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    Titelstory: 1979 – Motörheads BOMBER

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    Titelstory: 1979 – Motörheads BOMBER

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    Startklar: Gerade aus einem finnischen Gefängnis entlassen, kehrten Motörhead nach England zurück, weil sie einen Nachfolger zu ihrem Hitalbum OVERKILL aufnehmen mussten – und zwar schnell. BOMBER blies mit Pauken und Trompeten zum Sturm auf die Charts.

    In jenem heißen Sommer 1979 standen Motörhead mächtig unter Druck. Ihr zweites Album OVERKILL war gerade ihr erstes geworden, das es in die britischen Top 30 geschafft hatte, und Lemmy hätte vor Freude in seinen schmutzigen weißen Stiefeln umherhüpfen müssen. Sie waren sogar zweimal bei „Top Of The Pops“ aufgetreten und über Nacht von „der schlechtesten Band der Welt“ (O-Ton „NME“, 1978) zur coolsten Rockgruppe des Planeten geworden. Na ja, zumindest der coolsten in Großbritannien. Doch statt zufrieden zu sein, war Lemmy nervöser denn je.

    Wir saßen draußen vor einem Pub in Notting Hill am Kanal. Es war ein wunderschöner Sommerabend, doch Lemmy war verloren irgendwo in der Dunkelheit in seinem Kopf. „Es ist nicht so, dass ich jetzt mehr Geld hätte“, sagte er, als ich ihm noch mal fünf Pfund borgte (er zahlte seine Schulden übrigens immer zurück). „Wir bekommen nach wie vor alle 40 Pfund die Woche. Nur dass sie [das Label] jetzt ein neues Album noch vor Ende des Jahres wollen. Sie machen sich Sorgen, dass wir nur eine Eintagsfliege sein könnten“, grummelte er. „Ich bin seit 15 Jahren in Bands und hatte meinen ersten Hit 1972 mit Hawkwind. Doch die Plattenfirma und die Veranstalter glauben immer noch, das sei alles nur Glück gewesen – und dass es uns bald ausgehen werde. Fuck them.“

    Lemmy war immer gut darin, sich kämpferisch zu geben. Doch Fakt war, dass er mit dem Rücken zur Wand stand. Der Erfolg von OVERKILL und der gleichnamigen Single hatte alle überrascht – inklusive Lemmy selbst – und nun spürte er diese Angst, die alle Helden nach ihrem ersten großen Hit empfinden, wenn von ihnen erwartet wird, dass sie einen noch besseren Nachfolger abliefern. Ich versicherte ihm, dass alles besser werden würde, wenn sie erst mal in ein paar Wochen ins Studio und an die Arbeit gehen würden. „Nun, es wird uns wohl davon abhalten, Mist zu bauen“, sagte er finster.

    Er und die Band wären gerade nach drei Tagen in einem finnischen Knast nach England zurückgekehrt, wie er erklärte. Man hatte sie am Flughafen in Helsinki festgenommen, als sie nach dem Punkaroka Midnight Sun Festival nach Hause fliegen wollten. Die Festivalveranstalter hatten sich an die Polizei gewandt, nachdem sie schockiert gewesen waren von dem Schaden, den Motörhead ihrer Bühne zugefügt hatten. Lemmy hatte den Auftritt damit begonnen, dem Publikum auf Finnisch „Frieden und gute Vibes“ zu versprechen, nur um dann am Ende sämtliches Equipment auf der Bühne zu zerstören.

    Doch der wahre Ärger begann, so Lemmy, als Schlagzeuger Phil „Philthy Animal“ Taylor einen Baum in eine Garderobe geworfen hatte – durch ein Fenster, das Lemmy gerade mit seiner Faust zertrümmert hatte. Dann hatte die Band besagtem Baum „ein Wikingerbegräbnis“ beschert. „Wir zündeten ihn an und schoben ihn auf den See hinaus. Es war in der Abenddämmerung und sah wirklich toll aus. Dann stiegen wir natürlich in den Bus, um zum Flughafen zu fahren, und der Fahrer beging den schrecklichen Fehler, zu sagen: ‚Ihr werdet meinen Bus nicht schmutzig machen‘. Woraufhin natürlich sofort eine Essensschlacht ausbrach… Als wir zur Zollkontrolle gelangten, sagte der Beamte: ‚Folgen Sie mir bitte in diesen Raum…‘“

    Als sie nach 72 Stunden, in denen sie „wie Scheiße behandelt“ worden waren, endlich das Flugzeug nach Hause bestiegen, stürmte der Pilot den Gang entlang zu ihnen und sagte: „Ich habe von euch gehört. Ihr Typen seid eine Schande für die Gesellschaft! Wenn ihr irgendwas in meinem Flugzeug tut, sorge ich dafür, dass in Heathrow die Polizei auf euch wartet.“

    Doch sobald sie in der Luft waren, schaffte es Gitarrist „Fast“ Eddie Clarke irgendwie, einen sehr großen Wodka-Orangensaft der Passagierin vor ihm in den Kragen zu schütten. „Wir dachten aber nicht, dass das so schlimm sei“, sagte Lemmy. „Doch sobald wir in Heathrow ankamen, sahen wir all diese Polizisten auf dem Rollfeld. Wir dachten: ‚Oh nein, jetzt sind wir gefickt‘. Aber stattdessen verhafteten sie den Kapitän – er war betrunken! Wenn das keine Ironie war.“

    Das war Ende Juni gewesen. Bis zum Reading Festival im August hatten sie keine Auftritte gebucht, also verbrachten sie den Rest des Sommers damit, so schnell wie möglich den Nachfolger zu OVERKILL aufzunehmen.

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