Trveheim Festival Vol. 4: München/Hallbergmoos, 23.-24.08.

Titelbild (c) Trveheim 2019Bereits zum vierten Mal öffnete das ausverkaufte Trveheim seine Pforten…

Schon die letzten Ausgaben des Festivals haben untermauert, dass hier Leidenschaft, Hingabe und jede Menge gute Heavy Metal-Laune zusammenkommen. Das hat man bereits am Donnerstag vor dem eigentlichen Festival-Start gespürt. Schon am Mittag erreichten einige Besucher das Gelände und konnten es kaum erwarten, endlich loszulegen. Auf der Pre-Party im Biergarten vor der Halle ist dementsprechend viel los und das für ein Festival wirklich günstig angebotene Bier findet zahlreiche Abnehmer.

Freitag:

Viele Festival-Besucher kennen das ja: Nach einer kurzen Nacht im Zelt muss eine gute Essensgrundlage her. Bis man dann aber hochkommt und etwas Essbares findet, kann das dauern. Hier verschafft das Trveheim-Team Abhilfe: Mit Traktor, einer Gulaschkanone voller frischer Weißwürste, Wiener und Brezen sowie einem Anhänger mit Bier und Likörausschank fahren die Organisatoren über den Campingplatz und verkaufen ihr zünftig-bayerisches Frühstück. Nach der halbstündigen Verdauung der Mahlzeit – Sicherheit geht vor! – geht es auch gleich ab zum Badesee, denn die Location bietet einen naturbelassenen See mit großer Liegewiese. Da ideale Sommer-Temperaturen das Thermometer regieren, stellt sich bei vielen sofort ein wohliges Urlaubsgefühl ein.

Trveheim 2019
(c) Michael Wolf

Neben diesem ganzen idyllischen Luxus sind die Bands natürlich mindestens genauso von Bedeutung. Besonders dieses Jahr merkt man, dass es nicht nur darum geht, alte Legenden zu feiern, sondern auch der neuen Generation eine große Bühne beziehungsweise vor allem Chance zu geben, sich zu beweisen. Die jungen Wasted Act aus Göttingen haben die Ehre, das Festival zu eröffnen und zeigen mit zackigen Riffs und gutem Gitarren-Zusammenspiel, dass es der neuen Metal-Riege nicht an Qualität mangelt. Gleiches gilt für die Schweizer Sin Starlett und Lyzzärd, die dem Publikum schon früh ordentlich einheizen.

Aber auch von der alten Garde gibt es wunderbare Klänge zu hören, so spielen Jameson Raid eine würdige letzte Show und lassen sich und ihre bekannteste Hymne ›Seven Days Of Splendour‹ gebührend verabschieden. Glacier und Madmax werden ebenfalls von allen Seiten gefeiert und machen es dem heutigen Co-Headliner Tokyo Blade fast ein wenig schwer. Die Briten schlagen sich aber trotzdem wacker und setzen dem hohen Niveau mit ihren Hits wie ›Night Of The Blade‹ oder dem finalen ›If Heaven Is Hell‹ noch ein kleines Krönchen auf.

Zu später Stunde ist es dann endlich Zeit für den von so vielen mit Freude erwartenden Freitags-Headliner und es zeigt sich: Enforcer gelten nicht zu unrecht als große Hoffnungsträger der zeitgenössischen Metal-Landschaft. Mit ihrem neuen Album ZENITH spalteten sie zwar heuer die Fan-Meinungen, aber nichtsdestotrotz sind sie eine fantastische Liveband. Auch wenn die Meute vorher schon etwas entkräftet wirkte, schaffen es die Wikstrand-Brüder und Co., den Festivaltag mit ihren Hits ›Take Me Out Of This Nightmare‹ oder ›Midnight Vice‹ – welche viele junge Oldschooler seit frühester Zeit in der Szene begleiten – nochmal einen draufzusetzen. Wer danach noch stehen kann, der verausgabt sich auf der Aftershow-Party, für den Rest ist erst mal Kräfte sammeln für den nächsten Tag angesagt.

Enforcer Trveheim 2019 live
(c) Tom Wicked

Samstag:

Nachdem der Frühstücks-Traktor wieder alle auf dem Camping-Ground versorgt hat, öffnet sich in der Halle wieder der Bühnenvorhang. Den Beginn machen die polnischen Newcomer Aquilla, die ein stimmiges und sehr präzis gespieltes Set abfeuern. Kaum zu glauben, dass die Mitglieder noch alle unter 20 sind und schon so professionell auftreten. Weiter geht’s mit den netten Balinger-Jungs von Defender. Diese legen einen so fulminanten Sprint-Start hin, dass der Sänger/Gitarrist prompt beim Herausrennen ausrutscht, den Boden küsst und sich dabei eine Saite entzwei reißt.

Davon abgesehen sorgt die Truppe für Wackelköpfe und Fäuste in der Luft. Die Ösi-Band Roadwolf punktet ebenfalls mit knackigem Sound und einem gut aufgelegtem Frontmann. Hitzebedingt geht es danach aber wieder an den Badesee. Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Biergarten ruft die Halle für den Gig von Witch Cross. Zuvor hörte man Gerüchte, dass die Band nicht gut in Form sei, aber was diese dann auf die Bühne zaubert, lässt die meisten Kritiker verstummen. Die Dänen legen mit ›Night Flight To Tokyo‹ motiviert los und schaffen es sogar, am Ende mit dem fantastischen ›Rocking The Night Away‹ den jungen Männern in der ersten Reihe die T-Shirts „wegzublasen.“ So stehen nun viele Fans oberkörperfrei, mit wedelnder Bekleidung in der Hand, in der Menge.

Als nächstes Band-Schmankerl kommen Stallion auf die Bühne und das diesjährige Trveheim findet seinen Höhepunkt. Die in der Szene bekannten und immer gern gesehenen Speed Metaller vom Bodensee liefern jedes Mal eine Show ab, die an Energie und guter Laune nur schwer zu toppen ist. An einem Festival, das im Grunde ein Wochenende von Fans für Fans ist, passt es außerdem wie die Faust aufs Auge, dass eine Gruppe, die aus waschechten Metal-Maniacs besteht, dem Rest der Veranstaltung die Show stiehlt.

(c) Petr Kolar

Danach müssen viele im Camp oder Biergarten erst mal wieder die Batterien aufladen. Als später Stormwitch an der Reihe sind, macht sich zum ersten Mal Skepsis breit. Bereits im Vorfeld wurde der Auftritt kontrovers diskutiert, da Chef-Sänger Andy Mück seine Band komplett durch neue, weitaus jüngere Musiker ausgetauscht hat, jedoch den alten Kollegen den Facebook-Zugang der Bandseite offen ließ und diese ihren verständlichen Missmut ins Netz stellten. Soviel Wirbel, wie die Band in der Gerüchteküche produziert hatte, hat ihr Gig dann wiederum nicht inne. Alles wird sauber heruntergespielt und wer sich speziell auf die Lieder des WALPURGIS NIGHT Albums gefreut hatte, wird bedient.

Eine kurze Umbaupause später ist es dann Zeit für das große Finale. Wer hätte schon gedacht, die kultigen Riot V einmal in einem bayerischen Konzertstadl sehen zu können? Die New Yorker haben ›Take Me Back‹, das epische ›Bloodstreets‹ und auch ihre Über-Hits ›Warrior‹ und ›Thundersteel‹ im Programm und werden von allen Seiten bejubelt. Kurz vor Ende der Show kommt es zu einer kurzen Zwangspause aufgrund technischer Probleme, danach ist es leider für Sänger Todd Michael Hall nicht mehr möglich, seine Bühnen-Vocals durch die In-Ear-Ohrstöpsel zu hören. Wie ein Rohrspatz meckert er deswegen nach jedem der restlichen Lieder darüber. Mag sein, dass in Bayern gerne „gegrantelt“ wird, aber live läuft das Leben halt manchmal anders als man denkt. Oft hilft da nur: Professionell bleiben. (Zwinker-Smiley). Das sollt aber die Stimmung nicht beeinträchtigen, denn Riot V liefern trotzdem eine sensationelle Headliner-Show ab und am Ende des Festivals sind sich alle einige, dass das Trveheim wieder ganze Arbeit geleistet hat. Da bleibt nur zu sagen: Auf dem Trveheim, da fühlt sich der Heavy Metal wie daheim.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here