Eric Clapton im Interview

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Eric Clapton im Interview

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Ende 1968 bewies Clapton erneut, dass er keinerlei Gedanken an kommerzielle Belange verschwendete, und verließ die Multimillionenseller Cream (alle drei Mitglieder hatten beschlossen, dass sie die Nase voll hatten). Danach gründete er mit Steve Winwood, Ric Grech und Ginger Baker eine weitere Supergroup: Blind Faith. Sie gaben ihr Live-Debüt bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park am 7. Juni 1969, hielten aber nur ein Album lang (mit jenem berüchtigten Cover) durch, bevor sie sich nur wenige Monate darauf auflösten. Ein Mangel an Material und die übertriebene, nicht gerechtfertigte Verehrung waren diesmal die Probleme für Clapton. Vielleicht ist seither nie wieder eine Band so schnell aufgestiegen und so schnell wieder verschwunden.


Was für Erinnerungen hast du an Blind Faith? Bist du im Rückblick etwas besser darauf zu sprechen?
Ich wünschte, das wäre so, aber … Ganz am Anfang war das extrem gut, als wir probten und aufnahmen, aber als wir dann auf Tournee gingen, verfielen wir in eine Art Schockstarre. Wir gerieten einfach in Panik. Ich geriet einfach in Panik. Uns passierte dasselbe wie mit Cream: Wir waren „Supergroup II“ – und ich denke, das war das Todesurteil. Wenn du eine Band wirklich umbringen willst, bezeichne sie als Supergroup und sieh zu, wie sie in ihrem eigenen Arsch verschwindet.

Als Blind Faith sich auflösten, waren in gewisser Weise auch die 60er vorbei: Brian Jones starb, die Manson-Morde in Los Angeles passierten, Altamont … Fühlte es sich an, als lebtest du am Ende einer Ära und etwas würde bald vom Zaun brechen?
Ja, ich denke schon. Es hatte den Anschein, als würden die 60er ausbrennen und nichts existieren, was deren Platz einnehmen könnte. In kultureller Hinsicht litt ich darunter nicht besonders, denn ich hörte mir ja immer noch still und leise Blues an – für mich war Musik schon immer sehr stark in der Vergangenheit verwurzelt. Ich zapfe sie an, wann immer ich es brauche, und sie hat sich nie verändert. Ich kehre wieder zur Tanzmusik zurück, zum Blues, Hillbilly, Country oder zur Klassik, und das gibt mir einen sicheren Ort, von dem aus ich zusehen kann, wie sich die Kultur verändert. Die 60er waren für mich sehr philosophisch, sanft und unschuldig. Doch dann wurde alles sehr dekadent. Es gelang mir, mich da rauszuhalten. Und ich denke, was die Kultur betrifft, habe ich das sehr bewusst getan, während ich meine Musik sehr gewissenhaft machte.

Wie Produzent Glyn Johns es formuliert, ließ Clapton „nie das Gras unter seinen Füßen wachsen“. Da ist was dran. Anfang 1970 hatte er mit dem Keyboarder und Sänger Bobby Whitlock, Bassist Carl Radle und Schlagzeuger Jim Gordon schon die nächste neue Band gegründet, mit reichlich Unterstützung von Gitarrist Duane Allman. Diese Zeit ist aus mindestens drei Gründen denkwürdig: zum einen wegen des Doppelalbums LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS (1970), vielleicht dem absoluten Highlight von Claptons einzigartiger Karriere. Dann war da noch seine unerwiderte Liebe zu George Harrisons Frau Pattie. Und natürlich der monumentale Drogenkonsum der Band.

Du sprachst gerade über den Blues. Ein ultimatives Beispiel deiner Interpretation davon lieferten Derek & The Dominos. LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS war und ist immer noch ein fantastisches Album.
Danke.

Vier Seiten unglaublicher Musik, und doch ist diese Platte mit allem möglichen Schmerz in deinem Privatleben verbunden. Selbst die Balladen sind sehr intensiv und man kann das Drama hinter den Kulissen erahnen. Blickst du heute mit gemischten Gefühlen darauf zurück?
Oh nein. Die Dinge, die damals passierten – ich war ja eigentlich ein Junggeselle, als ich das Album machte. Ich hatte gewisse Hoffnungen, mit Pattie – Pattie Harrison – zusammenzukommen, aber zu dem Zeitpunkt waren wir in keiner Beziehung. Es war nur etwas, das ich herbeizuschreiben versuchte. LAYLA … war also genau das: eine Art Ankündigung. Nur war sie so anonym wie möglich, also war sie Layla
und ich Derek.
Was ich wirklich liebte an dieser Platte war, dass niemand wusste, wer wir waren. Wir absolvierten sogar eine Tournee durch England in kleinen Clubs, wo niemand kam, weil eben niemand wusste, wer wir waren! Und doch war da dieses Quartett, das eine der kraftvollsten Bands war, in deren Nähe ich überhaupt nur jemals gekommen bin – und ich war ein Mitglied! Ich hätte mir allein die Rhythmussektion den ganzen Abend ansehen können. Und es war eine eigenartige Zeit, denn das lief alles über Mundpropaganda. Als wir die Tournee begannen, redeten die Leute immer mehr über uns und sagten: „Wer ist das?“ „Was ist diese Band?“ Sie kamen dann irgendwann dahinter. Ich hatte nie eine so puristische Erfahrung damit, ein Album zu machen und es dann anonym zu promoten. Sowas ist praktisch unmöglich.

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