Foo Fighters: Rock’n’Grohl!

foo fighters Er ist die coolste Rocksau auf Erden, kennt Gott und die Welt, weist einen megaspannenden Lebenslauf auf und zählt zu den nettesten Menschen im Musikbiz. Sein Name: Dave Grohl. Sein Beruf: Chef der Foo Fighters. Sein Wohnsitz: das San Fernando Valley in Los Angeles. Genau dorthin hat er CLASSIC ROCK eingeladen – und tiefe Einblicke in sein Allerheiligstes gewährt.

Hollywood Hills, Beverly Hills, Bel Air–Refugien für fette alte Säcke, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Die kaum noch in ihre Spandex-Hosen passen, ihr fortgeschrittenes Alter mit Sportwagen, Golf und jungen Gespielinnen kompensieren und sich ansonsten hinter hohen Mauern und angewachsenen Sonnenbrillen verstecken. Wer’s nicht glaubt: Gene Simmons, Lionel Richie und Pat Boone wohnen direkt nebeneinander, haben denselben plastischen Chirurgen und trauen sich bei Tageslicht kaum noch aus dem Haus.

Ganz anders David Eric Grohl, ehemaliger Drummer von Scream bzw. Nirvana und seit 1995 Sänger, Gitarrist und unangefochtener Boss der Foo Fighters. Der 42-Jährige wohnt nicht im Promi-Zoo, der jeden Tag von Tausenden von Touristen frequentiert wird, sondern er hat sein Hauptquartier, die „606 Studios“, in einem ganz normalen Wohngebiet im San Fernando Valley. Da, wo der Durchschnittskalifornier in bezahlbaren Mietskasernen lebt, wo es an Burgerläden, Supermärkten und Autozubehör-Läden wimmelt und sich so schnell niemand hin verirrt. Es sei denn, er weiß, wen und was er sucht. Nämlich ein unauffälliges graues Lagerhaus am Ende einer nicht minder unauffälligen Seitenstraße, in dem an diesem Morgen extreme Betriebsamkeit herrscht. Denn: Dave Grohl und seine Jungs sind „busy“. „Very busy“ sogar.

Zum einen proben sie für ein Geheimkonzert, das am selben Abend vor 500 Hardcore-Fans im „Dragon Fly“ an der Melrose stattfindet, zum anderen müssen die letzten Einstellungen fürs grandiose ›White Limo‹-Video abgedreht werden. Was bedeutet, dass eine monströse Spritschleuder mit Foo Fighters-Logo den Parkplatz im Innenhof blockiert, Gitarrist Pat Smear, der wie immer als Letzter eintrifft, nicht weiß, wohin mit seinem Vintage-Mustang, und CLASSIC ROCK in der Lobby von einem Lemmy-Double mit Plastik-Warzen und Fake-Schnäuzer empfangen wird. „Hi, ich bin Wiley, ein Kumpel von Dave.“ Und während man sich noch fragt, was hier passiert und wo das Original abgeblieben ist, steht auch schon Meister Grohl in der Tür, grinst wie ein Honigkuchenpferd und bittet zur Tour durch die heiligen Hallen.

Angefangen im hinteren Teil des Komplexes, der sich als Equipmentlager erweist. Dann geht es ins Studio, vorbei an einem Glaskasten in der Größe eines Raubtierkäfigs, in dem Drums, Verstärker und Mikroständer aufgebaut sind. „Hier proben wir für die Club-Shows, um ein Gefühl für die Enge und Intimität zu bekommen. Wir stehen uns gegenseitig auf den Füßen, aber es macht Spaß!“

Weiter geht es ins Zentrale Nervensystem von „606“ – das Studio: Edles Parkett, weiße, schallisolierende Lochplatten an den Wänden, eine hohe Decke mit kunstvoller Verkleidung und eine riesige Glasfront zum Kontrollraum. Alles wie im sagenumwobenen „Atlantis“-Studio in Stockholm. „Ich habe vor ein paar Jahren dieses Buch über Abba gefunden“, gibt Dave unvermittelt zu. „Darin war ihr Studio abgebildet, und es sah großartig aus. Also haben wir es genau so nachbauen lassen – von einem norwegischen Schreiner, der es sogar geschafft hat, die raren Lochplatten aufzutreiben. Es ist wirklich wie das Original.“ Und doch nicht ganz.

Denn im Kontrollraum herrscht ein Chaos erster Güte: Überall leere Dosen und Flaschen, angebrochene Chipstüten, zerfledderte Magazine und jede Menge Kitsch. Etwa Plattencover von obskuren Fifties- und Sixties-Künstlern, ein paar hässliche Pokale (MTV, Viva etc.) und ein überlebensgroßes Porträt von Dave in Hugh Hefner-Gedächtnis-Klamotten, das über einer Ledercouch thront und ein Geschenk der Crew ist. „Keine Ahnung, ob sie mich so sehen – aber ich wünschte, ich wäre so cool wie Hef.“ Anschließend geht es weiter in einen Lagerraum, in dem sich die Masterbänder sämtlicher Aufnahmen befinden, an denen Grohl je beteiligt war. Oder besser: In deren Besitz er ist. Denn einige der Nirvana-Tapes stehen bei Courtney Love – sofern sie die nicht versetzt oder geschnupft hat.

Der Weg zurück zur Lobby, in dem Tourmanager und Bandkoordinator ihr Büro haben, führt durch einen endlosen Korridor voller Devotionalien aus 16 Jahren Bandgeschichte. Gold- und Platinalben aus aller Herren Länder, dazu signierte Poster und Fotos von AC/DC, den Ramones, Led Zeppelin nebst The Who. Und – als besonderes Schmankerl – die Auszeichnung eines britischen Magazins für „den besten Nachwuchstrommler 1992: Mr. Dave Grohl“. Was nach wie vor für amüsiertes Kichern sorgt. Doch plötzlich schaut er auf die Uhr: „Hör mal, ich muss dieses Video abschließen. Nimm dir was zu trinken, häng ein bisschen ab oder schau uns beim Dreh zu.“ Eine Einladung, die er nicht zwei Mal aussprechen muss. Und so fläzt CLASSIC ROCK gemütlich in einem Klappstuhl zur Studio-Einfahrt, während auf der Straße eine riesige Limo steht.

Dave, Künstler und Regisseur in Personalunion, sitzt mit einer Kamera hinterm Steuer, Nate trägt ein kitschiges Rollerblade-Outfit aus den Achtzigern und macht ein paar Aufwärmübungen, während Whiley rauchend auf dem Bürgersteig steht und auf seinen Einsatz wartet. Der besteht darin, das monströse Gefährt ein paar Meilen über die Hauptstraße zu gondeln und so die Bilder eines fahrenden Lemmy zu liefern. „Dafür konnten wir das Original nun mal nicht einspannen“, so Dave. „Nicht, weil er nicht wollte. Aber er hat keinen Führerschein, und das wäre bestimmt nicht gut ausgegangen – für wen auch immer“, spricht’s und verabschiedet sich zum Lunch mit der Familie.