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    Greg Lake im Interview: Musik ist für alle da

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    Greg Lake im Interview: Musik ist für alle da

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    Greg Lake - Credit Lee Millward 3Als Gründungsmitglied von King Crimson und Emerson, Lake & Palmer ist ihm der Legendenstatus sicher. Der sympathische Brite sieht sich aber nicht entrückt vom Rest der Welt, im Gegenteil: Bei seinem neuesten Projekt SONGS OF A LIFETIME geht er mit seinem Publikum auf Tuchfühlung wie nie zuvor.

    Es ist ein trüber Montag im März und London wurde von einem schneereichen Kälteeinbruch überrascht. Greg Lake ist nicht begeistert: „Es ist verdammt kalt hier! Und das um diese Jahreszeit. Früher war das anders. Es gab jeden Winter ordentlich Schnee, und alles hat trotzdem funktioniert, und die Sommer waren garantiert heiß und trocken. Jetzt ist alles nur noch Chaos, und das verwirrt die Menschen. Sie denken ja, die Erde sei ein stabiler Ort, doch sie verändert sich ständig. Wer mal ein Erdbeben erlebt hat, kann von dieser Einsicht ganz schöne psychische Probleme bekommen. Sowas erinnert uns dann daran, wie mächtig die Natur ist. Und die Musik ist eine Variante dieser ungeheuren Kraft. Sie ist unglaublich, eigentlich unsichtbar, aber sie wandert von Seele zu Seele und berührt uns auf einer sehr elementaren Ebene. Mich fasziniert das ungemein.“

    Wer jetzt denkt, eine Aussage wie diese sei der Ansatz zu tiefenpsychologisch-esoterischen Ausflügen, wie sie diverse Prog-Jünger gerne mal von sich geben, wird angenehm überrascht sein, denn obwohl King Crimson und ELP als Miterfinder des Genres gelten, hat Greg wenig für den Begriff übrig. „Ich habe unsere Musik noch nie als Prog gesehen, und die Bedeutung dieses Worts wird ohnehin völlig falsch interpretiert. Die Wahrheit ist doch, dass ‚prog‘ ursprünglich einfach nur bedeutete, dass man keine amerikanisch beeinflusste Musik machte. Statt Rock und Soul aus den USA war Prog ja mehr an die europäische Klassik angelehnt, und genau das war bei King Crimson unsere Absicht. Mit Fortschritt an sich hatte das also gar nichts zu tun, es ging uns in erster Linie nur darum, einfach originell zu sein.“

    Originell ist nun auch die Idee hinter Gregs Karriere-Retrospektive, die er mit dem Projekt SONGS OF A LIFETIME in Angriff genommen hat. „Ich hatte angefangen, meine Autobiografie zu schreiben, und da wurde mir klar, wie Musik, sowohl meine als auch die anderer Künstler, letztlich immer mit Geschichten aus unserem Leben verknüpft ist. Diese Geschichten, wie ein bestimmtes Lied in wichtigen Momenten eine Rolle spielt, sind genau das, was einen Musiker mit seinem Publikum verbindet. Als dann der Gedanke aufkam, auf Tour zu gehen, wollte ich nicht das übliche Ding durchziehen. Du weißt schon, ein alter Sack setzt sich mit seiner Akustischen auf einen Barhocker, gibt ein paar Anekdoten zum Besten und spult sein Programm ab. Das finde ich langweilig, und ich wollte es unterhaltsam, dynamisch und interaktiv machen. Die kleinen Hallen sind dafür ideal, und dann erzähle ich nicht nur aus meinem Leben, sondern lasse das Publikum eben auch zu Wort kommen. Daraus entstand etwas wirklich Wunderbares. Es hat mich immer wieder beeindruckt, wie Leute diese Lieder in ihre Leben gewoben haben, was sie ihnen bedeuten. Erfolg hat für mich nichts damit zu tun, wieviele Platten man verkauft, sondern wieviele Menschen man berührt hat. Und da gab es unglaubliche Geschichten, manche sehr lustig, manche sehr traurig. Da konnte man innerhalb von zehn Minuten von schallendem Gelächter zu echten Tränen der Trauer kommen und wieder zurück. Das war sehr bewegend und sehr schön.“

    Nachzuhören auf dem Live-Album, das diverse Klassiker aus Gregs Feder plus Hommagen an Elvis oder die Beatles enthält und im Gegensatz zu den meisten Konzertmitschnitten tatsächlich Atmosphäre vermittelt. Und genau darum geht es Greg: „Dieses Album soll demonstrieren, wie man Musik gemeinsam erleben und teilen kann. Denn nichts ist doch schöner als ein tolles Erlebnis, das man mit anderen Teilen kann.“

     

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