The Who: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle (12.09.2016)

-

The Who: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle (12.09.2016)

- Advertisment -

Daltrey, Townshend & Co. zelebrieren ihren Mythos

„Come on the amazing journey and learn all you should know!“ So heißt es in ›Amazing Journey‹, einem der Schlüsseltracks von TOMMY – die Zeile taugt als Motto für diese rund 140 Minuten in der brütend heißen und mit zehntausend Menschen gesteckt vollen Stuttgarter Schleyerhalle. Zwar haben die meisten der mehrheitlich ergrauten Konzertbesucher in diesem Leben nicht mehr allzu viel zu lernen, wer jedoch einen gerafften Überblick über das haben mochte, was The Who bedeuten, wofür sie seit fünf Jahrzehnten stehen und wie sie die bis heute gültige DNA der Rockmusik geprägt haben, der war an diesem Abend und an diesem Ort genau richtig aufgehoben.

In prächtiger Spiellaune und offenbar bester körperlicher Verfassung präsentieren Pete Townshend (71) und Roger Daltrey (72) einen Querschnitt der kreativen Who-Geschichte (auch wenn Letzterer in unglücklichen Momenten inzwischen optisch an den späten Dieter Thomas Heck erinnert). Begleitet von den seit Jahren bewährten Sidemen Zak Starkey (Drums), Pino Palladino (Bass), Simon Townshend (Gitarre) sowie drei Keyboardern, eröffnen die Londoner ihren Set mit ›Who Are You‹, gefolgt von einem aggressiven 60s-Block (mit ›The Kids Are Alright‹, ›My Generation‹ und ›I Can See For Miles‹).

Next Stop: das legendäre LIFEHOUSE-Projekt, dem der Albumklassiker WHO’S NEXT entsprang, gekrönt von der selten live gespielten 1972er-Single ›Join Together‹. Die folgende Stunde bleibt den Konzeptwerken QUADROPHENIA und TOMMY vorenthalten.
Emotionaler Höhepunkt: die grandiose Lesung von ›Love, Reign O’er Me‹. Zum Ende dann das unverwüstliche ›Baba O’Riley‹ und, natürlich, ›Won’t Get Fooled Again‹ mit fahrig verdaddeltem Finale. Egal, eine Prise Chaos gehört zur amtlichen The-Who-Experience nun mal dazu.
Das Beeindruckende an diesem Abend ist indes der Umstand, dass diese beiden alten Fahrensmänner nicht nur eine über alle Zweifel erhabene Performance liefern, sondern darüber hinaus durch die subtile Songauswahl mit Juwelen wie ›Behind Blue Eyes‹, ›Relay‹ und ›I’m One‹ auch Townshends alte Leitthemen – Kindheitstraumata, Selbstzweifel und nicht zuletzt der virtuelle Totalitarismus, den er schon in LIFEHOUSE prophezeite – wie einen Roten Faden in den Abend einflechten.
Eine weitere Zeile aus ›Amazing Journey‹ lautet: „Each sensation makes a note in my symphony“. Wohl wahr, ein Repertoire voller Sensationen, ein Gesamtwerk wie eine Symphonie, eine Setlist, die diesen Mythos dynamisch und klug erzählt. Und zwei Veteranen, die mit sich und ihrer Kunst im Reinen sind. Prädikat: Historisch!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Mötley Crüe: Mash-Up mit Martha and the Vandellas

Manchmal passen ja gerade die Dinge zusammen, die nicht zusammengehören: Manch einer schwört auf Essiggurken mit Schokolade. Etwas verdaulicher...

Werkschau: Unser Album-Guide zu Jimi Hendrix

Der Rockgitarrist schlechthin. Legendär! Revolutionär! Stilprägend! Darf in keiner Plattensammlung fehlen. Wir geben Entscheidungshilfe. Unverzichtbar ARE YOU EXPERIENCED (Polydor, 1967) 1967 war...

Meilensteine: Pink Floyds exzentrischer Auftritt bei „Games For May“

12. Mai 1967: Pink Floyd veranstalten das Happening Games For May in der Queen Elizabeth Hall. Seit das von Frontmann...

Was machen eigentlich Praying Mantis?

TIME TELLS NO LIES von Praying Mantis feiert heuer 40-jähriges Jubiläum. Einen Geburtstag, den das sogenannte NWOBHM- Genre schon...
- Werbung -

The Dead Daisies: Neue Single ›Like No Other‹ mit Videospiel

Die Dead Daisies legen die Latte ein Stück höher. So wird ihr letztes Album HOLY GROUND nicht nur von...

So klingt CLASSIC ROCK #100

In unserer immer aktuell zusammengestellten Playlist des Monats hört ihr, wie die aktuelle Ausgabe von CLASSIC ROCK, unsere Jubiläumsausgabe,...

Pflichtlektüre

KISS

Wenigstens können Paul Stanley und Gene Simmons über das...

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 1

Ja ist denn heut schon Weihnachten?! Nicht ganz, aber...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen