The Darkness im Interview: Exodus aus dem Albumland?

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The Darkness im Interview: Exodus aus dem Albumland?

by Frank C. Duennhaupt
EASTER IS CANCELLED ist das erste Konzeptalbum von The Darkness. Es glänzt mit gereiften musikalischen Arrangements, einem mehr oder minder erkennbaren roten Faden, Parallelwelt-Theorien, ikonographischem Coverartwork, Songs über Liegestühle und einem von Justin Hawkins verfassten Pressetext, der vor lauter hochgradig artikuliertem Kokolores erst mal die Gehirnzellen zum Schmelzen bringt. Als es schließlich Zeit ist, nochmal persönlich bei dem Frontmann nachzuhaken, entwickelt sich ein anfangs witziges Interview schließlich in eine fast schon besorgniserregende Richtung…

Justin Hawkins: „Als wir EASTER IS CANCELLED fertig hatten, fühlte es sich so an, als könnten wir das nicht nochmal tun. Es war wirklich herausfordernd, kostete viel Zeit und Nerven, wir haben uns viel gestritten. Das alles zu wiederholen würde unsere Beziehung innerhalb der Band gerade überstrapazieren. Aber natürlich müssen wir weiterarbeiten und einen Weg finden, uns auszudrücken. Nur wäre der Hexenkessel eines Studios aktuell wohl unser Todesstoß. (lacht) Gerade habe ich überlegt, ob wir nicht vielleicht demnächst ein wenig in Film oder Theater mitmischen sollten. The Darkness werden erneut aufsteigen, vielleicht kommt es auch künftig nochmal zu einem normalen Album, nur gerade können wir uns das eben nicht vorstellen. Wir müssen uns erholen, der ganze Prozess wurde dann doch viel ernster, als wir anfangs angenommen hatten.

Zuerst dachten wir, wir sollten eine Art Motown-Album machen, wo jeder – also wir und unser Team – mitreden kann. Wir wollten im ständigen Austausch sein, jedes Mal, wenn wir ein Demo hatten, den Song allen vorspielen und darüber diskutieren, sodass am Ende ein brillantes Pop-Rock-Album entsteht. Dann haben wir für das erste Lied sechs Wochen gebraucht. (lacht) Danach dachten wir uns: Nee, wir spielen ihnen das nicht vor, wir machen jetzt ein Konzeptalbum. Und so war die Idee mit der Kollaboration schon wieder wie weggeblasen. Eine zusätzliche Herausforderung war unser krasser Perfektionismus: Wir waren höchst akribisch, weswegen wir auch auf jede Note dieses Albums besonders stolz sind und das hatten wir seit unserer ersten Platte nicht mehr so richtig. Jeden Schritt, den wir für EASTER IS CANCELLED genommen haben, war der richtige. Wir haben uns wirklich Zeit gelassen, wir können das jetzt erst mal nicht nochmal machen. (lacht)

Keine Ahnung für wie lange, das wird sich zeigen. Aber die Wahrheit ist: Wenn du ein Album einmal so aufgenommen hast, gibt es kein Zurück mehr. So nehmen wir jetzt halt wohl unsere Platten auf. Wollen wir also noch eine machen? Fuck, nein! (lacht) Aber keine Sorge, wir werden natürlich weiterhin auf Tour gehen und einen anderen Weg finden. Trotzdem ist das hier Blut auf Vinyl, verstehst du. Da ist persönliches Zeug drin, Sci-Fi, alles zu einem Konzept geformt. Wir haben es geschafft, Lieder zu schreiben, die wir lieben und gerne live spielen werden, das ist echt befriedigend. Also, um es zusammenzufassen: Begrenzte Ressourcen, unbegrenzt viel Zeit. Jedes Instrument, das du hier hörst, haben wir selbst eingespielt. Wir sind so weit gegangen bis wir nicht mehr weiter konnten. (lacht) Dazu mussten wir viel bearbeiten, was auch wieder eine Herausforderung war. Alles, was drin sein muss, ist da, alles andere ist rausgeflogen. Es kann natürlich sehr schmerzhaft sein, wenn du eine Idee hast, die du wirklich liebst und jemandem anders in der Band gefällt sie nicht und sie fliegt raus.

Das tut weh und kann sich ziemlich negativ auf Beziehungen auswirken. Das ist komplex, weil es so persönlich ist, doch damit müssen wir umgehen lernen. Am Ende sind Aufruhr und Kampf wohl nun mal ein Teil des Ganzen. Ein Freund von mir meinte mal, er meditiere, bevor er Songs schreibt. Und ich fragte nur: Wozu zur Hölle soll das denn gut sein? Du gehst in eine Schreib-Session mit nichts im Kopf? Wenn dich etwas aufregt, schreibst du erst das Lied und dann meditierst du. Das ist zumindest meine Meinung. Der Kampf ist Teil des Prozesses und man sollte es auch persönlich nehmen, denn nur so weißt du, dass du an die Dinge, für die du kämpfst, auch wirklich glaubst. Das ist natürlich gefährlich, weil wir uns am Ende vielleicht einfach nur hassen werden, aber das wäre es wert, weil wir so bessere Musik machen.“

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