Blues Boom: Die stillen Stars – Beverly „Guitar“ Watkins (Teil 1)

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Blues Boom: Die stillen Stars – Beverly „Guitar“ Watkins (Teil 1)

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Beverly „Guitar“ Watkins nahm ihr erstes Album erst im Alter von 60 Jahren auf, doch schon lange davor war sie eine explosive Kraft in der Bluesszene.

Sie spielte auf Songs, die den Rock’n’Roll-Boom der 60er inspirierten. In den 80ern ging sie in Büros und
Häusern putzen und trat für Trinkgelder auf FastFood-Meilen auf. Dann führte in den 90ern eine Reihe glücklicher Zufälle dazu, dass sie ihre erste Platte aufnahm. Plötzlich fand sich diese Frau aus dem ländlichen Georgia, deren furiose Gitarrenkünste immer im Dienst anderer gestanden hatten, selbst im Mittelpunkt. Abseits der Bühne hätte man sie für die nette, fromme Südstaaten-Grandma halten können, doch auf der Bühne hatte Beverly „Guitar“ Watkins mehr mit Jimi Hendrix und Pete Towns hend gemein. Entfesselte Schreie, Vollgas-Riffattacken, Soli mit der Gitarre hinter dem Kopf … Kein Wunder, dass ihr einstiger Tourgeselle Taj Mahal sie so beschrieb: „eine Vollblutmusikerin, die sich auf der Bühne auch vor den Besten nicht verstecken muss – Mann, Frau oder Wunderkind“.

„Das hatte sie alles schon seit Ende der 50er gemacht“, sagte Brett J. Bonner, Redakteur von „Living Blues“, in der „New York Times“, „aber sie war kein Star, denn den Großteil ihrer Karriere war sie immer
die rechte Hand und spielte in Bands, die keine Hits hatten. Sie war eine unglaubliche Gitarristin.“ 1939 geboren, wurde sie von ihren Großeltern aufgezogen (ihre Mutter starb, als sie drei Monate alt war), die eine Farm pachteten. Watkins war burschikos und ging mit ihrem Großvater fischen und zur Kaninchenjagd, hörte ihre Tanten in Kirchen singen, aber auch den Gospel und das Gitarrenspiel von Sister Rosetta Tharpe. Mit acht bekam sie ihre erste Gitarre, die sie zu „Scheunentänzen“ mitnahm, wo ihr Opa und seine Freunde um ein großes Feuer herum saßen, Banjo spielten und Muscadin-Wein tranken. Mit etwa elf Jahren zog sie zu ihrer Tante nach Atlanta, wo sie in der High-School-Kapelle Trompete spielte. Doch als sie begann, in örtlichen Bands einzusteigen, hatte sie sich für die Gitarre entschieden. Mit 16 lernte sie William Lee „Piano Red“ Perryman kennen, ein überlebensgroßer, schwarzer Albino und Sänger/Pianist, der sie fragte, ob sie in seiner Gruppe Piano Red & The Meter-Tones Rhythmusgitarre spielen wolle.

„Er war wie ein Vater für uns“, sagte sie. „Er brachte mir alles über Bühnenpräsenz bei.“ Tourneen in den USA in der Zeit der Rassentrennung waren hart. Später erinnerte sie sich daran, wie sie hinter Restaurants schleichen musste, um Sandwiches zu bekommen, und im Auto statt in Hotels schlief. „Ich weiß noch, als wir in Natchez, Mississippi, aufbauten und der Manager zu uns sagte: ‚Ich müsst euer Zeug einpacken und abhauen‘. Und in Baltimore, Maryland, warf jemand einen Ziegelstein auf unseren Kombi.“

Doch die Band machte sich trotzdem einen Namen und trat als Vorgruppe für Stars wie James Brown, Aretha Franklin und Ray Charles auf. Ihr Hit ›Mister Moonlight‹ wurde von den Beatles, den Hollies und den Merseybeats gecovert. Johnny Kidd & The Pirates coverten unterdessen ihren Song ›Dr. Feelgood‹, was wiederum die britische Band Dr. Feelgood zu ihrem Namen inspirierte.

Mit 24 brachte Watkins ihren Sohn Stan auf die Welt, das Ergebnis einer Affäre mit einem Musiker aus Atlanta. Als die Arbeit mit Piano Red langsam im Sand verlief, spielte sie weiter mit anderen Musikern, etwa Leroy Redding (der Cousin von Otis), und war als Bassistin bei einem weiteren Eckpfeiler von
Atlantas Szene beschäftigt, Eddie Tigner. Mit ihm trat sie etwa ein Jahr lang in den Lobbys von Holiday-Inn-Hotels auf. Wenn sie nicht auf Tour war, verdiente sie Geld als Autowäscherin und Büroputzfrau.
Ende der 80er bekam sie ein regelmäßiges Engagement bei Underground Atlanta, einem Einkaufs- und Ausgehareal in der Innenstadt, das viele Straßenmusiker anzog.

Hier stellte Danny „Mudcat“ Dudeck (ein von ihrem Spiel beeindruckter Bluesgitarrist aus der Stadt) sie
Mitte der 90er Tim Duffy vor, einem Folkloristen, der mit seiner Frau Denise die Music Maker Relief Foundation gegründet hatte, um arme Musiker in den Südstaaten zu unterstützen. „Wenn Beverly spielte, bewegte sie die Menschen, allen voran junge Frauen und Mädchen“, sagte Dudeck im „Atlanta Journal Constitution“. „Sie rockte härter als ein Mann, und das war inspirierend.“

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