Rückblende: The Byrds – ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹

The Byrds So You Want To Be A RocknRoll StarEher ein unbedeutender Klassiker, dieser unbeschwerte Seitenhieb auf die oberflächlichen Machenschaften der Popindustrie in den 60ern. Und wenn man die Band 1965 live in Bournemouth gesehen hat, ist man selbst wahrscheinlich sogar auf der Aufnahme zu hören.

18 Monate können im Showbusiness eine lange Zeit sein. Im Frühjahr 1965 ex­­plodierten die Byrds im öffentlichen Bewusstsein mit ihrem glockenklaren Cover von Dylans ›Tambourine Man‹ und führten die Spitzen der Charts auf beiden Seiten des Atlantiks an. Ge­­feiert als Offenbarung des Folk Rock, war die Band auf einmal bei 40 der größten Radiosender in Amerika und Europa zu hören, erschien im Fernsehen und prangte auf dem Titel von Teenie-Magazinen. Später, im Jahr 1966, hatte sich all das jedoch verändert. Nach einem Erfolgslauf und dem Eintauchen in die manische Welt der Plattenfirmen, galten die Byrds nun nicht mehr länger als verlässliche Hitmaschinen.

„Damals, als wir anfingen, haben wir ,A Hard Day’s Night‘ [den Beatles-Film] angesehen und waren völlig hin und weg“, erklärt Bassist Chris Hillman. „Und dann passierte das alles wirklich. Wir fingen an, live zu spielen und Mädchen liefen uns hinterher und sprangen auf unsere Autos. Aber innerhalb von zwei Jahren glichen wir plötzlich abgestumpften, alten Männern, die das Ganze schon ein paar Mal zu oft erlebt hatten. Das war irgendwie skuril.“

Hillman und Leadgitarrist Roger McGuinn ließen ihrem Zynismus in ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹ freien Lauf. Der Song fungierte als zweiminütige Anleitung zum großen Ruhm über Nacht, ein einreduzierter Leitfaden zum Popstartum inklusive essentieller Checkliste: E-Gitarren, die richtige Frisur, enge Hosen und geldgeile Agenten. „Wir wurden so schnell berühmt, dass es uns ein wenig zu Kopfe stieg“, gibt McGuinn zu. „Aber in den späten 60ern und den frühen 70ern waren wir aus dem Geschäft draußen. Wir waren bei Chris zuhause, sahen ein paar Teenie-Zeitschriften durch und lachten uns schlapp über all diese „One-Hit-Onders“, die in der nächsten Woche schon wieder in der Versenkung verschwunden sein würden.“ ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹ wurde am 9. Januar 1967 veröffentlicht, am selben Tag, als die zweite LP MORE OF THE MONKEES von den Monkees erschien. Das mag vielleicht purer Zufall gewesen sein, aber es hätte keine bessere Zielscheibe für die knochentrockene Kritik der Byrds am Fabrik-Pop geben können, als jene Band, die oft als die „Prefab Four“ verspottet wurde.

Die Monkees besetzten damals die Hauptrollen in ihrer eigenen und überaus beliebten Fernsehsendung und sonnten sich im Erfolg einer Reihe von Superhits, die sie hauptsächlich der Arbeit von guten Studiomusikern zu verdanken hatten.

„Der Song war ein kleiner Seitenhieb – nicht zwingend auf die Monkees als Personen, die nutzten ja einfach nur die Ge­­legenheit, um gutes Geld zu machen. Eher darauf, wie gekünstelt das Ganze war“, sagt Hillman. „Roger und ich schrieben nicht offenkundig über The Monkees. Meiner Meinung nach zielten wir mehr auf Hollywood und den kriecherischen, kontrollsüchtigen Prozess dahinter ab. Darauf, wie jegliche Seele und Tiefe aus dem Rockband-Erlebnis entfernt wurde. Das machte es einfach zu süßlich, zu sauber und zu hübsch. Seit den 50er-Jahren gab es diese Fertig-Popmusik wie den Song ›Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polkadot Bikini‹. Das läuft alles nur auf eines raus: Profit.“

„Das ganze Lied war eher ironisch gedacht. Es war keine verbitterte Verdammung des Musikgeschäfts, wir fanden es einfach lustig. Es war ein oberflächliches Beatles-Ding.“ (Roger McGuinn)

„Manche Leute denken, ›Rock­’n’Roll Star‹ wäre über die Monkees, aber für mich war das nie so“, stimmt McGuinn seinem Kollegen zu. „Ich war mit ihnen befreundet – ich kannte Peter Tork und Mike Nesmith, wir hingen zusammen rum – also wollte ich echt nicht auf den Monkees rumreiten. Das ganze Lied war eher ironisch gedacht. Es war keine verbitterte Verdammung des Musikgeschäfts, wir fanden es einfach lustig. Es war ein oberflächliches Beatles-Ding.“ Auf musikalischer Ebene waren der Motor des Songs Hillmans treibende Bassline, üppige Harmonien und das ausgeprägte Geläut von McGuinns zwölfsaitiger Rickenbacker. Mit an Bord war außerdem der südafrikanische Musiker Hugh Masekela, dessen wogende Trompetenstöße zu dem Gefühl von ansteigender Hysterie beitrugen. Hillman, der vorher eher wenig kreativen Input lieferte, fühlte sich nach einer Session mit Masekela dazu inspiriert, mehr für die Byrds zu schreiben.

„Was wir da zusammen mit Hugh schufen, war eher eine Art von leichtem Jazz“, erklärt er. „Es war großartig, alle bei der Session waren südafrikanische Musiker. Als ich nach Hause kam, öffneten sich die Schleusen und ich schrieb ›Time Between‹, danach hatte ich noch eine Idee und daraus wurde das Riff von ›Rock’n’Roll Star‹. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Masekela dafür ein wichtiger Einfluss war.“ In der Zwischenzeit hatte eine weitere südafrikanische Ikone auf McGuinn abgefärbt. Vor seiner Byrds-Zeit war er mit der Sängerin Miriam Makeba als Mitglied des Chad Mitchell Trios getourt. „Ich zeigte Chris dieses Lick, das ich von Makebas Gitarristen Millard Thomas ge­­lernt hatte. Das war ein echt cooles südafrikanisches Riff“, erinnert er sich. „Chris und ich fanden es beide total gut und beschlossen, es als musikalische Basis für den Song zu nehmen.“ Dieses Zitat von Millard Thomas zieht sich durch die ganze Bridge, welche mit dem anschwellenden Ge­­kreische einer Horde Teenager endet. McGuinn hatte ihren PR-Agenten Derek Taylor damit beauftragt, die Fans bei einigen Gigs ihrer UK-Tour im August 1965 aufzunehmen.

Das auf ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹ zu hörende Gejubel stammt aus dem Bournemouth Gaumont. „Ich dachte mir, dass es interessant wäre, die kreischenden Fans von einer der Shows in den Song einzubinden“, sagte McGuinn. „Während wir aufnahmen, dachte ich mir, dass wir es nach der Zeile „The girls’ll tear you apart“ einbauen könnten. Diese Teenies konnten wirklich komplett durchdrehen, sie schmissen sich auf dich drauf oder versuchten, dir ir­­gendetwas zu entreißen, das sie als Souvenir behalten konnten. Manchmal war das direkt angsteinflößend. Einmal stahlen sie mir meine Brille mit den kleinen, quadratischen Gläsern direkt vom Gesicht herunter.“

Leider entwickelte sich der Klang der jubelnden Massen zum vergänglichen Echo für die Byrds. Trotz einer großen Promo-Konzert-Aktion, die in Italien, Deutschland, Schweden und Großbritannien (inklusive eines Auftritts bei „Top Of The Pops“ im März ’67) stattfand, schaffte es ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹ nicht in die Charts. Zuhause in den US erging es dem Song besser: Dort konnte er sich gerade so in die Billboard Top 30 schleichen, was jedoch auch keinen spektakulären Erfolg darstellte. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehungszeit bleibt ›So You Want To Be A Rock’n’Roll Star‹ ein satirischer Klassiker von un­­tergeordnetem Rang. „Ich habe diesen Track immer geliebt“, erklärt Hillman abschließend. „Wir haben damit den Nagel auf den Kopf getroffen.“