Wytch Hazel: Satan hat Sendepause

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Wytch Hazel: Satan hat Sendepause

Das Gegenstück zu den schwedischen Rock-Antichristen Ghost heißt Wytch Hazel, kommt aus England und zeigt mit III: PENTECOST, dass es letztlich keinen Unterschied macht, ob man dem da oben oder dem da unten huldigt.

Warum kommt der Teufel in der Rockmusik eigentlich immer so gut weg? Auf ihrem dritten Album III: PENTECOST liefern die Hardrock-Minnesänger aus Artus’ Tagen die Antwort: Weil niemand bislang der anderen Seite derart griff ige Songs auf den Leib geschrieben hat. Damit wollen Wytch Hazel aufräumen.
Quasi als Antithese zu den okkulten Satansrockern von Ghost verpacken sie die frohe Botschaft der Bibel in süffige, griffige Hymnen zwischen Thin Lizzy, Ghost und den frühen Scorpions.

Doch so ernst Sänger, Gitarrist und Komponist Colin Hendra seinen christlichen Glauben als Anhänger der Pfingstbewegung auch nimmt: Er will nie der moralisierende, priesterliche Gutmensch sein, der alle
mit seinem Glauben in den Wahnsinn treibt. „Ich würde mich als ziemlich entspannt und liberal bezeichnen“, sagt der Engländer. Ergo hat er auch kein Problem mit all den bösen Buben des Rock’n’Roll. „Wenn man diese Musik schon so lange hört, verliert sie ihren okkulten Schrecken. Meine Oma würde Black Sabbath vielleicht als Inbegriff des Bösen bezeichnen, aber ich finde sie großartig. Außerdem ging es mir immer schon um die Musik, nicht um das Image.“

Mit einer Nummer wie ›Archangel‹ zeigen Wytch Hazel clever, dass man das diabolische Ghost-Game auch ganz einfach umkehren kann. Ganz ohne Teufel und Verdammnis. Entsprechend fromm auch die Kernbotschaft von III: PENTECOST: „Dem Titel entsprechend, geht es um die Ankunft des heiligen Geistes bei den Jüngern Jesu. Und somit um den Beginn der spirituellen Kriegsführung“. Es macht eben gar keinen großen Unterschied, auf welcher Seite man steht: Am Ende kämpft doch immer wieder das Gute gegen das Böse. Oder andersrum. Wytch Hazel vertonen diese Schlacht ziemlich unterhaltsam
– und beeindruckend detailverliebt: Ein ganzes Jahr schraubte Colin Hendra nach Abschluss der Aufnahmen noch an den Stücken herum.


Als Perfektionist würde er sich dennoch nicht bezeichnen. „Zumindest nicht immer. Wenn es um die Musik geht, tendiere ich aber dazu, alles zu zerdenken. Das ist nicht leicht, aber ich habe den Drang, immer besser zu werden.“ Zum Glück hat er aufgehört, bevor III: PENTECOST zu Tode analysiert und poliert wurde. So stehen die Stücke für sich, starke Beispiele englischer Hardrock-Denkmalpflege. „Am Ende konnte ich das Album nicht mehr sehen“, lacht er. „Ich hatte zwei Jahre damit verbracht und es
immer noch nicht veröffentlicht. Es wurde dann wirklich Zeit, alles abzuschließen.“ Hat er geschafft. Und leistet nicht nur mit der Durchnummerierung seines bisherigen Werks einen Beitrag zur Rockgeschichte seines Landes. Ganz gleich, ob nun für Gott oder Satan. Hauptsache, es funktioniert.

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