Blues Pills: Reinigende Katharsis

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Blues Pills: Reinigende Katharsis

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In den letzten Jahren mussten die Blues Pills durchs Fegefeuer schreiten. Nicht etwa, weil sie gesündigt hätten, sondern weil sie ihre Seelen nach aufreibenden Jahren des endlosen Tourens von bleiernen Altlasten befreien mussten. Nicht nur waren die jungen Durchstarter völlig ausgebrannt und emotional am Ende, auch verließ Trademark-Gitarrist Dorian Sorriaux 2018 die Band – schon die Aufnahmen zu LADY IN GOLD zwei Jahre zuvor waren wohl ein echter Albtraum gewesen. Und auch privat ging einiges schief, alleine in Elin Larssons Leben folgte plötzlich eine Tragödie auf die nächste. Auf ihrer dritten Platte HOLY MOLY! verarbeitete die in neuer Formation erstrahlende Band all diese Erlebnisse und präsentiert nun ein schonungslos ehrliches Werk, das zwar düsterer und depressiver klingt als seine Vorgänger, dabei jedoch vor roher Energie nur so strotzt. HOLY MOLY! ist die Katharsis, ohne die es die Blues Pills heute wahrscheinlich nicht mehr geben würde. Im Interview mit CLASSIC ROCK gewährt uns Frontfrau Elin tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und die Psyche ihrer Band.

Warum habt ihr ganze vier Jahre für HOLY MOLY! gebraucht?
Nach unserem ersten Album haben wir gefühlte Ewigkeiten getourt und auch nach LADY IN GOLD waren wir wirklich viel unterwegs. Deswegen brauchten wir alle dringend eine Pause; wir waren psychisch und körperlich erschöpft. 2018 legten wir also einen kurzen Stopp ein, dann verließ Dorian die Band. Irgendwie fiel alles auseinander. Wenn du auf Tour bist, hast du keine Zeit, über die grundlegenden Dinge nachzudenken. Man sieht seine Freunde und Familie nicht, wobei gerade das so wichtig ist, weil man einfach mehr ist, als diese Person da oben auf der Bühne. Dann passierte noch viel mehr Scheiße. Ein guter Freund von mir starb in diesem Jahr und ich verlor meinen Hund bei einem Unfall. Es folgte einfach ein Unglück auf das nächste. 2019 haben wir dann mit den Demos für die neue Platte angefangen, die schließlich im Januar dieses Jahres
komplett fertig war. Für uns fühlte es sich also gar nicht so an, als hätten wir lange Pausen zwischen den Veröffentlichungen. Aber klar, von außerhalb sieht es wohl so aus.


Hat sich die Dynamik innerhalb der Band durch Dorians Weggang stark verändert?
Anders ist derzeit schon mal, dass es jedem wieder gut geht und sich jeder auf die Musik konzentriert. Wir wollen das zu 100 Prozent machen, es fühlt sich fast danach an, als wären wir eine neue Band, obwohl wir ja nur einen neuen Bassisten haben und Zack an die Gitarre gewechselt ist. Rein musikalisch betrachtet sind wir wieder mehr Rock’n’Roll. Während der Proben und der Aufnahmen lief alles wunderbar und wir schöpfen jetzt wieder Energie aus den Blues Pills, statt – wie vorher – uns Energie davon rauben zu lassen.

Blues Pills Holy Moly

Das Artwork reflektiert dann wohl diesen Prozess?
Ganz genau. Das Cover stammt von Daria Hlazatova. Ich bin schon lange ein Fan ihrer Arbeit und wollte unbedingt, dass sie das Motiv für HOLY MOLY! gestaltet. Eigentlich sollte es ein ganz neues Bild werden, aber als wir langsam merkten, dass diese Platte irgendwie etwas dunkler klingen würde als angenommen, entschieden wir uns für dieses Kunstwerk mit dem Titel „Der Dieb“. Es passt einfach dazu: Diese Witwe, die den Teufel umarmt. Für mich geht es auf HOLY MOLY! genau darum, eben mit seinen inneren Dämonen Frieden zu schließen.


Es hebt sich definitiv von der blumigen Ästhetik der letzten Platten ab …
Ja, das stimmt. Durch das neue Line-up fühlte es sich fast an, als wären die Blues Pills wiedergeboren. Und das Cover spiegelt dies insofern wider, da es optisch einen anderen Weg einschlägt. Wir läuten eine neue Ära ein.


Habt ihr euch unter Druck gesetzt gefühlt durch den Erfolg von LADY IN GOLD?
Da wir dieses Mal in unserem eigenen Studio aufgenommen haben, war der Vibe sehr familiär. Dass wir in unserem Studio waren und in unseren eigenen Betten geschlafen haben, das schuf ein sehr angenehmes Umfeld. Ich fühlte mich fast wie damals, als wir an unserem Debüt gearbeitet haben. Wir waren total frei, weil uns niemand kannte und wir nicht davon ausgingen, dass sich irgendjemand außer unsere Mütter großartig dafür interessieren würde. Bei LADY IN GOLD war das schon ganz anders, ehrlich gesagt waren die Aufnahmen ein Albtraum. Das wollten wir nie wieder so machen. Außerdem sind wir inzwischen etwas reifer und ich kann für mich persönlich sagen: Es ist mir egal, was die Leute von mir erwarten. Die Meinungen anderer treffen mich nicht mehr.


HOLY MOLY! klingt sehr emotional und roh. Wohin wolltet ihr mit dem Sound?
Wir wollten wirklich, dass es roher und durchschlagskräftiger klingt. Wir sind eine gute Liveband, das sollte auch auf den Aufnahmen durchkommen. Deshalb sind weniger Overdubs auf dem Album, weniger Schichten. Ich hatte das Gefühl, dass das neue Material Platz zum Atmen braucht. Seltsamerweise klingt es durch dieses Weglassen schwerer. Außerdem sollten instrumentale Parts drauf sein. Teile, wo die Stimme mal nicht im Vordergrund steht. Das war mir wichtig.

Die erste Singleauskopplung ist ein wichtiges Statement. Warum habt ihr euch für ›Proud Woman‹ entschieden?
Ich finde, es ist einer der besten Songs auf der Platte. So wie ›Low Road‹. Außerdem wollten wir die Single im März veröffentlichen und da am 8. März internationaler Weltfrauentag ist, hat es einfach gut gepasst.


Hast du darüber nachgedacht, dass der klassische Rockfan sich vielleicht nicht mit der Botschaft identifizieren kann?

(lacht) Am Anfang tatsächlich überhaupt nicht. Wir waren so naiv, weil wir uns dachten: Na klar, jeder ist für Gleichberechtigung, wieso sollte der Song also anecken? Für uns ist an diesem Lied nichts Kontroverses. Bis uns dann aufgefallen ist: Fuck, da sind ein paar verdammt angepisste Typen, denen das gar nicht gefällt.


Wurde deswegen auch die Kommentarfunktion unter dem YouTube-Video gesperrt?

Ja, Nuclear Blast hat dem Ganzen irgendwann einen Riegel vorgeschoben. In den Kommentaren entwickelte sich blanker Frauenhass, was ich eigentlich schon gewohnt bin, aber am Ende schlug es auch noch in Rassismus um und das war zu viel. Ich meine, der Song ist für Frauen und alle, die sich mit dem Frau-Sein identifizieren, es ist mir also scheißegal, was für eine verquere Meinung irgendwelche Typen da draußen zu dem Lied haben. Das sind wahrscheinlich dieselben Kerle, die lauthals bei ›Devil Man‹ vom ersten Album mitsingen und nicht mal kapieren, dass es darin genau um den Typus Mann geht, den sie darstellen. (lacht) Wer hätte gedacht, dass man durch den simplen Satz „Ich bin eine stolze Frau und ich bin nicht die einzige“ gleich als männerhassende Schlampe abgestempelt wird. An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen: Ich hasse Männer nicht. (lacht) Die Gleichberechtigung sollte einfach ein Ansinnen aller Menschen sein, nicht nur die von mir oder anderen Frauen.


Das Album schließt mit dem Depressions-Wiegenlied ›Longest Lasting Friend‹. In welcher Stimmung ist dieser Song entstanden?

Ich war total depressiv und habe schon mein ganzes Leben mit krassen Höhen und Tiefen zu tun – Depressionen eben. Das Lied entstand, als ich meine Medikamente abgesetzt habe. Ich möchte keine Tabletten mehr nehmen, weil es meine Kreativität und Lebensfreude betäubt. Inzwischen habe ich Strategien entwickelt, um mit den Tiefen umzugehen. Diese
Stimmung spiegelt sich auf dem ganzen Album wider, es ist viel düsterer und depressiver als die Vorgänger. Aber oft ist es einfach auch so, dass man in schlechten Zeiten etwas Wunderschönes erschaffen kann.


Und wie geht es dir aktuell? Was geht dir im Kopf um so kurz vor dem Release?
Ich freue mich total auf die Veröffentlichung, das Ding ist schließlich seit Januar fertig. Ich möchte jetzt einfach nach dem vielen Hin und Her mit Corona, dass es rauskommt, weil ich sehr stolz auf HOLY MOLY! bin und ich mich dann schon wieder auf die nächste Platte konzentrieren möchte. In meinem Privatleben tut sich derzeit auch etwas: Ich werde in einer Woche heiraten, das beschäftigt mich gerade am meisten. (lacht)

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