Element Of Crime: Köln, Palladium (12.05.2019)

Element Of CrimeElement of Crime sind die unangefochtenen Meister der Melancholie. Auch nach über 30 Dienstjahren hat sich ihr tief melancholisches Konzept nicht abgenutzt.

Den Auftakt des heutigen Abends macht das Berliner Postpunk-Quartett Isolation Berlin. Während der Hauptact immer wieder durch pure Schönheit besticht, sind die Berliner wiederständiger, geradezu unbequem. Hier will niemand gefallen. Sieben Songs werden geboten, neben lebensmüden Schunklern wie ›Alles Grau‹ (hier passt der Vergleich mit Rio Reiser), wird es mitunter laut und wild, Stücke wie ›Kicks‹ und ›Wahn‹ deuten es an, die Gruppe ist auf den Rausch aus. Element of Crime in unkontrolliert. Der theatralische Vortrag wirkt bisweilen arg affektiert, entziehen kann man sich trotzdem nicht. Bei Element of Crime bleiben Tränen, bei Isolation Berlin zumindest ein mulmiges Gefühl.

Dann betreten Element Of Crime die Bühne. Nur wenige deutsche Bands agieren mit dieser Konstanz und qualitativer Güte. Auf den letzten zwei bis drei Alben passierte musikalisch nicht mehr allzu viel Neues, das hat sich mit der neuen Platte, die den lustigen Namen SCHAFE, MONSTER UND MÄUSE trägt, nochmal verändert. In Nuancen integrieren EOC hier mitunter orientalische Soundwelten, die Stücke sind länger, psychedelischer. Und ein echter Klassiker hat es auch auf die Platte geschafft: ›Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin‹ ist eine ebenso erhabene wie melancholische Bestandsaufnahme eines Berliner Lebensgefühls. Dieses Stück werden Sie spielen, genauso wie zehn weitere Songs von der neuen Platte, welche im Jahr 2019 endlich auch digital erschienenen ist.

„Selbst der biedere Büroalltag besitzt in einem Stück von Element of Crime Würde.“

Es ist schon erstaunlich. Ein Anti-Typ wie Regener stakst über die Bühne, rudert mit den Armen, trötet in die Trompete, macht nichts anders als sonst. Und dennoch funktioniert es. Immer wieder. Und immer noch. Im ausverkauften Palladium ist die Gruppe auf der mittleren Strecke ihrer Tour angekommen, das kann man hören. Der Sound ist glasklar, jede Note sitzt. Klar ist das gediegen, klar ist das mittlerweile arg vorhersehbar, doch es ist immer noch wunderschön. Und das bei dieser Monothematik. Eigentlich geht es immer und nur um die Hoffnungslosigkeit des Verlassenwerdens, um die zugehörige Apathie und Schockstarre und den lakonischen Weg heraus. Es ist tiefe Melancholie und Romantik, Musik für das Herz, eingebettet in Shanty-Settings, Seefahrerromantik und Hafenidyll ist es die zeitlose Kraft dieser Stücke, die Regener & Co. ewig weiterleben lässt.

Nachdem der neuen Platte viel Zeit eingeräumt wird, werden immer auch wieder eher selten gespielte Stücke wie ›Nur So‹ („Ich schreibe deinen Namen auf Papier, und falte mir daraus einen schönen Hut, der wird so groß, dass er mich zu beschützen droht/Ich schreibe deinen Namen auf Papier, nur so“) oder ›Robert Zimmermann‹ (Teil des Soundtracks von „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ von Leander Haußmann aus dem Jahr 2008) gespielt.

Mit dem bereits erwähnten Berlinstück endet der erste Teil des Abends, es folgen drei Zugabenblöcke. Zeit für Klassiker. ›Weißes Papier‹ macht den Anfang, ein Stück mit den wohl schönsten Zeilen, die je über eine Trennung geschrieben worden sind („Ich nehm‘ deine Katze und schüttel sie aus bis alles herausfällt, was sie jemals aus meiner Hand fraß, später klopf‘ ich noch den Teppich aus. Und find‘ ich ein Haar von mir darin, dann steck‘ ich es einfach ein, nichts soll dir böse Erinnerung sein, verraten was ich dir gewesen bin“).

Das vergleichsweise heitere ›Lieblingsfarben und Tiere‹ führt hinaus, ein Song in dem Regener ungeniert Fachwörter wie Excel Tabellen und Word Dokumente aneinanderreiht. Selbst der biedere Büroalltag besitzt in einem Stück von Element of Crime Würde.

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