Foxygen: Tristesse royale

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Foxygen: Tristesse royale

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Foxygen 2019Dekadenz, Überdruss, Melancholie: Das Duo aus Los Angeles verabschiedet sich von seinen überdrehten Auftritten und macht düsteren Westcoast-Pop mit viel Synthesizer.

Ein androgyner junger Mann mit wilden langen Haaren wirbelt manisch durch die Kulisse, er springt aufs Schlagzeugpult, singt atemlos, winkt ironisch-affektiert ins Publikum. Sein Name: Sam France. Der Schauplatz: die Late-Night-Show von David Letterman im Ja­­nuar 2015, wo Foxygen ihre neue Single vorstellen (auf YouTube unter dem Titel: Foxygen – How Can You Really Live On David Letterman).

Sprung ins Jahr 2019: Ein immer noch junger Mann, die Haare kurz und adrett ge­­scheitelt, stapft durch die Hügel von Kalifornien, er streift durch eine Villa in den Hollywood Hills, fährt durch das nächtliche Los Angeles, verzweifelt, und steht auf den Ruinen ehrwürdiger alter Häuser. Er wirkt ir­­gendwie traurig und verloren, er klagt zu Streichern darüber, dass ein anderer seinen Act geklaut habe. Es ist natürlich wieder Sam France, zu sehen im Video zu ›Livin’ A Lie‹, der ersten Single des neuen Foxygen-Albums SEEING OTHER PEOPLE.

„Foxygen haben eine neue Stufe erreicht. Eine der De­­kadenz, der Melancholie, des Überdrusses und der glamourösen Tristesse.“

Damit ist klar: Die Band hat, nachdem sie, wie sie selbst sagt, alle Rock’n’Roll-Klischees von Drogen, Exzentrik und Exzess durchlebt habe, eine neue Stufe erreicht. Eine der De­­kadenz, der Melancholie, des Überdrusses und der glamourösen Tristesse. In seinen bisherigen fünf Alben tobte sich das 2005 von den damaligen Highschool-Kids Sam France (Sänger) und Jonathan Rado (Multi-Instrumentalist) gegründete Duo zwischen Lo-fi-Psychedelic, 60s-Pop, Avantgarde, Stones, Abba, Showbiz und Barock-Pop aus. Eklektisch nahmen die beiden alles, was ihnen in die Hände fiel, in ihre oft überdrehte Musik auf.

Die neuen Stücke klingen düster, wehmütig, manchmal gelangweilt. Sie sind von Synthesizer-Schlieren durchzogener Westcoast-Pop, der vom Schlussmachen erzählt, von Einsamkeit und davon, zu akzeptieren, wer man ist – und dass man nie so tanzen wird wie James Brown. France selbst nennt SEEING OTHER PEOPLE ein „Adult Contemporary Album“, ein „poliertes Yuppie-Pop-Meisterwerk“, das klinge, als „hätte Kanye West John Mellencamp produziert“ (zumindest was ›The Thing Is‹ betrifft, stimmt letzteres tatsächlich).

Der Schlusssong auf SEEING OTHER PEOPLE heißt ›Conclusion‹, „I think we should just be friends“, singt France da. Die Schlüsselworte für das Ende einer Beziehung. Dazu wurden Gerüchte gestreut, dieses sei das letzte Album der Band. Ist etwa alles aus?

Dass man bei Foxygen nie den Fehler machen sollte, alles zu ernst zu nehmen, macht ein zum Album veröffentlichter „Abschiedsbrief“ von France klar. Für ihn be­­deute Abschied: „Abschied von den Drogen, von den Partys, Abschied von meinen Zwanzigern und meinem Saint-Laurent-Model-Körper.“ Und von einigen Sachen mehr. Das Theatralische, das Ironische, die Inszenierung, sie sind ein wesentlicher Teil der Band. Allzu große Sorgen sollte man sich nicht um sie machen. Die Frage ist eher: Was kommt als nächstes?

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