Steven Wilson: Stuttgart, Liederhalle (12.01.16)

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Steven Wilson: Stuttgart, Liederhalle (12.01.16)

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wilson-steven-50de298b62720Ein neues THE WALL

Jeder Besucher, der schon mal ein Steven-Wilson-Konzert besucht hat, kam danach kaum aus dem Schwärmen heraus. Was Englands Prog-Messias bei seiner zweiten Tournee zum Meisterwerk HAND. CANNOT. ERASE auf die Beine stellte, übertraf dennoch alles, was es jemals live von ihm zu erleben gab. Erstmals führte Wilson das Konzeptalbum in seiner Gänze auf. Das ist nicht nur die einzig angemessene Inszenierung für das atmosphärisch verdichtete, hochemotionale und kunstfertig gewobene Kleinod. Sondern die Rechtfertigung all der Meriten, all des überschwänglichen Lobes, das der Musiker in letzter Zeit einheimste. In der ersten Hälfte des Sets entsteht etwas zutiefst Magisches und Mitreißendes, das man in dieser Form selten erlebt hat und mit Recht als THE WALL des 21. Jahrhunderts bezeichnen darf. Eine in sich versunkene Band, deren Sound mehr als raumfüllend durch die Liederhalle dröhnt und trotz der Lautstärke mit eindeutig herausschmeckbaren Nuancen und filigraner Instrumentalkunst betört. Die Gastsängerin Ninet Tayeb, die in ›Routine‹ und ›Ancestral‹ zu tränen rührt, tosenden Szenenapplaus erhält und schlichtweg eine atemberaubende Performance auf die Bretter legt. Die Videos, einzigartig in ihrer Qualität, die feinsinnige Trauer, das Chaos und den inneren Tumult der Musik mit starken Bildern zu unterlegen. Eine gute Stunde erliegen fast 2.000 Besucher einer sensationellen Prog-Rock-Darbietung. Und werden danach entsprechend geplättet ins störend grell erleuchtete Foyer entlassen. Dass es im zweiten Teil der Show eine Weile dauert, bis Guru Wilson sein Publikum wieder in den Bann gezogen hat, ist nach solch einer emotionalen Nabelschau sehr verständlich. Natürlich intoniert er mit seiner Band auch hier meisterlich die großen Momente von Storm Corrision, Porcupine Tree und aus seiner Solokarriere. Allein, die ganz und gar einnehmende Stimmung des ersten Teils will nicht mehr so recht aufkommen. Muss sie natürlich auch nicht, allein dass Ninet Tayeb in seiner neu aufgenommenen Version des überlangen Porcupine-Tree-Glanzstücks ›Don’t Hate Me‹ abermals auf der Bühne steht, ist mehr, als man von vielen anderen Konzerten erwarten kann. Besser als bei Steven Wilson wird es zur Zeit eben wirklich nicht.

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