopart – schon fast Southern Rock. Dass in bekannter Maiden-Manier ständig der Refrain wiederholt wird, ist eine ein wenig in Mode gekommene Unart seit der Wiedervereinigung, an der man sich durchaus stören kann. Dass es jedoch immerhin einen Chorus gibt, ist eher eine Seltenheit auf SENJUTSU, das weitestgehend ohne wiederkehrende Kehrreime auskommt. Was kein Nachteil ist.

Das überzeugende ›Lost In A Lost World‹ ist einer von vier Tracks, den Bassist Steve Harris allein zu Papier gebracht hat (gab es schon seit VIRTUAL XI nicht mehr in dem Ausmaß). Die Nummer beginnt wie sie endet, mit einem melodischen ruhigen Teil, dazwischen dominieren wie gewohnt zahlreiche Gitarren-Duelle und Maiden-Rhythmen. ›Days Of Future Past‹ markiert den kürzesten Song, recht einfach strukturiert, recht bedeutungslos und neben ›Death Of The Celts‹ (mit Gaukler-Gesängen zu Beginn) die schwächste Nummer von SENJUTSU. ›The Time Machine‹, nach ›Stratego‹ der zweite Gers/Harris-Track, fängt sehr spannend an, bevor der wiederum für Maiden typische Reiter-Takt einsetzt – einer der Gewinner der Scheibe.

Der Rhythmus und die Gesangsmelodie zu Beginn erinnern frappierend an die Briten Stray. Kurioserweise heißt auch der Stray-Track ›Time Machine‹ – ein Schelm, wer hier Böses denkt. (Siehe dazu auch das CLASSIC-ROCK-Interview mit Bruce Dickinson, in dem Iron Maiden diesbezüglich entlarvt werden.) ›Darkest Hour‹, atmosphärisch düster, ganz klar der beste der drei Smith/Dickinson Tracks, die Gesangsleistung hier kann schlichtweg als gigantisch bezeichnet werden. ›The Parchment‹ ist mit fast dreizehn Minuten die längste Nummer des Albums und auch eine der besten (man denkt ein wenig an ›Powerslave‹), die fast sechsminütigen Gitarrenduelle sind nicht von dieser Welt.

›Hell On Earth‹, mit über elf Minuten ebenfalls verspielt und progressiv lang, lässt den Fan atemlos zurück. Ein Wermutstropfen an Iron Maidens bisher zweitlängstem Opus: Man hätte es locker auf zwei statt auf drei LPs unterbringen können. Rohstoffverschwendung. Das Artwork von Mark Wilkinson ist schön anzusehen, die Detailverliebtheit und Brillanz eines Derek Riggs erreicht es freilich nicht. Davon abgesehen ist SENJUTSU die beste Maiden-Platte seit SOMEWHERE IN TIME.

8 von 10 Punkten

Iron Maiden, SENJUTSU, PARLOPHONE/WARNER

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